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Inflation in USA: Die Fed und die Reaktion der Aktienmärkte

Über die Logik der Börse - und Basis-Effekte

Inflation und die Fed

Viele Marktteilnehmer haben auf die neuen Daten zur Inflation aus den USA gewartet. Schließlich verging kein Tag, an dem nicht über weitere Preissteigerungen in allen Segmenten und über weitere Lieferprobleme berichtet wurde. Die Daten kamen „in line with expectations“ heraus, die Märkte reagierten kaum, aber es ist eben auch ein Blick in den Rückspiegel. Die Börsen blicken ins Jahr 2022.

Inflation: US-Verbraucherpreise 5,4 Prozent auf Jahressicht

5,37 Prozent für den Jahresvergleich und 4,27 Prozent in der Kernrate, ohne Energie und Lebensmittel, so die Schlagzeile gestern um 14:30 Uhr. Klar lag dies weiterhin noch weit über der dem Ziel der US-Notenbank von zwei Prozent, aber es gab auch keine böse Überraschung wie in den Vormonaten.

Aus Monatssicht ging es mit der Inflation 0,5 Prozent nach oben, in der Kernrate um 0,3 Prozent. Beides war im Überraschungsmonat Juni um 0,9 Prozent gestiegen.

Markus Fugmann hat in seinem gestrigen Marktgeflüster schon die großen Preistreiber wie Lebensmittel, Energie und Mietkosten genannt, die den wesentlichen Einfluss auf die Teuerungsrate besitzen. Hier noch einmal der etwas seltsam anzusehende Verbraucherpreisindex mit seinen Komponenten Wohnen und Energiekosten – dies sind die großen Brocken im CPI. Wobei die Kosten für Energie sowohl im Haus- als auch im Transportsektor enthalten sind:

Anteil an der Berechnung der Inflation

US-Präsident Biden macht sich bereits Sorgen um die hohen Ölpreise, schließlich wurden Abermillionen Dollar an Helikoptergeld an die Haushalte versandt, um deren Kaufkraft (Konsum) zu erhalten: das Geld sollte nun nicht bei Energiehändlern landen. Der Preis für Benzin ist auf dem Weg zu den Hochs des Jahres 2014.

Aber haben die Ölpreise bereits den großen Anstieg hinter sich? Lag der Preis für ein Barrel im April 2020 nicht bei 20 Dollar und sahen wir das Hoch für das schwarze Gold nicht schon Anfang Juli 2021 bei 76,50 Dollar? Seit einigen Wochen liegt der Ölpreis unter 70 Dollar. Wird sich der damit der Basiseffekt zu den Kursanstiegen 2020 nicht langsam bemerkbar machen, dem Inflationstreiber vergangener Zyklen?

Hier noch einmal die aktuelle Inflationsrate im langjährigen Chart seit 1957, als die US-Regierung begonnen hatte die Inflationsdaten genau zu erfassen:

Die Inflation in den USA historisch

Chart: Advisor Perspectives

Fazit

Die Inflation in den USA  stagniert „offiziell“ auf hohem Niveau, die Aktienmärkte reagieren kaum, schließlich gibt es durch diese Daten keine neuen Hinweise auf die Politik der Federal Reserve hinsichtlich Zeitpunkt und Tempo der Drosselung der Anleihekäufe. Diese werden kommen müssen, die Frage ist nur noch der Zeitpunkt um die Jahreswende.

Aber auf der anderen Seite wird mit der aktuellen Inflationsrate ein unglaublich hohes Niveau, ein großer Basiseffekt gebildet, für den Vergleich der Teuerungsrate in einem Jahr. Kommt im Herbst noch einmal ein Schub durch die Corona-bedingten und preistreibenden Lieferenpässe nebst Produktionsausfällen?

Was zeigen demnächst die für die Fed bedeutsameren PCE-Preisdaten (Personal Consumption Expenditures, die persönlichen Verbrauchsausgaben) – im Vormonat bei 3,5 Prozent?

Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe wandert wieder nach oben, auf 1,35 Prozent. Was aber in Verbindung mit den aktuellen CPI-Daten immer noch eine gewaltige Negativrealrendite bedeutet, eine deutliche Kapitalvernichtung für jede Art der anleiheabhängigen Geldvorsorge. Aber Zinsen von eineinhalb Prozent passen nicht zu sieben Prozent Wachstum. Wird sich dieses Wachstum aber global abschwächen, wie es der Frühindikator China anzeigt? Das würde wahrscheinlich bedeuten: eine Inflation in den USA von über fünf Prozent an den Gütermärktenwäre unwahrscheinlich.

Die nächsten Monaten werden noch eimal ein weiteres Überschießen der Inflation zeigen, aber dann wird sich eine Korrektur der widersprüchlichen Konjunkturdaten ergeben müssen. Es dürfte auch viel Schlagzeilen hierzulande geben, wenn selbst der sehr konservative Chef der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, mit fünf Prozent Inflationsrate in Deutschland rechnet, die sich aber schon zu Jahresbeginn in Richtung zwei Prozent abschwächen soll.

Das Jahr 2021 des Reopenings der westlichen Volkswirtschaften hat nur noch viereinhalb Monate – aber die Märkte blicken bereits weit in 2022.  Die Märkte wetten darauf, dass 2022 dann die Inflation wieder zurück gehen wird – werden sie Recht behalten?



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