
Die Rallye bei Industriemetallen wie Kupfer und Aluminium sorgt Anfang 2026 für Schlagzeilen. Steigende Preise, optimistische Anlegerstimmung und Spekulationen auf sinkende US-Zinsen treiben die Märkte kräftig an. Doch die Experten von Goldman Sachs warnen: Die Entwicklung könnte ins Stocken geraten – vor allem wegen einer spürbar schwächeren Nachfrage aus China, dem wichtigsten Industriemetall-Verbraucher weltweit.
Goldman warnt vor nachlassender Nachfrage
Wie Bloomberg berichtet, sieht Goldman Sachs zunehmende Risiken für die aktuelle Aufwärtsbewegung und mahnt zur Vorsicht. Die starke Preisrally bei Industriemetallen könnte bald Gegenwind bekommen, da steigende Notierungen und bullische Erwartungen zunehmend mit der Realität einer weicheren Nachfrage kollidieren. Besonders chinesische Hersteller zeigen laut den Goldman-Strategen erste Rückzugstendenzen.
„Die realen Produzenten vor Ort reagieren zunehmend negativ“, erklärte Trina Chen, Co-Leiterin der Aktienanalyse bei Goldman, in einem Interview mit Bloomberg TV. Man beobachte bereits einen spürbaren Rückgang der Nachfrage.
Industriemetalle wie Kupfer und Aluminium legten in den ersten Wochen des Jahres 2026 deutlich zu. Investoren setzen auf ein engeres Angebot, einen schwächeren US-Dollar und mögliche Zinssenkungen der US-Notenbank Fed. Gleichzeitig weisen vorsichtigere Analysten jedoch auf eine abkühlende Industrieaktivität in China hin.
Goldmans jüngste Umfrage zum Kupfermarkt zeigt, dass die Auftragsbücher bei Verarbeitern um 10 bis 30 Prozent gefallen sind. Kunden aus Branchen wie Unterhaltungselektronik oder Hardware reduzieren ihre Bestellungen.
Rückgang auch bei Stromnetz-Projekten
Besonders alarmierend: Selbst die Nachfrage aus dem Energiesektor lässt nach. Chen betonte, dass sogar Aufträge für Stromnetze – ein zentraler Treiber des Kupferverbrauchs in China – langsamer werden.
Der LMEX Index, der die sechs wichtigsten Metalle der London Metal Exchange abbildet, ist 2026 bereits um rund 7 Prozent gestiegen und nähert sich dem Rekordniveau aus dem Jahr 2022. Das Industriemetall Kupfer erreichte zuletzt bis zu 13.247 US-Dollar je Tonne, nur knapp unter dem Rekordhoch.
Aluminium erreicht Vierjahreshoch
Aluminium stieg indessen auf den höchsten Stand seit fast vier Jahren, während auch andere Basismetalle zulegten. Auslöser war eine neue Welle von Dollar-Schwäche, die durch Aussagen von US-Präsident Donald Trump verstärkt wurde. Auf die jüngste Abwertung der US-Währung angesprochen, erklärte Trump, der Dollar entwickle sich „großartig“. Diese Aussage verstärkte jedoch die negative Stimmung gegenüber dem Greenback.
Ein Dollar-Index fiel in nur vier Handelstagen um fast 3 Prozent, wodurch Rohstoffe für Käufer außerhalb der USA günstiger werden. Aluminium stieg in London zeitweise um bis zu 2,9 Prozent auf 3.300 US-Dollar je Tonne, den höchsten Stand seit April 2022.

Industriemetalle profitieren von harter Asset-Rotation
Die Industriemetalle starten ähnlich stark wie die Edelmetalle ins Jahr 2026. Neben der Dollar-Schwäche – ausgelöst durch Trumps unberechenbare Politik und Angriffe auf die Federal Reserve – profitieren sie von einer Rotation in „harte Werte“.
Viele Investoren ziehen sich im Zuge des Debasement Trades aus Währungen und Staatsanleihen zurück, da Sorgen über steigende Haushaltsdefizite wachsen. Gleichzeitig wirken Angebotsengpässe unterstützend.
Beim Aluminium spielt besonders China eine Schlüsselrolle: Das Land hat eine Obergrenze für Schmelzkapazitäten, und es ist unklar, wie schnell Produzenten weltweit die Produktion ausweiten können, um die steigende Nachfrage der Energiewende zu decken.
Goldman hebt Prognosen an – bleibt aber vorsichtig
Goldman Sachs hat seine Aluminium-Prognosen angehoben. Die Bank erwartet nun einen Durchschnittspreis von 3.150 US-Dollar je Tonne im ersten Halbjahr, statt zuvor 2.575 Dollar. Dennoch liegt die Prognose weiterhin unter den aktuellen Marktpreisen. Trina Chen warnte erneut, dass die Rally gefährdet sei, da die industrielle Nachfrage – besonders in China – nachlässt.
Aktuell notiert Aluminium bei 3.288 Dollar je Tonne in London. Kupfer und Zink stiegen jeweils um rund 1,2 Prozent, während Eisenerz um 0,7 Prozent auf 102,95 Dollar fiel.
FMW/Bloomberg
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Das halte ich für typische BWLer-Fehleinschätzungen. Die gehen immer davon aus, dass die Politik „kurze Beine“ hat. Das stimmt aber nicht in allen Phasen des Lebens und ist geradezu ignorant gegenüber den aktuellen Entwicklungen.
Wenn die Welt 2026 nicht auf Wachstumskurs bleibt und diesen verstärkt, und sei es inflationär, dann droht eine heftige Stagflation. Ich gehe daher davon aus, dass die USA alles tun werden, um das zu verhindern.
Die Goldmänner kennen sich in Sachen Rohstoffe ein klein wenig aus.