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Inflation und Stagflation: Das Leid der Zentralbanken!

Inflation und Stagflation: was sollen die Notenbanken tun?

Wieder ein Monat auf hohem Niveau und weit entfernt vom Inflationsziel der US-Notenbank. Die Infation in den USA steigt auf 5,4 Prozent! Die gestrigen Daten vom Bureau of Labor Statistics zeigten zwar so eine Art Plateaubildung bei der Inflation an, allerdings ging es nicht nach unten, so wie es von der Federal Reserve auf mittlere Sicht prognostiziert wurde. Nicht umsonst hatten einige Zentralbanker noch am Tag zuvor, das Transitorische an den Inflationsdaten relativiert. Zumindest gibt es keinen weiteren Schub nach oben.

Inflation: Die aktuelle Ausgabe des US-Verbraucherpreisindex CPI

Es war ein kleiner Anstieg auf 5,39 Prozent gegenüber den 5,25 Prozent des Vormonats, die Kernrate (ohne Nahrungsmittel und Energie) blieb fast unverändert bei 4,03 Prozent. Auf Monatssicht betrug der Anstieg 0.4 Prozent, eine kleine Steigerung gegenüber dem August (0,3 Prozent).

Haupttreiber der Inflation waren Nahrung und Unterkunft, die für die Hälfte des Preisanstiegs verantwortlich waren und natürlich der Energiesektor.

Nachgegeben hatten die Preise für Flugreisen, Bekleidung sowie gebrauchte Autos und Lastkraftwagen.

Wenn man auf die jährliche Veränderung blickt, ist es vor allem Energie, die sowohl im Transport- als auch im Haussektor eine Rolle spielt. Plus 24,8 Prozent im Energiebereich, bisher noch fast milde der Anstieg des Lebensmittelindex mit 4,6 Prozent auf Jahressicht.

Hier der CPI seit der Jahrtausendwende:

Inflation seit dem Jahr 2000

Hier eine längere Übersicht, seit die US-Regierung begann die Kerninflation zu verfolgen – die 70-er und 80-er Jahre als Mahnung für die Fed:

Inflation seit dem Jahr 1955

Die Wiederauferstehung des US-Öls

Der Sektor Energie ist wie fast in jedem Inflations-Zyklus der Haupttreiber, aber in wenigen Wochen beginnt sich der Basiseffekt abzubauen. Nachdem sich der Ölpreis sich nach seinen absurden Tiefen im April 2020 in den Folgemonaten über die 40 Dollarmarke erholt hatte, ging es im Vorfeld der US-Wahlen Ende Oktober noch einmal auf etwa 36 Dollar für WTI Cruide Oil nach unten. Anschließend zogen die Notierungen fünf Monate fast ohne Korrektur nach oben. Ab November aber diesen Jahres nimmt der Basiseffekt ab, außer der Ölpreis geht durch die Decke und über die 100 Dollar hinaus.

Ölpreis und Inflation

Auf der anderen Seite beginnen sich jetzt die „Housing-Kosten“ bei der Inflation bemerkbar zu machen. Aber die Einschätzung der Entwicklung bei den Verbraucherpreisen ist keine einfache Kausalkette, auch wenn die Zeit niedriger Preise vorbei sein dürfte.

Fazit

Inflation, Stagflation – das sind die großen Themen der Gegenwart. Eine äußerst unangenehme Situation für die Zentralbanken, denen durch die Verschuldung der Staaten die Hände gebunden sind – diesseits und jenseits des Atlantiks.

„Die Inflation ist wie ein Virus“, so hat es der alte Börsenfuchs Hans Bernecker in einem Interview vor wenigen Tagen bezeichnet, man weiß nie von welcher Seite er zuschlägt und wie er sich verbreitet. Aber natürlich ist die jetzige Zeit nicht mit den 70-ern zu vergleichen, mit der politischen Waffe des Erdöls und den mächtigen Gewerkschaften.

Andererseits gibt es eine Situation, die es auch im letzten Jahrhundert noch nicht gegeben hat. Man will weg von den fossilen Energieträgern, hat aber den Energiehunger einer Welt unterschätzt, die immer noch mit 90 Millionen Erdenbürgern pro Jahr wächst, gleichzeitig sprangen fast 165 Staaten aus einer Rezession, die es so noch nicht gegeben hat.

Aber bei aller Wachstumseuphorie: hat das Reich der Mitte mit seiner Expansion, insbesondere im Immobiliensektor, nicht maßgeblich für das Weltwirtschaftswachstum des letzten Jahrzehnts gesorgt, Rohstoffe nachgefragt, wie der Rest der Welt? Und stehen in China nicht mindestens 60 Millionen Wohnungen leer, wird das Entweichen der Luft aus der Immobilienblase nicht sehr viel Druck aus dem Rohstoffsektor nehmen? Und wird nicht der gigantische Kreditimpuls im Jahre 2022 stark nachlassen?

Ich denke: kein Ökonom hat nur eine ungefähre Vorstellungsmöglichkeit von dieser extrem verschachtelten Gemengelage aus ökonomischen, geldpolitischen und gesellschaftlichen Verquickungen, die in der Zukunft wirken werden. Die Welt ist prozentual so verschuldet wie nach dem Zweiten Weltkrieg, nur haben wir nicht die Billionenschäden an der Infrastruktur, neben China stehen auch in anderen Ländern viele Wohnungen leer. Auf alle Fälle werden uns die Themen Inflation und Stagflation noch geraume Zeit begleiten.



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