Folgen Sie uns

Allgemein

Industrie und Gewerkschaften: Dramatisch mehr staatliche Investitionen bitte! Hallo Clemens Fuest!

Avatar

Veröffentlicht

am

Gerade erst heute Vormittag hatten wir in einem Artikel die relativ große Bedeutungslosigkeit öffentlicher Investitionen für das Anwachsen der gesamten Wirtschaftsleistung besprochen. Clemens Fuest, Chef des ifo-Instituts und damit Nachfolger des hochgeschätzten wie auch umstrittenen Hans-Werner Sinn, hatte in einem Vortrag (Video hier sehen) klar aufgezeigt, wie klein und unwichtig die staatlichen Investitionen im Vergleich zu privatwirtschfaftlichen Investitionen sind, die ungefähr das zehnfache Volumen haben. Laut Clemens Fuest wäre es viel wichtiger zu schauen, wie private Investitionen stimuliert werden können, anstatt krampfhaft zu versuchen den Staat zu mehr Ausgaben zu bewegen. Selbst große Steigerungen bei staatlichen Ausgaben hätten im großen Bild nur minimale Wirkungen. Und laut Fuest würden solche unter massivem Druck stattfindenden öffentlichen Investitionen auch oft zu völlig sinnlosem Geldausgeben animieren (Steuergeldverschwendung ohne jeden Nutzen).

Aber jetzt ganz aktuell haben sich Vertreter von Industrie und Gewerkschaften dazu durchgerungen, gemeinsam den deutschen Staat zu mehr öffentlichen Ausgaben aufzufordern. Sie haben sogar eine gemeinsame Erklärung herausgegeben. Wann hat es sowas schon mal gegeben? BDI und DGB betiteln ihre Forderung mit den Worten „BDI und DGB verlangen ambitionierte Investitionsoffensive der öffentlichen Hand“. Anmerkung: Wie Clemens Fuest es richtigerweise erwähnt hat, merkt auch der BDI in seiner Forderung an, dass 90% der Investitionen aus dem Privatsektor kommen, und dass auch dieser Sektor stimuliert werden müsse. Der DGB denkt eher nur an staatliche Mehrausgaben. Hier Aussagen aus der gemeinsamen Erklärung, auszugsweise:

Demnach ist die Einrichtung eines Investitionsfonds ein möglicher Weg, um zu deutlich mehr Investitionen zu kommen. Der Analyse von IW und IMK zufolge steigert eine Erhöhung des staatlichen Infrastrukturbestands um zehn Milliarden Euro das Bruttoinlandsprodukt dauerhaft um rund 2,5 Milliarden Euro im Jahr. „Es geht nicht in erster Linie darum, Symptome einer Rezession zu bekämpfen, sondern Ursachen einer Wachstumsschwäche anzugehen“, sagte der BDI-Präsident. „Die Politik steht in der Pflicht, den Industriestandort Deutschland zu bewahren und zu verbessern, um dauerhaft Wohlstand und Beschäftigung zu sichern.“ Notwendig dafür sei vor allem politische Berechenbarkeit. „Aus Sicht des BDI fehlen schon heute öffentliche Investitionen in Höhe von einem halben Prozentpunkt der Wirtschaftsleistung. Dabei sind die Zusatzanforderungen für den Klimaschutz noch nicht berücksichtigt“, kritisierte Kempf. In vielen Feldern seien diese Voraussetzung für höhere und effiziente private Investitionen, etwa im Verkehr oder der digitalen Infrastruktur.

Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann stellte klar: „Nur ein umfangreiches, langfristiges öffentliches Investitionsprogramm sichert die Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft – und damit die guten Arbeitsplätze von morgen.“ Das gelte insbesondere angesichts des strukturellen Wandels, der durch Digitalisierung, Klimawandel und Globalisierungsprozesse getrieben wird. „Wir können es uns nicht länger leisten, den Wohlstand künftiger Generationen durch eine veraltete Infrastruktur und ein unterfinanziertes Bildungssystem zu gefährden. Öffentliche Investitionen stärken den sozialen Zusammenhalt und fördern gleichwertige Lebensbedingungen in ganz Deutschland“, betonte Hoffmann.

IW liefert Basis für Forderungen und will 450 Milliarden Euro bis 2030

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) fordert aktuell, dass die Schuldenbremse modifiziert werden müsse, damit der Staat bis runter auf die Kommunen bis 2030 insgesamt 450 Milliarden Euro investieren könne. So könne ein Investitionsstau aufgelöst werden. Die Aussagen des IW sind auch Basis der Forderungen von DGB und BDI. Aber mal ehrlich. Auch ohne diese Aussagen des IW hätten Gewerkschaft und Industrieverband ihre Forderungen formuliert, nicht wahr? Zitat auszugsweise vom IW:

Um Wirtschaft und Gesellschaft zukunftsfähig mit Blick auf Digitalisierung, Verkehrsinfrastruktur, Klima- und demografischen Wandel zu machen, sollte der deutsche Staat jährlich rund 45 Milliarden Euro gezielt zusätzlich investieren. Und zwar über mindestens zehn Jahre. Mit den insgesamt gut 450 Milliarden Euro könnten bis 2030 nicht nur der Investitionsstau in den Kommunen aufgelöst werden, sondern auch dringend nötige Fortschritte in der Qualität des Bildungssystem, bei Daten- und Verkehrsnetzen sowie bei der Dekarbonisierung des Landes erzielt werden. Eine derartige Investitionsoffensive würde deutliche wirtschaftliche Vorteile über Jahrzehnte bringe – etwa weil teure Energieimporte wegfallen oder weil eine höhere Produktivität durch bessere Bildung und effektivere Technik die geringere Anzahl an Arbeitskräften in einer alternden Gesellschaft teilweise ausgleichen kann. Weil künftige Generationen so von diesen Investitionen profitieren, ist es sinnvoll, solche Investitionen zumindest zum Teil über Kredite zu finanzieren – zumal der deutsche Staat aktuell auch für Finanzierungen über lange Zeiträume kaum oder keine Zinsen zahlen muss. Die Regelungen zur Schuldenbremse sollten so schnell wie möglich modifiziert werden, um den notwendigen Spielraum für Kredite zu ermöglichen.

Fehlende Investitionen in die Bahn - das Symbol schlechthin in Deutschland
Bahnschienen als Symbol für jahrzehntelang ausgebliebene Investitionen.

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Torsten

    19. November 2019 03:42 at 03:42

    Investionsstau?

    Immer mehr Abiturienten und Studenten mit schlechten Noten und Abschlüssen die keiner braucht!
    Wer soll den die ganze Arbeit machen, die Schreibtischfraktion?

    Wir brauchen eine Abutur und Studentenquote, eine Beschränkung von Abitur und Studium und eine Förderung von Lehre und Handwerk!

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Handelskrieg: Trumps Kampf gegen China

Avatar

Veröffentlicht

am

Von

Die Deadline läuft im Handelskrieg von Donald Trump gegen China: wird der US-Präsident am 15.Dezember mit den neuen Strafzöllen sämtliche Importe aus China bezollen? Woher stammt seine geradezu obsessive Haltung, dass die USA von China betrogen würde?

Die Antwort lautet, wie meist bei Trump: aus dem Fernsehen! Dabei hatte Trump in den 1980er-Jahren zunächst Japan als Hauptgegener ausgemacht, aber mit der Krise Nippons in den 1990er-Jahren wurde Japan unbedeutender – und China nahm aus der Sicht Trumps dann die Rolle als Hauptkonkurrent der USA ein. Der Handelskrieg ist dabei ein Mittel, diesen Konkurrenten am Aufstieg zu hindern, indem er dessen Wirtschaft schwächt.

In der folgenden US-Dokumentation kommt vor allem Steve Bannon ausführlich zu Wort, der die Sicht Trumps auf China aus Insider-Sicht beschreibt. Dazu zeigt die Doku die Folgen der Strafzölle in den USA – auch und gerade im gespräch mit Betroffenen:

weiterlesen

Allgemein

China: Unternehmen fliehen aus dem Reich der Mitte

Avatar

Veröffentlicht

am

Guangzhou ist eine der Mega-Städte in China

Die Unsicherheiten wegen des Handelskriegs mit den USA sowie billigere Wettbewerber in Südostasien locken Unternehmen aus China weg.

China hat ein Demografie- und Kostenproblem

Der chinesisch-amerikanische Handelskrieg hat bereits viele Handelsketten aufgesprengt und sorgt nachhaltig für Unsicherheit bei Investitionsentscheidungen. Die nachvollziehbare Strategie des Landes, seine Abhängigkeit von dem zunehmend als unzuverlässig geltendem Handelspartner USA zu reduzieren, ist verständlich. Die Entkoppelung der beiden Volkswirtschaften zwingt jedoch viele Unternehmen, die dort aktuell noch für den US-Markt produzieren, ihren Standort zu verlagern. Natürlich gibt es keine Sicherheit, dass in Zukunft nicht auch die neuen Lieblingsdestinationen für Neuinvestitionen wie Vietnam, Kambodscha, Indonesien, die Philippinen oder Indien ebenfalls in den Fokus amerikanischer Strafzölle geraten. Aber es sprechen noch mehr Gründe für diese neuen angesagten Standorte in Südostasien. Vor allem die deutlich niedrigeren Arbeitskosten und die weitaus günstigere Bevölkerungsstruktur geben einem Investment in den 10 ASEAN-Staaten eine interessante Perspektive.

China hatte im Jahr 1979 aus Angst vor einer unkontrollierten Bevölkerungsexplosion die Ein-Kind-Politik eingeführt – mit nachhaltigen Folgen für die Altersstruktur. Noch im Jahr 1960 lag die Reproduktionsrate bei 5,5 Kindern pro Frau. 1975 hatte sie sich bereits auf 3,0 reduziert und fiel in Folge der kommunistischen Familiensteuerung bis Mitte der neunziger Jahre auf unter 2,0 Kinder pro Frau. Gemäß den Daten der Weltbank sank die Geburtenrate im Jahr 2016 auf nur noch 1,6 Prozent. Parallel dazu stieg die Lebenserwartung, bedingt durch den steigenden Wohlstand der Chinesen, von 43,7 Jahren im Jahr 1960 auf 76,25 Jahre im Jahr 2016.

Diese Entwicklung konfrontiert das bevölkerungsreichste Land der Welt früher als geplant mit den Herausforderungen einer Überalterung der Gesellschaft. Der Grund dafür ist die sogenannte Nettoreproduktionsrate, bei der nur weibliche und damit gebärfähige Nachkommen eine Rolle spielen. Da in China aus traditionellen Gründen Jungen gegenüber Mädchen als Nachwuchs präferiert wurden, fällt diese Rate sehr ungünstig aus. Die Anzahl der Töchter je Frau liegt in China bei nur noch 0,726 und damit weit unter der Erhaltungsrate von 1. In Deutschland, das bereits mit den Herausforderungen der auf den Kopf gestellten Alterspyramide konfrontiert ist (z. B. im Rentensystem), gibt es ein Mutter-Tochter-Verhältnis von 0,688. Schaut man sich jedoch die ASEAN-Staaten, wie die Philippinen an dann liegt diese Rate dort bei 1,414 Töchter pro Mutter, in Indonesien bei 1,137 und in Bangladesch bei 1,022.

Im Vergleich mit westlichen Industriestaaten und Japan hat China bei dem Durchschnittsalter seiner Bevölkerung seit Einführung der Ein-Kind-Politik ebenfalls stark aufgeholt: In Deutschland liegt diese im Durchschnitt bei 42,1 Jahren und im „Land der Vergreisung“ in Japan bei knapp 43 Jahren. In China bereits jenseits der 38 Jahre.

Durchschnittsalter in China

Alle damit einhergehenden Probleme, wie Gesundheitsversorgung, Pflege, Rentenfinanzierung und altersgerechter Umbau von Gebäuden und Infrastruktur, stehen China noch bevor. Aber vor allem junge, motivierte Fachkräfte werden, siehe Japan und Deutschland, zur Mangelware im Reich der Mitte. Und das ist ein nachhaltiges Problem für die Industrie. Die Frage, inwieweit China diese Herausforderung durch qualifizierte Migration lösen kann, ist in Anbetracht der stark eingeschränkten Freiheitsrechte und der zunehmenden Totalüberwachung der Bevölkerung in dem diktatorischen Land noch offen. Aber mit ausreichend Geld kann man natürlich versuchen, Fachkräfte zu locken. Manchem ist Geld ja wichtiger als Freiheit.

Die Karawane zieht nun weiter

Der Trend, Produktion zu verlagern, dreht sich nun jedenfalls in eine andere Richtung – weg von China. Neues Hauptziel der Investoren sind die kostenmäßig weitaus günstigeren und mit einer jüngeren Bevölkerung gesegneten ASEAN-Staaten und zunehmend auch Afrika. Die Bevölkerung Indonesiens ist beispielsweise im Schnitt nur 29,7 Jahre alt, die in Bangladesch gar nur 26,4 Jahre.

Die Arbeitskosten liegen in den ASEAN-Staaten nur bei einem Bruchteil der zuletzt in China stark gestiegenen Löhne. Die Betriebskosten in China sind auch deshalb gestiegen, weil das Land versucht, seine Lieferketten von einem exportorientierten zu einem konsumgetriebenen Modell umzugestalten, was hohe Anlaufinvestitionen und später operativ deutlich weniger Effizienz bedeutet (Geringere Produktivität im Dienstleistungssektor als im Industriesektor). Außerdem sind die Löhne in den letzten Jahren vor allem in den Ballungszentren und in den Wirtschaftssonderzonen stark angestiegen.

Bitte klicken Sie hier um Teil 2 des Artikels zu lesen
weiterlesen

Allgemein

Florian Homm: Warum die EZB scheitern wird

Avatar

Veröffentlicht

am

Florian Homm ist inzwischen vor allem über seinen YouTube-Channel als kritischer Begleiter der Finanzmärkte bekannt. Auch wenn man nicht immer seiner Meinung sein muss, so sind doch seine Bestandsaufnahmen inhaltlich oft bestechend. In seinem folgenden aktuellen Video bespricht er im Grundsatz, warum seiner Meinung nach die Politik der EZB zum Scheitern verurteilt sein soll. Es geht darum schwache Inflation und Konjunktur mit immer tieferen Zinsen und immer mehr Gelddrucken bekämpfen zu wollen. Florian Homm erwähnt in dem Zusammenhang diverse Faktoren, die so viel stärker sind, und eine Wirksamkeit der EZB-Maßnahmen unmöglich machen. Da wären zum Beispiel die Digitalisierung und der Demografiewandel. Die hieraus entstehenden Veränderung zum Beispiel in Sachen Arbeitsplatzabbau wären so groß, dass die Maßnahmen der EZB verpuffen würden (sinngemäß zusammengefasst). Aber Florian Homm hat noch viel mehr zu bieten. Schauen Sie dazu bitte das folgende Video.

Florian Homm

weiterlesen


Anmeldestatus

Meist gelesen 30 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen