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Impfungen: Holt Deutschland jetzt bald deutlich auf?

Kommt Deutschland bei Impfungen voran?

Trotz der ständigen Diskussionen um Prioritäten beim Impfen, Nebenwirkungen bei Vakzinen und der Verschiebung von Lieferungen, geht die Zahl der Impfungen in Deutschland deutlich nach oben. Man holt auf und befindet sich plötzlich im oberen Feld der impfenden Nationen.

Hausärzte und eine Strategieänderung bei Impfungen

In der nachösterlichen Woche ging es plötzlich mit den Impfungen steil nach oben. Der Grund war natürlich die Einbeziehung der Arztpraxen, die zu Zehntausenden ins (gewohnte) Impfgeschehen eingriffen, so dass die Zahlen allein in der Woche auf 2,6 Millionen nach oben schossen, 70 Prozent mehr als in der Vorwoche und bis über 700.000 allein an einem Tag. Deutschland sprang in der Impfstatistik in Europa plötzlich nach oben. Natürlich musste man dann die Impfzuteilung für die nächste Woche reduzieren – man braucht auch noch Vakzine für die (teuren) Impfzentren, aber 500.000 sollten es pro Tag mindestens bleiben.

Impfungen in Deutschland

Sicherlich lässt sich auch mit diesen Zahlen keine rasche Immunisierung erreichen, aber es sind bereits über 14 Millionen Menschen im Lande geimpft, bei einer Gesamtbevölkerung von 83 Millionen. Und es werden täglich Hunderttausende von Vulnerablen erstgeimpft, ein Effekt muss sich hierbei in absehbarer Zeit einstellen, schließlich haben wir auch noch 10 bis 15 Millionen Kinder und Jugendliche, für die auch noch gar keine Impfung vorgesehen ist.

Wie erwähnt ist Deutschland bei den großen Nationen mit dieser hohen Impfquote nach oben gerutscht, mit aktuell 231 Impfdosen auf 1000 Einwohnern. Natürlich noch deutlich hinter Großbritannien oder den USA, die es auf fast 600 Dosen pro 1000 Menschen bringen. Bei den bevölkerungsreichen Staaten liegen nicht mehr viele Länder vor Deutschland. Nicht verschweigen sollte man natürlich Impfweltmeister Israel oder noch ein paar kleinere Staaten, wie Chile, Ungarn, Serbien, die baltischen Staaten, aber diese verwenden zum Teil russischen oder chinesischen Impfstoff, von denen es entweder noch keine EMA-Zulassung gibt oder dessen Wirksamkeit nicht ganz mit BioNTech mithalten kann.

Die Grafik von OurWorldinData

Impfdosen auf 100 Menschen:

Impfungen international

Aktuell ist man bei Impfungen in Deutschland schon bei 45.000 Arztpraxen angelangt, die nicht nur den Riesenvorteil der persönlichen Kenntnis der Krankengeschichte ihrer Patienten besitzen, sondern auch Profis beim Impfen sind – 15 Millionen Grippeschutzimpfungen in den Vorjahren, kaum ein Problem. Ein zweiter Grund dafür, dass Deutschland in der Impfgeschwindigkeit so aufholt, ist eine Änderung der Impfpraxis. Seit Anfang des Monats hält man keine großen Reservebestände mehr auf Lager, für die zweite Impfung, sondern hält nur noch geringe Reserven. Durch diese Vorgehensweise hatte sich bis Ende März ein Kühlschrankbestand von bis zu 4,7 Millionen Impfdosen gebildet.

Fazit

Kommt jetzt die deutsche Organisationsfähigkeit doch noch zum Tragen bei den Impfungen?

Weil eben das Ganze auf die Ärztepraxen übertragen wird, mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrung? Man sollte nicht vergessen, dass wir in Deutschland zwei Impfpioniere in Sachen Corona beheimaten – BioNTech und demnächst auch CureVac, dessen Zulassung jetzt wahrscheinlich vorgezogen wird. Impfunfen erfolgen jetzt schon (wie zum Beispiel derzeit von BASF gemeldet) oder schon bald zudem auch Betriebsärzte in Unternehmen , so dass ein Riesenapparat zur Verfügung stünde. Es müssen nur die zugesicherten Impfstoffdosen kommen – künftig das eigentliche Problem – und der Staat sollte sich nur etwas aus der Organisation heraushalten.

Die Planungen für die Impfstofflieferungen sind äußerst ambitiös: 15,3 Millionen Dosen vom 5. April bis zum 1. Mai, im zweiten Quartal insgesamt 77 Millionen Dosen, im dritten 126,6 Millionen und 100 Millionen in Q4.

Durch die Probleme um Johnson&Johnson und AstraZeneca könnte einige Millionen wohl wegfallen –  aber Bayerns Ministerpräsident Söder hat  vergangene Woche einen Vorvertrag über 2,5 Millionen Dosen an Sputnik V abgeschlossen, 50 Millionen sind insgesamt für die EU geplant. Dann das amerikanische Präparat Novavax, mit sehr überzeugenden Testergebnissen – was die EU dazu brachte 200 Millionen Dosen vorzubestellen. Wie viele impfwillige und impffähige Menschen haben wir eigentlich hierzulande?

Ein weiterer Aspekt ist, dass sich einige Länder wie die USA, Kanada und Großbritannien wesentlich mehr Vakzine gesichert haben, als sie eigentlich aufgrund ihrer Bevölkerungszahl für Impfungen benötigen. Selbst ein Land wie Israel hat 25 Millionen Impfdosen erworben und will weitere 30 Millionen nachbestellen – und das bei 9 Millionen Einwohnern! Was passiert damit? Es ist eindeutig ein weltweites Wettrennen um Produktion und Bestellung von Vakzinen entstanden.

Abzusehen ist jedenfalls, dass die 430 Impfzentren in Deutschland in ihrer Masse bald nicht mehr gebraucht werden könnten, einige bereits jetzt, aber da gibt es auch Verträge..



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