Europa

Industrie-Aufschwung: Kurzfristig Jubel, im großen Bild Flaute

Kurzfristig geben Aufträge und Produktion in der deutschen Industrie Anlass zur Hoffnung. Im großen Bild aber sieht es nicht gut aus.

Autoproduktion
Foto: Nataliehora-Freepik.com

Bereits gestern zeigten die Auftragseingänge für die deutsche Industrie einen unerwartet starken Aufschwung mit +5,6 % im Monatsvergleich. Dies lag aber zum großen Teil an wenigen Großaufträgen. Heute legt das Statistische Bundesamt nach mit den Daten der tatsächlichen Industrieproduktion im Monat November. Im Monatsvergleich ist ein Plus von 0,8 % bei einer Erwartung von -0,6 %. Im Vergleich zum Vorjahresmonat November 2024 stieg die Produktion im November 2025 um 0,8 %.

Industrieproduktion: Deutlicher Anstieg in der Autoindustrie

Die positive Entwicklung der Produktion in der deutschen Industrie im November 2025 ist laut Aussage der Statistiker maßgeblich auf die Zuwächse in der Autoindustrie zurückzuführen (saison- und kalenderbereinigt +7,8 % zum Vormonat). Auch die Anstiege im Maschinenbau (+3,2 %) und in der Maschinenwartung und -montage (+10,5 %) beeinflussten das Gesamtergebnis positiv. Negativ wirkte sich hingegen der Rückgang in der Energieerzeugung (-7,8 %) aus.

In den energieintensiven Industriezweigen ist die Produktion im November 2025 im Monatsvergleich saison- und kalenderbereinigt um 1,5 % gesunken. Im Dreimonatsvergleich war die Produktion in den energieintensiven Industriezweigen von September 2025 bis November 2025 um 0,1 % höher als in den drei Monaten zuvor. Verglichen mit dem Vorjahresmonat November 2024 war die energieintensive Produktion im November 2025 kalenderbereinigt um 3,3 % niedriger.

Grafik zeigt langfristige Entwicklung der Produktion in der deutschen Industrie

Das große Bild

Die Ökonomen der Commerzbank schreiben heute zu den Statistikdaten: Die Produktion im produzierenden Gewerbe ist im November gegenüber Oktober überraschend um 0,8% gestiegen, nachdem sie bereits im Oktober um 2,0% zugelegt hatte. Aber in der Grundtendenz bewegt sich die Produktion weiter auf niedrigem Niveau seitwärts, von einer nachhaltigen Erholung kann nicht die Rede sein. Das unterstreichen auch die schwachen Exporte im November. Aufgrund eines nachlassenden Geschäfts mit Partnerländern in der Europäischen Union sind die Exporte im November um 2,5% gefallen.

Das große Bild sieht weniger gut aus. Wenn man nämlich die Produktion in der deutschen Industrie von Januar bis November 2025 zusammenfasst, dann sank sie im Vergleich zum selben Zeitpunkt des Vorjahres um 1,2 %. In der Industrie ist der Rückgang maßgeblich auf die Entwicklung in der Autoindustrie (-2,4 %), in den energieintensiven Industriezweigen (-2,6 %) und im Maschinenbau (-2,3 %) zurückzuführen.

Betrachtet man die längerfristige Entwicklung in der Industrie, so war die Produktion in den Jahren 2023 und 2024 überwiegend einem Abwärtstrend gefolgt, so die Aussage der Statistiker. Ausgehend von einem Tiefpunkt im Dezember 2024 war im Verlauf des Jahres 2025 zunächst eine leichte Erholung zu beobachten, die Produktion lag im 1. Halbjahr 2025 kalender- und saisonbereinigt um 0,2 % höher als im Halbjahr davor. Nach einem Einbruch im August blieb die Produktion auch im September auf einem niedrigen Niveau, maßgeblich beeinflusst von geringen Produktionswerten in der Autoindustrie. Im Oktober begann in der Industrieproduktion ein verhaltener Erholungskurs, der sich im November fortsetzte.

Für die Einschätzung der Entwicklung der Produktion im Dezember könnten laut den Statistikern positive Signale anderer Industrieindikatoren relevant sein. So ist der Lkw-Maut-Fahrleistungsindex im Dezember 2025 mit +3,2 % deutlich angestiegen. Auch erwähnen die Statistiker die gestern gemeldeten starken Auftragseingänge für November.

In den energieintensiven Industriezweigen ist für die Jahre 2024 und 2025 überwiegend eine Stagnation der Produktion zu beobachten, nachdem sie in den Jahren 2022 und 2023 stark zurückgegangen war. Im Durchschnitt der Monate Januar 2025 bis November 2025 lag die Produktion hier kalender- und saisonbereinigt um 17,7 % niedriger als im Jahr 2021.

Kommentar

FMW: Es ist gut möglich, dass durch „Sondervermögen“ und de facto unbegrenzte Rüstungsausgaben auf Pump nun vermehrt Aufträge in die Bücher der deutschen Industrie gespült werden. Dies könnte in den nächsten Monaten einen Aufschwung bringen. Aber man muss dabei immer bedenken: Es wäre ein auf Pump finanzierter Aufschwung. Die Strukturprobleme (Energie, Arbeitskosten, Bürokratie etc), die die Industrie seit 2018 schrumpfen lassen, wären damit nicht behoben. Man würde sich in der Politik kurzfristig freuen, dass es bergauf geht – aber diese Freude würde die strukturellen Probleme nur kurzzeitig überdecken.



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3 Kommentare

  1. MMT tut erst den Kindern weh

    Investitionen auf Pump in unproduktive Investitionen sind das Schlechteste was man machen kann, sie bringen keine Rendite, es profitieren nur wenig Firmen und in 10Jahren sind high-tech Rüstungsgüter veraltet und müssen entsorgt werden, da sind ja die vielverschmähten Schulden für Konsum wenigstens noch besser verteilt in der Gesellschaft. Staaten machen was Private nie machen würden und könnten, nämlich Schulden im Namen der Kinder aufnehmen.

    1. @MMT tut erst den Kindern weh…das ist leider nur halbrichtig…Rüstungsgüter veralten nur, wenn sie nicht eingesetzt werden…wenn sie eingesetzt werden und maßgebliche Land- und Raumgewinne folgen, dann sind das sehr wohl sehr produktive Investitionen…

  2. @ Ranzentier, früher haben sie oft vernünftige Kommentare geschrieben, ihre Ami-freundliche permabullischen und verschuldungsfreundlichen Kommentare sind aber unverständlich geworden.
    Sie sehen weder eine Korrektur der hochgehypten US- Aktien und finden die weitere Verschuldung durch Aufrüstung noch positiv.Was den Aktienmarkt betrifft sollten sie das Video von Kostolany ansehen: – Ich habe alle Krisen mitgemacht und alle beginnen gleich – Kriege bringen keine Gewinner und Landgewinne sind höchstens ein Nullsummenspiel ( einer verliert, ein anderer gewinnt). Wie lange hat den De gebraucht um die Zerstörung der Weltkriege wieder zu beseitigen ? Im übrigen denke ich,dass die heutige Work and Life Gesellschaft diese unnötigen Ausgaben für die Machtkämpfe einiger Eliten nicht mehr mitmacht.

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