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Inflation und Hyperinflation – kann es zu diesem Szenario kommen?

Wann beginnt nach einer Phase rückläufiger Preise infolge des Einbruchs der Nachfrage ein Schub der Inflation – dann vielleicht sogar eine Hyperinflation?

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Es ist eines der Themen, die nicht nur Volkswirte in der jetzigen, durch eine Pandemie verstärkte Wirtschaftskrise interessieren, sondern auch viele Bürger, die Ängste um ihr Erspartes verspüren: Wann beginnt nach einer Phase rückläufiger Preise (Deflation) infolge des Einbruchs der Nachfrage ein Schub der Inflation – und dann vielleicht sogar eine Hyperinflation? Professor Thomas Mayer von der Universität Witten/Herdecke hat darüber ein paar höchst interessante Aussagen gemacht.

Die Geldflut babylonischen Ausmaßes: Inflation, gar Hyperinflation?

Obwohl schon nach der Finanzkrise 2009 die Notenbanken zur Rettung des Bankensystems Geld in die Märkte pumpten, stellt sich die Lage in der weltweiten Coronakrise schon noch um eine Nummer größer dar.

Die Bilanz der Federal Reserve stieg von Ende 2019 von 4,1 Billionen Dollar auf bereits über 7 Billionen Dollar. Die Bilanzsumme in Relation zum Bruttoinlandsprodukt kletterte innerhalb eines halben Jahres von 19 auf 36 Prozent. Bei der EZB liegt die Bilanzsumme der EZB mit 47 Prozent zum BIP zwar höher als in den USA, aber in letzter Zeit haben die Amerikaner ihre Bilanz viel stärker ausgeweitet. Insgesamt dürften global die Bilanzen der Notenbanken die 20 Billionen-Dollarmarke in diesem Jahr deutlich überschreiten. Die große Frage ist: Wann fließt das Geld in die Warenmärkte und wirkt preistreibend? Selbst ein renommierter Professor für Volkswirtschaftslehre spricht davon, dass die Frage ob Deflation oder Inflation drohe, sich nicht mit ökonomischen Modellen entwirren ließe, denn diese scheiterten regelmäßig an der Komplexität der Wirklichkeit. Dazu lohne aber dennoch ein Blick in die Wirtschaftsgeschichte.

Ein Blick in die Vergangenheit

Was passierte früher, wenn Staaten und Notenbanken Geld in eine schwächelnde Wirtschaft pumpten? Der Wirtschaftswissenschaftler Peter Bernholz ist in seinem Buch „Monetary Regimes and Inflation“ dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis der Untersuchung von Perioden der Inflation bis zurück in die Antike: Zunächst stimuliert die Geldvermehrung die wirtschaftliche Aktivität und erst mit Verzögerung schlägt dies auf die Konsumentenpreise nieder. Wenn eine moderate zur hohen Inflation wird, leidet die Wirtschaft und die Menschen suchen nach Alternativen zum staatlichen Geld als Mittel zur Wertaufbewahrung – siehe aktuell Gold, aber auch der Sachwert Aktie.

Interessanter Aspekt: Die monetäre Finanzierung hoher staatlicher Haushaltsdefizite in Höhe von 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts oder mehr führte in der Vergangenheit immer zu Hyperinflation. Wie hoch steigt das Staatsdefizit in den USA gerade? Da wäre es nicht mehr weit hin.

Die Folgen von Hyperinflation waren stets Währungsreformen, bei moderaten Pahesen der Inflation bekamen die Notenbanken das Heft des Handelns in die Hand und es gab die Bindung der eigenen Währung an eine stabile Fremdwährung oder die Bindung an Gold, wie in den USA bis 1971. Nach der Freigabe der Währung durch Präsident Nixon kam die für die Älteren noch erinnerliche Phase der zweistelligen Zinsen wegen der hohen Inflation im Anschluss daran. Der damalige Fed-Chef Paul Volcker stabilisierte Anfang der 1980er-Jahre das System und leitete eine Periode stabilen Geldes ein. Soweit zur Historie.

Der Startschuss durch die Finanzkrise

Der Lehman-Schock, der zur Finanzkrise 2007/08 beitrug, brachte eine deutliche Veränderung der Politik der Notenbanken. Man rettete mit viel Geld marode Banken, welches im Anschluss in die Vermögenspreise floss. Daher auch der Anstieg der Aktienmärkte in den USA (aber nicht nur dort) von unter 10 Billionen Dollar Marktkapitalisierung auf fast 40 Billionen Dollar bis heute. Nicht zu vergessen der Anstieg des Goldpreises.

Jetzt kam Corona und die weltweite Allianz der Staaten und Notenbanken zur Bekämpfung der Pandemie.

Dazu Professor Mayer: „In der Corona-Krise sind die großen Zentralbanken nun dazu übergangen, staatliche Haushaltsdefizite monetär zu finanzieren. Die umlaufende Geldmenge ist dadurch weit über die wirtschaftliche Aktivität gestiegen. Vermutlich befinden wir uns nun in der Phase, in der Anleger verstärkt Alternativen zum Geld als Mittel für die Wertaufbewahrung suchen. Daher der Anstieg der Preise von Aktien und Gold.“

Und jetzt die Schlussfolgerung: Die heutigen staatlichen Haushaltsdefizite müssten eigentlich zu einem spürbaren Anstieg der Konsumentenpreise führen.

Sollten sich diese sich nicht mehr im Zaume halten lassen, droht das Damoklesschwert Währungsreform. Eine Änderung des kreditfinanzierten Systems ist sowieso ein Dauerthema in Professor Mayers Vorträgen und Publikationen.

Fazit

Das Rätsel Deflation – Inflation bleibt wohl noch eine Zeit ungelöst. Kommt er nun bald, der deutliche Anstieg der Konsumentenpreise? Was anfangs den Aktienmärkten noch nicht so viel anhaben kann, führt bei einem Anstieg der Kapitalmarktzinsen unweigerlich zu fallenden Kursen. Auch wenn die Notenbanken mit aller Macht versuchen werden, die Leitzinsen tief zu halten:  ein Anstieg der Renditen in der zweiten großen Assetklasse ist in Jahrzehnten noch nie spurlos an den Dividendentiteln vorübergegangen. So zeigen es zumindest die Studien aus dem letzten Jahrhundert. Diese geben Zeugnis, fast jeder Rezession ist ein Anstieg von Zinsen und/oder der Inflation vorausgegangen. Noch ist das etwas Zukunftsmusik, auch 2009 hatte man mit einem Anstieg der Inflation durch das viele Geld gerechnet. Es kam anders, unter anderem wegen des Effekts der Globalisierung (China). Aber auch hier scheint sich die Entwicklung anders zu gestalten.

Wann kommt die Inflation - oder droht gar eine Hyperinflation?

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    franko33

    25. August 2020 12:31 at 12:31

    Momentan sehr schwer abuschätzen.Aus der Geschichte heraus kommt die Hyperinflation,
    wir müssen uns nur noch etwas „gedulden“.
    Meiner Meinung nach geht es etwas schneller,wenn zum Herbst/Ende des Jahres hin
    Pleiten und „faule Kredite“ die Banken dermaßen belasten,dass die „Billionenhilfen“
    zweistellig werden müssen.
    Momentan ein wirklich bemerkenswertes „Experiment“ auf Kosten von 90% unser
    Weltbevölkerung. Sekt oder Selters ?? Die Leute,die ihren Schnitt gemacht haben,werden nicht viel von ihrem Geld haben……………

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    Marko

    25. August 2020 16:57 at 16:57

    Hallo Herr Müller,

    „Das Rätsel Deflation – Inflation bleibt wohl noch eine Zeit ungelöst. Kommt er nun bald, der deutliche Anstieg der Konsumentenpreise? Was anfangs den Aktienmärkten noch nicht so viel anhaben kann, führt bei einem Anstieg der Kapitalmarktzinsen unweigerlich zu fallenden Kursen.“

    ich denke schon dass, einige die Macht der Notenbanken unterschätzen, sollte es zu steigenden Kapitalmarktzinsen kommen (welcher Markt überhaupt nicht und ganz super toll fair bewertet ist, natürlich), dann soll es zu einer Währungsreform „zurück-zum-Gold“, kommen ?!??

    Weil dann die Aktienmärkte „zu teuer sind“, der Anleihemarkt, allein beim Bufu, sagen wir mal rückgang um die 2,5% runter, dann , alles toll und super ist ?

    wie bitte ? Wer bitte, hat welchen Markt „manipuliert“ ? Und was wichtig ist : Die Anleihe- wie die Aktienmärkte müssen sich im Großen und Ganzen im Gleichklang bewegen, davon kann bei einem Markt in keinster Weise eine Rede sein.

    Fazit :

    Es würde mich sehr,sehr überraschen sollten wir eine Inflation/Deflation sehen, das ist doch gar nicht möglich, wegen Lehman ?!?

    aber ich weiß schon, so wie der Franz sagt, so läufts Buisness…

    Den EUR schaffen wir gleichzeitig ab ?

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    Columbo

    25. August 2020 18:14 at 18:14

    Das Rätsel Deflation/Inflation, ein Witz.
    Man findet gescheite, erfahrene Ökonomen, Analysten, Journalisten, Kommentatoren, die eine Inflation/Hyperinflation sehen.
    Man findet genauso viele gescheite, erfahrene Ökonomen, Analysten, Journalisten, Kommentatoren, die eine Deflation sehen.
    Und dann gibt‘s die ganz Schlauen, die beides sehen.
    Insofern ein extrem langweiliges Thema, das noch langweiliger wird, wenn man es dauernd wiederholt.
    Dasselbe Spiel beim Thema Bankenkrise…

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    klarsichtbrille

    25. August 2020 19:41 at 19:41

    INSOFERN EIN EXTREM LANGWEILIGES THEMA ? Für die Angestellten und Verantwortlichen der Banken ist es gar nicht so langweilig.Gerade heute die Meldung dass eine gutsituierte CH Bank einen regionalen Ableger schliesst und dies schon vor die Auswirkungen der Pandemie sichtbar sind.

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    Columbo

    26. August 2020 10:32 at 10:32

    @Klarsichtbrille

    Ja, langweilig, weil jeder „Experte“ was anderes sagt. Ökonomen sind die Berufsgruppe mit den häufigsten Fehlprognosen.
    Und Filialschließung heißt noch lange nicht Pleite. Das müßten Sie mit der Klarsichtbrille eigentlich gut erkennen.

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    Brigitte

    26. August 2020 11:03 at 11:03

    Sehr geehrter Herr Müller,
    der Staat benötigt sogenannte Schrottpapiere (Geld) um einer steigenden Anzahl an Bürgern die Möglichkeit zu geben zu konsumieren und damit zugleich dafür zu sorgen, dass von Unternehmen eingesetzte Gelder zur Produktion von Gütern und Bereitstellung von Leistungen wieder zu diesen zurückkehren. Doch dies ist nicht alles. Zur Entstehung von Gewinn werden Schuldner benötigt. Dies sind in steigender Tendenz Staaten, da es vielen Menschen aufgrund fehlender Sicherheiten nicht mehr möglich ist, im größeren Umfang Kredite aufzunehmen.
    So entstehen auf der einen Seite große Geldvermögen (Gewinn und Sparen), welche verzweifelt eine geeignete Anlagemöglichkeit suchen. Da die Zentralbanken immer stärker einen Teil dieser Anlagen (Staatspapiere, Unternehmensanleihen, ..) aufkaufen, steigen hauptsächlich die Preise von Aktien, Immobilien, Gold, … Das eingesetzte Geld wandert allerdings von einer Hand in die nächste – ist also durch den Kauf nicht verschwunden, sondern landet in die Hände weiterer Personen.
    Auf der anderen Seite greift die Bevölkerung in den ihnen bietenden Rahmen auf die Güter und Leistungen zu. Hier können die Preise nur minimal steigen, da es den größten Teil der Bevölkerung, aufgrund Arbeitslosigkeit, Geringverdiener, etc. sonst nicht möglich ist zu konsumieren (Nachfrage). So lange Unternehmen diesen Bereich in ausreichenden Umfang und zu günstigen Preisen versorgen können und wollen (Produktionseinstellung, Rückhalt, ..), wird es hier wohl zu keiner Inflation kommen.
    Es wird eine Spreizung stattfinden – hochwertige Ware für gut Betuchte und minderwertige Ware für den Plebs. Können keine Renditen bei Wohnungsvermietungen (fehlende solvente Mieter) erzielt werden, wird wohl nicht mehr renoviert werden, etc..
    In meinen Augen beschäftigen sich viele wirtschaftlich gebildete Personen mit Theorien, sind aber nicht gewillt in die Tiefe des wirtschaftlichen Lebens hinabzusteigen und hier nach den Ursachen der Geldmengenausweitung, Inflation etc. zu suchen.
    Brigitte

    • Avatar

      Wolfgang M.

      26. August 2020 12:47 at 12:47

      @Brigitte. Hallo, gute Gedanken. Aber wie bereits von Professor Mayer zugegeben: Die Ökonomen scheitern mit ihren Modellen an der Komplexität der Wirklichkeit.
      Viele Grüße

      • Avatar

        Brigitte

        26. August 2020 15:23 at 15:23

        @ Wolfgang M.

        ausgehend davon, dass Angebot und Nachfrage den Markt regeln, wird/wurde wohl erkannt, dass es an der Nachfrage mangelt. Dieser Mangel kann durch das gängige Wirtschaftsmodell nicht erklärt werden. Hierzu meine Gedanken.
        In einem intakten Wirtschaftskreislauf fließen die von den Unternehmen eingesetzten Gelder grob gesagt in Investitionen, Steuern und Arbeitnehmerentgelt und kehren dann durch gegenseitige Investitionen und Konsum wieder zurück zu den Unternehmen. Dies wäre soweit ok, wenn man gesparte Entgelte ausspart sowie kein Jahresgewinn (BIP) erwirtschaftet wird. Es muss also zusätzliches Geld in den Wirtschaftskreislauf gelangen um das Triebmittel des Wirtschaftens und zwar den Gewinn zu erzeugen, sowie gesparte Entgelte zu ersetzen. Damit entstehen zeitgleich Schuldverhältnisse. Durch diese Schuldverhältnisse steigt die Geldmenge wesentlich stärker als das jährliche BIP. Insofern wird wohl still schweigend eine auf Schulden basierende Nachfrage erwartet.
        So wäre einer meiner Gedanken, dass der gesamte Gewinn ohne Ausnahme zur Abtragung der hohen Staatsverschuldung herangezogen wird.
        Freundliche Grüße

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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