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Inflation: Sie ist längst da – Vermögenspreise steigen 2019 9,7%

Faktisch vollzieht sich damit ein relativer Abstieg der unteren Mittelschicht – und das wiederum fördert die Erosion unserer Gesellschaft

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Bekanntlich will die EZB die Inflation in der Eurozone in Richtung 2% bringen – ein Unterfangen, das bislang nicht gerade von Erfolg gekrönt war. Der Begriff Inflation wird für den Anstieg von Verbraucherpreisen verwendet, aber das scheint immer mehr eine unzureichende Defintion zu sein, denn die Preise steigen auf breiter Front! Weniger im Supermarkt, aber vor allem eben bei den Vermögenspreisen. Würde man Inflation schlicht als Anstieg von Preisen definieren, dann ist die Inflation also schon längst da – auch und gerade durch die ultralaxe Gelddpolitik der EZB. Denn diese Geldpolitik mit Nullzinsen (und Negativzinsen für Banken und größere Einlagesummen auf Konten für Privatleute) ist finanzielle Repression, die Investoren und Sparer in Investments von Vermögenswerten wie Aktien und Immobilien treibt angesichts der Abschaffung des Zinses.

Im Jahr 2019 stiegen die Vermögenspreise (Aktien, Immobilien, Betriebsvermögen) in Deutschland um satte +9,7%, wie heute das Flossbach von Storch Research Institute bekannt gab. Damit stiegen die Vermögenspreise in den letzten Jahren deutlich stärker als die Verbaucherpreise, wie Flossbach von Storch Research Institute formuliert:

„Die Verbraucherpreise stiegen in diesem Zeitraum nur um +1,2% an. Seit dem ersten Quartal 2005 ergibt sich somit eine langfristige jährliche Vermögenspreisinflation von +3,2%, während die langfristige jährliche Verbraucherpreisinflation mit +1,4% weniger als die Hälfte betrug.“

Das ist eine gute Nachricht für Besitzer von Aktien, Immobilien oder Betrieben – denn ihr Vermögen steigt deutlich stärker als ihre Ausgaben für den Konsum. Aber für diejenigen, die nicht im Besitz von Aktien, Immobilien oder Firmen sind, schauen „in die Röhre“:

„Durch den hohen Anteil an Betriebsvermögen steigen die Preise für das Vermögen der wohlhabendsten Haushalte um +9,1% an. Die untere Mittelschicht weist mit +3,5% die geringste Preissteigerung auf, da sie über einen hohen Anteil an Sparvermögen und den geringsten Anteil an Betriebsvermögen verfügt. Für die übrigen Haushalte liegt die Vermögenspreisinflation zwischen +5,1% und +6,2%. Da der relative Anteil an Betriebs- und Immobilienvermögen bestimmend für die Vermögenspreisinflation ist, nimmt die Inflation für diese Haushalte mit steigendem Nettovermögen zu.“

Faktisch vollzieht sich damit ein relativer Abstieg der unteren Mittelschicht – und das wiederum fördert die Erosion unserer Gesellschaft. Nicht zufällig lautet der aktuelle Titel des Wochenmagazins „Die Zeit“: Die Mitte wankt.

Wer dagegen eine Firma sein Eigen nennen kann. kommt auf einen durchschnittlichen Vermögenszuwachs von 23,6%, bei Immobilien lag der Anstieg bei 6,7%, Aktien stiegen um 18,4%.

Faktisch also, das belegen diese Zahlen, wird die Inflation durch die niedrigen Anstiege der Verbraucherpreise kaum adäquat wiedergegeben. Daher hatte die EZB auch überlegt, die deutlichen Preisanstiege bei selbst genutzten Immobilien in die Berechnung mit einfließen zu lassen, dies aber wieder verworfen (wohl weil sehr schwierig zu berechnen). Hätte die EZB diesen Schritt unternommen, sähen die Inflationszahlen deutlich anders aus!

So oder so: die Inflation ist längst da – wie Flossbach von Stroch Research Institute in folgendem Video klar machen:

Die Inflation ist längst da - bei den massiv steigenden Vermögenspreisen

6 Kommentare

6 Comments

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    Übelkeit

    17. Februar 2020 12:49 at 12:49

    Tja, die breite Masse begreift schlicht nicht was abläuft. Sie werden in nicht allzu ferner Zukunft ins Schaufenster blicken und staunen, da sie sich keinen Schmuck mehr leisten können. Ihr Vermögen wurde schleichend vernichtet. Sie sind Sprichwörtlich der Frosch im Kochtopf. Immerhin reicht’s noch für Wurst und Käse.

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    Sabine

    17. Februar 2020 13:17 at 13:17

    Naja, heute 0,60€ für ein Laugenbrötchen, 1970 waren es noch 0,15 DM, fast verzehnfacht innerhalb 50 Jahren. Das sind aber keine 3%. … oder?

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    md

    17. Februar 2020 13:57 at 13:57

    @sabine, frauen waren in mathe noch nie die hellsten ( ne war nur spass :))) ok ) 1970 hat ein zb. bauarbeiter schon ca 800 dm netto gehabt, heute 1600 euro netto.
    das sollten sie bei ihrer inflationsberechnung berücksichtigen.

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    Michael

    17. Februar 2020 15:43 at 15:43

    @sabine, @md, dann will ich mal beim Rechnen helfen ;)

    Da die Teuerungsraten ja immer in Bezug auf das Vorjahr gerechnet werden, ergibt sich bei den genannten Zahlen eine durchschnittliche Teuerung von knapp 4,2% p.a. für ein Laugenbrötchen (0,15 mal 1,042 hoch 50). Beim Brotpreis pro kg sind es übrigens etwa 3,8%. Das Laugenbrötchen hat sich somit um den Faktor 7,8 verteuert.

    Da die Nettolöhne ja abhängig von der jeweiligen Steuerklasse sind, und mir auf die Schnelle keine Nettolohn-Tabellen von 1970 bis dato vorliegen, lege ich einmal die Tariflöhne im Baugewerbe zugrunde. 1970 lag der Monatslohn, je nach ausgeübter Tätigkeit, Ausbildungsstufe, Betriebszugehörigkeit, Alter etc. zwischen 502 und 1.607 DM. In 2019 waren es 2.298 bis 6.484 EUR (4.495 bis 12.682 DM). Hier ergibt sich also ein durchschnittlicher Faktor von 8,5.

  5. Pingback: Meldungen vom 17.02.2020 | das-bewegt-die-welt.de

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    BrettonWood

    17. Februar 2020 19:58 at 19:58

    Lebensmittel werden seit 100 Jahren über Subventionen an die Bauern unter dem Marktpreis erzeug…und die Mieten bekommen nun einen Deckel….

    Damit der Michel ja nicht merkt das er eigentlich mit seinem Einkommen weder Dach noch Essen bezahlen kann, so bleibt der Mob unter Kontrolle…die Sozialisten werden zum Steigbügelhalter der Kapitalisten 🤔.

    Ein Schelm wer böses denkt

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Arbeitslosigkeit in Deutschland vor starkem Anstieg – ifo mit Frühwarnung

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Steht Deutschland vor einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit? Das ifo Institut hat soeben das ifo Beschäftigungsbarometer veröffentlicht, das auf monatlichen Meldungen von  ca. 9000  Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes, des Bauhauptgewerbes, des Groß-und Einzelhandels und des Dienstleistungssektors basiert. Das Barometer stürzt so stark ab, wie noch nie seit Einführung (also seit dem Jahr 2002). Neueinstellungen würden gestoppt, Deutschland erlebe in Sachen Jobs eine „Vollbremsung“. Eine deutlich steigende Arbeitslosigkeit scheint damit vorgrogrammert zu sein!

Hier der Wortlaut von ifo:

„Die deutschen Unternehmen legen bei den Personalplanungen eine Vollbremsung hin. Das ifo Beschäftigungsbarometer ist im März deutlich gefallen auf 93,4 Punkte, von 98,0 Punkten im Februar. Das ist der größte Rückgang seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2002. Es ist zudem der niedrigste Wert seit Januar 2010. Neueinstellungen werden gestoppt. Der Handel, die Dienstleister und der Bau verzeichnen neue Rekorde beim Rückgang des Barometers. Im Handel wird es verstärkt Entlassungen geben, bei den Dienstleistern in geringem Umfang. Nur auf dem Bau gibt es keine Änderungen beim Personal. In der Industrie ist das Barometer wenig gefallen. Jedoch waren auch schon vorher Entlassungen vorgesehen. Das wird sich jetzt fortsetzen.“

Der Chart des ifo Beschäftigungsbarometers im freien Fall:

Kommt die Massenarbeitslosigkeit in Deutschand? Der ifo Beschäftigungsbarometer deutet darauf hin

Grafik: ifo

Auch Deutschland wird von einer Welle der Arbeitslosigkeit erfaßt werden – je länger der lockdown durch die Corona-Krise dauert, um so größer wird das Problem werden.

Gestern gab es in den USA einen historisch nie dagewesenen Anstieg der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe:


source: tradingeconomics.com

Die Zahl der sich neu arbeitssuchend Meldenden übersteigt mehrfach die bisherigen Rekorde in Krisen der Vergangenheit:

Die Arbeitslosigkeit wird in Deutschlsnd stark ansteigen

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Exporte: So brutal brechen die Erwartungen aktuell ein

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Viele deutschen Exporte laufen über den Hamburger Hafen

Dass die deutschen Exporte einbrechen und dass die Stimmung mies ist, das war zu erwarten. Aber wie mies ist die Erwartungshaltung aktuell? Das kann man an den Exporterwartungen ablesen, welche das ifo-Institut heute ganz frisch veröffentlicht hat. Die Daten basieren auf ca. 2.300 monatlichen Meldungen von Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes. Die Unternehmen werden gebeten, ihre Exporterwartungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Sie können ihre Erwartungen für die nächsten drei Monate als „zunehmen“, „gleich bleiben“ oder „abnehmen“ kennzeichnen. Der Saldowert der Planungen ist die Differenz der Prozentanteile der Antworten „zunehmen“ und „abnehmen“. Und was kam raus? Der Chart zeigt den aktuell katastrophalen Absturz! ifo dazu mit seiner Aussage im Wortlaut:

Die ifo Exporterwartungen der Industrie sind im März von minus 1,11 auf minus 19,8 Punkte gefallen. Dies ist der stärkste Rückgang seit der Wiedervereinigung und der niedrigste Wert seit Mai 2009. Die Corona- Pandemie bremst den weltweiten Handel aus. Die länderübergreifende Logistik wird schwieriger. Deutschland als Exportnation ist besonders davon betroffen. Die Exporterwartungen sind in nahezu allen Industriebranchen gesunken, teilweise deutlich. Besonders hart trifft es die Autoindustrie, welche mit deutlichen Rückgängen bei den Exporten rechnet. Auch im Maschinenbau ist der Ausblick düster. Gleiches gilt auch für die Hersteller von Textilien und Bekleidung. Ein vergleichsweise moderater Rückgang war bei den Herstellern von elektrischen Ausrüstungen und in der Chemischen Industrie zu beobachten.

ifo Exporterwartungen als Grafik

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ifo Geschäftsklimaindex: „Zwei Quartale schwere Rezession“, „zwischen -5% und -20%“

Anteil der sich pessimistisch äussernden Unternehmen ist in den letzten Tagen noch einmal deutlich gestiegen

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Soeben hat das ifo Institut den finalen ifo Geschäftsklimaindex für März veröffentlicht – mit katastrophalen Zahlen vor allem aus dem Diensleistungssektor. In der Vorwoche hat das ifo Institut schon vorläufige Zahlen veröffentlicht – nun hat sich die Lage in der finalen Auswertung noch einmal verschlechtert:

– ifo Geschäftsklimaindex 86,1 (Erstveröffentlichung für März war 87,7)

– aktuelle Lage 93,0 (Erstveröffentlichung für März war 93,6)

– Geschäftserwartungen 79,7 (Erstveröffentlichung für März war 81,9)

Dazu kommentiert ifo (Klaus Wohlrabe):

– Stimmung hat sich ausserordentlich verschlechtert, stäkrster jemals verzeichneter Monatsrückgang

– Anteil der sich pessimistisch äussernden Unternehmen ist in den letzten Tagen noch einmal deutlich gestiegen

– Dienstleistungsindex so stark gefallen wie seit Berechnung (2005) noch nie, verarbeitendes Gewerbe so schlecht wie seit 2009 nicht mehr

– Handel eingebrochen, Baugewerbe nur moderat gesunken

– wird mindestens zwei Quartale schwere Rezession geben: BIP-Einbruch zwischen -5% und -20%, je nach Länge des shutdowns

Dazu die Pressemitteilung des ifo im Wortlaut:

ifo Geschäftsklimaindex bricht ein

„München, 25. März 2020 – Die Stimmung in den deutschen Unternehmen hat sich außerordentlich verschlechtert. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im März auf 86,1 Punkte eingebrochen, nach 96,0 Punkten[1] im Februar. Dies ist der stärkste jemals gemessene Rückgang im wiedervereinigten Deutschland und der niedrigste Wert seit Juli 2009. Insbesondere die Erwartungen der Unternehmen verdüsterten sich wie nie zuvor. Auch die Einschätzungen zur aktuellen Lage sind deutlich gefallen. Die deutsche Wirtschaft steht unter Schock.

Der Geschäftsklimaindex ist im Vergleich zur vorläufigen Veröffentlichung vom 19.3., als er bei 87,7 Punkten lag, nochmals um 1,6 Punkte gesunken. Die Lagebeurteilungen sanken seitdem um 0,8 Punkte, die Erwartungen um 2,3 Punkte.

Im Verarbeitenden Gewerbe ist der Index auf den niedrigsten Stand seit August 2009 gefallen. Einen stärkeren Rückgang gab es im wiedervereinigten Deutschland noch nie. Der Rückgang der Erwartungen ist mit Blick auf 70 Jahre Umfragen in der Industrie historisch einmalig. Der Indikator der aktuellen Lage sank weniger stark. In allen Industriezweigen ist der Index gefallen, teilweise recht deutlich. Viele Unternehmen haben Produktionskürzungen angekündigt.

Im Dienstleistungssektor ist der Geschäftsklimaindikator so stark gefallen wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2005. Dies gilt sowohl für die Einschätzung der Geschäftslage als auch für die Erwartungen.

Im Handel ist der Geschäftsklimaindikator eingebrochen. Die Erwartungen stürzten auf den niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung. Auch die aktuelle Lage schätzten die Unternehmen merklich weniger gut ein. Groß- und Einzelhandel sind gleichermaßen stark negativ getroffen. Positive Ausnahmen sind Lebensmittel- und Drogeriemärkte.

Im Bauhauptgewerbe ist der Index vergleichsweise moderat gesunken. Die Bauunternehmen sind gegenwärtig mit ihrer aktuellen Lage noch sehr zufrieden. Der Ausblick hat sich jedoch deutlich verschlechtert.

Clemens Fuest“

 

Der ifo Geschäftsklimaindex zeigt, dass in Deutschland eine Rezession mit BIP-Einbruch zwischen -5% und -20% bevorsteht

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