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Inflation, Stagflation – und das große Risiko für Investoren!

Bei der Kapitalanlage könnte eine längere Phase der Magerkost bevorstehen

Inflation - Magerkost für Investoren

Was kommt auf uns zu – Inflation, Stagflation? Durch den Ukraine-Krieg schießt die Inflation durch die Decke, viele sprechen von einer „Stagflation“ – aber der Begriff ist eher ungenau, denn die Wirtschaft wird nicht „stagnieren“, sondern in die Rezession abgleiten. Daher könnte man eher von einer „Schrumpflation“, einer „Fallflation“ oder auch von einer „Rezessflation“ sprechen.

Inflation und Investition

Seit vielen Jahrzehnten gibt es in der Kapitalanlage zwei dominierende Klassen – Anleihe- und Aktienmarkt. Die Kapitalsammelstellen verändern ihre Allokation anhand der konjunkturellen Situation, bei heiß laufender Wirtschaft wechselt man graduell von Aktien in die die Zinspapiere, weil man bei Zinspapieren auch Zusatzgewinne durch die Duration einfahren kann.

Doch in der jetzigen Phase der Inflation, bei gleichzeitig extrem tiefen Kapitalmarktzinsen wird ausgerechnet die ehemals sichere Anlageklasse Anleihen zu einem Risiko. Kurios: Es drohen also doppelte Verluste, bei Aktien durch sinkende Erträge, bei Anleihen durch starke Kursverluste anlässlich der Zinswende.

Die beiden Billionen-Anlageklassen

Die Hausse des letzten Jahrzehnts am Aktienmarkt, speziell am amerikanischen, hat die Marktkapitalisierung global auf über 120 Billionen Dollars angehoben. Wie es die Tweets von Holger Zschäpitz in schöner Regelmäßigkeit aufzeigen. Die jüngsten Kursverluste haben dieses Volumen um etwa 10 Prozent absinken lassen:

Aktienmärkte Inflation Stagflation

Das Volumen in investierbare Anleihen bewegt sich auf ähnlichen Höhen. Laut Professor Mayer von Flossbach&Storch steht dies derzeit bei etwa 124 Billionen Dollar. Damit hätten die großen Kapitalsammelstellen zwei ähnlich große Anlagemöglichkeiten, wenn da nicht das aktuelle große Risiko bei der Zinswende aufgrund der zu hohen Inflation wäre.

Inflation und die Zinswende

Lange haben es die großen Notenbanken ignoriert, das Risiko, welches sich aus den vielen Anleihekäufen (Quantitative Easing) ergibt, sollte die gestiegene Geldmenge sich in die Wirtschaft ergießen und damit die Inflation anheizen. Hier noch einmal eine Übersicht von Advisor Perspectives, die die Historie des Aufbaus der Fedbilanz auf neun Billionen Dollar und die Entwicklung der Kapitalmarktzinsen aufzeigt:

Inflation und Geldmenge

Doch damit ist es jetzt vorbei. Die Inflation ist in Europa auf fast sechs und in den USA auf 7,5 Prozent gestiegen. Die Bank of England hat ihre Leitzinsen schon zweimal angehoben, die Fed wird nächste Woche folgen, wie viele andere Notenbanken weltweit. Nur unsere Europäische Zentralbank bleibt vermutlich auch morgen im Wartemodus – aus zahlreichen politischen Gründen.

Steigende Zinsen, fallende Kurse

Es ist ein Fak, dass bei steigenden Zinsen die Kurse der bestehenden Anleihepositionen fallen müssen, zum Ausgleich. Was jahrzehntelang in umgekehrter Richtung funktioniert hatte. Dies gilt natürlich umso stärker, desto länger die Laufzeit des Bonds ist. Global betrachtet könnte dies bei einem Zinsanstieg um ein Prozent einen Kursverlust von 10 Billionen Dollar bedeuten. Keine schönen Aussichten für Pensionsfonds oder Versicherungen, die einen teilweise extrem hohen, gesetzlich vorgeschriebenen Anteil an Anleihen im Depot haben müssen. Bei 80 Prozent und mehr eine echte Zinsfalle.

Der größte Staatsfonds der Welt hingegen hatte schon in den letzten Jahren seine Quote Aktien – Anleihen auf etwa 72 zu 24 Prozent verändert, der Rest sind Immobilien.

Wie stark das Zinsänderungsrisiko wirken kann, zeigt die Bewertung der 100-jährigen österreichischen Staatsanleihe. Seit der Zinswende vor einem Jahr verlor der Bond ein Drittel seines Kurswertes, seit Anfang des Jahres etwa ein Viertel. Was sich bei den täglichen Zinsveränderungen deutlich ändern kann, aber was für ein Risiko! Vor allem, wenn man den aktuellen Stand bilanzieren muss.

Aber so etwas ist natürlich noch krasser bei Junk Bonds, bei denen das Risiko noch ganz anders eingepreist wird. Oder etwa bei Staatsanleihen unsicherer Staaten. Wie etwa die Türkei mit ihrer aus dem Ruder gelaufenen Inflation oder dem derzeitigen Extrem: Russland. Nach den Sanktionen des Westens dürften sich die Bewertungen der russischen Anleihen in Richtung Ausfall bewegen.

Anders hingegen aus europäischer Sicht, die derzeitige Entwicklung von US Staatsanleihen, unter Berücksichtigung des Wechselkurses. Durch die Wirkung der Weltreservewährung und der Safe Haven-Funktion des Dollars ist der Wert von US-Anleihen für europäische Anleger allein im letzten Jahr um acht Prozent gestiegen, Fonds mit US-Papieren gehören aktuell zu den Gewinnern am Kapitalmarkt. Was längerfristig natürlich ein weiteres Risiko beinhaltet, denn das Währungsrisiko ist schwer kalkulierbar. Viele sprechen schon von der Parität zwischen Euro/Dollar. Aber kommt es wirklich dazu? Europäische Staatsanleihen brachten ohne den „Windfall Profit“ des Wechselkurses bereits deutliche Verluste auf Jahressicht.

Fazit

Viele Anleger hegen bei der aktuellen Zinswende die Hoffnung, dass es am Kapitalmarkt demnächst wieder Zinsen geben könnte – bei ihrer Geldanlage. Dies mag nominal stimmen, nicht jedoch real, denn zum einen ist eine erhöhte Inflation gekommen um zu bleiben. Andererseits können die Zinsen kaum in die Regionen steigen, in der es positive Realrenditen gibt, ohne dass es zu Staatsbankrotten käme. Und zum anderen ist die extreme Situation entstanden, dass bei einem Zinsanstieg den bestehenden Anleihepositionen heftige Kursverluste drohen. Ein doppeltes Risiko also für Anleihen, die damit zu einer Risikoanlageklasse geworden sind. Egal was die Europäische Zentralbank auf ihrer morgigen Sitzung beschließt.

Ohne jetzt großen Pessimismus verbreiten zu wollen: es könnte damit bei der Kapitalanlage eine längere Phase der Magerkost bevorstehen. Über Jahrzehnte gab es stets die Abhängigkeit der Renditen von Anleihen und Aktien, wo es beim Aktienmarkt für die Übernahme von Risiko etwas mehr Ertrag gab. Die Zinsen sind zuletzt 40 Jahre gefallen, dafür gab es satte Durationsgewinne, was seit dem Tief im Jahre 2020 (0,52 Prozent bei den 10-jährigen US-Treasuries) nicht mehr groß möglich sein wird.

Die finanzielle Repression wird zuschlagen und bei Aktien bleibt das allgemeine Ertragsrisiko. Das Resultat einer aus den Fugen geratenen Geldmenge – und einer so kaum mehr zu stoppenden Inflation.



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3 Kommentare

  1. “ Das Resultat einer aus den Fugen geratenen Geldmenge“
    Nö, das Resultat einer in den USA und Europa in Wirklichkeit schon lange nicht mehr wachsenden Wirtschaft. Da was da in den letzten 20-30 Jahren als reales Wachstum ausgewiesen wird ist schlicht „kreative Buchhaltung“. Das wurde durch die Druckerpresse verschleiert und durch Kapitalverzehr verblendet. Nur irgendwann ist halt Schicht im Schacht und auch die billig zusammengetackerten Kulissen beginnen zu bröckeln.

    Besonders lustig fand ich ja die Idee mit den 100 Jährigen Staatsanleihen mit so gut wie keinem Zinscoupon. „Gebt mir Geld und ich verspreche euch das ich die Kohle auch bestimmt nie zurückzahlen werde (real).“ Hat funktioniert.

  2. „Ohne jetzt großen Pessimismus verbreiten zu wollen: es könnte damit bei der Kapitalanlage eine längere Phase der Magerkost bevorstehen. Über Jahrzehnte gab es stets die Abhängigkeit der Renditen von Anleihen und Aktien, wo es beim Aktienmarkt für die Übernahme von Risiko etwas mehr Ertrag gab.“

    „Über Jahrzehnte gab es stets die Abhängigkeit der Renditen von Anleihen und Aktien, wo es beim Aktienmarkt für die Übernahme von Risiko etwas mehr Ertrag gab“

    Diese Aussage ist nicht richtig, ab 2008.

    Ohne jetzt die Wahrheit zu erzählen zu wollen, der Anleihemarkt war und ist immer noch (!) seit Lehman manipuliert, so hört sich also ein freier Markt an ?

    Der Aktienmarkt wurde nicht manipuliert , also dann muss der Aktienmarkt seit über 14 Jahren der „ehrlichere“ Markt sein ?

    Dass es jetzt zu gewissen „Kurskorrekturen“ kommen müsste, sollte doch jedem klar sein ?

    1. @Marko. Mit der Manipulation der Zinsmärkte seit 2010 mit den Anleihekäufen durch die US-Notenbank haben Sie Recht. Die Kapitalmarktzinsen fielen bis 2020 auf 0,52 Prozent. Es gab aber vorher immer noch Durationsgewinne. Aber das System der Kapitalanlage fußt seit Generationen auf der Anlage in Aktien und Anleihen, wie beschrieben. Dazu folgende Daten:
      Im Zeitraum zwischen 1971 und 2020 etwa lag in den USA die jährliche Realrendite von Aktien bei 6,7%, von Bonds bei 4,3%. Im Zeitraum zwischen 2001 und 2020 ergaben sich in den USA folgende Erträge p.a.: Aktien 5,7%; Bonds 4,8%.
      Wenn sich die Aktien in eine Blase entwickelt hatten, erfolgte eine schmerzhafte Bereinigung, die Anleihen sorgten für Ausgleich.
      Und da liegt das Problem der Gegenwart. Es gibt keine Renditen mehr bei Bonds.
      Viele Grüße

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