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Industrie: Immer mehr Kurzarbeit und Stellenabbau

Industrie mit immer mehr Kurzarbeit

Was macht man als Betrieb, wenn man eigentlich Mitarbeiter entlassen müsste aufgrund einer stark eingebrochenen Auftragslage? Kurzarbeit. Der Staat entlastet die Gehaltskosten über das Kurzarbeitergeld, und so können die Mitarbeiter im Betrieb gehalten werden, ohne dass das Unternehmen an den Kosten erstickt. Aber was ist nach den 12 Monaten, wenn die Zahlung von Kurzarbeitergeld ausläuft, aber die Auftragslage nur noch schlechter geworden ist?

Jetzt doch entlassen? Um dem vorzubeugen, hatten erst am letzten Freitag Industrie und Gewerkschaft aus Baden-Württemberg einen Brandbrief der lokalen Politik in Richtung Bundesarbeitsministerium mit unterschrieben. Die Zahlung von Kurzarbeitergeld solle wie damals vor zehn Jahren während der Finanzkrise ausgeweitet werden, nämlich von 12 auf 24 Monate. Aber noch ist dies nicht geschehen. Womöglich, weil im großen Bild (die Gesamtkonjunktur) noch alles halbwegs in Ordnung ist? Denn Deutschland als Volkswirtschaft steht noch aktuell mit +0,1% halbwegs gut da, dank starkem Bau und starken Dienstleistungen.

Aber die Industrie geht brutal baden, und das nicht erst seit ein paar Wochen oder Monaten. Die Lage wird immer ernster. Gerade erst vor wenigen Minuten meldet das „Handelsblatt“, dass Audi 9.500 Stellen abbauen wird. Es soll alles ohne betriebsbedingte Kündigungen laufen. Also der Klassiker – Vorruhestandsregelungen etc? Aber so schön das klingen mag. Neue Bewerber, die Jobs suchen, stehen vor einem Großunternehmen, das lange Zeit wohl niemand Neues einstellen, sondern erstmal jede Menge internes Personal auf Zukunftsbereiche umschulen wird.

Immer mehr Kurzarbeit

Aber auch abseits von Audi tut sich so einiges. Man stößt auf zahlreiche Meldungen zur Kurzarbeit, oder auch darüber hinaus. Beim Quarzglashersteller Heraeus in Bitterfeld reicht Kurzarbeit wohl nicht mehr aus, und jetzt ist von Sozialplänen die Rede – für wie viele Mitarbeiter, ist noch unklar. Die Wittener Edelstahlwerke, immerhin der größte Arbeitgeber am Ort, gehen bis Jahresende auf Kurzarbeit. Bei Buderus Edelstahl in Wetzlar sind hunderte Mitarbeiter dieses Jahr immer wieder von Kurzarbeit betroffen.

Der Heilbronner Maschinenbauer Illig wird laut Berichten aus der letzten Woche wohl ab Anfang 2020 womöglich hunderte Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. Man liege rund 20 Prozent unter der Kapazitätsgrenze. Und man gehe davon aus, dass das Unternehmen das gesamte nächste Jahr unterausgelastet sein werde. 2020 werde schwierig.

Beim Papierhersteller Glatfelter ist laut Berichten seit mehreren Wochen im Produktionsbereich Kurzarbeit angesagt. Maschinen sollen immer wieder tageweise still stehen. Erst vor vier Wochen hatten wir zahlreiche andere Beispiele genannt, wo Industriebetriebe auf das Mittel der Kurzarbeit setzen. Die Lawine rollt also weiter. Verlängert die Politik das Kurzarbeitergeld nicht auf 24 Monate, könnten womöglich ab Frühjahr/Sommer 2020 viele Arbeitgeber nach Auslaufen dieses Instruments mit Entlassungen reagieren – weil sie nicht Mitarbeiter halten können, die mangels Aufträgen ihre Gehälter nicht mehr refinanzieren können. Aber die Konjunktur in der Industrie könnte bis dahin wieder anspringen – danach sieht es momentan aber nicht aus.



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1 Kommentar

  1. Was macht man als Betrieb, wenn man eigentlich Mitarbeiter entlassen müsste aufgrund einer stark eingebrochenen Auftragslage? Kurzarbeit. Der Staat entlastet die Gehaltskosten über das Kurzarbeitergeld… Der normale Steuerzahler greift den Konzernen unter die Arme.

    Was macht man als Betrieb in Boomphasen mit Rekordgewinnen, wenn man eigentlich viel Steuern zahlen müsste? Steuersparen. Man entlastet sich über Steuerschlupflöcher… Der normale Steuerzahler ist am Ende der Gelackmeierte.

    https://www.spiegel.de/spiegel/der-vw-konzern-nutzt-ein-fragwuerdiges-steuersparmodell-in-luxemburg-a-1175059.html
    https://www.focus.de/finanzen/news/unternehmen/steueroasen-wie-deutsche-grosskonzerne-den-steuerzahler-um-milliarde-prellen_id_7772908.html
    https://www.welt.de/wirtschaft/article151465237/Warum-VW-seine-Firmenjets-in-einer-Steueroase-meldet.html

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