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Industrie in China taumelt – Einkaufsmanagerindex unter Erwartung

Die Industrie in China zeigt Schwäche. Einkaufsmanagerdaten geben einen genaueren Einblick. Hier dazu ein Überblick.

Neue Einkaufsmanagerindizes zeigen: Die Industrie in China steht unter Druck. Während der offizielle PMI Durchhaltewillen zeigt, offenbart Caixin ein düsteres Bild. Die gestern und heute veröffentlichten Daten zu den chinesischen Einkaufsmanagerindizes vermitteln das Bild eines angeschlagenen Boxers. Aber beide Indizes, der offizielle PMI der chinesischen Statistikbehörde und der Manufacturing PMI von Caixin, erzählen eine unterschiedliche Geschichte: Der eine, vom NBS, zeichnet einen heroischen Kämpfer, der sich gegen die Unbillen des Gegners und das parteiische Publikum kämpft, aber er ist der eigentlich Held. Bei Caixin wiederum schleppt sich der Boxer durch die Runde, hofft auf den Gong, der ihn in die Pause rettet, und hofft auf die nächste Runde.

Schwache Aufträge belasten Industrie in China

Der offizielle PMI aus Peking sank im Juli auf 49,3 Punkte. Der Rückgang um 0,4 Punkte im Vergleich zum Vormonat bestätigt die anhaltende Schwäche. Die Marke von 50 trennt Wachstum von Schrumpfung, das Signal ist damit eindeutig negativ. Die neuen Inlandsaufträge in China bewegen sich weiterhin tief unterhalb der Expansionsschwelle, während die neuen Exportaufträge mit 47,1 Punkten noch stärker zurückgingen. Die Importe mit 47,8 Punkten fielen ebenfalls, wenn auch etwas weniger stark als die Ausfuhraufträge. Dieses Bild weist darauf hin, dass der Binnenmarkt sehr schwach bleibt und sich nun auch eine Exportschwäche abzeichnet.

Grafik zeigt Einkaufsmanagerindex für China

Experten zeigten sich enttäuscht von den jüngsten PMI-Daten. Die Erwartungen an eine Stabilisierung oder Erholung im Juli blieben unerfüllt. Die Ökonomen wiesen darauf hin, dass die schlechten Werte vor allem die anhaltende Nachfrageschwäche im Binnenmarkt und die sich verschärfenden Exportprobleme widerspiegeln. Das klare Unterschreiten der Marke von 50 signalisiert, dass die Industrie in China weiterhin unter Druck steht und keine Entspannung absehbar ist. Einige Kommentatoren betonten, dass der offizielle PMI mit seinem stärkeren Fokus auf große und staatliche Unternehmen zwar einzelne Stützen der Industrie sichtbar macht, die privatwirtschaftlich geprägten Zahlen von Caixin jedoch ein realistischeres Bild der allgemeinen Lage vermitteln. Der Mix aus steigenden Einkaufspreisen und fallenden Fabrikpreisen unterstreicht den Margendruck, der das Wachstum weiter belastet.

Kleine Firmen leiden – Margen brechen ein

Die Mehrzahl der kleinen und mittleren Unternehmen verbleibt nach Angaben der NBS im roten Bereich. Sie büßen besonders deutlich ein, während große Unternehmen mit 50,3 Punkten knapp über der Wachstumsschwelle liegen. Die Produktion liegt mit 50,5 Punkten nur leicht über 50. Die Beschäftigung sank auf 48,0 Punkte, nachdem sie im Vormonat nur minimal gestiegen war. Die leicht beschleunigten Lieferzeiten bei Zulieferern – mit 50,3 Punkten – liefern einen kleinen Hoffnungsschimmer.

Allerdings treiben die kleinen, privaten Unternehmen die chinesische Wirtschaft und vor allem das exportorientierte verarbeitende Gewerbe. Insofern verdeckt der offizielle Einkaufsmanagerindex mit seinem Schwerpunkt auf die großen, staatlichen Unternehmen das Ausmaß der Krise in China. Das Bild verkomplizieren die steigenden Einkaufspreise (51,5 Punkte). Die Unternehmen zahlen mehr für Rohstoffe und Vorprodukte, geben diese Kosten jedoch nicht an ihre Kunden weiter. Die Fabrikpreise fielen weiter und liegen bei 48,3 Punkten. Die Margen der Hersteller geraten so weiter unter Druck.

Der Caixin PMI bestätigt diese Entwicklung. Er sank auf 49,5 Punkte und zeigte ebenfalls Produktionsschwäche, sinkende Aufträge und weiter fallende Beschäftigung. Besonders die Exporte leiden und bleiben unter 50 Punkten. Die steigenden Inputkosten verstärken den Margendruck. Die Hersteller senken ihre Verkaufspreise, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Situation belastet besonders kleine und mittlere Unternehmen, die der Caixin-Index besonders abbildet.

Ernüchterung an Märkten nach schwachem PMI

Die Börsen reagieren erwartungsgemäß negativ. Der Hang Seng Index in Hongkong fiel in den letzten zwei Handelstagen um 1,78 Prozent und notierte am Freitag bei 24.281 Punkten – einem Zweiwochentief. Der Shanghai Composite Index gab im gleichen Zeitraum etwa 0,75 Prozent nach und fiel auf rund 3.535 Punkte. Der CSI 300 verlor ebenfalls etwa 0,7 Prozent und landete bei 4.031 Punkten. Die Märkte spiegeln die ernüchternden PMI-Zahlen wider und bleiben vorsichtig angesichts unklarer Perspektiven, insbesondere aufgrund globaler Handelsspannungen und schwacher Auslandsnachfrage.

Die Bilanz der Daten ist nüchtern: Chinas Industrie kämpft in einem schwierigen Umfeld. Die Binnennachfrage bleibt niedrig, der Export schwächelt zusätzlich, und die Kosten steigen. Die Betriebe sind gezwungen, Personal abzubauen und Verkaufspreise zu senken.

Ein Abbau von Personal fällt jedoch in eine kritische Phase, denn im Juni trat eine neue Welle von Absolventen von Schulen und Universitäten in den Arbeitsmarkt ein. Entlassene und neue potenzielle Arbeitnehmer konkurrieren somit um weniger Arbeitsplätze.

Chinas Industrie bleibt ohne klare Perspektive

Beide PMI-Berichte zeigen dieselbe angeschlagene Lage. Die offizielle Statistik setzt auf Stabilität und Durchhaltevermögen großer Firmen. Caixin hingegen zeichnet ein realistischeres Bild von Ermattung, das die mühsame Bewältigung der Schwierigkeiten hervorhebt. Die Industrie steht unter Druck. Der Caixin-Index weist dennoch auf einen zunehmenden Optimismus hin, wobei unklar bleibt, worauf dieser beruht.

Die Verhandlungen zwischen den USA und China befinden sich weiterhin im Schwebezustand. Das Weihnachtsgeschäft ist beendet, der saisonale Peak, der normalerweise im September zu beobachten ist, sollte bereits überschritten sein. Für die Binnenwirtschaft beginnen langsam die Produktionen für das Frühlingsfest. Für die Exporte muss die Frühlingsware ebenfalls bis Anfang Oktober bestellt sein. Beides startet eher schleppend.
Für China beginnt ein schwieriges Restjahr.



Dói Ennoson
Über den RedakteurDói Ennoson
Dói Ennoson schreibt unter einem Pseudonym. Er ist China-Experte und vermittelt tiefgreifende Einblicke in das Reich der Mitte.
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3 Kommentare

  1. Von der Chinagastronomie hört man nie was.
    Hotels, Gaststätten. Wo man doch so gerne ist.

  2. ist und ißt. Oder stinkt und speißt.

  3. Mein Gott. Entschuldigung. drinkt und speist.

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