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Inflation auf Rekordhoch – Druck auf die EZB steigt – Expertenaussage

Die Inflation in der Eurozone hat heute ein Rekordhoch erreicht. Laut Experten erhöht dies den Druck auf die EZB die Zinsen kräftiger anzuheben.

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Die Inflation in der Eurozone wurde heute um 11 Uhr mit 8,6 Prozent im Juni vermeldet. Das war ein deutlicher Sprung von 8,1 Prozent im Mai. Und man bedenke: In Deutschland haben Tankrabatt und das 9 Euro-Ticket für einen leichten Rückgang der Preissteigerungen gesorgt – wenn diese Sonderfaktoren auslaufen, ist dies wieder preistreibend, auch auf der Euro-Ebene, weil Deutschland auf europäischer Ebene nun mal so stark ins Gewicht fällt.

EZB nur mit Mini-Zinsanhebung am 21. Juli

Am 21. Juli wird die EZB – wie von Christine Lagarde angekündigt – die Zinsen um 0,25 Prozentpunkte anheben. Ganz bewusst hebt man nur so wenig an, um laut Lagarde mit einem kleinen Schritt vorsichtig in die Zinswende zu starten. Erst im September könnten weitere 0,25 oder 0,50 Prozentpunkte Anhebung anstehen. Aber seitdem Christine Lagarde diese Zinsschritte am 9. Juni konkrete ankündigte, hat sich die Inflationsdynamik weiter entwickelt, siehe die heutige Meldung von Eurostat. Auch haben in den letzten Wochen mehrere Zentralbanken ihre Zinsen spürbar angehoben, so die Schweiz, Schweden, Ungarn etc. Der Mini-Zinsschritt der EZB am 21. Juli ist schon längst am Markt eingepreist – aber die Inflation steigt weiter.

Also ist die EZB seit heute noch mehr unter Zugzwang, eigentlich die Zinsen bereits im Juli stärker anzuheben also nur um 0,25 Prozentpunkte. Aber wie man die behäbige Zentralbank in Frankfurt und ihr Führungspersonal kennt, ist man nicht gerade mit Flexibiliät und Tatendrang gesegnet. Noch schlimmer, man will womöglich sogar absichtlich passiv bleiben, damit die Finanzierungskosten für Staatsschulden in den Euroländern nicht zu kräftig ansteigen.

Expertenkommentar mit Analyse der Inflation in der Eurozone

Die Experten der Commerzbank betonen aktuell, dass es alleine der temporären Einführung des 9-Euro-Tickets in Deutschland zu verdanken ist, dass die Inflation in der Eurozone ohne die volatilen Preise für Energie und Nahrungsmittel geringfügig von 3,8 Prozent auf 3,7 Prozent gesunken ist. Der Preisauftrieb in der Eurozone habe in den vergangenen Monaten eher noch an Fahrt gewonnen. Die Inflation werde den Hochpunkt wohl erst im Herbst erreichen. Denn angesichts des andauernden Kriegs in der Ukraine dürften die Energiepreise bis auf Weiteres hoch bleiben. Gleichzeitig werde das Warenangebot durch die andauernden Material- und Lieferengpässe beschränkt, die durch neuerliche coronabedingte Betriebsschließungen in China noch verschärft werden dürften. Die hierdurch bedingte Verteuerung der Produktion würden die Unternehmen inzwischen in immer größeren Umfang an die Verbraucher weitergeben.

EZB unter Druck

Auch wenn es nicht zu einer Unterbrechung der russischen Öl- und Gaslieferungen kommt und der Anstieg der Energiepreise im Vorjahresvergleich im weiteren Jahresverlauf deutlich sinkt, so wird die Inflation wohl zum Jahresende laut den Commerzbankern immer noch bei rund 7,5 Prozent liegen. Vor diesem Hintergrund würden die Gewerkschaften bei den kommenden Tarifverhandlungen zumindest einen teilweisen Ausgleich für die höhere Inflation fordern. Der Lohnauftrieb dürfte deshalb deutlich zunehmen.

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Der EZB werden die heutigen Verbraucherpreisdaten laut Meinung der Commerzbanker kaum gefallen. Denn damit sei ihre erst vor vier Wochen veröffentlichte Inflationsprojektion für 2022 bereits wieder überholt, nach der die Inflation im zweiten Quartal nur auf 7,5 Prozent steigen sollte. Tatsächlich habe sie auf 8,0 Prozent zugelegt. Die heutigen Preisdaten würden den Druck auf die EZB erhöhen die Zinsen im Juli um mehr als die angekündigten 25 Basispunkte anzuheben. Aber, so meine Meinung: Man darf vermuten, dass die EZB stumpf ihr Programm durchzieht, und in drei Wochen diesen „sensationellen“ Zinsschritt von 25 Basispunkten durchführt. Man bedenke nur mal als Vergleich: Die Zentralbank in Ungarn hatte am Dienstag ihren Leitzins auf einen Schlag um 1,85 Prozentpunkte auf 7,75 Prozent angehoben, bei einer Inflation in Ungarn bei 10,7 Prozent. Und die EZB hängt noch drei Wochen lang seelenruhig bei 0 Prozent bei 8,6 Prozent Inflation.



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1 Kommentar

  1. 7 Prozent Inflation bedeutet 7% Geldvernichtung.
    Um Geldneutral zu bleiben wäre eine Anhebung der Zinsen auf 7% vorzunehmen. Nicht 0,25 nicht 1 nein nicht 2 nicht 3 …. nicht 6,5% sondern 7.%.

    Das ist so klar und einfach. Versteht das Frau Lagarde nicht ?

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