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Inflation in den USA: Es trifft wieder einmal die Kleinen!

Wen trifft die Inflation?

Derzeit liegt ein großer Augenmerk auf vielen Daten zur Inflation und aus aller Herren Länder. Aber besonders auf denen aus den USA, denn schließlich geht es hierbei um die Frage, ob die Teuerungsraten die wichtigste Notenbank der Welt drängen werden, die opulente Geldversorgung der Märkte zurückzuführen und im weiteren Prozess dann die Leitzinsen anzuheben. Aber die Fed blickt auf viele Aspekte, so wie auf die US-Verbraucher, die durch die Inflation auch an Kaufkraft einbüßen werden.

Inflation: Der seltsame Index der US-Verbraucherpreise

Der Consumer Price Index (CPI) steigt auf Jahressicht um 5,4 Prozent, stärker als erwartet, so die Schlagzeile am Dienstag. Noch übertroffen von den US-Erzeugerpreisen am Mittwoch: Wieder einmal über den Erwartungen und ein Beispiel für den Effekt, wenn eine Volkswirtschaft in einem Quartal um 9,5 Prozent einbricht (Q2-2020) und im Jahr darauf gesamt um 6,5 Prozent wachsen soll. Mit plus 6,4 Prozent hat das erste Quartal schon einmal vorgelegt. Aber das ist nur die halbe Ursache: Eine weitere ist, dass sich im letzten Jahr 165 Länder in einer Rezession befunden haben und fast alle in diesem Jahr wieder in den Wachstumsmodus schalten.

Seit einem Jahrzehnt begründet die Federal Reserve ihre Geldpolitik mit dieser Standardformulierung: …“to promote a stronger pace of economic recovery and to help ensure that inflation, over time, is at levels consistent with its mandate“. Jetzt ist sie da, die gewünschte Inflation.

Doch was löst diese Gemengelage aus wirtschaftlicher Erholung und opulenter Geldversorgung bei den Verbraucherpreisen aus? Hier zunächst ein Blick auf die Komponenten des CPI in den USA.

Acht Elemente bestimmen die Inflationsrate:

Die Komponenten der Inflation

Die Übersicht beginnt mit den Grundbedürfnissen wie Nahrung, Unterkunft und Bekleidung. Gefolgt von Verkehr, dem Gesundheitswesen und Freizeit sowie des Mischfaktors aus Schulkosten und Kommunikationsausgaben.

Hier erhält man schon die ersten Hinweise, dass diese Aufstellung ganz unterschiedliche Belange der verschiedenen Gesellschaftsschichten und Kosten nicht widerspiegelt.

Interessant auch die Preisentwicklung im Langzeitchart:

Die Inflation und ihre Entwicklung

Am stärksten gestiegen sind die Gesundheitskosten, gefolgt von den Ausgaben für Wohnen und Unterkunft. Auffällig die Ausgaben für Bekleidung, deflationär und eine Folge der Globalisierung mit den asiatischen Billiganbietern.

Völlig undurchsichtig ist der Bereich Transport und Energie. Dieser Kostenfaktor befindet sich sowohl bei den Kosten fürs Wohnen als auch bei den Transportkosten sowie zum Teil bei den Kosten für Güter und Dienstleistungen. Aber für Energie gibt es eben keine eigene Kategorie.

Dabei waren die Energiekosten (vor allem Öl und Benzin) schon zu allen Zeiten ein wesentlicher Faktor für die Inflation. Schön zu erkennen an einer Übersicht, in der die Energie als Kostenblock extra (hier hellblau) dargestellt wird:

Die Energiepreise

Die Fixierung auf die Kerninflation

Ökonomen und natürlich die der Federal Reserve achten genau auf die Kerninflation, die die Gesamtinflationsrate ohne Nahrungsmittel und Energie abbildet. Diese sind sehr volatil, aber sie beeinflussen die Inflation über mehrere Kategorien: Die Kraftstoffe beim Verkehr, Öl und Gas aber beim Wohnen. Sehr eigenartig die Einteilung beim Kostenfaktor Getränke: Alkoholische Getränke sind Teil der „Core Inflation“, Kaffee und Erfrischungsgetränke hingegen nicht.

Welche Auswirkung hat der Anstieg der Inflation für die Verbraucher?

Ziemlich unterschiedliche. In erster Linie wird die Inflation Haushalte treffen, zum Beispiel aus Vorstadtregionen, die längere Autofahrten zurücklegen müssen, als die Stadtbewohner mit ihrer Möglichkeit öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Familien, die gestiegene Kosten im Schulwesen oder auch im Gesundheitssystem stemmen müssen, oder auch besonders diejenigen, die knappe Lebensmittelbudgets verwalten.

Vieles von dem Genannten ist nicht einmal in der Kerninflationsrate enthalten, die die Federal Reserve besonders beachtet. Die US-Notenbank hat durch ihr Not-Quantitative Easing einen Aufschwung herbeigedruckt, allerdings dabei jede Menge „Collateral Damage“ hervorgerufen. Durch eine Null-Zinspolitik, die den Märkten geholfen hat, aber man hat mit der Inflation einen schlafenden Riesen geweckt, von dem man jetzt hofft, dass er sich wieder schlafen legt.

Hier noch eine Übersicht, die den Anstieg des Energiesektors hervorhebt:

Energie und Inflation

Fazit

Seit April 2021 lagen sowohl der Headline- als auch der Kern-Verbraucherpreisindex deutlich über der Benchmark von zwei Prozent.

Damit kann man nach dem Auslaufen der Rettungspakete sicherlich annehmen: Der Anstieg wird sich schmerzlich auf Haushalte mit niedrigerem Einkommen auswirken, auch auf Haushalte mit festem (gedeckelten) Einkommen, auf solche, die mit höheren Kosten bei Energie- und Transport, höheren Mieten oder medizinischen Kosten zu kämpfen haben.

Für diese Verbraucher bleibt nur zu hoffen, dass die Inflation vorübergehend sein wird, denn sollte die Phase der großzügigen staatlichen Maßnahmen – von der opulenten Arbeitslosenunterstützung bis zum Helikoptergeld – endgültig zu Ende gehen, dann droht ein Rückgang im Konsum. Weil ein doppelter Kaufkraftentzug droht: Durch die fehlenden staatlichen Sonderzahlungen und dem Kaufkraftverlust.

Der Konsument hat aber einen 70 Prozent-Anteil am US-BIP von 21 Billionen Dollar. All das ist der Federal Reserve bekannt sowie dem Finanzministerium. Schon blöd, dass es beim Wohlgemeinten oft Nebenwirkungen gibt..



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4 Kommentare

  1. Man sollte wirklich meinen, wenn man all die Warnsignale hinsichtlich einer vermutlich dauerhaften ausufernden Inflation sieht und auch im täglichen Leben an der Steigerung der allgemeinen Lebenshaltungskosten am eigenen Leib zu spüren bekommt, dass in den diversen Notenbanken nur Idioten sitzen, die die Aktienportfolios „monetär aufwerten“. Oder handelt man dabei mit dem Hintergedanken, um die eigenen Aktienportfolios noch vor dem zu erwartenden Crash auf zu werten, was dann für diese elitäre Gesellschaft neben dem recht opulenten Gehalt ja auch noch ein nettes ‚Zubrot‘ abwerfen würde; vorausgesetzt, das Timing für den Verkauf stimmt.

    1. @Walter Brodowsky: In den Notenbanken sitzen zu 100% Ökonomen welche die Entscheidungen treffen. Was haben Sie sich also erwartet?

  2. Ich befürchte leider, dass durch die Weigerung der Fed hier rechtzeitig zu handeln, viele arme Menschen in den USA noch ärmer werden. Die Krankenversicherung nicht mehr zahlen können, die Miete und das Essen. Wenn das mal nicht zu sozialen Unruhen führt.

  3. Drucken hilft beim Zocken

    Sehr gut ,dass Herr Müller seine Meinung auch anpassen kann, kürzlich meinte er noch, dass Alle vom Aktienboom profitieren.( Hat er kürzlich korrigiert)
    Die Underdogs werden vor allem die Schäden der ALLESBLASE am meisten spüren.Kürzlich habe ich gehört, dass der Mann einer hohen demokratischen Politikerin und Bekämpferin der grossen Techs gerade mit Optionen dieser Firmen etwa 6Millionen Dollar
    In die Taschen gesteckt hat.Es sieht also aus ,dass die Nimmersatten vor dem provozierten Desaster noch Reserven anstehlen.
    ( Wie schon von Walter erwähnt) Diesmal ist alles anderst, aber im negativen Sinn. So dreist wie diesmal, wo jede Krise und Pandemie bewusst für die Umverteilung missbraucht wurde, hat es die Finanzmafia noch nie getrieben.Da war doch die Immoblase 2008 in den USA nur ein Mückenschiss im Verhältnis zur weltweiten künstlichen ALLESBLASE aktuell. Die Inflationsleugner werden auch ohne Lügendedektor bald enttarnt werden.

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