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Inflation und Hyperinflation – kann es zu diesem Szenario kommen?

Wann beginnt nach einer Phase rückläufiger Preise infolge des Einbruchs der Nachfrage ein Schub der Inflation – dann vielleicht sogar eine Hyperinflation?

Wolfgang Müller

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am

Es ist eines der Themen, die nicht nur Volkswirte in der jetzigen, durch eine Pandemie verstärkte Wirtschaftskrise interessieren, sondern auch viele Bürger, die Ängste um ihr Erspartes verspüren: Wann beginnt nach einer Phase rückläufiger Preise (Deflation) infolge des Einbruchs der Nachfrage ein Schub der Inflation – und dann vielleicht sogar eine Hyperinflation? Professor Thomas Mayer von der Universität Witten/Herdecke hat darüber ein paar höchst interessante Aussagen gemacht.

Die Geldflut babylonischen Ausmaßes: Inflation, gar Hyperinflation?

Obwohl schon nach der Finanzkrise 2009 die Notenbanken zur Rettung des Bankensystems Geld in die Märkte pumpten, stellt sich die Lage in der weltweiten Coronakrise schon noch um eine Nummer größer dar.

Die Bilanz der Federal Reserve stieg von Ende 2019 von 4,1 Billionen Dollar auf bereits über 7 Billionen Dollar. Die Bilanzsumme in Relation zum Bruttoinlandsprodukt kletterte innerhalb eines halben Jahres von 19 auf 36 Prozent. Bei der EZB liegt die Bilanzsumme der EZB mit 47 Prozent zum BIP zwar höher als in den USA, aber in letzter Zeit haben die Amerikaner ihre Bilanz viel stärker ausgeweitet. Insgesamt dürften global die Bilanzen der Notenbanken die 20 Billionen-Dollarmarke in diesem Jahr deutlich überschreiten. Die große Frage ist: Wann fließt das Geld in die Warenmärkte und wirkt preistreibend? Selbst ein renommierter Professor für Volkswirtschaftslehre spricht davon, dass die Frage ob Deflation oder Inflation drohe, sich nicht mit ökonomischen Modellen entwirren ließe, denn diese scheiterten regelmäßig an der Komplexität der Wirklichkeit. Dazu lohne aber dennoch ein Blick in die Wirtschaftsgeschichte.

Ein Blick in die Vergangenheit

Was passierte früher, wenn Staaten und Notenbanken Geld in eine schwächelnde Wirtschaft pumpten? Der Wirtschaftswissenschaftler Peter Bernholz ist in seinem Buch „Monetary Regimes and Inflation“ dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis der Untersuchung von Perioden der Inflation bis zurück in die Antike: Zunächst stimuliert die Geldvermehrung die wirtschaftliche Aktivität und erst mit Verzögerung schlägt dies auf die Konsumentenpreise nieder. Wenn eine moderate zur hohen Inflation wird, leidet die Wirtschaft und die Menschen suchen nach Alternativen zum staatlichen Geld als Mittel zur Wertaufbewahrung – siehe aktuell Gold, aber auch der Sachwert Aktie.

Interessanter Aspekt: Die monetäre Finanzierung hoher staatlicher Haushaltsdefizite in Höhe von 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts oder mehr führte in der Vergangenheit immer zu Hyperinflation. Wie hoch steigt das Staatsdefizit in den USA gerade? Da wäre es nicht mehr weit hin.

Die Folgen von Hyperinflation waren stets Währungsreformen, bei moderaten Pahesen der Inflation bekamen die Notenbanken das Heft des Handelns in die Hand und es gab die Bindung der eigenen Währung an eine stabile Fremdwährung oder die Bindung an Gold, wie in den USA bis 1971. Nach der Freigabe der Währung durch Präsident Nixon kam die für die Älteren noch erinnerliche Phase der zweistelligen Zinsen wegen der hohen Inflation im Anschluss daran. Der damalige Fed-Chef Paul Volcker stabilisierte Anfang der 1980er-Jahre das System und leitete eine Periode stabilen Geldes ein. Soweit zur Historie.

Der Startschuss durch die Finanzkrise

Der Lehman-Schock, der zur Finanzkrise 2007/08 beitrug, brachte eine deutliche Veränderung der Politik der Notenbanken. Man rettete mit viel Geld marode Banken, welches im Anschluss in die Vermögenspreise floss. Daher auch der Anstieg der Aktienmärkte in den USA (aber nicht nur dort) von unter 10 Billionen Dollar Marktkapitalisierung auf fast 40 Billionen Dollar bis heute. Nicht zu vergessen der Anstieg des Goldpreises.

Jetzt kam Corona und die weltweite Allianz der Staaten und Notenbanken zur Bekämpfung der Pandemie.

Dazu Professor Mayer: „In der Corona-Krise sind die großen Zentralbanken nun dazu übergangen, staatliche Haushaltsdefizite monetär zu finanzieren. Die umlaufende Geldmenge ist dadurch weit über die wirtschaftliche Aktivität gestiegen. Vermutlich befinden wir uns nun in der Phase, in der Anleger verstärkt Alternativen zum Geld als Mittel für die Wertaufbewahrung suchen. Daher der Anstieg der Preise von Aktien und Gold.“

Und jetzt die Schlussfolgerung: Die heutigen staatlichen Haushaltsdefizite müssten eigentlich zu einem spürbaren Anstieg der Konsumentenpreise führen.

Sollten sich diese sich nicht mehr im Zaume halten lassen, droht das Damoklesschwert Währungsreform. Eine Änderung des kreditfinanzierten Systems ist sowieso ein Dauerthema in Professor Mayers Vorträgen und Publikationen.

Fazit

Das Rätsel Deflation – Inflation bleibt wohl noch eine Zeit ungelöst. Kommt er nun bald, der deutliche Anstieg der Konsumentenpreise? Was anfangs den Aktienmärkten noch nicht so viel anhaben kann, führt bei einem Anstieg der Kapitalmarktzinsen unweigerlich zu fallenden Kursen. Auch wenn die Notenbanken mit aller Macht versuchen werden, die Leitzinsen tief zu halten:  ein Anstieg der Renditen in der zweiten großen Assetklasse ist in Jahrzehnten noch nie spurlos an den Dividendentiteln vorübergegangen. So zeigen es zumindest die Studien aus dem letzten Jahrhundert. Diese geben Zeugnis, fast jeder Rezession ist ein Anstieg von Zinsen und/oder der Inflation vorausgegangen. Noch ist das etwas Zukunftsmusik, auch 2009 hatte man mit einem Anstieg der Inflation durch das viele Geld gerechnet. Es kam anders, unter anderem wegen des Effekts der Globalisierung (China). Aber auch hier scheint sich die Entwicklung anders zu gestalten.

Wann kommt die Inflation - oder droht gar eine Hyperinflation?

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    franko33

    25. August 2020 12:31 at 12:31

    Momentan sehr schwer abuschätzen.Aus der Geschichte heraus kommt die Hyperinflation,
    wir müssen uns nur noch etwas „gedulden“.
    Meiner Meinung nach geht es etwas schneller,wenn zum Herbst/Ende des Jahres hin
    Pleiten und „faule Kredite“ die Banken dermaßen belasten,dass die „Billionenhilfen“
    zweistellig werden müssen.
    Momentan ein wirklich bemerkenswertes „Experiment“ auf Kosten von 90% unser
    Weltbevölkerung. Sekt oder Selters ?? Die Leute,die ihren Schnitt gemacht haben,werden nicht viel von ihrem Geld haben……………

  2. Avatar

    Marko

    25. August 2020 16:57 at 16:57

    Hallo Herr Müller,

    „Das Rätsel Deflation – Inflation bleibt wohl noch eine Zeit ungelöst. Kommt er nun bald, der deutliche Anstieg der Konsumentenpreise? Was anfangs den Aktienmärkten noch nicht so viel anhaben kann, führt bei einem Anstieg der Kapitalmarktzinsen unweigerlich zu fallenden Kursen.“

    ich denke schon dass, einige die Macht der Notenbanken unterschätzen, sollte es zu steigenden Kapitalmarktzinsen kommen (welcher Markt überhaupt nicht und ganz super toll fair bewertet ist, natürlich), dann soll es zu einer Währungsreform „zurück-zum-Gold“, kommen ?!??

    Weil dann die Aktienmärkte „zu teuer sind“, der Anleihemarkt, allein beim Bufu, sagen wir mal rückgang um die 2,5% runter, dann , alles toll und super ist ?

    wie bitte ? Wer bitte, hat welchen Markt „manipuliert“ ? Und was wichtig ist : Die Anleihe- wie die Aktienmärkte müssen sich im Großen und Ganzen im Gleichklang bewegen, davon kann bei einem Markt in keinster Weise eine Rede sein.

    Fazit :

    Es würde mich sehr,sehr überraschen sollten wir eine Inflation/Deflation sehen, das ist doch gar nicht möglich, wegen Lehman ?!?

    aber ich weiß schon, so wie der Franz sagt, so läufts Buisness…

    Den EUR schaffen wir gleichzeitig ab ?

  3. Avatar

    Columbo

    25. August 2020 18:14 at 18:14

    Das Rätsel Deflation/Inflation, ein Witz.
    Man findet gescheite, erfahrene Ökonomen, Analysten, Journalisten, Kommentatoren, die eine Inflation/Hyperinflation sehen.
    Man findet genauso viele gescheite, erfahrene Ökonomen, Analysten, Journalisten, Kommentatoren, die eine Deflation sehen.
    Und dann gibt‘s die ganz Schlauen, die beides sehen.
    Insofern ein extrem langweiliges Thema, das noch langweiliger wird, wenn man es dauernd wiederholt.
    Dasselbe Spiel beim Thema Bankenkrise…

  4. Avatar

    klarsichtbrille

    25. August 2020 19:41 at 19:41

    INSOFERN EIN EXTREM LANGWEILIGES THEMA ? Für die Angestellten und Verantwortlichen der Banken ist es gar nicht so langweilig.Gerade heute die Meldung dass eine gutsituierte CH Bank einen regionalen Ableger schliesst und dies schon vor die Auswirkungen der Pandemie sichtbar sind.

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    Columbo

    26. August 2020 10:32 at 10:32

    @Klarsichtbrille

    Ja, langweilig, weil jeder „Experte“ was anderes sagt. Ökonomen sind die Berufsgruppe mit den häufigsten Fehlprognosen.
    Und Filialschließung heißt noch lange nicht Pleite. Das müßten Sie mit der Klarsichtbrille eigentlich gut erkennen.

  6. Avatar

    Brigitte

    26. August 2020 11:03 at 11:03

    Sehr geehrter Herr Müller,
    der Staat benötigt sogenannte Schrottpapiere (Geld) um einer steigenden Anzahl an Bürgern die Möglichkeit zu geben zu konsumieren und damit zugleich dafür zu sorgen, dass von Unternehmen eingesetzte Gelder zur Produktion von Gütern und Bereitstellung von Leistungen wieder zu diesen zurückkehren. Doch dies ist nicht alles. Zur Entstehung von Gewinn werden Schuldner benötigt. Dies sind in steigender Tendenz Staaten, da es vielen Menschen aufgrund fehlender Sicherheiten nicht mehr möglich ist, im größeren Umfang Kredite aufzunehmen.
    So entstehen auf der einen Seite große Geldvermögen (Gewinn und Sparen), welche verzweifelt eine geeignete Anlagemöglichkeit suchen. Da die Zentralbanken immer stärker einen Teil dieser Anlagen (Staatspapiere, Unternehmensanleihen, ..) aufkaufen, steigen hauptsächlich die Preise von Aktien, Immobilien, Gold, … Das eingesetzte Geld wandert allerdings von einer Hand in die nächste – ist also durch den Kauf nicht verschwunden, sondern landet in die Hände weiterer Personen.
    Auf der anderen Seite greift die Bevölkerung in den ihnen bietenden Rahmen auf die Güter und Leistungen zu. Hier können die Preise nur minimal steigen, da es den größten Teil der Bevölkerung, aufgrund Arbeitslosigkeit, Geringverdiener, etc. sonst nicht möglich ist zu konsumieren (Nachfrage). So lange Unternehmen diesen Bereich in ausreichenden Umfang und zu günstigen Preisen versorgen können und wollen (Produktionseinstellung, Rückhalt, ..), wird es hier wohl zu keiner Inflation kommen.
    Es wird eine Spreizung stattfinden – hochwertige Ware für gut Betuchte und minderwertige Ware für den Plebs. Können keine Renditen bei Wohnungsvermietungen (fehlende solvente Mieter) erzielt werden, wird wohl nicht mehr renoviert werden, etc..
    In meinen Augen beschäftigen sich viele wirtschaftlich gebildete Personen mit Theorien, sind aber nicht gewillt in die Tiefe des wirtschaftlichen Lebens hinabzusteigen und hier nach den Ursachen der Geldmengenausweitung, Inflation etc. zu suchen.
    Brigitte

    • Avatar

      Wolfgang M.

      26. August 2020 12:47 at 12:47

      @Brigitte. Hallo, gute Gedanken. Aber wie bereits von Professor Mayer zugegeben: Die Ökonomen scheitern mit ihren Modellen an der Komplexität der Wirklichkeit.
      Viele Grüße

      • Avatar

        Brigitte

        26. August 2020 15:23 at 15:23

        @ Wolfgang M.

        ausgehend davon, dass Angebot und Nachfrage den Markt regeln, wird/wurde wohl erkannt, dass es an der Nachfrage mangelt. Dieser Mangel kann durch das gängige Wirtschaftsmodell nicht erklärt werden. Hierzu meine Gedanken.
        In einem intakten Wirtschaftskreislauf fließen die von den Unternehmen eingesetzten Gelder grob gesagt in Investitionen, Steuern und Arbeitnehmerentgelt und kehren dann durch gegenseitige Investitionen und Konsum wieder zurück zu den Unternehmen. Dies wäre soweit ok, wenn man gesparte Entgelte ausspart sowie kein Jahresgewinn (BIP) erwirtschaftet wird. Es muss also zusätzliches Geld in den Wirtschaftskreislauf gelangen um das Triebmittel des Wirtschaftens und zwar den Gewinn zu erzeugen, sowie gesparte Entgelte zu ersetzen. Damit entstehen zeitgleich Schuldverhältnisse. Durch diese Schuldverhältnisse steigt die Geldmenge wesentlich stärker als das jährliche BIP. Insofern wird wohl still schweigend eine auf Schulden basierende Nachfrage erwartet.
        So wäre einer meiner Gedanken, dass der gesamte Gewinn ohne Ausnahme zur Abtragung der hohen Staatsverschuldung herangezogen wird.
        Freundliche Grüße

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Jerome Powell – seine Aussagen auf der PK + Live-Feed – Impressionen einer surrealen Veranstaltung..

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Was wird Jerome Powell heute sagen? Im Statement der Fed kein Wort zu den jüngsten spekulativen Exzessen – werden die Journalisten diesmal nachhaken und die wirklich wichtigen Fragen stellen?

– Powell muss erstmal tiefer durchatmen..

– Wirtschaftsentewicklung hängt von Virus ab – Wirtschaft hat sich wieder abgeschwächt, Konsum hat sich abgeschwächt

– Immobilienmarkt hat sich erholt (FMW: eine Umschreibung für massiv steigende Preise..)

– Arbeitsmarkt bleibt schwach, Menschen mit geringem Einkommen am stärksten betroffen

– Inflation bleibt niedrig, aber könnte anziehen wegen Impfungen

– Wirtschaft aber robuster als zu befürchten war

Ups, das war kurz – Powell „hat schon fertig“, jetzt kommen Fragen..

—–

Und gleich die Frage nach Gamestop, wow.. Powell: ich äussere mich nicht zu bestimmten Firmen (FMW: sondern behaupte einfach, dass wir mit unserer Geldpolitik nicht Blasen begünstigen…)

– Powell: beobachten Finanzbedingungen sehr genau

– jetzt Steve Liesman von CNBC zu Bewertungen, am Beispiel von Bitcoin, Gamestop etc. (FMW: Liesman ist der einzige, der ernsthafte Fragen stellt!). Und sinngemäß sagt Powell: wir kümmern uns um die Wirtschaft, nicht um Blasen..

– Powell: es ist nicht die Geldpolitik der Fed, die Bewertungen der Märkte bedingt, sondern die Sache mit dem Impfstoff (FMW: viel dreister kann man eigentlich nicht die Unwahrheit sagen! Klar: der Impftstoff ist ein zentraler Treiber, aber wo stünden die Aktienmärkte ohne die Fed??)

– Powell zu Inflation: wird vielleicht vorübergehend steigen, aber nicht nachhaltig, weil deflationäre Trends seit langem bestehen. Es sei viel schwieriger, mit Deflation umzugehen als mit Inflation (FMW: puh..)

– jetzt die Frage, ob die Fed-Mitglieder bereits geimpft seien..Powell: ich wurde einmal geimpft und hoffe die zweite Dosis bald zu bekommen

– jetzt redet Powell über die Wirtschaft und Menschen – aber was hat die Fed mit Menschen und Wirtschaft zu tun??

– Frage von einem Bloomberg-Moderator: seid ihr als Fed überhaupt noch handlungsfähig, weil ihr die Zinsen weder senken noch anheben könnt? Powell: unsere Geldpolitik funktioniert, zum Beispiel am Immobilienmarkt

– Powell: es gibt keinen Grund. bei Erholung der Wirtschaft nicht die Zinsen anzuheben und unsere ultralaxe Geldpolitik einzustellen (FMW: is klar, Jerome..)

– Powell insistiert: nachhaltige Inflation unwahrscheinlich..

– Powell: werde gut mit Yellen zusammen arbeiten, habe aber mit ihr noch nicht gesprochen, auch nicht mit Biden

– Frage nach Furcht vor Immobilienblase oder Blase bei Unternehmensanleihen – Powell: extrem steigende Nachfrage nach Immobilien vorübergehend, bei Unternehmensanleihen sehe ich die Tatsache, dass es weniger Insolvenzen gibt (FMW: es wird immer surrealer, wie Powell versucht, die Blasen-Bildungen weg-zureden!)

FMW: bleiben sie dran bei FMW – wir bringen die Zahlen von Tesla, Facebook und Apple und die Marktreaktionen darauf!

Der Live-Feed:

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Jerome Powell über das Evangelium der Fed

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Fed: Das sagt das Statement der US-Notenbank – weit und breit keine Blasen, nirgends..

Markus Fugmann

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am

Von der US-Notenbank Fed ist eigentlich heute nicht viel neues zu erwarten. Eigentlich. Aber wird dennoch etwas gesagt im Statement der Notenbank zur derzeitigen Spekulations-Euphorie? Hier die wichtigsten Aussagen der Notenbank in Stichpunkten:

– Wirtschaftswachstum hat sich abgeschwächt: „The pace of the recovery in economic activity and employment has moderated in recent months, with weakness concentrated in the sectors most adversely affected by the pandemic“
Beim letzten Statement hatte es noch geheißen in Sachen Wirtschaft: „Economic activity and employment have continued to recover but remain well below their levels at the beginning of the year.“

– keine Erwähnung spekulativer Exzesse (Gamestop!)

– wenn Situation verschlechtert, wird Notenbank handeln: „would be prepared to adjust the stance of monetary policy as appropriate if risks emerge that could impede the attainment of the Committee’s goals“

– Inflation bleibt moderat wegen Ölpreisen: „Weaker demand and earlier declines in oil prices have been holding down consumer price inflation“

FMW: Subtext der Fed – kauft alles, wir bailen euch aus. Gamestop ist cool!

Das Statement im Wortlaut:

The Federal Reserve is committed to using its full range of tools to support the U.S. economy in this challenging time, thereby promoting its maximum employment and price stability goals.

The COVID-19 pandemic is causing tremendous human and economic hardship across the United States and around the world. The pace of the recovery in economic activity and employment has moderated in recent months, with weakness concentrated in the sectors most adversely affected by the pandemic. Weaker demand and earlier declines in oil prices have been holding down consumer price inflation. Overall financial conditions remain accommodative, in part reflecting policy measures to support the economy and the flow of credit to U.S. households and businesses.

The path of the economy will depend significantly on the course of the virus, including progress on vaccinations. The ongoing public health crisis continues to weigh on economic activity, employment, and inflation, and poses considerable risks to the economic outlook.

The Committee seeks to achieve maximum employment and inflation at the rate of 2 percent over the longer run. With inflation running persistently below this longer-run goal, the Committee will aim to achieve inflation moderately above 2 percent for some time so that inflation averages 2 percent over time and longer‑term inflation expectations remain well anchored at 2 percent. The Committee expects to maintain an accommodative stance of monetary policy until these outcomes are achieved. The Committee decided to keep the target range for the federal funds rate at 0 to 1/4 percent and expects it will be appropriate to maintain this target range until labor market conditions have reached levels consistent with the Committee’s assessments of maximum employment and inflation has risen to 2 percent and is on track to moderately exceed 2 percent for some time. In addition, the Federal Reserve will continue to increase its holdings of Treasury securities by at least $80 billion per month and of agency mortgage‑backed securities by at least $40 billion per month until substantial further progress has been made toward the Committee’s maximum employment and price stability goals. These asset purchases help foster smooth market functioning and accommodative financial conditions, thereby supporting the flow of credit to households and businesses.

In assessing the appropriate stance of monetary policy, the Committee will continue to monitor the implications of incoming information for the economic outlook. The Committee would be prepared to adjust the stance of monetary policy as appropriate if risks emerge that could impede the attainment of the Committee’s goals. The Committee’s assessments will take into account a wide range of information, including readings on public health, labor market conditions, inflation pressures and inflation expectations, and financial and international developments.

Voting for the monetary policy action were Jerome H. Powell, Chair; John C. Williams, Vice Chair; Thomas I. Barkin; Raphael W. Bostic; Michelle W. Bowman; Lael Brainard; Richard H. Clarida; Mary C. Daly; Charles L. Evans; Randal K. Quarles; and Christopher J. Waller

Die Fed - was wird sie heute sagen?

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Aktien

Mit Zocken reich werden – der neue „American dream“ ersetzt den Traum vom eigenen Haus

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

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American Dream Symbolfoto

Man erinnere sich an die Zeiten von Bill Clinton und George Bush, und auch von Notenbank-Chefs wie Alan Greenspan. Die inoffizielle Staatsraison der 1990er und 2000er in den USA war (unter anderem): Jedem Amerikaner solle es möglich sein in seinem eigenen Haus zu leben. Das war der American Dream. Unterschwellig (so meine Meinung) war damit die Aussage an die eigene Bevölkerung verbunden, dass man sagen konnte: Schaut her, wir sind das größte, reichste und stärkste Land der Welt. Unsere Bürger können sich alle ein eigenes Haus leisten.

Die Regulierungen am US-Häusermarkt wurden dramatisch runtergefahren. Millionenfach wurden von der Regierung befeuert Hauskredite vergeben an Menschen, die in vielen Fällen noch nicht mal eine Arbeit hatten. Sie hatten noch nicht mal bei beschönigender Betrachtung irgendeine Art von Bonität. Die Katastrophe war vorprogrammiert, und das ganze Kartenhaus brach ab 2007 zusammen – was wir heute als Finanzkrise 2008 bezeichnen. Es war ein großer Traum, der für viele Amerikaner zum Albtraum wurde und für viele mit einem Schlafplatz unter einer Brücke endete.

Im Corona-Jahr 2020 entstand offenbar ein neuer American Dream. Nicht mehr Häuser auf Kredit kaufen, sondern ohne Arbeit, Wissen, Recherche oder sonst etwas reich werden, vom eigenen Computer, von zuhause aus. Durch stumpfes, sinnbefreites Zocken in Aktien, die man selbst gar nicht kennt. Einfach drauf los zocken, und schnell und einfach reich werden. Das ist wohl der neue amerikanische Traum. In der Coronakrise hockten auf einmal Millionen Amerikaner zuhause, betätigungslos. Sehr üppige staatliche Hilfen beschwerten Millionen arbeitsloser Amerikaner ein höheres monatliches Einkommen, als sie es vor Corona mit Arbeit hatten.

Klar erkennbar war die daraufhin folgende Welle an Millionen neuer Brokerkonten in den USA. Unglaublich aber wahr. Unzählige Menschen kauften sich von den staatlichen Hilfen nichts zu essen (sinnbildlich ausgedrückt), sondern überwiesen die Gelder auf ihre frisch eröffneten Brokerkonten. Hinzu kommen die neuen Broker wie „Robinhood“, bei denen man ganz ohne Gebühren zocken kann. Dadurch wurde es möglich auch mit Kleinstbeträgen von mehreren hundert Dollar drauf los zu zocken. Rein, raus, rein, raus, immer weiter.

Robinhood-Chef beschreibt den neuen American Dream

Vlad Tenev, CEO und Mitbegründer von Robinhood, des bekanntesten dieser neuen Broker für die junge wilde Zocker-Meute, hat heute einen Gastkommentar auf CNBC veröffentlicht (hier nachzulesen). Er spricht davon, dass es der neue American Dream sei ein „Investor“ zu werden, nach dem vormaligen Traum vom eigenen Haus. Er erwähnt, dass viele seiner Kunden Aktien kaufen und dann langfristig halten würden. Will da jemand Kritik am stumpfen und sinnbefreiten Zocken vorbeugen? Die Mission von Robinhood sei es nach seinen Worten, das Finanzwesen zu demokratisieren – dies sei im amerikanischen Idealismus verwurzelt. Amerika sei schon immer stolz auf seine Fähigkeit gewesen, Aufwärtsmobilität und Chancen mit wenigen Barrieren zu fördern. Dieses nationale Ethos des „American Dream“ sei so alt wie die Nation selbst. Im 20. Jahrhundert habe sich alles um den Erwerb von Wohneigentum gedreht, was unter anderem durch die 30-jährige Hypothek vorangetrieben wurde. Jetzt, wo es im Börsenhandel keine Provisionen und Mindestbeträge mehr gibt, sei die Bühne frei für einen neuen amerikanischen Traum, bei dem nahezu 100 Prozent der US-Bürger Investoren werden sollen. „Lassen Sie uns das schaffen – gemeinsam“, so seine finalen Worte.

Dazu möchte ich final anmerken: Ist das noch „Investieren“, was wir derzeit am US-Aktienmarkt sehen? Wohl kaum. Völlig wertlose Unternehmen unbegrenzt nach oben traden, ohne jeglichen Sinn und Verstand? Auf Dauer kann das nicht gut gehen. Wir haben es auf finanzmarktwelt.de die letzten Tage mehrfach angesprochen (hier der letzte Video-Kommentar von Markus Fugmann heute früh). Die ganz frische Generation von Tradern hat das Platzen der Dotcom-Blase und die Finanzkrise 2008 gar nicht erlebt. Damals waren diese Trader gerade erst geboren oder noch in der Grundschule. Sie kennen nur steigende Kurse, nur Party, nur nach oben, völlig sinnbefreit. Auch sie werden wohl eines Tages einen großen Knall erleben. Einige von ihnen werden auch nach so einem Crash immer noch kräftig Geld auf der Kante haben – andere werden nach dem „All In“ wohl ähnliches erleben wie viele Menschen nach der Zwangsräumung ihrer Häuser in den Jahren 2005, 2006 und 2007.

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