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Inflation: Renditen steigen weiter – jetzt wird es kritisch!

Es gibt einen neues Gespenst an den Märkten: die Sorge vor einer stark steigenden Inflation lässt die Renditen für Staatsanleihen steigen – die maßgebliche Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe erreichte heute ein neues Hoch bei knapp 1,45%. Und das obwohl Jerome Powell gestern und vorgestern versicherte, dass die Inflation nur temporär ansteigen würde. Aber die Märkte zweifeln an derartigen Beruhigungspillen des Fe-Chefs und treiben die Renditen weiter nach oben. Man will nun offenkundig die Fed „antesten“, bis sich die Notenbank durch die Einführung einer yield curve control zum Eingreifen gezwungen sehen wird.

Inflation und die Rendite: in der kritischen Zone!

Derzeit starren die Märkte vorwiegend auf die Rendite der 10-jährigen US-Anleihe – und diese erreicht aktuell ein kritisches Niveau: der Bereich um 1,40% bis 1,45% ist ein starker Widerstand (und zugleich ein wichtiges Fibonacci-Level) – bräche dieser Widerstand, dann wäre der Weg in Richtung 2%-Marke im Grund frei:

Die Sorgen vor Inflation lässt die Renditen steigen

Der schnelle Anstieg der Rendite belastet dabei vor allem den amerikanischen Tech-Sektor – nicht zufällig entwickelt sich der Nasdaq daher zuletzt schwächer als die anderen US-Indizes; auch heute hinkt der Nasdaq-Future hinterher aufgrund des Anstiegs der Renditen.

Der Grund dafür ist recht simpel: in der Coronakrise kaufte man die Tech-Werte als Profiteure der Krise (Amazon!) – nun aber herrscht die Erwartung, dass die von der Cornonakrise besonders schwer getroffenen Sektoren wie Energie viel mehr Potential bieten und schichtet daher um.

Folgende Grafik zeigt, welche Asset-Klassen in Zeiten steigender Renditen normalerweise gut laufen – und welche nicht:

Welche Asset-Klassen bei Erwartung steigender Inflation profitieren

Derzeit ist manches typisch – etwa dass US-Finanzwerte den höchsten Stand seit dem Jahr 2008 erreichen, Rohstoffe wie Kupfer deutlich anziehen, und Utilities (Versorger; sie gelten mit ihrer meist hohen Dividenden-Rendite als Alternative zu Staastanleihen) eher schlecht laufen. Untypisch dagegen ist, dass der US-Dollar nicht zulegen kann, Small Caps aktuell besser laufen als Large Caps (Russell 2000 schießt durch die Decke) – und der Sektor Energie der neue Liebling der Märkte ist.

Nun stellen sich zwei Gretchenfragen: erstens – wann wird der Anstieg der Renditen für den Gesamtmarkt (und nicht nur für Tech) zu einem echten Belastungs-Faktor (in Erwartung, dass die Fed fürher als geplant den Fuß vom Gaspedal nehmen muß). Und zweitens: wenn die Inflation kommt, kann die Fed dann wirklich, wie Powell gestern einmal mehr behauptet hat, die Dinge unter Kontrolle bringen?

Ist nicht die Schwäche des US-Dollars trotz steigender Renditen schon ein Zeichen dafür, dass das Vertrauen in die USA und ihre Währung bereits zu erodieren beginnt? Also die Fed die Inflation eben nicht wird in den Griff kriegen können, ohne zu drakonischen Maßnahmen greifen zu müssen?

„Time will tell“. Aber es ist so oder so ein gigantisches und riskantes Experiment, dass die Fed und andere Notenbanken losgetreten haben. Einen Geist, der einmal aus der Flasche ist, kann man nicht einfach wieder einfangen. Vielleicht gilt das auch und besonders für die Inflation und die Notenbanken, die glauben, Dinge beherrschen zu können, die schlicht nicht beherrschbar sind!

Die kommende Inflation sollte Fed-Chef Powell nervös machen



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7 Kommentare

  1. Hallo Herr Fugmann, könnten Sie in einem Ihrer Videos mal erläutern, warum die FED sich eigentlich so schäut, eine YCC einzuführen? Wo sind die Nachteile für die _FED_? Danke.

    1. würde mich auch interessieren warum sie das nicht einfach die Zinskurve kontrolliert. Sie manipuliert doch sonst auch völlig ungeniert alles was ihr nicht in den Kram passt.

  2. Ich persönlich denke, das sich dass Problem der steigenden Renditen mit einer Yield Curve Control nicht lösen lässt. Eine Kontrolle der Renditekurve ändert ja nichts an den Inflationserwartungen, und außerdem wird der Markt auch diese Grenze austesten wie weit die Notenbanken bereit sind zu gehen, siehe Kursuntergrenze EUR/CHF was letztendlich zur „Kapitulation“ der SNB führte.

    Die Renditen müssen auch aus dem einfachen Grund steigen, weil in den nächsten Monaten und Jahren ein enormes Angebot am Markt untergebracht werden muss.

    1. BETREFF ZINSKURVENKONTROLLE : Bitte Ursache und Wirkung nicht verwechseln.Wenn sie mit 220 km/h in die Kurve fahren,können sie mit einer Kurvenkontrolle nichts ausrichten,dann gehört der Fahrer in die Psychiatrie.Also bitte die Verantwortlichen des Desasters ( Notenbänker) aus dem Verkehr ziehen und für immer versorgen.

  3. @dontspeak – ein noch größeres QE (und nichts anderes wäre so eine YCC) würde die Inflation ja noch mehr anheizen. Bei einer anziehenden Inflation sitzen die Notenbanken in der Zwickmühle, und hätten nur noch die Wahl zwischen Pest (Rezession/Depression/Deflation) oder Cholera (Hyperinflation). Jetzt jeht’s ans Einjemachte…

  4. Kann die FED YCC durchführen ohne die Inflationserwartung zu steigern bzw. das Vertrauen in den Dollar weiter zu senken?

  5. Warum sollten dann die Zinsen bei 1,4 % weiter manipuliert werden wenn früher bei funktionierenden Märkten 14% funktioniert hat.
    Reichen denn 1200% Kursgewinn ( Nasdaq) nicht aus ? Haben denn nicht gerade die Zinsmanipulationen der letzten 10Jahre zu den Verwerfungen bei Immobilien, Aktien und Kryptosch… geführt? Auch der Anstieg der Rohstoffe ist die logische Folge dieser Politik.Zudem haben die Notenbanken zum Glück bei den Rohstoffen keinen direkten Einfluss.
    Auch gibt es kein Menschenrecht auf immer steigende Aktienkurse.Die Notenbanken haben jetzt das Problem, dass die steigende Inflation / Zinsen auf von ihnen selbst hochgejubelten Aktienkurse trifft.

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