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Zwei Charts zeigen die Zeitenwende Zinsen und Gelddrucken: Große Wende für Immobilienpreise und Dax

Immobilienpreise, Dax und Co erleben eine Wende. Schauen wir auf das große Bild, bei dem Zinsen und Notenbankbilanzen eine Rolle spielen.

Das Board of Governors der Federal Reserve im Juni 2022

Warum sehen wir eine Zeitenwende bei Dax und S&P 500? An dieser Stelle schauen wir nicht auf genaue Zählerstände, sondern auf das große Gesamtbild in einem langfristigen Vergleich zu anderen Kenngrößen. Die Datenlage ist klar. Nachdem man seit Ende der Finanzkrise im Jahr 2008 eine unfassbar lange Periode steigender Immobilienpreise sah, zeigen diverse Daten seit Monaten fallende Preise. Es droht sogar ein global „synchronisierter Abschwung“. Auch die heute veröffentlichten Europace-Daten zeigen für August weiter fallende Immobilienpreise in Deutschland. Angezeigt werden sie im folgenden Chart (reicht bis 2008 zurück) als blaue Linie. Nach jahrelangen Anstiegen folgt nun der Preisrückgang.

Was den Chart so interessant macht? Sehen Sie bitte in orange den ebenfalls jahrelang steilen Anstieg der EZB-Bilanz. Jahrelang obszönes Gelddrucken und Anleihekäufe drückten die Zinsen für Staatsanleihen, was Anleger in Aktien und Immobilien trieb. Als gelbe Linie sehen wir die Zinsen der EZB. Jahrelang ganz im Keller bei 0 Prozent (was Dax und Co anfeuerte), steigen sie seit Juli auf jetzt 1,25 Prozent, und werden wohl bald weiter spürbar angehoben.

Und da kommen wir auch schon zum Aktienmarkt. Der Dax (türkise Linie) hat seinen Abstieg begonnen – zwar bereits einige Monate vor der Zinsanhebung der EZB. Aber die Zinswende lief bereits weltweit, und bei der enorm hohen Inflation war die Zinswende auch bei der EZB nicht ewig hinauszuzögern. Abgesehen von den aktuellen Faktoren wie der Energiekrise und der anstehenden Rezession tritt der Dax nun auch wegen diesem Gesamtbild den Rückgang an. Die nun nicht mehr weiter explodierende Bilanzsumme der EZB sowie die gestartete Zinswende drücken gegen diejenigen Assets, die jahrelang von der lockeren EZB-Politik profitiert hatten, also Aktien und Immobilien. Der Chart zeigt die Trendwende.

Immobilienpreise im Vergleich zu Dax, Zinsen und EZB-Bilanz

Einen nicht vollkommen exakten Verlauf bietet der US-Markt, siehe folgender Chart. Dennoch ist das Grundmuster das selbe. Die Fed hatte jahrelang den Zins in den Keller gedrückt, und nun läuft die Zinswende (türkise Linie) mit voller Kraft. Entsprechend ist der S&P 500 als großer Leitindex für den Aktienmarkt (orange Linie) am Fallen. Der US-Immobilienmarkt (blau) und die Fed-Bilanzsumme (gelb) stiegen jahrelang an, aber jetzt dürfte auch damit Schluss sein, weil die Fed schon früher als die EZB ihre lockere Geldpolitik beendet hat.

Egal ob EZB oder Fed – der große Trend ist der selbe. Das jahrelange gigantische Aufblähen der Bilanzen mit dem Drucken von Billionen von Euros und Dollar findet ein Ende, die Zinsen steigen schnell und kräftig. Das bedeutet ein Ende für die große Rally der Immobilienpreise, und auch das Ende für die historische Rally bei Dax, S&P 500 und Co, die seit Ende der Finanzkrise ab dem Jahr 2009 stattfand.

S&P 500 im Vergleich zu Häuserpreisen, Zinsen und Fed-Bilanz

Charts: TradingView

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2 Kommentare

  1. Die Inflationsraten werden monatlich herausgegeben, dei FED- und EZB-Zinsen aber nur in Mini-Schritten im 6- bzw. 8 Wochen Rhythmus. Kein Wunder das das KEINE Bekämpfung von Inflation ist, sondern ein getarnter Beil-Out der Banken und Institutionen. Diese Inflation wird mind. 10 Jahre bis sehr viel länger dauern. Die Verantwortlich Regierungen und die Notenbänkster müssen doch Ihre Pensionen schützen. Die Wiederwahl der Politiker steht nicht zur Debatte. Beweisen sie doch täglich ihre Kompetenz im Umverteilen von Schulden und initialisieren von neuen „Sondervermögen“.

  2. Das die steigenden Zinsen die Aktienmärkte killen, sehe ich nicht ganz so krass. Beispiel, S&P und steigender Leitzins FED von 2016 bis Ende 2019, siehe Abb..
    Aktien als Risikoschutz vor Inflation ist immernoch aktuell denke ich, wenn es die richtigen sind und der Einstiegszeitpunkt halbwegs stimmt.
    Substanz bestimmt die Qualität und das Durchhaltevermögen.
    Bei hohen Zinsen waren auch in den 70-er bis 90-er ordentliche Gewinne möglich.
    Die hohen Schulden und die Geldmenge, welche auch zum Teil in den Aktienkursen steckt, bleiben bestehen, da kann keiner etwas zurückfahren. Aktionismus in diesem Bereich dient der Illusion. Die Inflation hat und wird gnadenlos zuschlagen. In ein paar Jahren ist 1 Billion Schulden ebensoviel Wert, wie vor 10 Jahren 10 Milliarden. Dann sind die Zahlen halt größer, sind ja nur mehr Nullen?!
    Die Leute werden es akzeptieren, weil es kein schneller Geldverfall im kurzen Zeitraum ist. Markteingriffe der Politik und Kriesenszenarien beruhigen und schüchtern die Menschen im Westen gleichzeitig ein.
    Doch da ist ja noch etwas anderes im Gange.
    Die größte Gefahr stufe ich in der Entwicklung Russland -China- Asien ein.
    Multipolare Welt- wenn es Deutschland nicht gelingt halbwegs gute wirtschaftliche Beziehungen dahin zu knüpfen und der US-Administration auch mal Kontra zu geben.
    Der Dollar wird seine Kinder fressen. Um ihre Haut noch einige Jahre über den Berg zu retten, ist denen Europa und andere Teile der Welt doch schnurzepiepe.
    Andererseits sind den Asiaten doch deutsche Patente und know how völlig egal, da wird abgekupfert und skrupellos geklaut was das Zeug hält, manchmal qualitätsmäßig gar nicht schlecht. Wer soll es auch anklagen, wenn dann 90% der Produkte nicht nach Europa oder USA gehen. Entwicklungsmäßig (Erfindungen/Ingenieure) haben wir sowieso schon lange den Anschluß verloren. Für den Weltmarkt werden Westliche Scheindemokratien immer uninteressanter.
    Damit sollte ich den Schwerpunkt des Investments in deutsche/europäische Aktien überdenken. Doch deutsche Steuergesetze behindern dieses. Warum wohl?

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