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Inflation oder doch Deflation? Zu wenige Dollars und das Schattenbanken-System

Zu wenige Dollars statt zuviele - Inflation also kein echtes Problem?

Deflation statt Inflation? Zu wenige Dollars

Derzeit haben wir eine seit den 1970er-Jahren nicht mehr erlebt Inflation: zu viel Nachfrage trifft auf zu wenig Angebot, mit der logischen Folge steigender Preise durch Lieferengpässe und Materialmangel. Diese „bottleknecks“ scheinen noch lange anzuhalten (laut ifo Institut hat sich die Situation zuletzt in Deutschland sogar verschlechtert)  – von Deflation ist derzeit nichts zu sehen. Selbst die lange so unbesorgte Fed hat eine hawkishe Wende vollzogen und will nun die Anleihekäufe schneller beenden und womöglich dann im Frühjahr 2022 bereits die Zinssen anheben.

Deflationäfrer Schock statt Inflation? Das Euro-Dollar-System

Derzeit redeten alle von der Inflation – aber das eigentliche Problem sei Deflation, so Jeffrey P. Snider in einem Interview mit Marc Friedrich. Denn faktisch gebe es nicht – trotz der vermeintlich massiven Geldmengenausweitung M2 im Gefolge der Coronakrise – nicht zu viele, sondern zu wenige Dollars, sagt Snider!

Die Ursache davon sei das Euro-Dollar-System – eine Art unreguliertes Schattenbanken-System (nicht zu verwechseln mit dem Währungs-Paar Euro-Dollar). Dieses Euro-Dollar-System ist wie ein schwarzes Loch, in dem Gelder verliehen werden, ohne dass diese Gelder wirklich physisch verliehen würden – es handelt sich um „liabilites“, um Ansprüche und Forderungen.

Faktisch gebe daher zu wenige „echte“ Dollars, weswegen langfristig Inflation nicht wirklich das Problem sei. Was die Fed mache, so Snyder, sei nicht Dollars zu drucken – auch das quantitative easing (QE) sei eben kein Gelddrucken. Was die US-Notenbank Fed betreibe sei vielmehr „Erwartungsmanagement“, keine wirkliche Geldpolitik.

Hochinteressante Aussagen von Jeffrey P. Snyder – quer zum Mainstream in Sachen Inflation und Deflation:



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8 Kommentare

  1. Sind das nicht einfach „Wechsel“ – also gar nichts so sehr neues?

    1. Ich versuche den Gedanken kurz zu konkretisieren – vielleicht ergibt sich ein Austausch: Wechselsysteme bestehen schon lange Zeit neben der Kreditwirtschaft; vor der Reformation gingen sie ihr sogar voraus. Man hatte je nach Wechselordnung eine Bezugsbörse in Bologna, Brügge, Antwerpen, Hamburg, Nürnberg, Bozen etc., wo man die Werte zum Termin abrechnete und glattstrich. So stellte sich heraus, ob man gut gewirtschaftet hatte, was in Zukunft gebraucht wird und sich Vertrauen „auszahlte“. Dieses System könnte m.E. in aktualisierter Form durchaus in einer Blockchain funktionieren.

  2. Na ja, ob ich das glauben soll, was der Herr Snider uns hier zu erklären versucht. Deflation statt Inflation.

  3. Pingback: Omikron? Warum das gute Nachrichten für Aktienmärkte sind! Marktgeflüster (Video) – finanzmarktwelt.de – Bundesweite Nachrichten Dienste

  4. Dass hundertmal mehr Devisen gehandelt werden denen keine Realwerte hinterlegt sind ist nichts Neues und zwar stark steigend in den letzten Jahren.( Kann man googeln – DEVISENMARKT) Dies gilt auch für Papiergold und andere Produkte wo mit Derivaten die Menge der existierenden Produkte tausendfach überzogen werden.
    Die intelligente ,sehr theoretische Diskussion wird dem Bürger mit knappem Budget nicht helfen zu verstehen,dass mehr als 10% Preissteigerungen für den täglichen Bedarf KEINE INFLATION ist.

  5. Inflation oder Deflation….es kommt halt darauf an, wie man diese definiert.

    Nach offizieller Definition hatten wir seit 2008 eine deflationäre Phase, in der sich allerdings Vermögenswerte enorm Inflationär verhielten (Immobilienpreissteigerungen von ca. 10 Prozent pro Jahr in 10 Jahren etc.).

    Nun könnten wir nach offizieller Definition eine inflationäre Phase bekommen, mit enormer Inflation der Verbraucherpreise (Energiekosten etc.) und Deflation der Vermögenspreise.

    Diesmal könnten nicht die Notenbanken die Liquiditätsgeber sein, sondern die staatlichen Fiskalprogramme, die ja schon 2020 begonnen wurden. Und die politische Richtung ist im Grundsatz ehr Sozial ausgerichtet (Steigende Mindestlöhne, steigendes Elterngeld etc. ;-)

    Es wird zumindest spannend ;-)

  6. Ich bleibe dabei: Es sind letztendlich die Zentralbanken, die darüber entscheiden, ob die Chose in Richtung Deflation oder in Richtung Inflation abkippt. Und so wie es aussieht, werden sie sich wohl für die Inflation entscheiden.

  7. Hallo an die Redaktion von Finansmarktwelt,

    Ich hab mir gerade das empfohlene Video von Mark Freiderich angeschaut und bin nach einigem nachdenken zu dem Schluß gelangt, das dieser Herr Snider, zu den gehört, die durch Neubenennung alter Begriffe Verwirrung stiftete.

    1. sein Euro Dollar System ist nichts weiter als die Interbankenverschuldung! Ein sattsam bekanntes System, welches schon in den Zeiten als Geld noch Gold war existierte. Beispiel:

    Wenn Bank an nicht genug Münzen Hatte um die Forderung eines Kunden zu befriedigen, dann wurde der auf nächsten Tag vertröstet und ein Kutsche fuhr durch die nacht zur befreundeten Bank um die Münzen zu besorgen. Blöd nur wen die Kutsche jede Nacht fahren muß.

    2. seine misteryse Defaltion disese Systems ist nichts weiter als die altbekannte Kreditklemme. Das heißt, nach der Lehmannpleite traute keine Bank der andern so recht und lieh ihr nicht mehr so freigiebig wie vorher! Und die Zentralbanken müßen immer mal wider aushelfen um Pleiten zu verhindern.

    3. Die Erklärung warum die Zinsen so niedrig sind und die Geldgeschenke an die Finanzwirtschaft nicht der Realwirtschaft helfen ist auch nicht die ominöse Defaltion des eben so ominösen euro dollar-systems, sondern die Überschuldung der Realwirtschaft!
    Nach 30 Jahren kreditgetrieben Wachstums ha eben fast jeder, auch die Konsumenten, ein Batzen Schulden auf dem Buckel und dan ist es egal wifiel Geld oder Gold in den Kellern einer Bank liegt oder wie billig der Zins ist. einem fast bankroten leiht nimand mehr Geld, man hält ihn nur von Umschuldung zu Umschuldung am Leben, um den Kreditausfall zu vermeiden! Das der dan kein Wachstum erzeugt, weil jeder dollar mehr eh an die Bank geht ist auch klar!

    4. Was ist Geld? Erstaunlich das die Verwirrung nun auch höchste intelektuelle Kreis erreicht hat, nachdem wir von der Finanzwelt erst von Gold auf gold gedeckte Schuldvereschreibung der Banken(Banknoten), dann der der Staaten (Papiergeld), dann ungedecktes (Fiatgeld) umkonditioniert wurden. Stand heute sind wir bereit das nur elektronisch übertragen auf Fiatgeld lautenes Zahlungsversprechen, als allgemein gültiges Zahlungsmittel zu akzeptieren, nur gedeckt in das Vertrauen an die Bank! Und es geht ja noch weiter einige von uns gestehen einem Nümmerken, welche den Verschlüsselungsalgorithmus eines unbekannten Programmierers erfüllt, genant Bitcoin den gleichen Wert zu wie dem gelben Edelmetall.

    so fiel zu den Ausführungen des Herren Snider ihr Stefan Kowalski.

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