Märkte

Industriemetalle zeigen den Weg Richtung Rezession

Möglicherweise sind die Preise für Industriemetalle ein guter Gradmesser für die Aussicht auf eine Rezession. Die Preise fallen seit Wochen.

Abbau von Rohstoffen

Die Logik ist recht einfach. Je schlechter die Konjunktur läuft, je weniger Unternehmen und Verbraucher Waren nachfragen, desto weniger Rohstoffe werden auch benötigt. Und dementsprechend würde dann auch die Nachfrage für essenziell wichtige Industriemetalle zurückgehen. Und da die Börse und speziell die Terminmärkte immer weit in die Zukunft schauen, und versuchen zukünftige Entwicklungen schon heute einzupreisen, kann man sagen: Die Preise für Industriemetalle preisen jetzt schon mal eine möglicherweise anstehende globale Rezession ein.

Der folgende TradingView Chart zeigt im Verlauf der letzten zwölf Monate die Entwicklung des weltgrößten ETF für Industriemetalle „Invesco DB Base Metals Fund“ (US-Börsenkürzel DBB) in blau. In orange sehen wir den Kursverlauf von Kupfer. Man kann es gut sehen. Hatten die Industriemetalle im April ein Plus von 30 Prozent erreicht, schmelzen die Gewinne seitdem dahin.

Seit April geht es abwärts, weil sich am internationalen Kapitalmarkt die Erkenntnis durchzusetzen scheint, dass die massiven Zinserhöhungen nicht nur durch die Fed in den USA – sondern auch in vielen anderen Ländern – die Volkswirtschaften belasten und die Gefahr einer globalen Rezession vergrößern. Der ETF für Industriemetalle notierte Mitte April noch bei 26 Dollar, jetzt bei 21,41 Dollar. Kupfer notierte Mitte April noch bei 4,80 Dollar, jetzt sind es 4,08 Dollar.

Der Futures-Preis für Aluminium notierte jüngste erstmals seit Juli 2021 kurzzeitig wieder unter der Marke von 2.500 US-Dollar je Tonne. Hierzu erwähnt der Experte Daniel Briesemann von der Commerzbank aktuell, dass sich bei Aluminium die Erwartungen der Marktteilnehmer in den letzten Wochen völlig gewandelt zu haben scheinen. Ging man vor einiger Zeit noch von einer Knappheit aus, so wird der Markt nun offenbar als ausreichend beziehungsweise gut versorgt angesehen.

Wenn man von einer Rezession ausgeht, vermutet man natürlich eine rückläufige Nachfrage für Industriemetalle. Dementsprechend können sich Engpässe schnell in Angebotsüberschüsse verwandeln, und die Preise fallen. Nehmen die Erwartungen der Marktteilnehmer hinsichtlich einer Rezession zu, könnten die Preise für wichtige Industriemetalle wie Kupfer, Aluminium etc weiter fallen.

Prozentuale Entwicklung der Industriemetalle in den letzten zwölf Monaten



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2 Kommentare

  1. Orakel von Delphi

    „Und da die Börse und speziell die Terminmärkte immer weit in die Zukunft schauen, und versuchen zukünftige Entwicklungen schon heute einzupreisen, kann man sagen […] dass sich bei Aluminium die Erwartungen der Marktteilnehmer in den letzten Wochen völlig gewandelt zu haben scheinen.“

    Das ist eben das Problem mit Glaskugeln, Eingeweiden von Opfertieren, Vogelflug, Kaffeesatz, Erwartungen und Prophezeiungen. Sie liegen fast immer falsch, beeinflussen und verzerren durch pure Spekulation die Preise und müssen am Ende als völlig daneben revidiert werden. Was aber niemanden interessiert, weil „am Ende“ die Gegenwart beschreibt, die für Auguren aber weit in der Vergangenheit liegt 😵‍💫🤔🤯
    Klingt wie ein temporales Paradoxon, ist aber normales Tagesgeschäft an Märkten und Börsen.

  2. Ich gehe ebenfalls davon aus, dass wir in einer Rezession sind, schon weil die Wachstumszahlen inflationsbereinigt deutlich negativ wären. Allerdings geht der technische Fortschritt ebenfalls weiter voran und die aktuelle Weltlage treibt den militärisch-industriellen Komplex an. Und nebenbei basteln auch viel an neuen Energietechniken . good luck!

    Insgesamt gehe ich davon aus, dass wir in einem Rohstoffzyklus sind und habe heute eine einschlägige Konzerne nachgekauft. Rohstoffzyklen sind stets mit enormen Schwankungen verbunden. Rio Tinto und Vale sind alleine heute an die 10% billiger zu haben. Das ist aber kein Zeichen, dass wir bald keine Rohstoffe mehr brauchen, sondern typischer Ausdruck eines Rohstoffzyklus. In unruhigen Zeiten hoffen die Menschen täglich auf Besserung, die natürlich nicht so schnell kommen kann.

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