Immobilien

Europace Hauspreisindex Immobilienpreise in Deutschland fallen deutlich – aktuelle Daten

Die Immobilienpreise in Deutschland fallen im Oktober deutlich. Heute veröffentlichte Daten zeigen fallende Preise in allen Teilsegmenten.

Architekt vor einem Haus

Es gibt aktuelle Daten. Aber schauen wir zunächst auf die Gesamtlage. Die Immobilienpreise in Deutschland fallen seit Juli nach einer mehr als zehn Jahre andauernden Rally, die von auf Null gesenkten Zinsen der EZB angetrieben wurden. Jüngst bestätigen auch die Pfandbriefbanken die fallenden Preise. Auch die massiv rückläufigen Baufinanzierungen sind ein klares Indizes für den aktuell laufenden Einbruch am Immobilienmarkt. Nicht nur, dass die Bauzinsen dank der EZB jahrelang im Keller waren. Anleihen waren als Geldanlage unattraktiv, und gigantische Mengen an Investorengeldern flossen auf der Suche nach Rendite in Aktien und Immobilien – was letztlich die Immobilienpreise immer weiter antrieb. Aber weil die EZB seit Juni den Leitzins schnell angehoben hat von 0 auf 2,0 Prozent, und weil der Trend weiter bergauf geht, fallen die Preise seit Juli. Dazu kommt die allgemein hohe Inflation und hohe Baukosten.

Bauzinsen und Baukosten massiv gestiegen – hohe Inflation

Bauzinsen (10 Jahre Sollzinsbindung) lagen zu Jahresanfang bei 1,00 Prozent – laut Interhyp liegt das Niveau jetzt bei 3,90 Prozent. Für viele private wie auch gewerbliche Käufer und Bauherren werden Immobilien damit unerschwinglich beziehungsweise unrentabel als Renditeobjekte – auch wenn man dazu die sehr hohen Preise, Baukosten und die hohe Inflation einbezieht. Daher bricht die Nachfrageseite ein, und Eigentümer von Immobilien finden keine Käufer. Logischerweise sinken dann die Immobilienpreise, weil die Verkäufer ihre Objekte damit für Kaufinteressenten wieder attraktiver machen möchten. Und genau das sehen wir seit Juli in Form fallender Preise.

Europace Hauspreisindex zeigt deutlich fallende Immobilienpreise

Der Europace Hauspreisindex wurde heute veröffentlicht. Er zeigt für Oktober sinkende Immobilienpreise in allen drei Segmenten. Der Gesamtindex fällt im Vergleich zum Vormonat um 1,26 Prozent auf 219,04 Indexpunkte. In den beiden Vormonaten waren es Rückgänge um 0,51 und 0,25 Prozentpunkte. Im Vorjahresvergleich stiegen die Preise noch um 4,52 Prozent. Im Vergleich zum Vormonat fallen die Preise für Eigentumswohnungen im Oktober mit 2,01 Prozent am stärksten. Für neue Ein- und Zweifamilienhäuser sinken die Preise um 0,25 Prozent leicht. Der Europace Hauspreisindex für Bestandsimmobilien fällt um 1,55 Prozent.

Die Immobilienpreise sind klar im Rückwärtsgang befindlich. Dazu sagt Europace aktuell, im Wortlaut: Der Europace Hauspreisindex zeigt auch im Oktober den volatilen Immobilienmarkt mit sinkenden Preisen, vor allem für bestehende Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Eigentumswohnungen. Das Segment neue Ein- und Zweifamilienhäuser verzeichnet mit einem leichten Plus im September und einem leichten Minus im Oktober recht stabile Preise. Die Zinsen sorgen aber dafür, dass die Machbarkeiten in der aktuellen Situation zurückgehen. Nichtsdestotrotz bleibt die Investition in die eigenen vier Wände sinnvoll”, erklärt Stefan Münter, Co-CEO und Vorstand von Europace, den Hauspreisindex.

Europace Hauspreisindex zeigt die Entwicklung der Immobilienpreise seit 2017

Steigender EZB-Leitzins drückt gegen Immobilien

Der folgende TradingView Chart zeigt die Entwicklung im EZB-Leitzins seit dem Jahr 2010. Von 2016 bis zum Sommer 2022 bei exakt 0,00 Prozent, ist der Leitzins binnen weniger Monate auf 2,00 Prozent gestiegen, und wird bald noch weiter steigen, so zeigen es ganz klar die Aussagen der EZB-Direktoren. Dies übt auch weiter Druck aus auf die Bauzinsen, und damit auch auf die Immobilienpreise. Auf sie wird damit weiter Abwärtsdruck ausgeübt.

Chart zeigt EZB-Leitzins seit dem Jahr 2010

Der Europace Hauspreisindex basiert laut Europace auf tatsächlichen Immobilienfinanzierungs-Transaktionsdaten des Europace Finanzierungsmarktplatzes. Über Europace werden mit mehr als 70 Milliarden Euro jährlich über 20 Prozent aller Immobilienfinanzierungen für Privatkunden in Deutschland abgewickelt.



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8 Kommentare

  1. Ups, das ist aber jetzt erschreckend.
    1,26 % Verlust zum Vormonat. 4,56 % Gewinn zum Vorjahr?
    Wer also vor 2 Jahre gekauft hat, hat noch 15 % Gewinn?
    Wenn ich mal die in der Zwischenzeit von den Mietern erbrachte Tilgung unberücksichtigt lasse, haben Käufer die vor 3 Jahren gekauft haben, weit über 20 % Wertzuwachs?
    Wieviel gab es in der Zeit aufs Sparbuch?

    Tip: die Auftragslage für die Bauunternehmen und allen anderen am Bau Beteiligten ist ist in den nächsten Monaten wirklich desaströs. Also wer noch was plant, antizyklisch denken.
    Die Baukosten werden fallen.

    So wie ich die Politik einschätze, werden absehbar eine Menge Fördergelder bereit gestellt. Also beantragt die nötigen Baugenehmigungen. Wenn kleine Handwerksbetriebe darum kämpfen ihre guten Leute zu halten, werden sie auch günstige Preise machen.

    Einfamilienhäuser werden nur noch vereinzelt in Auftrag gegeben.
    Investoren die Doppelhäuser/ Mehrfamilienhäuser bauen, wissen nicht wie teuer ihr Bau wird und ob es jemand abkauft. Also auch die ziehen sich ein Stück weit zurück.
    Gewerbebetriebe sind auch erheblich vorsichtiger mit dem Vergeben neuer Aufträge, da die Finanzierung schwieriger geworden ist und die Amortisationszeit schwer absehbar geworden ist.
    Die öffentlichen Auftraggeber müssen zuerst die Kosten für Flüchtlinge und Heizkostensteigerungen überblicken können, bevor sie wieder investieren.
    Also eine gute Zeit für den, der noch Pläne hat und genügend Eigenkapital.

  2. Pingback: Aktuelles vom 15.11.2022 | das-bewegt-die-welt.de

  3. Wo sind die Zahlen für DE? Überschrift irreführend! Hauptsache Sensation, oder?

  4. @ HD
    Verstehe ich Ihren Kommentar richtig, daß Sie empfehlen, aktuell eine Finanzierung abzuschließen und eine Immobilie zu erwerben bzw. zu bauen ?
    Auf der einen Seite kann dieser Hinweis wirklich gut sein, denn die Bauzinsen werden vermutlich noch weiter steigen.
    Allerdings gebe ich zu bedenken, daß wir hier in Deutschland in einer wahren Immo-Blase seit Jahre leben, aufgrund der 0-Zins-Politik. Dementsprechend haben sich die Hauspreise auch absolut gen Himmel bewegt. Nun ist es Zeit, die Luft aus dieser Blase herauszulassen. Die Preise werden also fallen, werden deutlich fallen. Und das auch auf längere Sicht. Bedeutet, ich würde jetzt etwas bauen, was in einem Jahr objektiv wesentlich weniger Wert hat. Kein gutes Invest.

  5. Jumping: nein, ich wollte sagen, dass diejenigen die noch bauen wollen, sich jetzt keine zu großen Sorgen machen sollten. Den Handwerkern werden viele Aufträge weg brechen. Und dann haben die Betriebe große Sorgen für ihre besten Mitarbeiter Arbeit zu bekommen.
    Noch werden bestehende Aufträge abgearbeitet.
    In den letzten Jahren haben alle am Bau mitgearbeitet, auch die die eigentlich 2 linke Hände haben.
    Bei Auftragsflauten schickt der Meister die unfähigen Mitarbeiter als erstes nach Hause.
    Die Wahrscheinlichkeit das sie gute Handwerker zu erträglichen Preisen bekommen ist sehr viel größer.

    1. Hallo HD.
      Außer für eine eigengenutzte Immobilie, bin ich auch aus Gründen des Ertrages nicht für Immobilien zu begeistern. Als ich 2014 ein Haus geerbt habe, habe ich es daher sofort verkauft.
      Es ist ja natürlich immer noch vorhanden und dient nun weiter zu Wohnzwecken.
      Ich wollte mir den Stress der Vermietung nicht antun, zumal ich kurz vor dem Rentenalter stand.
      Als wir 2000 nach Spanien ausgewandert sind, haben wir unsere Betriebe und auch die eigengenutzte Immobilie in Deutschland verkauft, und in Spanien was neues gebaut.
      Den Verkaufserlös haben wir hauptsächlich in Edelmetallen angelegt. Sie sollten für unsere private Altersversorgung dienen.
      Das hat auch alles gut geklappt.
      Von der Rendite von Immobilien bin ich auch nicht so überzeugt.
      Unsere Edelmetalle haben sich seit 2000 (in Euro) etwa versechsfacht, und sind seit 2019 um etwa 50 % gestiegen.
      Und alles legal steuerfrei, und ohne Ärger mit dem Steuerberater, Mieter oder dem Finanzamt.
      Und 1 Millionen in Gold haben etwa ein Volumen von etwa 1 Liter. Damit kann man auch mal schnell aus einem Land verschwinden, wenn einem das Umfeld dort nicht mehr passt.
      Aber, keine Frage, Immobilien sind wichtig und auch Immobilien die vermietet werden.
      Aber aus Gründen der Rendite???
      Übringens war das nicht Zufall, dass sie Gold von 2000 bis heute etwa versechsfacht hat im Preis, denn von 1970 bis 2000 hatte es sich auch schon etwa verachtfacht.

      Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  6. Was ich mich jedoch frage:
    Die Nachfrage nach Wohnraum ist ja weiterhin gegeben. Jetzt gibt es weniger Neubau und Sanierung => Somit sind die wenigen Neubauten durchaus interessant. Neubauten sind oft energetisch besser => Wie verhält es sich hier mit Altbauten die deutlich mehr an Energie verbrauchen?
    Zweiter Punkt:
    In den letzten Monaten sind vor allen Dingen die Preise außerhalb der großen Ballungsräume deutlich gestiegen. Die hohen Kosten für Sprit kehren diesen Prozess in meinen Augen wieder ein Stück weit um. Somit wird die Nachfrage in den Städten weiterhin hoch bleiben. Was sin jedoch ändern wird, ist die Größe der Wohnungen und Häuser. Ich denke hier wird alles deutlich kleiner und somit günstiger werden.

  7. Pingback: Real estate prices are already falling in parts of eastern Germany – Enian creation

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