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Europa

Inflation: Sie ist längst da – Vermögenspreise steigen 2019 9,7%

Faktisch vollzieht sich damit ein relativer Abstieg der unteren Mittelschicht – und das wiederum fördert die Erosion unserer Gesellschaft

Markus Fugmann

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Bekanntlich will die EZB die Inflation in der Eurozone in Richtung 2% bringen – ein Unterfangen, das bislang nicht gerade von Erfolg gekrönt war. Der Begriff Inflation wird für den Anstieg von Verbraucherpreisen verwendet, aber das scheint immer mehr eine unzureichende Defintion zu sein, denn die Preise steigen auf breiter Front! Weniger im Supermarkt, aber vor allem eben bei den Vermögenspreisen. Würde man Inflation schlicht als Anstieg von Preisen definieren, dann ist die Inflation also schon längst da – auch und gerade durch die ultralaxe Gelddpolitik der EZB. Denn diese Geldpolitik mit Nullzinsen (und Negativzinsen für Banken und größere Einlagesummen auf Konten für Privatleute) ist finanzielle Repression, die Investoren und Sparer in Investments von Vermögenswerten wie Aktien und Immobilien treibt angesichts der Abschaffung des Zinses.

Im Jahr 2019 stiegen die Vermögenspreise (Aktien, Immobilien, Betriebsvermögen) in Deutschland um satte +9,7%, wie heute das Flossbach von Storch Research Institute bekannt gab. Damit stiegen die Vermögenspreise in den letzten Jahren deutlich stärker als die Verbaucherpreise, wie Flossbach von Storch Research Institute formuliert:

„Die Verbraucherpreise stiegen in diesem Zeitraum nur um +1,2% an. Seit dem ersten Quartal 2005 ergibt sich somit eine langfristige jährliche Vermögenspreisinflation von +3,2%, während die langfristige jährliche Verbraucherpreisinflation mit +1,4% weniger als die Hälfte betrug.“

Das ist eine gute Nachricht für Besitzer von Aktien, Immobilien oder Betrieben – denn ihr Vermögen steigt deutlich stärker als ihre Ausgaben für den Konsum. Aber für diejenigen, die nicht im Besitz von Aktien, Immobilien oder Firmen sind, schauen „in die Röhre“:

„Durch den hohen Anteil an Betriebsvermögen steigen die Preise für das Vermögen der wohlhabendsten Haushalte um +9,1% an. Die untere Mittelschicht weist mit +3,5% die geringste Preissteigerung auf, da sie über einen hohen Anteil an Sparvermögen und den geringsten Anteil an Betriebsvermögen verfügt. Für die übrigen Haushalte liegt die Vermögenspreisinflation zwischen +5,1% und +6,2%. Da der relative Anteil an Betriebs- und Immobilienvermögen bestimmend für die Vermögenspreisinflation ist, nimmt die Inflation für diese Haushalte mit steigendem Nettovermögen zu.“

Faktisch vollzieht sich damit ein relativer Abstieg der unteren Mittelschicht – und das wiederum fördert die Erosion unserer Gesellschaft. Nicht zufällig lautet der aktuelle Titel des Wochenmagazins „Die Zeit“: Die Mitte wankt.

Wer dagegen eine Firma sein Eigen nennen kann. kommt auf einen durchschnittlichen Vermögenszuwachs von 23,6%, bei Immobilien lag der Anstieg bei 6,7%, Aktien stiegen um 18,4%.

Faktisch also, das belegen diese Zahlen, wird die Inflation durch die niedrigen Anstiege der Verbraucherpreise kaum adäquat wiedergegeben. Daher hatte die EZB auch überlegt, die deutlichen Preisanstiege bei selbst genutzten Immobilien in die Berechnung mit einfließen zu lassen, dies aber wieder verworfen (wohl weil sehr schwierig zu berechnen). Hätte die EZB diesen Schritt unternommen, sähen die Inflationszahlen deutlich anders aus!

So oder so: die Inflation ist längst da – wie Flossbach von Stroch Research Institute in folgendem Video klar machen:

Die Inflation ist längst da - bei den massiv steigenden Vermögenspreisen

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Übelkeit

    17. Februar 2020 12:49 at 12:49

    Tja, die breite Masse begreift schlicht nicht was abläuft. Sie werden in nicht allzu ferner Zukunft ins Schaufenster blicken und staunen, da sie sich keinen Schmuck mehr leisten können. Ihr Vermögen wurde schleichend vernichtet. Sie sind Sprichwörtlich der Frosch im Kochtopf. Immerhin reicht’s noch für Wurst und Käse.

  2. Avatar

    Sabine

    17. Februar 2020 13:17 at 13:17

    Naja, heute 0,60€ für ein Laugenbrötchen, 1970 waren es noch 0,15 DM, fast verzehnfacht innerhalb 50 Jahren. Das sind aber keine 3%. … oder?

  3. Avatar

    md

    17. Februar 2020 13:57 at 13:57

    @sabine, frauen waren in mathe noch nie die hellsten ( ne war nur spass :))) ok ) 1970 hat ein zb. bauarbeiter schon ca 800 dm netto gehabt, heute 1600 euro netto.
    das sollten sie bei ihrer inflationsberechnung berücksichtigen.

  4. Avatar

    Michael

    17. Februar 2020 15:43 at 15:43

    @sabine, @md, dann will ich mal beim Rechnen helfen ;)

    Da die Teuerungsraten ja immer in Bezug auf das Vorjahr gerechnet werden, ergibt sich bei den genannten Zahlen eine durchschnittliche Teuerung von knapp 4,2% p.a. für ein Laugenbrötchen (0,15 mal 1,042 hoch 50). Beim Brotpreis pro kg sind es übrigens etwa 3,8%. Das Laugenbrötchen hat sich somit um den Faktor 7,8 verteuert.

    Da die Nettolöhne ja abhängig von der jeweiligen Steuerklasse sind, und mir auf die Schnelle keine Nettolohn-Tabellen von 1970 bis dato vorliegen, lege ich einmal die Tariflöhne im Baugewerbe zugrunde. 1970 lag der Monatslohn, je nach ausgeübter Tätigkeit, Ausbildungsstufe, Betriebszugehörigkeit, Alter etc. zwischen 502 und 1.607 DM. In 2019 waren es 2.298 bis 6.484 EUR (4.495 bis 12.682 DM). Hier ergibt sich also ein durchschnittlicher Faktor von 8,5.

  5. Pingback: Meldungen vom 17.02.2020 | das-bewegt-die-welt.de

  6. Avatar

    BrettonWood

    17. Februar 2020 19:58 at 19:58

    Lebensmittel werden seit 100 Jahren über Subventionen an die Bauern unter dem Marktpreis erzeug…und die Mieten bekommen nun einen Deckel….

    Damit der Michel ja nicht merkt das er eigentlich mit seinem Einkommen weder Dach noch Essen bezahlen kann, so bleibt der Mob unter Kontrolle…die Sozialisten werden zum Steigbügelhalter der Kapitalisten 🤔.

    Ein Schelm wer böses denkt

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Europa

Verbraucherpreise Eurozone dritten Monat in Deflation, BIP besser als erwartet

Claudio Kummerfeld

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am

Geldbörse in der Klemme

Soeben wurden als Vorabschätzung die Verbraucherpreise für die Eurozone für den Monat Oktober veröffentlicht. Im Jahresvergleich sinken sie um 0,3 Prozent nach -0,3 Prozent und -0,2 Prozent in den beiden vorigen Monaten. Also sehen wir den dritten Monat in Folge Deflation! Das Minus der Energiepreise wird wieder größer mit -8,4 Prozent im Jahresvergleich. Die Verbraucherpreise für Lebensmittel können von +1,8 Prozent auf +2,0 Prozent sogar zulegen, aber die Energie zieht den Schnitt weiter runter. Der Schnitt wird auch durch die deutsche Mehrwertsteuersenkung (wirksam seit Juli) negativ beeinflusst.

Grafik zeigt Details der Verbraucherpreise in der Eurozone im Oktober

BIP für Eurozone weniger schlimm als gedacht

Zusammen mit den Verbraucherpreisen wurden vorhin auch frische Daten für das Eurozonen-Bruttoinlandsprodukt für das 3. Quartal veröffentlicht. Die Wirtschaftsleistung wächst im Quartalsvergleich um 12,7 Prozent (+9 Prozent erwartet). Im Jahresvergleich ist es ein Minus von 4,3 Prozent (-7 Prozent erwartet). Also wie beim deutschen BIP – die Lage scheint etwas weniger schlimm zu sein als erwartet.

Grafik zeigt BIP in Eurozone

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Europa

Aktuell: BIP Deutschland besser – Lagarde hatte es „geleaked“

Markus Fugmann

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Das BIP in Deutschland (1.Veröffentlichung 3.Quartal) ist zum Vorquartal mit +8,2% besser ausgefallen wie erwartet (Prognose war +7,3%).

Zum Vorjahresquartal (preis- und kalenderbereinigt) sank das deutsche BIP um –4,2% (Prognose war -5,2%).

Damit wie in Frankreich die Erwartungen übertroffen – Christine Lagarde hatte das gestern auf der EZB-PK bereits „geleaked“..

Dazu schreibt Destatis:

„Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im 3. Quartal 2020 gegenüber dem 2. Quartal 2020 – preis-, saison- und kalenderbereinigt – um 8,2 % gestiegen. Das Wachstum war sowohl von höheren privaten Konsumausgaben, mehr Investitionen in Ausrüstungen als auch von stark gestiegenen Exporten getragen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, ist die deutsche Wirtschaft damit nach dem historischen Einbruch des Bruttoinlandsprodukts im 2. Quartal 2020 infolge der einsetzenden Corona-Pandemie zwar deutlich gewachsen. Im Vergleich zum 4. Quartal 2019, dem Quartal vor der globalen Corona-Krise, lag das preis-, saison- und kalenderbereinigte BIP im 3. Quartal 2020 jedoch 4,2 % niedriger. „

Das BIP in Deutschland erholt sich zum Vorquartal

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Europa

Einzelhandelsumsätze in der Krise: Viele Gewinner, ein Verlierer

Claudio Kummerfeld

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Leeres Einkaufszentrum

Die Einzelhandelsumsätze haben in der Coronakrise nicht gelitten. Sie ziehen sogar deutlich an. Wenn man nachdenkt, kommt man schnell drauf. Die Menschen gehen deutlich seltener ins Restaurant, in Bars, auf Events etc. Folglich wird deutlich mehr zuhause gekocht. Folglich werden mehr Lebensmittel eingekauft als im Vorjahr. Diesen Effekt sieht man in den heute veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamts.

Im September lagen die gesamten Einzelhandelsumsätze gegenüber dem Vorjahresmonat 6,5 Prozent höher. Im Vergleich zum Februar 2020, dem Monat vor Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland, war der Umsatz im September 2020 kalender- und saisonbereinigt real 2,8 Prozent höher. Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren setzte real 6,8 Prozent und nominal 9,6 Prozent mehr um als im September 2019. Dabei lag der Umsatz bei den Supermärkten, SB-Warenhäusern und Verbrauchermärkten real 7,0 Prozent über dem des Vorjahresmonats. Der Facheinzelhandel mit Lebensmitteln (wie zum Beispiel der Facheinzelhandel mit Obst und Gemüse, Fleisch, Backwaren oder Getränken) setzte im entsprechenden Vergleich real 4,9 Prozent mehr um.

Einzelhandelsumsätze bei Nicht-Lebensmitteln

Auch die Einzelhandelsumsätze außerhalb der Lebensmittel profitiert. Aber mit einer Ausnahme. Möbel und sonstige Einrichtungsgegenstände laufen gut mit +11 Prozent, der gesamte Online-Versandhandel läuft blendend mit +21 Prozent. Aber der Bereich Bekleidung und Schuhe verliert 7,3 Prozent an Umsatz. Waren- und Kaufhäuser verlieren 9,9 Prozent an Umsatz. Die Kombination dieser beiden Zahlen zeigt ganz klar, dass Karstadt und Co die Verlierer der Krise sind. Wenn Klamotten, dann werden sie in dieser Krise eher online gekauft.

Grafik zeigt Details der Einzelhandelsumsätze im September

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