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Preiserhöhungen als Inflationstreiber Inflation: Unternehmen setzen auf das Prinzip „Preis vor Menge“

Inflation: Unternehmen setzen auf das Prinzip "Preis vor Menge"

Die laufende Berichtssaison in den USA hat es nochmal bestätigt, was sich in den vergangenen Monaten überall abgezeichnet hat: die Unternehmen setzen auf eine neue Strategie. Anstatt auf steigende Absatzzahlen setzen sie inzwischen verstärkt auf höhere Preise, um ihre Umsatz- und Gewinnziele zu erreichen. Dies betrifft so gut wie jede Branche. Von Autoherstellern bis hin zu Hoteliers, immer mehr Unternehmen verzichten auf Absatzvolumen zugunsten von höheren Preisen. Manchmal tun sie dies absichtlich, manchmal bleibt ihnen gar keine andere Wahl. Bislang geht die Strategie auf, wie die überwiegend guten Quartalszahlen zeigen. Die Verbraucher scheinen die hohe Inflation (noch) zu ignorieren und sind weiterhin bereit, die höheren Preise zu bezahlen. Diese Dynamik macht es der US-Notenbank Fed schwerer, die Inflation zu bekämpfen, und sie könnte sich auch für andere Zentralbanken als Problem erweisen.

Preiserhöhungen als Treiber der Inflation

Geht man nach den Aussagen in den gerade veröffentlichten Quartalsberichten, werden die Unternehmen erstmal nicht wohl nicht vom Prinzip “Preis vor Menge” abrücken. Bereits auf dem Höhepunkt der Pandemie war die Strategie in bestimmten Industriezweigen die bevorzugte Wahl, da die Lieferketten erheblich gestört waren.

Beispiel Ford: Der Autobauer behält die höheren Verkaufspreise bei, auch wenn dann weniger Autos vom Band laufen. Beispiel Marriott: Der Hotelbetreiber erhöht die Zimmerpreise, insbesondere für Firmenkunden. Auch Southwest Airlines setzt auf das Prinzip: Die Fluglinie erzielt angesichts knapper Flugkapazitäten Rekordumsätze und hält die Preise hoch. Da die Haupturlaubszeit naht, ist nicht damit zu rechnen, dass die Preismacht schwindet, so Bloomberg.

Bei den US-Verbraucherpreisdaten für April rechnen von Bloomberg befragte Ökonomen mit einer unveränderten Inflationsrate von 5%. Zuvor hatte sich die Teuerung neun Monate in Folge verlangsamt. “Die Inflation wird sich für die US-Notenbank im Laufe des Sommers als weitaus hartnäckiger, ausgeprägter und problematischer erweisen als erwartet”, meint der Volkswirt Samuel Rines, Managing Director bei Corbu.

Im US-Automobilsektor sind die Neuwagenpreise nicht mehr weit von ihren Rekordwerten entfernt. Die durchschnittliche monatliche Rate lag im März bei 754 Dollar und entspricht damit fast einem Sechstel des durchschnittlichen Nettoeinkommens der US-Haushalte. Der Schub für die Preise wird sich wahrscheinlich noch verschärfen, da die Automobilhersteller ihre Flotten auf teurere Elektromodelle umstellen wollen.

Inflation: Pandemie Nachwirkungen

Schon in der Corona-Pandemie erkannten Ford und seine Konkurrenten, dass die gravierenden Chip-Engpässe auch zur Folge hatten, dass man mit weniger produzierten Autos mehr Gewinn machen konnte.

Bei den Fluggesellschaften ist es der Mangel an ausgebildeten Piloten und der Lieferstau bei neuen Flugzeugen und Ersatzteilen, der den Absatz behindert. Southwest hätte im März bis zu 8% mehr Flugkapazität anbieten können, wenn sie genügend Personal gehabt hätte.

Die Kapazitätsengpässe in Verbindung mit der starken Nachfrage ermöglichen es der Branche, hohe Preise zu verlangen, insbesondere für Transatlantikflüge. Die Preise für einen Hin- und Rückflug nach Europa liegen im Durchschnitt bei 1.032 Dollar. Damit sind sie 35% teurer als im letzten Jahr und 24% teurer als vor der Pandemie, wie Daten der Reisesuchmaschine Hopper zeigen. Die Zahlen legen nahe, dass die internationalen Flugpreise in diesem Sommer den höchsten Stand seit fünf Jahren erreichen.

Unternehmen stützen ihre Rentabilität mit Preiserhöhungen

Auch die Hotelbranche hat sich an das aktuelle Konsumumfeld angepasst. Nach Angaben des Marktbeobachters STR stiegen die US-Übernachtungspreise im ersten Quartal um mehr als 10%, während die Belegung nur um rund 6% anzog.

Ein Grund dafür ist der veränderte Nachfragemix: Freizeitreisende sind schneller als Kunden zurückgekehrt als Geschäftsreisende, was die Nachfrage auf die Wochenenden konzentriert. Die Eigentümer haben sich indessen daran gewöhnt, Hotels mit geringerer Auslastung aber auch niedrigeren Reinigungskosten zu betreiben.

“Durch die Pandemie hat die Branche viel Personal verloren, aber auch viel Preissetzungsmacht gewonnen”, sagt Jan Freitag, Direktor des Analysebereich Hotels bei CoStar.

Unternehmen setzen auf Preiserhöhungen anstatt Absaztsteigerung
A Marriott hotel in Austin, Texas.

Auch die Produzenten von Konsum-Massengütern setzten auf Marge vor Umsatz: Die Kimberly-Clark Corp. aus dem texanischen Dallas, die Kleenex-Tücher und Toilettenpapier herstellt, hat im letzten Quartal die Preise in allen Kategorien um 10% erhöht. Der Absatz ging angesichts dessen zwar um 5% zurück. Die Bruttomarge allerdings stieg auf 33% von etwa 30% vor einem Jahr.

“Wenn der Preis für Klopapier steigt, geht man deshalb im Allgemeinen nicht weniger oft auf die Toilette, oder?” sagte Konzernchef Michael Hsu auf der Bilanzpressekonferenz im vergangenen Monat.

Rines konstatiert bei Anlegern die Erwartungshaltung, dass die Unternehmen ihre Rentabilität mit Preiserhöhungen stützen. “Unternehmen tun das überall, das ist klar zu sehen”, sagt er. “Und wenn Firmen es nicht tun können, werden sie unter Druck gesetzt.” Auf der anderen Seite besteht das Risiko, von Verbrauchern oder Politik deshalb attackiert zu werden.

Diana Gomes von Bloomberg Intelligence sieht die Bruttomarge der von ihr beobachteten Konsumgüterunternehmen noch immer unter dem Niveau von 2019. Dies lege nahe, dass die Preiserhöhungen bislang lediglich die Anstiege bei Rohstoff- und Lieferkettenkosten ausglichen.

Mit Blick auf den Kampf gegen die Inflation dürften Preise für Reisen und Hotelübernachtungen für die Fed das größte Problem darstellen.

FMW/Bloomberg



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1 Kommentar

  1. Das geht so lange gut, bis bei der Masse der Menschen am Ende des Geldes immer noch so viel Monat übrig ist.
    Dann knallt es, oder der Mangel wird dann mit sozialistischen Methoden verwaltet, was dann zu noch mehr Mangel führen wird.
    Dann knallt es später, aber heftiger.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

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