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Inflation und finanzielle Repression: Deutsche Sparer besonders betroffen?

Derzeit blickt die Investorengemeinde gebannt auf neue Daten zur Inflation, auf die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen und berechnet, ob und wie stark Realrenditen ins Positive drehen. Steigt die Inflation aber stärker als die Zinsen, so verstärkt sich die allgegenwärtige finanzielle Repression. Ganz bedeutsam ist dies für deutsche Geldsparer, wie es die folgenden Daten ausweisen.

Die aktuelle Lage: Inflation und finanzielle Repression

Die Augen richten sich gerade auf den liquidesten Anleihemarkt der Welt, den US-Rentenmarkt – und dabei speziell auf die zehnjährige US-Treasury. Deren Anstieg von 0,92 auf 1,61 Prozent vom Jahresanfang und den beschriebenen Folgen. Die Erholung durch verbale und faktische Notenbankinterventionen (Australien) beruhigte die Märkte zunächst. Was war damit passiert? Bei einer aktuellen Inflation von 1,40 Prozent (offiziell) ergab sich plötzlich ein kleiner positiver Realzins, die Dividendenrendite des S&P 500 war plötzlich gleichauf mit der Rendite der 10-Jährigen.

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Ganz anders die Situation in Deutschland. Hier stieg die Inflation von minus 0.3 Prozent im Dezember, auf 1,0 Prozent im Januar und 1,3 Prozent im Februar, die Rendite für die 10-Jährige Bund vom Jahresanfang mit minus 0,60 auf gerade mal minus 0,22 Prozent in der Spitze.

Die Ursachen für die Teuerungen liegen auf der Hand, neben den allgemeinen Preissteigerungen (Rohstoffe, Transport u.w.) waren es spezielle Faktoren wie die Erhöhung der Mehrwertssteuer, CO2-Abgabe, Benzin und Heizölverteuerung, die für einen Schub sorgen mussten. Ein weiterer Sprung der Inflation dürfte in den Monaten März und April erfolgen, durch den viel zitierten Basisvergleich mit der Periode des absoluten Lockdowns im Jahr 2020. Für die Realrendite deutet sich damit Ungemach an. Nicht einmal im tiefsten Coronatief der Zinsen war diese so negativ.

Die finanzielle Repression nimmt in Deutschland weiter Fahrt auf, bei einem weiteren Anziehen der Inflation ist bei weitem nicht damit zu rechnen, dass die Zinsen in der Eurozone und speziell in Deutschland stark in die Höhe steigen. Dies wird die europäische Zentralbank verhindern, wie mehrere Zentralbanker es schon angedeutet haben. Auch wurde das Anleihekaufprogramm PEPP mit seiner Aufstockung auf 1,85 Billionen Euro und den monatlichen Käufen nicht ansatzweise in Frage erstellt, bis ins Jahr 2022.

Hinzu kommt dass die deutsche Staatsanleihe als krisensicher gilt, als „Safe Haven“ und damit am wenigsten von Renditeanstiegen betroffen sein dürften.

Die Erhöhung der Sparrate in Deutschland und ihre Folgen

Die Coronakrise hat dafür gesorgt, dass die Sparrate hierzulande von 10 auf 16 Prozent gestiegen ist, die Geldmenge auf Giro-und Sparkonten die gewaltige Größe von 2,6 Billionen Euro erreicht hat. Eine Summe, mit der man unseren Leitindex Dax gleich zweimal kaufen könnte. Eine Inflation von 2 Prozent bei gleichzeitigen Nullzinsen am Kapitalmarkt klingt für ein Jahr zunächst einmal nicht besonders nach viel Wertverlust. Nur dass sich dieses Drama der Geldentwertung schon seit bald einem Jahrzehnt in der Euro Zone hinzieht, die Verluste belaufen sich schon auf mehrere Hundert Milliarden Euro, wobei das Thema Inflation in der letzten Dekade weitgehend ein Fremdwort war.

Fazit

Die finanzielle Repression, also der relative Abbau der Staatsschulden durch Inflation und Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig niedrig gehaltenen Leit- und Kapitalmarktzinsen, geht eindeutig auf Kosten der Geldsparer und deren Geldhorte (laut Prof. Sinn). Es ist kaum vorstellbar, dass die Zinsen in Deutschland in absehbarer Zeit auf eine Rate steigen könnten, die der Inflationsrate auch nur näher kommt. Das alte Dilemma: Die südlichen Mitgliedstaaten in der EU mit ihren Verschuldungsraten vertragen keine größeren Zinssteigerungen, Zinsen von drei oder vier Prozent wären fatal für die Haushalte der mediterranen Länder. Damit führt eine höhere Inflation auch zu einer größeren Vermögensentwertung in Deutschland.

Ein Ausweg: Das Umschichten in Sachwerte, speziell in die Anlageform Aktie, was Skeptiker der Finanzmärkte bestimmt nicht gerne hören werden. Hat aber selbst Großinvestor Warren Buffett in seinem letzten großen Aktionärsbrief nicht vor der Anlage in Anleihen gewarnt, speziell vor denen mit schwacher Bonität – für Staatsanleihen wird es aber keine größere Realrendite geben. Wird es doch ein Jahrzehnt der Aktie? Die Zwickmühle betrifft jeden – und da ist es ein schwacher Trost, dass selbst unser Finanzminister noch auf die Anlageklasse Sparkonto setzt und Betroffener ist. Ein sehr schwacher Trost.

Inflation und finanzielle Repression



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1 Kommentar

  1. Aus der Falle der Geldflutung kann die EZB nur entrinnen, wenn es ihr gelingt die Inflation zu erhöhen bei gleichzeitig niedrigen Zinsen. D.h. die eigentlich Geschädigten werden wieder die Bevölkerungsbasis sein, während die Reichen mit zusätzlichem Gewinn herauskommen werden. Nun dürfte die Politik wohl kaum dafür sorgen, dass der Bevölkerung ein besseres Schicksal der Verarmung erspart werden wird.

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