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Inflation im Aufwind: Warum den Märkten ein böser Schock droht

Grafik: ChatGPT

Die jüngsten US-Inflationsdaten sorgen für ein ambivalentes Bild: Während die Teuerung leicht unter den Prognosen lag, mahnen Analysten wie Bravos Research zur Vorsicht. Hinter der momentanen Markt-Euphorie könnten sich Risiken für die Anleihe- und Aktienmärkte verbergen – befeuert durch steigende Zölle und eine mögliche Neubewertung der Zinspolitik der Fed. Historische Parallelen zu den 1970er-Jahren zeigen, wie schnell eine Phase moderater Inflation in einen spürbaren Preisschub umschlagen kann – mit Folgen, die weit über statistische Datenreihen hinausreichen.

Inflation auf dem Vormarsch

Die am Dienstag veröffentlichten Inflationsdaten aus den USA zeigten, dass der Preisdruck zwar weiterhin hoch, aber nicht so stark wie befürchtet ist. Zwar stiegen im Juli 68 % der CPI-Komponenten im Monatsvergleich um mehr als 2 % annualisiert – der höchste Anteil seit Oktober 2022 –, doch die Märkte atmeten auf. Ein Grund dafür ist, dass die Verbraucherpreise mit 2,7 % weniger stark als die erwarteten 2,8 % gestiegen sind. Nichtsdestotrotz lag die Kernrate ohne Nahrung und Energie mit 3,1 % sogar über den Analystenschätzungen. Angesichts der weitverbreiteten Zinssenkungserwartungen hätte dies eigentlich eine Warnung darstellen können. Stattdessen feierten die Aktienmärkte die Daten, und der S&P 500 und der Nasdaq 100 erreichten neue Rekordstände. Gleichzeitig legten die Erwartungen an eine Zinssenkung der Fed im September auf 96 % zu.

In ihrem neuen Video „Bereiten Sie sich vor” zeigen die Analysten von Bravos Research, dass ein temporärer Anstieg der Inflation zu erwarten ist und ein Risiko für die Anleihe- und Aktienmärkte darstellen könnte. Zwar gibt es ihrer Meinung nach nicht viele Faktoren, die an die 1970er Jahre erinnern, die in den USA als Dekade der schmerzhaften Geldentwertung bekannt sind, dennoch gehen sie davon aus, dass die Inflation erneut anziehen könnte.

Was sind die Preistreiber

Damals verdoppelten sich die Autopreise, Häuser wurden dreimal so teuer, Milch und Rindfleisch kosteten doppelt so viel und Benzin vervierfachte sich. Innerhalb von nur zehn Jahren verlor der US-Dollar etwa die Hälfte seiner Kaufkraft – ein Vermögen von 1.000 Dollar im Jahr 1970 war 1980 real nur noch rund 500 Dollar wert. Seit 2020 zeigt sich ein ähnliches Muster: Die Kaufkraft des Dollars ist bereits um ein Viertel geschrumpft, während die Preise für Häuser, Treibstoff und Lebensmittel drastisch gestiegen sind. Die Inflation erreichte 2022 mit neun Prozent den höchsten Stand seit den 1980er-Jahren, ehe sie zuletzt in den Zielbereich der US-Notenbank von zwei bis drei Prozent zurückfiel.

Ein Blick auf die Struktur der Verbraucherpreise zeigt, dass derzeit vor allem der Bereich Wohnen und Mieten den größten Anteil an der gemessenen Inflation hat. Doch hier zeichnet sich eher Entspannung ab: Nach massiven Preisanstiegen von 2020 bis 2022 kühlt der Immobilienmarkt wegen hoher Hypothekenzinsen und geringer Kaufaktivität deutlich ab. Historische Vergleiche deuten darauf hin, dass dieser Trend die Inflation tendenziell weiter dämpfen dürfte.

Anders stellt sich die Lage bei den klassischen Preistreibern Lebensmittel und Energie dar, die 2021 und 2022 für die größten Ausschläge verantwortlich waren. Aktuell zeigen Öl- und Gaspreise jedoch keine nachhaltige Aufwärtsdynamik, da die weltweite Angebotslage robust ist und die Nachfrage aus China schwächelt. Auch Indien als wachsender Ölimporteur hat nicht genügend Gewicht, um einen globalen Preisschub auszulösen.

Die früheren Treiber der hohen Inflation – gestörte Lieferketten, massive Ausweitung der Geldmenge und ein überhitzter Arbeitsmarkt – sind weitgehend verschwunden. Die Lieferketten funktionieren wieder reibungslos, die Geldmenge wächst moderat, und der Arbeitsmarkt hat sich abgekühlt.

Zölle bereiten der Fed Sorgen

Trotz dieser eher beruhigenden Rahmenbedingungen zeichnet sich ein neuer Faktor ab, der die Inflation kurzfristig wieder anheizen könnte: Zölle. Seit Februar 2025 haben sich die Zolleinnahmen der US-Regierung verdreifacht. Noch sind die Auswirkungen auf die Verbraucherpreise kaum spürbar, doch Unternehmen zahlen bereits deutlich höhere Inputkosten, wie der ISM-Preisindex zeigt. Dieser gilt historisch als zuverlässiger Frühindikator für steigende Verbraucherpreise.

Das Basisszenario von Bravos Research geht zwar nicht von einer Rückkehr zu den Inflationsraten der 1970er-Jahre aus, hält eine temporäre Steigerung der Teuerung auf über drei Prozent bis Ende des Jahres aber für wahrscheinlich. Eine solche Entwicklung könnte die US-Anleihe- und Aktienmärkte empfindlich treffen, da die Marktteilnehmer inzwischen eine Vielzahl von Zinssenkungen der Fed einpreisen. Wie stark die Fed die Zinsen letztlich senken wird, hängt von den Auswirkungen der Zölle ab. Noch haben die Notenbanker jedenfalls wenig Grund, die Zinsen zu senken, obwohl der Druck der Trump-Regierung auf die Fed zunimmt. Da Zölle jedoch einmalige Effekte darstellen, dürfte ein möglicher Inflationsschub nur von kurzer Dauer sein. Das könnte den Aktienmärkten mittelfristig wiederum zugutekommen.



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