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Immobilienpreise kennen auch in der Coronakrise nur eine Richtung

Hausbau mit Kran

In den ersten Monaten der Coronakrise hatte ich mehrmals über die Immobilienpreise berichtet, und wie sie sich womöglich im Laufe des Jahres 2020 entwickeln könnten. Dabei erwähnte ich die realistische Annahme, dass die Preise spürbar zurückgehen könnten. Denn eine sehr hohe Zahl an Kurzarbeitern, steigende Arbeitslosigkeit und Millionen Solo-Selbständige ohne Beschäftigung würden die Nachfrageseite bei Immobilien einbrechen lassen. Und das hätte doch eigentlich die Immobilienpreise sinken lassen sollen, oder zumindest für ein vorläufiges Ende des Preisbooms sorgen müssen?

Warum die Immobilienpreise trotz Coronakrise immer weiter ansteigen

Nun, dem ist eindeutig nicht so. Gleich kommen wir zu den aktuellsten offiziellen Daten. Aber warum ist der Preisboom nicht abgebrochen, warum geht er sogar ungebremst weiter? Nun, meine kleine Spurensuche geht so. Zum einen pumpen die Notenbanken immer weiter Geld, und drücken damit die Renditen für Staatsanleihen weiter in den Keller. Anleger fliehen weiter in Aktien und Immobilien auf der Hatz nach Rendite. Aber gerade für Deutschland scheint noch wichtiger zu sein: Der Staat hat mit umfangreichen Maßnahmen große Teile (nicht alles) der Volkswirtschaft gestützt. Das Kurzarbeitergeld wurde massiv ausgeweitet. Die Insolvenzregeln wurden so geändert, dass viele Unternehmen, die längst kaputt sind, nicht dicht machen.

Der Staat flutet auch über die KfW die Wirtschaft mit Rettungsgeldern. Selbständige erhalten Zuschüsse. Große Unternehmen erhalten sogar direkt Infusionen in ihr Eigenkapital. Und die Wirtschaft in China ist sehr, sehr schnell wieder angesprungen, was der deutschen Exportindustrie in diesem Horrorjahr schnell wieder Zuversicht gegeben hat. Das waren nur einige Faktoren, die erahnen lassen, weshalb wohl hunderttausende Wohnungsmieter ihre Mieten weiter zahlen konnten, und zahlreiche Häuslebauer die monatlichen Raten für ihre bestehenden Hauskredite weiter bedienen konnten. Daher blieb bislang eine Welle von Zwangsversteigerungen aus. Auf der anderen Seite haben wohl weiterhin solvente Kreditnehmer die immer günstigeren Konditionen genutzt um sich in 2020 Wohnungseigentum anzuschaffen. Und so geht die Hausse immer weiter, und die Immobilienpreise kennen auch in diesem Horrorjahr nur eine Richtung. Es wirkt schon merkwürdig, aber es ist die Realität. Hier die aktuellen Aussagen vom Statistischen Bundesamt im Wortlaut:

Die Preise für Wohnimmobilien (Häuserpreisindex) in Deutschland lagen im 3. Quartal 2020 durchschnittlich 7,8 % höher als im Vorjahresquartal. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, stiegen die Preise für Wohnungen sowie für Ein- und Zweifamilienhäuser gegenüber dem Vorquartal um 2,9 %. Damit verteuerten sich Wohnimmobilien trotz der andauernden Corona-Krise sowohl in der Stadt als auch auf dem Land weiterhin deutlich.

Im 3. Quartal 2020 waren in den sieben größten Metropolen (Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf) Ein- und Zweifamilienhäuser 8,9 % und Eigentumswohnungen 7,3 % teurer als im Vorjahresquartal. In den anderen Großstädten ab 100 000 Einwohnerinnen und Einwohnern stiegen die Häuserpreise gegenüber dem Vorjahresquartal um 8,3 % und die Preise für Eigentumswohnungen um 10,2 %. Auch in ländlichen Kreisen verteuerten sich Wohnimmobilien im Durchschnitt stark. So erhöhten sich die Preise für Häuser in dichter besiedelten ländlichen Kreisen um 9,7 % und für Eigentumswohnungen um 7,1 %. In dünn besiedelten ländlichen Kreisen stiegen die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser um 8,4 %, Wohnungen verteuerten sich um 8,1 %.

Privat ermittelte Daten zeigten für das 3. Quartal auch einen starken Anstieg der Immobilienpreise, aber nicht ganz so stark wie heute die staatlichen Daten. Mehr dazu hier.

Chart zeigt Immobilienpreise seit 2010



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2 Kommentare

  1. Moin, moin,

    ein Blick in eine Online-Immobilienbörse (bspw. Immobilienscout24)und schon ist man als Leser im Bilde. Angebot fast nicht mehr vorhanden, Die weitere Recherche erbringt: Immobilien Nachfrage extrem hoch, Baufirmen am Limit, Baumaterialien teuer bis nicht lieferbar. Bausand im Norden kommt aus Dänemark.

    Fazit:
    1. Die Leute trennen sich von ihrem Eurogeld und tauschen gegen eine Immobilie.
    2. Der Staat muss immer mehr Sozialbauten erstellen für unsere Neubürger und die Leute mit einer Allergie gegen Arbeit.
    3. Der Flächenverbrauch geht ins Unendliche. Wann sind bspw. Kiel und Lübeck Vororte von HH? Dauert m.E. nicht mehr lange.

  2. Die Hyperinflation ist in einigen Segmenten bereits weit fortgeschritten und die Flucht aus dem Euro nimmt sichtbar fahrt auf.

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