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Warum für Inflation die Geldumlaufgeschwindigkeit wichtig ist

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Gelddrucken allein sorgt nicht für steigende Preise. Damit dies geschieht, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Eine der Wichtigsten ist die Zunahme der Geldumlaufgeschwindigkeit. Doch wie wird diese gemessen und wie entsteht Inflation?

Inflation, Teuerung und Geldmenge

Nicht erst seit der Weltfinanzkrise oder der aktuellen Corona-Krise wurde Geld gedruckt, um Löcher in Bankbilanzen zu stopfen oder Staatsschulden zu finanzieren. Wann immer die Notenbanken Geld aus dem Nichts schöpfen, findet Inflation statt, was per Ursprungsdefinition nichts anderes als die Ausweitung der Geldmenge beschreibt (Lat. Inflatio = „Aufblähen“ der Geldmenge). In unserem heutigen Geldsystem schöpfen aber nicht nur die Notenbanken Geld aus dem Nichts, sondern auch die Geschäftsbanken über das Teilreservesystem. Die Banken sind sogar für den überwiegenden Teil der Geldschöpfung via Kreditvergabe an Schuldner verantwortlich. Es kommt also bei der Inflation im Sinne der Geldmengenausweitung nicht nur darauf an, wie viel Geld die Notenbanken drucken und verteilen, sondern auch auf die Kreditvergabe der Banken.

Momentan führt die Geldschöpfung aus beiden Quellen beispielsweise in den USA zu einem Anstieg der Geldmenge M2 im März 2020 gegenüber dem Vorjahresmonat von 11 Prozent. Im Februar waren es noch 7,2 Prozent. Die letzten verfügbaren Daten zum 13. April 2020 zeigen eine Jahresveränderungsrate der Geldmenge M2 von bereits +15.9 Prozent. Die Inflation der Geldmenge gewinnt also an Schwung. Die Geldmenge M2 setzt sich übrigens aus allem Bargeld, Giralgeld (Sichtguthaben) sowie geldähnlichen Vermögenswerten, wie z. B. kurzfristig liquidierbaren Spareinlagen oder Wertpapieren mit kurzer Laufzeit zusammen.

Obwohl die US-Geldmenge aktuell prozentual zweistellig steigt, bleibt die Teuerung, gemessen an einem vordefinierten statistischen Warenkorb, aktuell gering. Der Konsumentenpreisindex in den USA stieg gemäß den am Donnerstag veröffentlichten Daten im Monat März 2020 lediglich um 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat an. Im Februar betrug die Preissteigerungsrate noch 1,8 Prozent. Ein wichtiger Grund für die abnehmende Teuerungsdynamik waren die kollabierenden Energiepreise (Rohöl, Erdgas, Heizöl, Benzin, Diesel etc.). Ein weiterer Grund ist die ansteigende Sparquote. Wegen der Corona-Krise und den ohnehin hohen Schulden nutzen viele Amerikaner das vom Staat zur Verfügung gestellte Geld aus dem Billionen-Notprogramm der Trump-Administration zum Abbau von Verbindlichkeiten und bilden Rücklage für noch schlechtere Zeiten. Dadurch steigt die Haltedauer des Geldes und die Geldumlaufgeschwindigkeit sinkt. In Folge dessen sinkt auch die Nachfrage, trotz explodierender Geldmenge. Die Preise steigen selektiv nur dort an, wo Knappheit herrscht oder eine Sondernachfrage existiert, wie zum Beispiel bei Mund- und Nasenmasken.

Die Geldumlaufgeschwindigkeit

Im makroökonomischen Sinne beschreibt die Geldumlaufgeschwindigkeit (V) die Summe aller realen Transaktionen einer Volkswirtschaft im Verhältnis zum Geldbestand, z. B. der Geldmenge M2. Zur Berechnung der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes wird das nominale Bruttoinlandsprodukt (BIP) durch die Geldmenge dividiert (V=BIP/M2). Zum 31. März lag die Geldumlaufgeschwindigkeit in den USA bei 1,374 – das ist der niedrigste jemals gemessene Wert seit der Datenaufzeichnung durch die Federal Reserve Bank.

Inflation durch gedrucktes Geld - die Fed-Zentrale in Washington DC

Nun ist es logisch, dass die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes (V) sinkt, wenn massiv Geld durch die Notenbank erzeugt wird und die Geldmenge M2 dadurch prozentual zweistellig ansteigt aber gleichzeitig die wirtschaftliche Aktivität (BIP) unverändert bleibt. Das zusätzliche Geld wird gehortet und damit nicht nachfragewirksam. Im ersten Quartal schrumpfte das US-BIP jedoch gemäß vorläufiger Zahlen sogar um annualisiert 4,8 Prozent. Damit sinkt der Wert V zusätzlich. Würde im gegenteiligen Fall das BIP ansteigen und die Geldmenge gleichbleiben, würde die Geldumlaufgeschwindigkeit ansteigen, ebenso wie die Preise.

Bargeldverbot, Negativzinsen und Schwundgeld als Schlüssel zur Inflation

Natürlicherweise steigt die Geldumlaufgeschwindigkeit, wenn sowohl Geld als auch die Bereitschaft vorhanden ist, dieses auch auszugeben. An Geld (M2) mangelt es derzeit gesamtwirtschaftlich nicht. Aber die Neigung zu Investieren und zu Konsumieren ist aktuell so gering ausgeprägt wie während der Weltfinanzkrise. Sollten die Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19 erfolgreich sein und die Wirtschaft langsam wieder Tritt fassen, würde das zusätzliche Geld auf eine steigende Ausgabenbereitschafts treffen und mehr und mehr nachfragewirksam werden. Die Geldumlaufgeschwindigkeit würde wieder ansteigen, ebenso wie die Preise.

Kommt es jedoch zu einer ausgeprägten und lang anhaltenden Schulden-, Finanz- und Wirtschaftskrise, dann wird die Sparquote weiter steigen, die Einkommen weiter sinken und der Konsum sowie die Investitionen werden weiter schrumpfen.
In diesem Fall müsste die Geldumlaufgeschwindigkeit durch staatliche Sanktionen künstlich erhöht werden, um Nachfrage zu erzeugen und die Wirtschaft vor dem Kollaps zu bewahren.

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16 Kommentare

16 Comments

  1. Avatar

    thinkSelf

    1. Mai 2020 18:32 at 18:32

    Guter Artikel. Ich möchte aber noch auf einen Aspekt hinweisen.

    Am Ende entscheidet ausschließlich der Konsum. Denn Produktionsmittel brauchen wir nur um Güter zu erstellen, die wir konsumieren. Weshalb die Wirtschaftsleistung auch nicht „überwiegend vom Konsum“ abhängt, sondern ausschließlich.

    Der Staat könnte zwar jetzt z.B. Abgaben und Zinsen dramatisch senken und sich weiter verschulden. Startet er dann noch Investitionsprogramme spült er zusätzliches Geld in breite Schichten. Aber auch das muss noch keine Inflation auslösen, denn dazu müssen zwei Dinge passieren. Die Beschäftigten müssen in der Lage sein ihre Einkommen zu erhöhen und die Güterlieferanten ihre Preise. Für beides fehlen im Moment die strukturellen Rahmenbedingungen.

    Militär stellt übrigen die maximale Form des Konsums dar. Ihr Zweck besteht entweder darin irgendwann ohne reale Nutzung wieder verschrottet zu werden oder sich selbst und auch noch andere Güter zu zerstören.

    • Avatar

      Shong09

      2. Mai 2020 23:36 at 23:36

      Sehr guter Gedankengang.

  2. Avatar

    Brigitte

    1. Mai 2020 21:19 at 21:19

    Bestes Mittel um die Wirtschaft in Deutschland (EU) wieder anzukurbeln, wäre eine komplette Streichung der Mehrwertsteuer!!!!!
    Als Ersatz könnte damit angefangen werden, Abschreibungen (Investitionen), welche innerhalb der Betriebe in direkter Konkurrenz zu den Arbeitnehmern stehen, zu besteuern.
    Und weil wir schon dabei sind – auch jeglicher Gewinn, der hauptsächliche Gegenpart der Neuverschuldung, sollte besteuert werden.
    Also:
    Streichung der Mehrwertsteuer und der derzeitigen Besteuerung des Arbeitnehmerentgelts und der Unternehmen
    Einführung einer prozentual einheitlichen Steuer auf jeglichen Gewinn, den Abschreibungen und dem Arbeitnehmerentgelt

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    Peter Sallister

    2. Mai 2020 05:18 at 05:18

    Das haben sie schön erklärt Herr Zipfel.
    Man könnte das mal ergänzen mit Vorschlägen, wie sich heute jemand auf ev. zu erwartende „unangenehme“ Maßnahmen von oben vorbeugend einstellen könnte.

    Die Psychologie und in diesem Fall die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage spielt eine große Rolle, denn viele Entscheidungen der Bürger werden mehr aus dem Bauch getroffen als daß jemand sich die Mühe macht wie Sie der Sache auf den Grund zu gehen.

    Ich glaube im Moment unterschätzen viele noch den Faktor Zeit. Noch ist das Rauf und Runter bei den Kursen aufregend. Und die Hoffnung da, daß sich in 3,4 Monaten alles mehr oder weniger wieder gerichtet hat.
    Es könnten aber auch 2,3 Jahre des steten, tristen und langweiligen Niedergangs kommen. Reserven gehen privat wie geschäftlich zu Ende, es wird eher billigseitig eingekauft, Auto-, Immomarkt und vieles mehr brechen dauerhaft ein um 30 %. Usw. usf.
    Gleichzeitig Schulden abbauen und stimulieren wird für den Staat auf längere Sicht eigentlich unmöglich oder es hat Folgen.
    In ein paar Monaten wird man sicher mehr sehen zumindest von der Tendenz her.
    Ich würde mir in den nächsten 6-12 Monaten längerfristige Investitions-Entscheidungen eigentlich verbieten wollen.

    Ich denke auch die Seite der Regierenden ist noch einige Zeit im Notfallmodus. Aber irgendwann kommt dann der Zeitpunkt wo dann „in Ruhe“ nachgedacht wird, an welchen Knöpfen man drehen möchte oder ob nicht noch eine paar neue Drehknöpfe dazukommen sollen.
    Bei diesem Nachdenken werden dann auch die Dinge wichtig sein die Sie in Ihrem Artikel ansprechen.

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    Kay

    2. Mai 2020 15:47 at 15:47

    Guter Artikel.
    Was meinen Sie genau mit „Diesen Versuch musste die US-Notenbank im Winter 2018 schon einmal abbrechen – noch ohne Krise und bei deutlich geringerer Gesamtverschuldung“?

    Um was gehts da genau, ein paar Sticherwörter zum Suchen würden schon reichen.

    • Avatar

      Shong09

      2. Mai 2020 23:34 at 23:34

      Bis Dez 2018 hat die FED die Zinsen über mehrere Quartale hinweg angehoben und QE reduziert bzw. die Geldmenge sogar reduziert oder dieses angekündigt. Die Anleihen, welche vorher in QE aufgekauft wurden, wurden regelmäßig bei Fälligkeit quasi gerollt, also durch neue ersetzt.
      Aufgrund des Markteinbruchs im Dez 2018 wurde der Vorgang abgebrochen und die Zinsen innerhalb von 8 Monaten wieder deutlich gesenkt

      • Avatar

        Kay

        3. Mai 2020 19:24 at 19:24

        Herzlichen Dank.

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    joah

    2. Mai 2020 20:40 at 20:40

    >>Hierzu könnte der Staat beispielsweise Konsumschecks an Privathaushalte verteilen, die mit einem engen Verfallsdatum versehen sind.<<

    Scheinaufschwung. Nullsummenrechnung.

    >>Sparen funktioniert mit Schwundgeld nicht. Die Geldumlaufgeschwindigkeit würde massiv ansteigen und das BIP mit nach oben ziehen.<<

    Freche Enteignung. Keine Ansparungen für größere Anschaffungen mehr möglich; Schuldensklaven.

    >>Eine deflationäre Depression á la 1929 ff. ist in einem ungedeckten Geldsystem mit theoretisch unendlich großer Geldmenge (Inflation) und ohne Bargeld jederzeit abwendbar.<<

    Gegenthese: nicht zwangsläufig. Man kann mit viel monetärer Inflation auch massive Deflation und ökonomische Depression erzeugen: entscheidend ist, wohin das Geld gepumpt wird.
    Ablehnung: Weder gibt es in finiten Zahlensystemen die Möglichkeit eine Unendlichkeit zu erreichen, geschweige denn mathematisch (nur ein virtuelles Behelfskonstrukt). Währungssysteme sind alle finite Zahlensysteme, egal wie groß die Anzahl erzeugter Einheiten sei. Genau dies hat weitreichende Implikationen.

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    Sabine

    3. Mai 2020 16:55 at 16:55

    In Twittermeldung schlägt Robert Schlick, als Grünenpolitiker Mitglied des Dresdner Stadtrates, vor, „dass wir die Wirtschaft jetzt mal gegen die Wand fahren. Lassen wir doch Tui und Co einfach mal absaufen. Und dan probieren wir etwas Neues aus, etwas das klima-, umwelt- und menschenfreundlich ist“. Schlick hat dies später gelöscht, denn es sei in ihrer „ursprünglichen Aussage ungünstig formuliert“. Na dann.
    Dagegen Palmer wird aus der Grünen Partei vielleicht ausgeschlossen, weil er die Wirtschaft retten wollte. So ein Depp.
    https://www.tag24.de/dresden/wirtschaft-jetzt-mal-gegen-die-wand-fahren-gruener-stadtrat-unter-beschuss-1486922

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      verwundert

      3. Mai 2020 21:13 at 21:13

      Worin liegt Ihr Problem? An der Wortwahl? Satzstellung? Person? Parteizugehörigkeit?

      Es ist immerhin sehr selten, wenn ein „Grüner“ mal ausnahmsweise vernünftig tickt: freie Märkte heißt auch, das man sich raus hält und nicht in kommunistischer Manier alles staatlich „unterfüttert“ bei der kleinsten Fluktuation (Verluste sozialisiert). Hart, aber korrekt.

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        sabine

        4. Mai 2020 12:40 at 12:40

        Falsch geraten.
        a) Er sagt ausdrücklich: „Ich schlage vor, dass wir die Wirtschaft jetzt mal gegen die Wand fahren“, nicht „fahren lassen“. Es geht also nicht um Hilfspakete oder Hubschraubergeld! Entlarvend sind auch seine Chefs in der Pardei. ‚Er müsse sich noch an die Artikulierung in der Politik gewöhnen.‘ Aha, Lügen, verstecken usw. Was Alternative Medien ja immer sagen. Denn ein Versprecher war das nicht!!! Man kann das auch nicht irgendwie noch gutdeuten. Höchstens in Ihrem Sinne, mit dem Geldschwemme-Stop.
        b) Es ist der grüne Kommunismus, der am Lockdown festhält, und gut, das dabei die Wirtschaft „absäuft“. Die Hotels sollen bitte ihre Öl-Heizung auswechseln. Dazu das ganze Plexiglasplastik und die Plastik-Mundschutz. (Textil dichtet nicht genug für Viren.)
        c) Diese Hysterie wieder mal.
        https://www.facebook.com/permalink.php?id=306265679397998&story_fbid=3248266491864554
        https://www.ruhr24.de/promis/sonja-zietlow-rtl-coronavirus-verschwoerung-theorie-beleidigung-facebook-dschungelcamp-aerger-zr-13654152.html
        Zietlow zählt die ganzen Professoren auf, die jetzt alle Verschwörungstheoretiker sind, wenn nicht „Rechts“, also Nazis. Oder „Reichsbürger“, das neue Schimpfwort.
        Palmer sagte z.B.: Der Shutdown treibe die Wirtschaft in den „Abgrund“ und könne nach WHO-Angaben vielen Kindern in ärmeren Ländern das Leben kosten. Dann meinte er rein mathematisch: man müsse abwägen, hierzulande würden möglicherweise nur das Leben Älterer um 1/2 Jahr verlängert, dort sterben Kinder. Das war natürlich gelinde gesagt „unpraktisch“. Natürlich will auch er jedes Leben retten. Ich will seinen verbalen Fehltritt nicht verteidigen, aber er wollte eigentlich wissenschaftlich abwägen. Das mußte man in Italien ja auch: Für wen die Masken, der Arzt mußte wählen, wen er sterben läßt! Nur so wollte Palmer sich ausdrücken. Pest und Cholera… Er hats ja sogar sofort korrigiert, aber die Heuler waren froh, ihn endlich abschießen zu können.

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          verwundert

          4. Mai 2020 18:36 at 18:36

          Sie reden sich ja regelrecht in Rage, kommen aber letztendlich wo ganz anders heraus, als Sie anfingen. Das kommt äußerst verwirrt rüber.

          • Avatar

            leftutti

            5. Mai 2020 02:15 at 02:15

            @Verwundert, seinen Sie nicht verwundert, wenn @sabine fünft Mal täglich einen zum Besten gibt. Wie gewohnt nach folgendem Schema:

            a) Ein Halbsatz zum eigentlichen Thema
            b) Ein halber Roman über links-grüne Verbrecher
            c) Ein doppelter Roman über Mainstream-Hysterie

            Seit sie von ihrer nach Milliarden bettelnden Automobilbranche in Zwangsurlaub oder Kurzarbeit geschickt wurde, hat sie leider Zeit und Frust genug, uns 4-6 Mal täglich zu allen möglichen Themen mit der ABC-Methode an den Rande des Wahnsinns zu treiben.

          • Avatar

            verwundert

            5. Mai 2020 09:41 at 09:41

            @LEFTUTTI: Danke für die Erklärung. Dann scheine ich nicht der einzige zu sein, welchem dies auffällt: Madame scheint sich einfach nur noch um ihren eigenen Narzissmus zu drehen.

  7. Avatar

    Erich Steiner

    4. Mai 2020 09:37 at 09:37

    Einwand zur These mit Schwundgeld ließe sich der Konsum ankurbeln:
    Das ist nicht der Fall. Wenn der Bürger nicht konsumieren will sondern
    den Wert aufbewahren möchte hat folgende Alternativen:
    1) Sein Geld in andere Währungen ohne negativ-Zinsen einzutauschen.
    2) Immobilien und Grundstücke zu kaufen
    3) Gold + Silber kaufen.
    Man wird kaum jemanden, der für das Alter sparen möchte, zum Konsum jetzt von irgendwelchen
    kurzlebigen Konsumgütern zwingen können.

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EZB ebnet argumentativen Weg für lang anhaltende Rettungsmaßnahmen

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Seit der Finanzkrise 2008 veranstaltet die EZB ein Anleihekaufprogramm nach dem nächsten. Die Zinsen sinken im großen Bild gesehen immer weiter. Egal wie gut es der Konjunktur in der Eurozone zwischen 2008 und 2020 wieder ging. Die EZB druckte immer weiter Geld, kaufte immer weiter Anleihen. Länder wie Italien wurden mit EZB-Geld und immer weiter sinkenden Zinsen am Leben erhalten. Nach der Krise war vor der Krise.

Und nun, kommt nach der Coronakrise (die Impfstoffe kommen ja bald) wieder die nächste Krise, nämlich die Rettung der überschuldeten Unternehmen? Deswegen muss die EZB (wie es auch die Fed macht) zusammen mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten immer weiter retten, retten und retten. Denn ja, wir wissen es alle. Mit gigantischen Kreditprogrammen, Zuschüssen, Kurzarbeitergeld uvm werden in Europa die Nöte der Coronakrise gemildert, und Probleme optisch versteckt. Am besten erkennt man das beim Thema Kurzarbeitergeld. In Deutschland wurde die ausgeweitete Funktion dieses Instruments erst letzten Freitag im Bundestag bis Ende 2021 verlängert – welch ein Zufall, bis zur Bundestagswahl kann die Kurzarbeit in ihrer jetzigen Form also weiterhin als neuer Dauerzustand für eigentlich arbeitslose Arbeitnehmer genutzt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

EZB kommt mit „Nicht zu früh aufhören“-Argumentation

Aber zurück zur EZB. Die einfache wie auch clevere Aussage der EZB lautet am heutigen Montag (frei und sinngemäß zusammengefasst): „Wenn wir die Hilfen zu früh einstellen, gefährden wir den Erfolg“. Tja, und wann das Ende der Hilfen angebracht ist, das ist bei der EZB bekanntermaßen eine sehr dehnbare Ansichtssache (siehe Anleihekäufe seit 2008 bis heute – hier eine wunderschöne historische Übersicht zu dem Thema). Im Rahmen ihres heute veröffentlichten Finanzstabilitätsberichts hat die EZB auch einen einzelnen Artikel veröffentlicht, bei dem es um die „Bewertung von Schwachstellen von Unternehmen“ in der Eurozone geht.

Und die Schwachstelle scheint offenbar darin zu bestehen, dass EZB und Regierungen ihre Hilfsprogramme zu früh auslaufen lassen könnten. Man sieht die Probleme wohl auch vor allem beim Zugang zu Krediten und bei steigenden Finanzierungskosten. Die Unterstützung durch die Geldpolitik der EZB habe dazu beigetragen, die tatsächlichen Insolvenzen bisher unter Kontrolle zu halten. Staatliche Kreditgarantien und Konkursmoratorien hätten eine groß angelegte Welle Unternehmenspleiten verhindert. Aber eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen könnte gezwungen sein Konkurs anzumelden, wenn diese Maßnahmen zu früh aufgehoben werden oder die Kreditvergabebedingungen der Banken verschärft werden, so die heutige Aussage der EZB. Tatsächlich deute die historische Ko-Bewegung des Anfälligkeitsindikators mit den Unternehmensinsolvenzen und dem BIP-Wachstum darauf hin, dass sowohl die Regierungspolitik als auch die niedrigen Fremdfinanzierungskosten dazu beigetragen hätten, die Auswirkungen der Verschlechterung des Gesundheitszustands der Unternehmen auf die tatsächliche Zahl der Insolvenzen zu dämpfen – auch wenn die Auswirkungen je nach Land, Sektor und Unternehmensgröße unterschiedlich seien.

Dieser neu entwickelte Indikator mache laut EZB deutlich, dass die Anfälligkeit des Unternehmenssektors auf ein Niveau gestiegen ist, das zuletzt während der Staatsschuldenkrise im Euroraum beobachtet wurde. Finanzierungsrisiken hätten sich dank verschiedener Unterstützungsmaßnahmen bisher nicht materialisiert, aber die Anfälligkeit der Unternehmen könne weiter ansteigen und ein Niveau erreichen, das während der globalen Finanzkrise beobachtet wurde. Insbesondere wenn die zweite Welle der Pandemie die wirtschaftliche Erholung zum Stillstand bringe und das Wachstum schwächer ausfällt als prognostiziert, könnte ein frühzeitiger Ausstieg aus den Stützungsmaßnahmen schließlich zu einem deutlichen Anstieg der Unternehmenskonkurse führen, mit Auswirkungen auf die Finanzstabilität auch für die Banken im Euroraum, so die EZB.

Aus Rettung wird Dauerzustand

Tja, haben sie es auch rausgelesen? Diese Aussagen (wie auch jüngst die Warnung von Christine Lagarde vor der Rezession) bieten die perfekte Vorlage, damit KfW-Kredite, Null- und Negatzvinsen, Kurzarbeitergeld, Anleihekäufe in Billionenhöhe etc immer so weitergehen, Jahr für Jahr. Nicht denkbar? Nochmal, ich möchte erinnern an die letzten zwölf Jahre seit der Finanzkrise! Natürlich sind viele Maßnahmen sicherlich gut und richtig wie die KfW-Kredite, Zuschussprogramme etc. Aber vor allem was die EZB da anrichtet mit ihren Kaufprogrammen und abgeschafften Zinsen. Diese Maßnahmen, wenn sie jahrelang immer weiter beibehalten werden, schaffen ein Gesamtumfeld, das nicht mehr ohne zinslose Kredite leben kann, und Staaten die nicht mehr ohne negative Anleiherenditen leben können. Man gewöhnt sich an diese schöne neue Welt sehr schnell – oder besser gesagt, man hat sich längst daran gewöhnt. Ein Ende dieser Geldpolitik der EZB, ist die überhaupt noch vorstellbar bei der Schuldenexplosion bei Staaten und Unternehmen? Entweder immer so weitermachen, oder man riskiert einen großen Knall.

EZB-Grafik zur Verwundbarkeit der Unternehmen
Grafik: EZB

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Coronavirus: Die Impfung und die praktischen Folgen

Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Impfzentren werden bereits für Mitte Dezember vorbereitet, obwohl noch gar kein Vakzin zugelassen ist. Die Politik macht Druck.

Mindestens 96 Corona-Impfzentren sollen allein in Bayern bis Mitte Dezember einsatzbereit sein. In jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt im Freistaat ist mindestens ein Impfzentrum geplant, so ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Donnerstag.

Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen? Darüber wird man bald diskutieren.

Coronavirus: Immunisiert oder nicht

Im Prinzip müsste es im neuen Jahr vier verschiedene Gruppen innerhalb der Bevölkerung geben: Menschen, die bereits eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben. Und dann die, die  registriert sind: eine diffuse Gruppe mit Bürgern, die selbst nicht genau wissen, ob sie vielleicht nicht schon infiziert waren, die große Gruppe derer, die sich noch vor der Infektion geschützt haben – und schließlich die Geimpften. Wie verfährt man in Zukunft mit den Menschen, die die Infektionskrankheit überwunden haben und die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit immun sind gegen die Krankheit und auch als Spreader des Coronavirus für die Mitmenschen wegfallen? Gibt es nach erfolgreicher Impfung so etwas wie einen Impfpass?

Der Impfpass, jetzt eine zweifelhafte Angelegenheit?

In Kürze, wenn die Zulassung des Impfstoffes vollzogen ist, wird es rasch zwei Gruppen von Bürgern geben, die annehmen können, die Krankheit bezwungen zu haben – die vormals Infizierten und die Geimpften. Nach dem Stand der Wissenschaft gilt eine rasche Wiederinfektion mit dem Coronavirus als unwahrscheinlich. Bei Abermillionen von Infektionen müsste dies schon aufgefallen sein. Die Zahl der Infizierten in Deutschland nähert sich der Ein-Millionen-Grenze (Ende dieser Woche?), die Dunkelziffer dürfte in Deutschland bei Faktor 3 bis 5, liegen, so die Annahme einiger Wissenschaftler aufgrund der Antikörpertests.

Jedenfalls wird die Zahl der „Immunen“ bald im Millionenbereich liegen. Während man den ehemals Infizierten nach langen Diskussionen keinen Immunitätsausweis zusicherte, so wird nach einer Impfung gegen Covid-19 sicherlich eine Impfbescheiningung ausgestellt werden, wie beim Impfpass nach jeder Standardimpfung.

Was wird passieren, wenn sich geimpfte Menschen sagen, „so jetzt bin ich geschützt, warum weiter eine Maske tragen?“ Nur eine von vielen praktischen Fragen.

Aber da beginnt bereits das Dilemma. Die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes sieht eine „Impf- und Immunitätsdokumentation“ vor. Was wird diese für Folgen haben? Eine Wiedergewährung von Mobilitäts- und Freiheitsrechten? Der Ethikrat ist bereits bei der Beratung der Problembereiche.

Wo könnte der Impfpass Anwendung finden?

Trotz aller ethischen Bedenken, werden Impfungen bei Reisen in fremde Länder empfohlen oder sind sogar Verpflichtung (z.B. gegen Gelbfieber in bestimmten afrikanischen Ländern). Wie werden asiatische Länder auf die Impfung reagieren, Staaten wie Taiwan, Vietnam, Thailand, Südkorea, Australien, Neuseeland, die die Infektion bisher erfolgreich eindämmen konnten? Könnte ein Impfausweis nicht Voraussetzung werden, dass man nach der Einreise von Menschen aus Risikogebieten keine 14-tägige Quarantäne absolvieren muss?

Gibt es aktuell vor einer Reise mit einem Kreuzfahrtschiff nicht bereits die Verpflichtung zu einem Corona-Schnelltest, in dieselbe Richtung laufen Bestrebungen im Luftverkehr?

Und was ist eigentlich mit den vielen Unternehmen aus den Corona-geschädigten Branchen, sei es der Kulturbereich, bei Messen, oder jeglichen Veranstaltungen (Fußball) mit größerem Publikumsverkehr? Werden diese sich für das ethisch etwas zweifelhafte Instrument Impfbescheinigung einsetzen, weil es ihnen sofort Luft zum Atmen bringen würde? Oder wird dies der Staat abwiegeln und versuchen, die Branchen mit immer weiteren Notgeldern über Wasser halten? Eines ist doch schon heute absehbar: Bei einer Bevölkerungszahl von 83 Millionen Menschen, abzüglich der bereits Betroffenen und den Impfverweigerern wird es lange dauern, bis all die Freiwilligen oder auch Zwangsläufigen (Pflegepersonal?) im großen Umfang gegen das Coronavirus geimpft sind.

Fazit

Sicher ist es noch etwas früh, sich über die praktischen Folgen einer Impfung Gedanken zu machen. Allerdings werden Regelungen kommen, ja vermutlich sogar gefordert werden. Schließlich steht manchem Unternehmer das Wasser bis zum Hals und man sehnt sich nach Kunden, nach Menschen, die kein Risiko in Sachen Coronavirus darstellen, für sich und für andere. Wann werden die Diskussionen über die neue Sachlage starten?

Was werden die praktischen Auswirkungen der Impfungen gegen das Coronavirus sein?

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Was den schwachen Goldpreis aktuell bewegt

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Ein Barren aus Gold

Der Goldpreis ist die letzten Tage ohne Stärke unterwegs. Eigentlich ist das merkwürdig, denn der US-Dollar schwächelt seit Tagen, und müsste Gold (das in Dollar gehandelt wird) daher doch eigentlich Auftrieb geben. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen) hat binnen einer Woche von 92,80 auf 92,18 Indexpunkte verloren.

Corona-Impfstoffe dämpfen Aufwärtstrieb im Goldpreis

Mit aktuell 1.865 Dollar sieht man, dass die seit Donnerstag letzter Woche kurz aufgeflackerte Erholung mit Anlauf Richtung 1.900 Dollar wieder verpufft ist. Eindeutig ist zu sehen, dass die Anleger, die über das Vehikel der ETF (Exchange Traded Funds, hier die Begriffserklärung) in Gold investieren, letzte Woche auf der Verkäuferseite waren mit gut 30 Tonnen. Der folgende aktuelle Chart der Commerzbank zeigt seit Jahresanfang in gelb den Goldpreis-Verlauf, und in schwarz die Gold-ETF-Bestände. Die Nachfrage schlafft derzeit ab.

Chart zeigt ETF-Bestände in Gold im Vergleich zum Goldpreis

Die letzte wie auch die vorletzte Woche waren die Kapitalmärkte gefangen im Fieber der Corona-Impfstoff-Hoffnung. Nach Biontech und Pfizer kam letzte Woche Moderna mit einem fertigen Impfstoff, und heute früh dann auch noch AstraZeneca. Daher laufen die Aktienmärkte auch heute zum Wochenstart erfreulich nach oben. Alles was die Märkte positiv stimmt für eine Erholung der Weltwirtschaft, schwächt tendenziell den „Sicheren Hafen“ namens Gold. Im Chart sehen wir den Goldpreis im Verlauf der letzten 30 Tage. Der große Absturz in der Mitte des Charts rührt her von der ersten Impfstoff-Meldung gegen das Coronavirus vom 9. November von Biontech und Pfizer.

Laut heutiger Aussage des Commerzbank-Analysten Carsten Fritsch dürfte der aktuelle Optimismus hinsichtlich der Impfstoffe dagegen sprechen, dass es schon in Kürze zu einem neuerlichen Run auf die Gold-ETFs kommt. Entsprechend gedämpft sei der kurzfristige Ausblick für den Goldpreis. Die spekulativen Finanzanleger seien seiner Meinung nach durch den Preisrutsch Mitte letzter Woche offensichtlich auf dem falschen Fuß erwischt worden. Denn sie weiteten ihre Netto-Long-Positionen in der Woche zum 17. November auf gut 90.000 Kontrakte aus, nachdem sie diese in der Woche zuvor reduziert hatten. Entsprechend dürfte der Preisrückgang auf rund 1.850 Dollar letzten Mittwoch seiner Meinung nach auch durch spekulative Verkäufe begünstigt worden sein.

Mittel- und langfristig bergauf?

Bleibt es bei dem Szenario, welches wir letzte Woche schon erwähnten? Kurzfristig bleibt der Goldpreis trotz schwachem US-Dollar und dank der Corona-Impfstoff-Hoffnungen schwach? Aber mittel- und langfristig sieht man wieder Kurse über 1.900 Dollar und auch Richtung 2.000 Dollar? Das ist die Frage. Denn im großen Bild, da ist die Meinung der Notenbanker ja relativ eindeutig, wie man die letzten Tage und Wochen auch bei der EZB heraushören konnte. Die Geldpolitik (Anleihekäufe und Zinsen) wird noch sehr lange Zeit extrem locker bleiben, um die wirtschaftliche Erholung der Volkswirtschaften zu unterstützen. Also weiterhin Optimismus im größeren Bild für einen steigenden Goldpreis? Dieses Szenario bleibt vorhanden.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in den letzten 30 Tagen

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