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Inflation – jetzt wird es für Sparer ziemlich ungemütlich!

Inflation - für Sparer ein Problem

Inflation, Inflation, Inflation. Wie bereits vor Wochenfrist festgestellt, gibt es kaum Wirtschaftsgazetten, in denen dieses Thema nicht virulent ist. Nicht ohne Grund – und es könnte sogar noch bedeutsamer werden, wie die letzten Daten des Statistischen Bundesamtes andeuten.

Die Sparrate der Deutschen, auf einsamen Höhen – und wenn Inflation kommt?

Eigentlich passt Derartiges überhaupt nicht zusammen. Deutschland befand sich im Jahr 2020 in eine der größten Rezessionen seit dem Zweiten Weltkrieg und dennoch stieg das Vermögen der Deutschen weiter an, auf 6,95 Billionen Euro.

Ein Grund dafür war natürlich die Vorsorge des Staates, über Kurzarbeitergeld, über die Gewährung von Wirtschaftshilfen – die allerdings nicht gerecht und allumfassend stattfand, mit zahllosen Verlierern -, so ist das Vermögen der Bundesbürger dennoch gestiegen.

Aber auch die Sparrate steigt auf Höhen, wie es sie bisher noch nicht gegeben hat: 23,2 Prozent! Mehr als eine Verdoppelung gegenüber dem bisherigen Durchschnitt, der als sparsam bekannten Deutschen.

Ein weiterer Grund dafür war natürlich die Pandemie, die den Reise-Weltmeister Deutschland davon abhielt, das normalerweise dafür verwendete Geld für Reisen und Freizeit auszugeben. Auch das Erlebnis des Shoppings konnte nicht durch das Internet in Gänze kompensiert werden. Der Mensch ist ein soziales Wesen, anonymes Einkaufen dürfte nicht der Weisheit letzter Schluss gewesen sein.

Laut Statistischem Bundesamt ist das verfügbare Einkommen der Haushalte im ersten Quartal zwar um 1,1 Prozent gestiegen – aber zugleich sind die privaten Konsumausgaben um 7,3 Prozent gesunken. Als Grundvoraussetzung für die hohe Sparquote.

Das Meiste landete auf unverzinslichen Sparkonten, mit 2,6 Billionen Euro, natürlich auch ein neuer Rekord. Die Bundesbank spricht von einem Anstieg im 1.Quartal von 38 Milliarden Euro oder von mehr als 900 Euro pro Haushalt.

Einiges wird davon in Kürze sicherlich ausgegeben werden – und das dürfte der Inflation einen Schub geben. Bereits vor einem Jahr hatte ich auf einen Freizeit- und Konsum-Rausch nach Beendigung der Pandemie hingewiesen, basierend auf Beobachtungen in den bayerischen Ausflugzielen im Alpenvorland im Jahr 2020. Dort hatte der Touristenansturm nach einem ersten Reopening nach dem Lockdown sogar zu vielen Polizeieinsätzen geführt.

Was passiert also mit dieser Riesengeldmenge? Wo ausgeben oder anlegen? Wie oft wurde schon auf die Aktienanlage zu Zeiten des Mager-Zinses nach einer unglaublich langen Hausse hingewiesen, mit einem Anstieg des Dax von 3666 Punkten (2009) auf über 15.500 im April 2021 oder beim S&P 500 von 676 Punkten auf 4230 Zähler?

Jetzt einsteigen auf absoluten Höhen oder bei Immobilien, die ähnlich haussierten oder gar beim Bitcoin?

Eine Recherche der „Welt“ ergab in einer Übersicht auf die realen Renditen (nach Inflation) in den letzten zehn Jahren folgende Ergebnisse: p.a.

Rentenindex RexP +0,9 Prozent
Reallöhne +0,9 Prozent
Gold +2,4 Prozent
Immobilien +6,0 Prozent
Dax +6,5 Prozent
Bitcoin +156,8 Prozent
Die Rendite bei der Kryptowährung ist kein Verschreiber, dies ist tatsächlich die jährliche Wertsteigerung. Die Exponentialfunktion lässt grüßen!

Die finanzielle Repression, in neuer Dimension

Das Thema finanzielle Repression ist bereits seit Jahren bekannt, findet aber kaum Beachtung oder größeren Protest. Auch auf FMW wurde es schon des Öfteren thematisiert.

Der Versuch der relativen Entschuldigung des Staates durch erhöhte Inflation, niedrigste Kapitalmarktzinsen und einem erhöhten BIP-Wachstum – auf Kosten des Geldsparers, eine Form der Enteignung.

Diese Thematik ist binnen weniger Wochen äußerst virulent geworden. Denn nach jahrelangem Entlang-Mäandrieren an einer Deflationsschwelle sind die Daten zur Inflation in wenigen Wochen in die Höhe geschossen. Bliebe es jetzt bei über drei oder gar vier Prozent und dies über einen längeren Zeitraum, so hätte die eine große Vernichtung an Kaufkraft in den Depots mit Zinsanlagen zur Folge. Klingt fast schon nach einer Schallplatte mit Sprung.

Fazit

Die neuesten Quartalsdaten des Statistischen Bundesamtes bringen die Gemengelage, geschaffen durch Notenbanken, durch Demografie, Pandemie und durch die Regierung selbst, so richtig ins Bewusstsein. Es dürfte selbst dem größten Verfechter des Sparens auf Sparbuch und Girokonto, unserem Finanzminister Olaf Scholz, in Bälde auffallen, dass diese Form der Geldanlage keine besonders gute Idee darstellt, wenn die Inflation steigt.

Kurzum: Wenn es also zu keinem Kollaps des Geldsystems kommt, mit deflatorischen Folgen und in absehbarer Zeit, so steht schon wieder dieses seltsame und von manchen verhasste Akronym mit den vier Buchstaben im Raume („TINA„). Kommt es gar zu einem Jahrzehnt der Aktie? Eigentlich unvorstellbar, nach der letzten Dekade. Jetzt wird der Adrenalinspiegel bei manchen in die Höhe schießen, aber woher soll eine größere Rendite am Anleihemarkt kommen, die nicht parallel zu gehäuften Staatsbankrotten führt?

You can make an educated guess!



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3 Kommentare

  1. Moin, ist doch relativ einfach.
    Rendite der US Treasuries steigt demnächst auf 2,5% (sehr wahrscheinlich). Euro bleibt fest.
    Dann sind Treasuries eine gute Alternative für Deutsche Anleger, da auch noch Währungsgewinne möglich sind.

    1. äääää 2,5% – und das bei der Überschuldung so ziemlich aller Firmen und eines Großteils der Verbraucher? Das wäre der rote Teppich für China, um ziemlich schnell die stärkste Wirtschaftsmacht der Welt zu werden.

    2. Äh, Vorzeichenproblem? Wenn der Euro fester wird, dessen Kurs gegenüber dem Dollar also steigt, man also mehr Dollar für einen Euro aber weniger Euro für einen Dollar bekommt, dann macht man gegenüber dem Dollar keinen Währungsgewinn mit amerikanischen Staatsanleihen die auf Dollar lauten, sondern einen Verlust.

      Ich verstehe, das man sich mit dem ganzen Minus * Minus und Plus * Minus schon mal verheddern kann, erklärt aber so manches.

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