Herbst der Reformen, Bürokratieabbau, Strompreis-Senkung für die Industrie, bla bla bla. Was Friedrich Merz die letzten Wochen angekündigt hat um der Wirtschaft zu helfen, ist insgesamt gesehen nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Es brennt lichterloh in der deutschen Industrie. Von einer Katastrophe zu sprechen, ist nicht übertrieben, sondern angemessen. LIVE und in Farbe darf man derzeit täglich dabei zusehen, wie Betriebe dicht machen. Oder man verlagert ganz oder teilweise Produktion ins Ausland. Die Dimension des Absturzes in der Industrie ist so gewaltig – so schnell kann Lars Klingbeil mit Steuergeldern im Staatsbetrieb und bei NGOs zum Ausgleich keine neuen Planstellen schaffen. Aber „Scherz beiseite“. An dieser Stelle zeigen wir einen kleinen Ausschnitt, eine Chronik des Niedergangs.
Industrie stürzt immer weiter ab
Seit 2018 läuft der Absturz in deutschen Industrie. Seitdem sehen wir einen Rückgang der Industrieproduktion um sage und schreibe 17,69 % – und das in gerade mal sieben Jahren! Erst heute sah man von Juli auf August einen Rückgang um dramatische 4,3 %. Auch wenn Sonderfaktoren in der Autoindustrie den Absturz im August beschleunigt haben: Selbst ohne Werksferien bei Autoherstellern sind die Produktionsrückgänge bei Autos und anderen Branchen verheerend.
Autoindustrie im Katastrophen-Modus
Hier nur einige Beispiele von großen Herstellern und Zulieferern, die aufzeigen, wie dramatisch die Lage in der deutschen Autoindustrie bereits ist: Seit 2024 haben Unternehmen bedeutende Stellenstreichungen angekündigt. Darunter allen voran die Marke Volkswagen mit 35.000 Stellen! Die Tochter Audi ist mit 7.500 Stellen dabei, Porsche mit 1.900 Stellen. Ford will 1.000 Stellen abbauen. Bei den Zulieferern sind Bosch und ZF Friedrichshafen mit -18.500 und -14.000 Jobs die größten Abbauer von Arbeitsplätzen. Continental will 10.150 Stellen streichen, Schaeffler 4.700. Aber das waren jetzt nur die größten Player der Autoindustrie mit den größten Zahlen. Viel schlimmer sind aber die Unternehmen aus der zweiten, dritten, vierten Reihe. Hier mal ein paar hundert Stellen, da mal ein paar hundert – das fällt in der Öffentlichkeit wenig auf – aber es summiert sich!
Reihenweise „kleine“ Insolvenzen und Stellenstreichungen
Ein brandaktuelles Beispiel: Der Autozulieferer Kostal streicht 164 Stellen in Lüdenscheid und Dortmund, und das ausgerechnet im Bereich Entwicklung. Grund dafür sei die Absatzschwäche der deutschen Autoindustrie sowie weltwirtschaftliche Unsicherheiten, so berichtet come-on.de heute. Erst vorgestern wurde gemeldet, dass der Windkraftanlagen-Hersteller eno energy aus Rostock Insolvenz beantragt hat. Beim inhabergeführten Betrieb geht es um 280 Jobs.
Ebenfalls vorgestern wurde bekannt, dass der Energieversorger EnBW in Portugal 600 neue IT-Jobs schaffen will. Angeblich sollen dafür hierzulande keine Arbeitsplätze verloren gehen. Aber selbst wenn das stimmen sollte: Es sind 600 Jobs, die hierzulande NICHT neu geschaffen werden, und damit nicht als Ausgleich für Stellenstreichungen in anderen Unternehmen fungieren könnten. MAN baut eine Batteriefabrik wohl lieber in Osteuropa – der Standort Salzgitter geht vermutlich leer aus – auch hier fehlen wichtige neue Jobs, um wegbrechende Jobs in anderen Branchen und Unternehmen zu kompensieren.
Erst letzte Woche wurde bekannt: Der Autozulieferer Hella aus Recklinghausen streicht 152 Stellen. Auch hier wird die Krise in der Autoindustrie angeführt. Vorgestern hat der Autozulieferer Winning BLW aus Remscheid einen Insolvenzantrag gestellt. Das Unternehmen soll in Eigenverwaltung saniert werden. Betroffen sind 500 Beschäftigte. Auch diese Woche wurde bekannt: Das Medizintechnik-Unternehmen Clearum beendet seine Produktion in der Nähe von Rostock. 125 Mitarbeiter verlieren ihre Arbeit. Nur die Forschung mit 25 Beschäftigten bleibt am Standort bestehen. Die Produktion sei zu teuer, daher wird sie ins Ausland verlagert.
Anfang dieser Woche berichteten wir über die Schließung von zwei Werken des Chemiekonzerns INEOS in Nordrhein-Westfalen. 175 Mitarbeiter sind betroffen. Die Aussagen des Unternehmens sind an Dramatik gar nicht zu überbieten, eine Abrechnung für für den Industrie-Standort Deutschland. Die Schließungen sind laut INEOS eine „direkte Folge der hohen Energie- und CO2-Kosten sowie des fehlenden Zollschutzes. „Europa begeht industriellen Selbstmord. Während die Konkurrenz in den USA und China von billiger Energie profitiert, werden die europäischen Hersteller durch unsere eigene Politik und das Fehlen eines Zollschutzes vom Markt verdrängt“, so das Unternehmen.
Laut einer Umfrage des deutschen Autoverbands VDA aus dieser Woche stufen fast die Hälfte der Autozulieferer ihre Lage als schlecht oder sehr schlecht ein. Mehr als 60 Prozent der Zulieferer wollen Jobs abbauen. 80 Prozent wollen Investitionen verschieben, ins Ausland verlagern oder ganz streichen. Am letzten Wochenende wurde bekannt, dass der bayerische Werkzeugbauer Croner Präzisionsformenbau seinen Betrieb aufgibt, um einer drohenden Pleite zuvorzukommen. Betroffen sind 33 Mitarbeiter, die aber bereits an andere Betriebe vermittelt werden konnten. Letzte Woche wurde ebenfalls gemeldet: Der Werkzeugbauer Meissner AG meldet Insolvenz in Eigenverwaltung an, es geht um 200 Mitarbeiter. Die schwächelnde Autoindustrie und Probleme in China belasten. Und so könnten wir es endlos fortsetzen.
Kommentar
Und jetzt kommt die „Krönung“. Diese wenigen beispielhaften Meldungen, die wir hier besprochen haben, stammen nur aus den letzten Tagen. Uns überrollt eine Lawine! Bei den Zulieferern rollt ein für die breite Öffentlichkeit unsichtbarer Tsunami auf uns alle zu – wir sehen ihn noch nicht, aber der Einschlag wird uns alle am Ende treffen. Wer jetzt denkt, ich bin Grafikdesigner im schönen Hamburg, mit der Autokrise in West- und Süddeutschland habe ich nichts am Hut – dem sei gesagt: Die Industrie vergibt die Aufträge an die Dienstleister. Wenn jetzt die Industrie wegbricht, werden das verzögert auch die Dienstleister spüren, in Form wegbrechender Aufträge! Herr Merz müsste aufwachen und radikal herangehen an die Themen Energie, Bürokratie, Steuern, Sozialabgaben, Standortbedingungen – und das nicht so halbherzig wie derzeit. Er müsste zu Herrn Klingbeil sagen: Wir machen jetzt radikale Reformen – wenn Du nicht mitziehst, dann gibt es eben Neuwahlen. Nur da haben wir schon das nächste Problem – Merz kann nur mit SPD oder Grünen regieren – andere Optionen hat er nicht. Stillstand vorprogrammiert.
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Grundsätzlich wäre hierzu eine Regierungserklärung von Bundeskanzler Friedrich Merz im Deutschen Bundestag oder dort eine diesbezügliche Aktuelle Stunde konstruktiv/zielführend. Aber nach den Steuer-Sauereien Stromsteuer und Luftverkehrssteuer ist die Glaubwürdigkeit der Bundeskanzler Friedrich Merz-Bundesregierung/Koalition dahin. Hinzu kommt die inkompetente Energiepolitik und konzeptionslose Außenwirtschaftspolitik. Vielleicht kommen ja von Industriepräsident Peter Leibinger entsprechende Impulse.
Zugegeben, ich hätte beinahe übersehen, daß Stand aktuell am Freitag, den 10.10.25 eine Aktuelle Stunde im Deutschen Bundestag zum Thema Industriepolitik auf der Tagesordnung steht. Es macht wohl Sinn, die genannte Debatte zu verfolgen, um sie dann entsprechend zu bewerten.
Merz ist wach, ebenso wie die Regierungen von Merkel und Scholz es waren. Alle diese politischen Konstellationen haben eine Gemeinsamkeit – die orchestrierte Deindustrialisierung Deutschlands und die bewußte Verarmung der Bevölkerung in Richtung mediterranem Niveau. Ist diese Selbstkastration unter dem Blickwinkel der kommenden Schulden- und Finanzkrisen zu sehen? Darf Deutschland kein dominierender Faktor in Europa sein?
An FMW-Nutzer Dagoberti: Das ist Ihre Meinung.
Genau @ Dagoberti
Das kann doch aber nur Sabotage sein.
So blöde kann man doch nicht sein.
Gut- Fehler werden immer mal gemacht.
Aber dann sollten sie doch wieder ausge(merz)t werden.
Aber nein, es geht immer weiter stur gegen die Wand, und die Leute werden belogen, dass sich die Balken biegen.
Und das mir wachsender Geschwindigkeit, seit etwa 30 Jahren.
Viele Grüße aus Andalusien Helmut
An FMW-Nutzer Helmut: Wenn Sie das sagen, dann wird das so sein.
Klar gibt es eine Alternative, nur die CDUCSU wäre dann nur noch der Juniorpartner.
Ja-das ist so, und jeder wusste es dass es so kommt.
Deshalb hatte ich hier auch 2019 geschrieben, dass wir „in volle Deckung“ gehen.
Die Narren haben wie immer gelacht.
Der Goldpreis hat sich in Euro seit 2019 etwa verdreifacht.
So optimal, wie Deutschland in die Deindustrialisierung geführt wird, kann man nur noch von Sabotage reden.
Gut- es kann mal was schiefgehen, aber nicht alles sein Jahren und immer wieder die gleichen Fehler.
Selbst Träumer wie Habeck hätten ja auch mal ein Korn finden können. Und Merz sollte doch wenigstens mehr die Wahrheit sagen, als lügen.
Das kann also nur Sabotage sein.
Schaut mal die Tagesschau von vor 20 Jahren.
Die gleichen, ja schon dieselben Probleme wie heute. Nur noch die Millionen Facharbeiter aus fernen Ländern oben drauf, auf die Probleme.
Es hat sich sonst nichts getan.
Aber das war auch schon vor 30 Jahren so.
Stillstand in Deutschland.
Für eine Unze Gold muss ein Arbeiter heute, gegenüber 1999, etwa 7- ma so lange arbeiten.
Wer aus Deutschland weg kann, sollte es tun.
Jetzt wird bald die Vorstufe zum Krieg ausgerufen, und dagegen wird die Unmenschlichkeit während Corona nur ein Kaffeekränzche sein.
Es muss nur noch ein wenig mehr Angst und Hitze gegen Russland erzeugt werden.
So fangen alle Kriege an.
Gut das ich weit weg bin
Viele Grüße aus Andalusien Helmut
Komisch und der DAX Performance Index steht beim mehr als Dreifachen der Jahrtausendwende!
Obwohl damals Hochkonjunktur und Vollbeschäftigung herrschte…!
Wahnsinn oder…?
Damals gerade,mal läppische 8136 in der Spitze und heute fast 25 000 !
Finde den Fehler !
Herr Doktor!
Sie sind schon so lange dabei. Dann erzähl doch was ist der Fehler?
Inflation?
Hoffnung auf Gewinne?
Tatsächliche Gewinne?
Noch was?
Alles ein bisschen?
Wie funktionieren den die Zusammenhänge zwischen Kurswert und das was berichtet wird und ich aber selber nicht sehe in meinem Elfenbeinturm?
Hallo @ Jan
Ich halte mich ja bei Aktien heraus.
Aber wenn ich das auf Gold umrechne, dann dürfte Gold bei einer Verdreifachund seit 2000, heute mal gerade bei etwa 850 Euro stehen.
Aber wenigstens legal steuerfrei.
Gu– für das nutzlose Gold wäre das auch nicht schlecht gewesen.
Eine etwa Verdreizehnfachung ist natürlich auch angenehm.
Viele Grüße aus Andalusien Helmut
DAXK ohne Dividendensockel
Bei allen Miseren die schon weit in der Ära Merkel begonnen haben, sehe ich das Problem vor allem der Autoindustrie auch ein Stück weit hausgemacht. Viel zu lange hat man zu kurzfristig geplant und sich jahrelang auf dem gut laufenden Exporten nach China ausgeruht. Statt vorausschauend zu agieren und sich statt dessen lieber satte Boni auszuzahlen, muss man hier den Führungsetagen fehlende Weitsicht vorwerfen. Ebenso hat man sich immer mehr darauf verlassen, das der Staat unternehmerisches Risiko im Zweifel auffängt, Beispiel Siemens Energy. Gutes Wachstum kann nie ewig funktionieren. Die ehemals guten Tugenden, die das deutsche Unternehmertum einst weltweit vorbildlich und führend gemacht haben sind nicht selten aufgrund von Gier verloren gegangen.
@Jörn Hansen
Ganz genau! Das Unternehmensmodell deutscher Automobilkonzerne basierte in großen Teilen auf Luxuskarren und Autos der Oberklasse, die in boomende globale Märkte exportiert oder direkt dort gefertigt wurden.
Verschärften Anforderungen an Umwelt und Klima wollte man mit Schummelsoftware zum Abgasbetrug begegnen.
Dazu kam ein mehr als naiver Wissenstransfer deutscher Ingenieurskunst in chinesischen Werken. Dies gilt im übrigen nicht nur für die Automotivbranche.
Doch spätestens seit der Corona-Pandemie hat sich die Weltlage fundmental verändert und tut das auch weiterhin ziemlich rasant. Die Nachfrage an den Absatzmärkten stellt inzwischen völlig andere Anforderungen. Güter sollen für die Masse bezahlbar sein, gut ist völlig ausreichend, es muss nicht immer die perfekte deutsche Goldrandlösung sein.
Deutsche Marken sind in China nach wie vor beliebt. Sie sind einfach schlicht zu teuer.
Chinesen bauen längst nicht nur bessere E-Autos, sondern auch günstigere Benziner.
Die deutsche Industrie hat diesen strukturellen Wandel trotz ausreichender Vorlaufzeit komplett verpennt. Daher will man nun die Technologie in der Hoffnung auf gewohnte, alte Renditen aus der fossilen Verbrennerära zurückdrehen, um noch ein paar Jahre länger weiterzumachen wie bisher. Begleitet wird die ganze Posse von lautem Lamento; die Versager in den Chefetagen und ihre Lobbyverbände schreien winselnd nach Subventionen und machen die Energiewende sowie hocheffiziente Elektrifizierung für die eigenen Versäumnisse verantwortlich.
Auf der anderen Seite ist mir bisher kein Fall bekannt, bei dem die überbordenden Boni wegen dieser verantwortungslosen Versäumnisse gekürzt oder gar zurückgefordert wurden.
@Kathie Worst
Eine zwar sarkastisch überspitzte, doch durchaus treffende Beschreibung des traurigen, verkommenen Zustands der sog. „Leistungsträger“ unserer deutschen Hochleistungsindustrie.
Ich glaube, ich höre nicht recht. Da erklärt die Bundesministerin für Wirtschaft und Energie Katharina Reiche aktuell am Rednerpult des Deutschen Bundestages allen Ernstes, die Bundeskanzler Friedrich Merz-Bundesregierung/Koalition hätte die Körperschaftssteuer gesenkt. Geplant ist eine Senkung der Körperschaftssteuer von derzeit 15% auf 10%, welche ab dem Jahr 2028 um jährlich 1% erfolgen soll. Die Senkung der Körperschaftssteuer ist somit aktuell lediglich eine Absichtserklärung.
Wenn es mit der Geschwindigkeit von 4,3 % pro Monat so weitergehen würde, dann hätte sich die Industrieproduktion von Deutschland in einem Jahr etwa halbiert.
Beeindruckend!
Dann könnte es in den nächsten Jahren doch wohl mit den Strom reichen.
Warum dann noch neue Gaskraftwerke bauen?
Bei schönem Wetter geht es dann in den Freizeitpark. Dann ist doch Strom im Überschuss da, wenn die Sonne scheint.
Viele Grüße aus Andalusien Helmut