Devisen

Inflation in der Türkei explodiert weiter, jetzt mit 12,98% so hoch wie seit 14 Jahren nicht mehr

Die Inflation in der Türkei für November (Verbraucherpreise) liegt im Jahresvergleich bei 12,98%, nach 11,9% im Oktober. Das gab die türkische Statistikbehörde heute bekannt. Damit erreicht man derzeit die höchste Steigerungsrate bei...

FMW-Redaktion

Die Inflation in der Türkei für November (Verbraucherpreise) liegt im Jahresvergleich bei 12,98%, nach 11,9% im Oktober. Das gab die türkische Statistikbehörde heute bekannt. Damit erreicht man derzeit die höchste Steigerungsrate bei den Endverbraucherpreisen seit 14 Jahren!

Mit 18,56% war die Preissteigerung bei den Transportkosten am stärksten, gefolgt von Lebensmitteln mit +15,78%. Möbel und Haushaltsgegenstände verteuern sich um 12,85%, im Bereiche Gesundheit steigen die Preise um 12,38%. Um 11,43% steigen die Preise in der Gastronomie. Diese Details zeigen, dass es sich um einen breit verteilten Preisanstieg handelt, und nicht um ein Phänomen in einem einzelnen Preissegment.

Das Kernproblem bleibt unverändert. Präsident Erdogan will die Inflation durch sinkende Zinsen bekämpfen, wobei der Mechanismus leider genau andersrum funktioniert. Die türkischen Notenbanker würden wohl gerne die Zinsen kräftig anheben, befürchten anscheinend aber dann ihre Entlassung. Mehr als einen unveränderten Zinssatz trauen sie sich bislang nicht, und so kann die Inflation schön weiter haussieren (gut sichtbar in der ersten Grafik).

Die Erwartungen des Markets für die heutige November-Zahl lagen um die 12,5%. Mit den nun vermeldeten 12,98% wurden sie wie im Vormonat deutlich übertroffen. Am 14. Dezember könnte die Notenbank die Zinsen anheben um dem entgegenzuwirken. Noch ist sich der Markt nicht klar darüber, was passieren wird – weiter seitwärts, oder gegen Erdogans Wunsch die Zinsen anheben?

Eigentlich hätte die türkische Lira nach den heutigen Daten weiter abrutschen müssen gegen Euro und US-Dollar. Aber in den Augenblicken nach der Verkündung stieg US-Dollar vs Lira ganz kurz auf 3,94, um jetzt auf 3,91 zurückzukommen, das Niveau von Freitag Abend. Simultan läuft es aktuell beim Euro vs Lira. Vorhin noch bei 4,68, liegt der Kurs jetzt bei 4,63, was auch dem Stand von Freitag Abend entspricht.

Die einfache Erklärung hiefür kann lauten: „Sell on good news“. Die „Meute“ der Devisenhändler hat sicher gute Gewinne gemacht mit ihren Long-Positionen in Euro und Dollar gegen die Lira in den letzten Wochen und Monaten – es lief bisher phantastisch. Da kann man so eine Gelegenheit nutzen um mal durchzuschnaufen. Mögliches Szenario (natürlich ohne Garantie): Nach einem Durchschnaufen nehmen die beiden wieder Fahrt auf in Richtung neuer Allzeithochs gegen die Lira, denn alle Fakten sprechen für eine weitere Lira-Abwertung.

Man ignoriere aber wie gesagt nicht die Notenbanksitzung am 14. Dezember. Was dort verkündet wird, ist jetzt noch nicht in Stein gemeißelt.

Daten und Grafiken: Turkstat


Euro vs türkische Lira seit Mai. Der ganz aktuelle winzige Rückgang ist im Aufwärtstrend kaum erkennbar.



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2 Kommentare

  1. Das soll wohl mehr ein Politisches Problem sein. Erdogan braucht für seine nicht ganz Demokratische Herrschaft unbedingt hohes Wirtschaftswachstum. Dieses Hohes Wachstum wird durch Wachstum der Kredite finanziert. Diese Kredite fließen wohl vor allem in den Bausektor, da dieser Sektor boomt, während die Investitionen in der Industrie stagnieren. Boomen tut nur die Rüstungsindustrie. Entsprechend hat die Türkei ein Außenhandelsdefizit. Das Defizit kann nicht durch Kapitalzufluss ausgeglichen werden. Steigende Zinsen werden Wachstum kosten, was Erdogan nicht riskieren will.

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