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Inflation: Die Lohn-Preis-Spirale und die hilflose EZB

Die immerwährende EURO-Rettung in Permanenz kommt

EZB Inflation Lohn-Preis-Spirale

Außer der EZB wissen es alle längst: Die Lohn-Preis-Spirale ist kein Verhütungsmittel gegen Inflation. Sie ist vielmehr eine Erzeugerin von Inflation. Auch schützt die Lohn-Preis-Spirale die Mächtigen vor Machtverlust nicht. Je hochtouriger die Lohn-Preis-Spirale rotiert, desto schneller dreht die Inflation. Am Ende stehen Hyperinflation und Fast Money. Nachstehender Beitrag wirft einen genaueren Blick auf die Inflation im EURO-Raum und die verbleibenden Spielräume der EZB, die Inflation zu bekämpfen und die Lohn-Preis-Spirale zu verhindern. In Rede stehende Spielräume verengen sich gerade zusehens. Der Imperativ des Faktischen holt die politischen Akteure langsam ein.

Macron erste Opfer von Inflation und Lohn-Preis-Spirale

Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron scheint das erste Opfer der überschießenden Inflation im EURO-Raum geworden zu sein, meint Norbert Tofall vom renommierten Flossbach-von-Storch-Research Institute in Köln. „Obwohl in den deutschen Medien in den letzten Tagen überwiegend Stilfragen als Ursache für die Wahlniederlage von Macron bei den Parlamentswahlen herangezogen wurden, dürften die tieferen Ursachen für diese Wahlergebnisse doch ganz anderer Natur sein“, so Tofall. Sowohl Marine Le Pen als auch Jean-Luc Mélenchon hätten seit Monaten das Thema Inflation und hohe Energiepreise besetzt. Sie „konnten damit einen großen Teil derjenigen Franzosen, die überhaupt noch zur Wahl gegangen sind, erreichen“, so Tofall. Anders als Macron. Dessen Wähler blieben in Scharen der Wahl fern. Die Wahlbeiteiligung zur Wahl für die Nationalversammlung lag vergangenen Sonntag bei unter 50 Prozent: Stell Dir vor, es ist Demokratie, und keiner geht hin..

Inflation, Massendemonstration, Lohn-Preis-Spirale in Brüssel

In Frankreich liegt die Inflation derzeit bei 5,8 Prozent. In Spanien liegt sie bei 8,7 Prozent und in Belgien bei gut 9 Prozent (8,97). Die hohe Inflation trieb in dieser Woche in Brüssel über 70.000 Demonstranten auf die Straße. Auf einem Transparent war zu lesen: „Plus de Respect! Plus de Salaire!“ (Mehr Respekt! Höherer Lohn!). Der Verkehr in Brüssel war weiträumig lahmgelegt, der Flughafen strich alle Flüge. Die Belgier demonstrierten gegen die nach oben schnellenden Lebenshaltungskosten. Es ist die erste Demonstration dieser Art in einem EURO-Land. Bekanntlich erzeugt Inflation immer und überall gefährliche soziale Unwuchten. Und die scheinen sich nun nach und nach auch auf der Straße zu entladen. Es scheint, als würden die Belgier die Lohn-Preis-Spirale als erste anwerfen.

USA stehen vor „absoluter Explosion der Inflation“

Der Meinungsforscher Frank Luntz erklärte dieser Tage auf CNBC, die USA stünden mit dem US-Feiertag am 04.Juli vor einer absoluten Explosion der Inflation. Luntz am 17. Juni wörtlich: „Wir sind 13 Tage von einer absoluten Explosion der Inflation entfernt!“ Die Midterm-Wahlen seien im November und die Umfragen für Biden stürzten gerade ab, so Luntz. Stand jetzt sei Joe Biden laut Umfragen der unpopulärste Präsident. Man müsse schon bis Jimmy Carter zurückgehen, in das Jahr 1978, um auf derart niedrige Zustimmungswerte für einen amtierenden Präsidenten zu stoßen.

Ein Drittel der Amerikaner sei inzwischen der Meinung, dass Inflation das Thema Nummer Eins sei. Unter dem Beitrag von Luntz steht ein interessanter Kommentar von Leser Luke Wagner. Er lautet: „My father was a son of a German farmer. He’s been dead for a while now. He one time said to me that the problem with the people in this country is they don’t know the difference between want and need. I think they’re going to start learning the difference pretty soon.“ Indes, die Schere zwischen Wollen und Brauchen wird mit Einsetzen von Inflation und Lohn-Preis-Spirale hinfällig.

Inflation schädigt die unteren Einkommensschichten massiv

Die überschießende Inflation 2022 trifft die unteren Einkommensschichten hart. In diesem Zusammenhang erweist sich erst das Leugnen der Inflation und dann das Gerede, die Inflation sei nur transitorisch, seitens der Regierenden und obersten Währungshüter der EZB, als politischer Kardinal-Fehler. Dieses ostentative Kleinreden der Gefahren ist wohl noch schlimmer als unverantwortlich: Es ist kurzsichtig. Denn die Armut der Inflationsgeschädigten ist nicht transitorisch. Deswegen werden sich die Bürgerinnen und Bürger ihren Kaufkraftverlust über die Gewerkschaften diesen Herbst zurückholen. Das wäre dann der Eintritt in die gefährliche Lohn-Preis-Spirale. Je kranker die Wertpreisstabilität und je höher die Einkommensverluste durch Inflation, desto präsenter werden die Menschen sich an die Fehlprognosen der EZB erinnern. Sie werden die beispiellose Kette an Fehleinschätzungen als unverzeihliches Fehlverhalten moralisch aufladen. Moral ist stets das stärkste moralische Treibmittel, das werden EZB und Christine Lagarde in den kommenden Monaten unangenehm zu spüren bekommen. Indes: Man sollte nicht moralisch werden, wo Inkompetenz als Erklärung vollkommen hinreicht.

Inflation, Lohn-Preis-Spirale, EZB Interventionsspirale

Vorbei sind die Zeiten, wo die EZB mit einem Schlag und einmalig Griechenland und den EURO retten konnte. Die EZB findet sich infolge der hohen Inflation in einer historisch einmaligen Konstellation wieder. Sie muss die Zinsdifferenzen der Staatsanleihen von 19 Mitglied-Staaten glätten. Die Spreads lagen lange Zeit unter der 1 Prozentmarke. Inzwischen liegt der Zinsunterschied zwischen der griechischen Staatsanleihe und dem deutschen Bundesschatzbrief bei über 1 Prozent. Was, wenn die Spreads zukünftig immer wieder einmal kurzfristig zwischen 2 und 3 Prozent liegen?

Dieser Spread zieht spekulative Kapitalbewegungen magnetisch an: An den Kapitalmärkten werden Anleger weltweit versuchen, die Zinsdiffernzen zu ihrem Vorteil auszunutzen. Das ist weder gut noch böse, sondern einfach ein Geschäftsmodell. Von daher kann sich das interessierte Publikum schon jetzt auf den fortgesetzten Krisenmodus der EZB vorbereiten. Die immerwährende EURO-Rettung in Permanenz kommt. Auf die überschießende Inflation und die einsetzende Lohn-Preis-Spirale antwortet die EZB mit einer Inverventionsspirale.

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8 Kommentare

  1. Dies bedeutet doch, dass letztlich der Euro und (!) die EU kollabieren werden.

  2. Was bleibt denn dann noch an Kaufkraft, wenn von der Lohnerhöhung auch noch die Sozialversicherung-Beiträge und ggf. Steuern abgezogen werden?
    Und ich denke, die Inflation wird auch einschließlich 2023 weiter ansteigen.
    Das ist aber bei Rentnern, die sich nun über ihre Rentenerhöhung freuen, auch nicht anders.
    Minus Krankenkassenbeiträge, minus ggf. Steuern.
    Die Ärmsten der Armen (Grundsicherungsempfänger) durften sich über 3 Euro im Monat Erhöhung für 2022 freuen.

    …Anstehender Tarifkonflikt: IG Metall fordert „kräftige Lohnerhöhung“ | tagesschau.de

    ….Der Tarifabschluss muss zwei Jahre abdecken, 2022 und 2023.

    https://www.tagesschau.de/wirtschaft/konjunktur/ig-metall-lohnforderung-uebergewinnsteuer-arbeitgeber-industrie-konjunktur-inflation-lohn-preis-spirale-101.html

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  3. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Der Spread ist begründet in niedrigen Ratings. Jede Stufe unter „AAA Ausblick stabil“, höchtes Rating, zieht einen Spread von 0,5 Prozent nach sich.
    Ratings sind im Prinzip Noten.

    Wenn Italien, wie im Sommer 12,nur noch mit BBB Minus bewertet ist, so muss es sich nicht wundern, 7 Prozent Zinsen zu zahlen.

    Das ist wie als wenn sich ein ständiger Fünfenschreiber wundert, das er nicht auf’s Gymnasium kommt.

    Beispiel: Als im Sommer 92 verkündet wurde, der Euro kommt, war die Konvergenz in aller Munde. Italien, Deutschland, Frankreich…sollten alle auf der gleichen Welle schwimmen, das heißt, Verschuldungsgrad,Wirtschaft ,Finanzen, usw…sollten eins zu eins gleich sein, bis zum Tag der Euroeinführung.
    Italien ging aber mit 125 Prozent vom BIP in den Euro, verschuldete sich auf Teufel komm raus weiter und wundert sich dann über die Zinsrate von 7 Prozent …?
    Unwahrscheinlich! Im Juli 92 musste Italien 13 Prozent bieten und es ging auch.
    Wenn die EZB nun die Märkte manipuliert, dann ist es so, als ob der Fünfenschreiber trotzdem auf’s Gymnasium kommt, indem der Lehrer ( EZB, EU) von dem guten Einser Schüler( Deutschland) einfach ein paar Einsen abzieht und dem Italiener gibt,damit der versetzt wird.
    Im Gegenzug erhält der Primus die Fünfen des Versagers und Faulenzers Italien.
    Dann stehen beide bei 3 und dürfen auf’s Gymnasium. NUMERUS – Clausus- Studieren darf aber keiner von beiden, denn der Primus muss den Versager ständig mit durchfüttern, indem er seine guten Noten abgeben muss und beim Abitur nur noch dreien über sind.
    Im Wesentlichen ist damit die EU und die Eurozone beschrieben.
    Es ist keine Elite sondern ein Bund von Versagern, der Primus hat sich schon lange dem Trunke hingegeben und macht jetzt auch nichts mehr.
    Es lohnt sich ja nicht, warum sollte er noch fleißig lernen…?

    1. @Sebastian

      In meiner Klasse hat es der Primus nicht geschafft. Er scheiterte im richtigen Leben.
      Ein paar andere, notenmäßig auf unterstem Niveau, machten glänzende Karrieren.
      Der einzig Dumme an der ganzen Geschichte war der unfähige Lehrer.
      Sie sind doch hoffentlich kein Lehrer, oder?

    2. Doch, genau so ist es! Mit einem Unterschied, ich würde nicht sagen der Versager oder Klassenkasper in der Schule wird durchgeschleift, denn Italien oder Griechenland sind trotzdem gute Staaten die funktionieren und Ihre Stärken haben. Es sind die Systemlinge, meist die 2. Garnitur der Schüler einer Klasse. Einer der sich anbiedert und dem System hörig ist, möglicherweise auch nur deshalb weil er das Beste will für sich (seiner Bevölkerung).
      Beispiel aus meinem Leben:
      Schulzeit in der Zone, Abschluss 10 Klasse. Zum Abitur wird zugelassen: Notendurchschnitt 1,0 – 1,2 und alle Offiziersbewerber für die Stasi und die NVA mit guten Noten. Waren die Noten nicht so gut, gabs leichte Prüfungsfragen in der Mündlichen. Da musste schon mal ein anderer sehr guter Schüler den 2 Bildungsweg einschlagen, um zum Studium zu gelangen. Von 20 Schülern gingen auch nur max. 4 auf die EOS (Abitur).
      Na klingelts…alles nicht neu.
      Ich sags immerwieder, über was ihr, im goldenen Westen aufgewachsenen, euch alles so wundert, haben wir bereits kennengelernt/durchgemacht. Hab auch nie kapiert, wie sich die Merkel mit Ihrer Vergangenheit und dem Führungsstil so lange halten konnte. Ihr seid ahnungslos, leider! Ich sag euch auch nochwas, es geht noch viel weiter. Das ist erst der Anfang, das System rettet sich selbst, da es nichts und niemanden gibt, der den Finger in die Wunde legt (der Russe und Chinese jetzt vielleicht, hab da aber noch Zweifel), wie es damals der Westen gemacht hat. Der Ostblock ist genau dann zerfallen, als der Westen es brauchte, da es auch dort krieselte.
      Resümee: Weitermachen, hier gibts nichts zu sehen, alles beim alten. FOLGE DEM GELD!

  4. Die Lohn-Preis-Spirale wird kommen – so sicher wie das Amen in der Kirche. Das war bis jetzt bei jeder Inflation so, und ist auch vollkommen logisch. Man stelle sich nur mal vor was sein würde, wenn die Löhne nicht erhöht werden würden, und Millionen Menschen unter das Existenzminimum rutschen. Dann würden doch Mord und Totschlag an der Tagesordnung sein – und das wünscht sich sicherlich kein Politiker…

  5. Bei Herrn Lauterbach wäre ich mir da nicht so sicher…

    1. … oder bei Herrn Höcke.

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