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Druck auf EZB steigt Inflation in Deutschland niedriger – hebt EZB Zinsen weniger an?

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Nach Veröffentlichtung der jüngsten Daten zur Inflation in Deutschland werden Forderungen an die EZB lauter, die Zinsen weniger stark anzuheben. Wie Destatis vor wenigen Minute meldete, stieg die Inflation in Deutschland nur um 10,0% (VPI; erwartet war 10,4%) und um 11,3% (HVPI, erwartet war 11,3%). Das ist Wasser auf die Mühlen jener, die davon ausgehen, dass die Inflation in der Eurozone ihren Gipfel bereits überschritten habe, weswegen die EZB weniger aggressiv vorgehen sollte, um die ohnehin schwache Konjunktur mit Zinsanhebungen nicht noch weiter zu belasten.

EZB reagierte zu spät auf Inflation, dann Vollbremsung

Dabei hatte die EZB die Inflation lange als vorübergehend erklärt und in Gestalt der EZB-Chefin Lagarde im November 2021 sogar eine Anhebung der Zinsen für das gesamte Jahr 2022 faktisch ausgeschlossen. Dann musste die Notenbank rapide umsteuern und mit großen Schritten (zuletzt 0,75%) die Zinsen anheben, weil die Inflation durch die Decke geschossen war. Auf einer Rede gestern vor dem EU-Parlament hatte EZB-Chefin Lagarde Zweifel geäußert, dass die Inflation ihren Gipfel wirklich erreicht habe. Das gibt jenen Hoffnung, die Lagarde für einen der zuverlässigsten Kontraindikatoren halten..

Nach Spanien und Belgien meldete auch Deutschland eine geringere Inflation und lieferte damit denjenigen Munition, die von der Europäischen Zentralbank eine langsamere Erhöhung der Zinssätze fordern, wie Bloomberg nun berichtet.

Die Verbraucherpreise in Europas größter Volkswirtschaft stiegen im November um 11,3% (HVPI) gegenüber dem Vorjahresmonat, nachdem sie im Oktober noch um 11,6% gestiegen waren, teilte das Statistikamt am Dienstag mit und begründete die Verlangsamung mit Faktoren wie den Energiekosten. Von Bloomberg befragte Analysten hatten mit einem Anstieg von 11,3% gerechnet.

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Inflation auch in Spanien und Belgien niedriger als befürchtet

In Spanien ging die Inflation im vierten Monat zurück, und zwar stärker als erwartet, was auf einen Rückgang der Strom- und Kraftstoffkosten zurückzuführen ist, auch wenn ein Indikator für die zugrundeliegenden Preise einen Anstieg verzeichnete. In Belgien verlangsamte sich die Gesamtinflation auf 10,6 %.

Die Inflationsdaten für die 19 Länder der Eurozone werden am morgigen Mittwoch veröffentlicht, wobei die Wirtschaftsexperten ebenfalls von einer leichten Abschwächung ausgehen – der ersten seit 1 1/2 Jahren. Dieser Wert wird von entscheidender Bedeutung sein, da die EZB-Mitglieder eine dritte Anhebung der Zinsen um 75 Basispunkte in Folge oder eine geringere Erhöhung um einen halben Punkt vor einer wahrscheinlichen Rezession erwägen.

Einige Mitglieder der EZB sprachen sich bereits im Oktober für eine kleinere Zinssanhebung aus, wie aus einem Bericht über diese Sitzung hervorgeht (EZB-Protokoll). Ihre Stimmen könnten lauter werden, wenn sich das Preiswachstum abzuschwächen scheint.

Andere sind weniger überzeugt. EZB-Präsidentin Christine Lagarde sagte am Montag, sie wäre „überrascht“, wenn die Rekordpreissteigerungen im Euroraum ihren Höhepunkt erreicht hätten, während EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel kürzlich erklärte, dass es möglicherweise zu früh sei, die Zinserhöhungen zu verlangsamen.

Die Abkühlung der Gesamtinflation könnte die EZB dazu veranlassen, bei der Feststellung, ob ein Wendepunkt erreicht ist, mehr Gewicht auf die Kerninflationsrate zu legen. EZB-Vizepräsident Luis de Guindos sagte am Dienstag, die Kerninflationsrate sei „das Signal, das wir weiter verfolgen müssen“.

Die Energiekosten dürften der Schlüssel zur Bestimmung des weiteren Inflationspfades in Deutschland sein, das vor dem Krieg in der Ukraine stark von Russland als Lieferant abhängig war. Die Regierung bemüht sich nun, andere Quellen zu finden (heute der Deal mit Katar) und bereitet sich darauf vor, die steigenden Rechnungen für Unternehmen und Haushalte zu subventionieren.

FMW/Bloomberg

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1 Kommentar

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Klar bei 10 Prozent Inflation ist die „Geldwertstabilität “ voll erreicht! Ironie off !

    Wir hatten im Jahre 92, eine Inflation von knapp 5 Prozent und Leitzinsen von über 8 ! Das nur historischen Einordnung!

    Der damalige Bundesbankpräsident hieß Helmut Schlesinger. Jahre später entdeckte er,die Target Salden in der Bilanz der EZB und informiert seinen Freund und Kollegen, Hans Werner Sinn.
    Das Buch “ Die Target Falle “ beruht allein auf dieser Information.
    Hans Werner Sinn gehört zu den profiliertesten Kritikern der EZB und ihrer Auslegung der ultra laxen Geldpolitik .

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