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Norwegens Staatsfonds-Chef: "Man kann sich nirgendwo mehr verstecken bei Investments" Inflation: Öffnung in China bringt neue Teuerungswelle

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Die plötzliche Abkehr von der Null-Covid-Politik in China hat Folgen für die Inflation, sagt Nicolai Tangen, Chef des Staatsfonds von Norwegen. Das könne eine sehr schlechte Nachricht für die Märkte sein, denn die dadurch anhaltende hohe Inflation sei negativ sowohl für Aktien als auch für Anleihen, weil die Notenbanken mit einer restriktiven Geldpolitik reagieren müßten.

Norwegens Staatsfonds ist der weltgrößte Halter von Aktien – und mußte daher nach dem Umsteuern der Notenbanken im Jahr 2022 erhebliche Verluste mit Aktien und Anleihen verkraften. Tangen hatte daher die Händler des norwegischen Staatsfonds aufgerufen, „gegen den Markt zu wetten„.

Mit der Erholung Chinas ist in der Weltwirtschaft ein neuer Schub der Inflation zu erwarten: Diese Einschätzung vertritt der Chef des 1,2 Billionen Euro schweren norwegischen Staatsfonds Tangen in einem Interview mit Bloomberg.

Inflation steigt wieder wegen Öffnung in China – sagt Chef des norwegischen Staatsfonds

“Ich denke, die große, große Ungewissheit in diesem Jahr ist, was mit der globalen Inflation passieren wird, wenn China in Schwung kommt”, sagte Nicolai Tangen im Interview mit Bloomberg TV am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. “Ich denke, das wird inflationär sein, und es besteht das Risiko, dass sich die Inflation dadurch wieder beschleunigt — das wäre wirklich schlecht für die Märkte.”

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Die Zinserhöhungen, mit denen die Notenbanken der Welt die Inflation einzudämmen suchen, lassen befürchten, dass sie zugleich einen Wirtschaftsabschwung auslösen. Mit Chinas Abkehr von der Null-Covid-Strategie droht indessen ein neuer Teuerungsschub.

Kein Ort, an dem man sich verstecken kann

“Das Problem bei einem solchen Szenario ist, dass man nirgendwo Geld verdienen kann”, sagte der Manager, dessen Fonds etwa 1,3% aller börsennotierten Aktien weltweit hält. “Wenn das passiert, verliert man wahrscheinlich Geld auf dem Rentenmarkt, auf dem Aktienmarkt und auf dem Immobilienmarkt. Ich glaube nicht, dass es irgendeinen Ort gibt, an dem man sich verstecken kann.”

Der Inflationstrend könnte “noch eine ganze Weile anhalten”, sagte Tangen. “Mit der globalen Finanzkrise hatten wir die größte Lockerung, die die Welt je gesehen hat, und dann mit Covid die größten Stimuli, die wir je gesehen haben”, führte er aus. Dies habe zu Überschwang geführt, der “nicht binnen zehn Minuten entfernt” werden kann.

FMW/Bloomberg



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6 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Fugmann,
    ich schätze ihre Analysen usw. sehr und schaue mir Ihre youtube- Videos sehr häufig/gern, obwohl ich kein Anleger/Investor o.ä. bin.
    Hier meine Frage: Sie stellen die These auf, dass die (weltweite) Inflation noch einmal zunimmt, weil China die 0-C.-Politik abschafft. Für mich wird aus Ihrem Beitrag nicht ersichtlich, warum das so sein soll?
    Wenn ich meine Auffassung von Wirtschaft richtig ist, dann: Erhöhung des Angebots (China/Welt-Werkbank erhöht die Produktion) auf gleichbleibendes/fallende Nachfrage (volle Lager/abbau von Arbeitsplätzen) = Deflation.
    Würden Sie bitte erläutern, wie Sie auf Ihre Schlussfolgerung kommen.

    Ich bedanke mich, mit freundlichen Grüßen
    Falk Schäfer

    1. @Falk, durch die Null-Corona-Politik in China war die Nachfrage aus China schwach (Import von Rohstoffen etc.) – mit der Öffnung zieht die Nachfrage aus China wieder an, wobei Inflation vor allem durch das Ungleichgewicht zwischen Nachfrage und Angebot entsteht. Wenn also die Nachfrage aus China, dem weltweit größten Rohsoff-Importeur, wieder anzieht, hat das Effekte auf die Inflation..

      1. Klasse, vielen Dank.
        Klar das hatte ich so nicht gesehen. Das ergibt Sinn: Werkbank geschlossen = kein/kaum Import
        China exportiert ja nicht nur.

        Super Arbeit, weiter so.

        Viele Grüße auch an Ihr Team

        1. @Falk…Ihre Anmerkung wird aber auf mittelfristige Sicht auch nicht ganz unrelevant werden…

  2. Zuviel MMT tut sehr weh

    Ganz im Sinne des legendären Marc Faber der sagt, dass es Moment darum gehe möglichst wenig zu verlieren. Aber ich meine mit kurzen USAnleihen von über 4,5% Rendie kann man die Durststrecke gut überstehen und hat kein grosses Kursrisiko.Viele Anleger müssen irgendwann begreifen,dass 10Jahre Party nicht ohne Nebenwirkungen zu bewältigen sind.
    Für Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ältere Börsengurus wie frühere ,viel kleinere Börsenverwerfungen abgelaufen sind.Leider gibt es auch einige die immer noch sehr bullisch sind.

  3. Wenn mit Aktien,Immos und Anlehen nichts mehr zu holen ist werden im Aufschwung Rohstoffe und Energie wieder interessant ,was auch wieder inflationär ist. Zudem wird der propagierte 3D – Effekt auch inflationär wirken.
    DEGLOBALISIERUNG, DECORBANISIERUNG, DEMOGRAPHIE. Eines ist klar ,jahrelanges Gelddrucken, ( Erstamaliges Experiment mit ungewissem Ausgang) ohne Hinterlegung von Realwerten muss inflationar wirken. Für diese Erkenntnis bräuchte es kein Studium.

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