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Löhne wirklich einziger Treiber der Inflation? Inflation verschwindet einfach? Heiner Flassbeck glaubt weiter an Wunder

Inflation Flassbeck Löhne

Die Inflation wird wieder verschwinden – glaubt nach wie vor der Ökonom Heiner Flassbeck: Inflation, so Flassbeck unbirrt, entstehe nur durch stark steigende Löhne und habe nichts mit der Geldmenge zu tun. Dabei verweist Flassbeck auf Länder wie die Schweiz oder Japan, deren Notenbanken in Relation zum jeweiligen BIP die größten Bilanzsummen haben – aber dennoch niedrigere Inflatiosraten.

Aber entsteht Inflation, wie Flassbeck meint, wirklich nur durch gestiegene Löhne? Das erscheint extrem verkürzt. Denn Inflation entsteht aus dem Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage. Das Gelddrucken der Notenbanken in Reaktion auf die Coronakrise aber hat die Nachfrage der Konsumenten und Firmen angeheizt, während durch Corona und Ukraine-Krieg das Angebot reduziert wurde. Mit den geradezu explodierenden Energiepreisen werden Energieträger wie Gas und Strom immer teurer – für Konsumenten und Firmen.

Inflation, Rezession und Löhne

Damit die Konsumenten nicht in massive Schwierigkeiten geraten, müssen in Zeiten der Inflation die Löhne steigen. Gleichzeitig aber leiden die Unternehmen unter extrem gestiegenen Kosten (in Deutschland Erzeugerpreise +37,2%). Viele fürchten nun eine Lohn-Preis-Spirale, die dann die Inflation weiter nach oben treiben würde.

Sehen wir uns einmal die Entwicklung der realen Löhne (als inflationsbereinigt) in Deutschland in den letzten Jahrzehnten an:

Inflation und Bruttolöhne Flassbeck

Grafik: WSI

In den 1970er-Jahren stiegen die Real-Löhne also deutlich, damals waren die Gewerkschaften stark. Heute gibt es zwar noch Gewerkschaften, aber diese sind deutlich weniger stark als noch in den 1970er-Jahren.

Aber aufgrund der demografischen Entwicklung erleben wir derzeit, dass immer mehr offene Stellen in Deutschkand nicht besetzt werden können:

offene Stellen und Löhne
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Alleine der Mangel an Arbeitskräftenist ist langfristig inflationär – aber Heiner Flassbeck meint, wir seien weit entfernt von Vollbeschäftigung. Vielleicht sollte Heiner Flassbeck einmal mit Gewerbetriebenden oder Konzernen sprechen (die verzweifelt nach Arbeitskräften suchen), statt aus dem Elfenbeintrum weiter an seiner Theorie festzuhalten, die der Realität so offenkundig widerspricht. Aber Flassbeck läßt sich durch harte Fakten nicht von seiner Ideologiere abbringen..

Die 1970er-Jahre: Warum die Inflation hoch blieb – Rückgang des Angebots

Sehen wir uns eimal die Entwicklung der Inflation in Deutschland in den letzten Jahrzehnten an:

Inflation in Deutschland

Die Inflation in den 1970er-Jahren verlief in Wellen. Warum aber sank die Inflation nicht deutlich, obwohl die Wirtschaft 1974/1975 in eine Rezession gefallen war? Zwar ging die Teuerung zwischenzeitlich zurück, blieb aber auf hohem Niveau. Warum?

Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, zeigt, was in den 1970er-Jahren passierte:

„Aber die EZB sollte die Siebzigerjahre aufmerksam studieren. Denn damals lösten Rezessionen nicht das Problem der hohen Inflation. Weil viele Notenbanken aus falsch verstandener Rücksicht auf die schwache Konjunktur eine lockere Geldpolitik betrieben, fachten sie die Inflation zusätzlich an, ohne am Ende der Wirtschaft zu helfen.

Die Inflation war damals trotz einer schwachen Konjunktur so hoch, weil die konjunkturellen Probleme nicht wie üblich auf eine einbrechende Nachfrage zurückgingen, die in der Tat die Inflation bremst; wenn weniger Nachfrage den angebotenen Gütern hinterherjagt, sinken die Preise.

Aber der Ölpreisschock von 1973 ließ nicht primär die Nachfrage einbrechen, auch wenn das teure Öl die Kaufkraft der Verbraucher senkte. Stattdessen war vor allem das Angebot an Gütern betroffen.

Die Unternehmen litten nämlich unter dem explodierten Ölpreis. Sie mussten den Einsatz des teuer gewordenen Öls zurückfahren und konnten entsprechend weniger Güter produzieren, das Bruttoinlandsprodukt brach ein.

Weil die gesamtwirtschaftliche Nachfrage auf ein geringeres Angebot an Gütern stieß, zog die Inflation an. Rezession und hohe Inflationsraten gingen anders als vorher üblich Hand in Hand.“

All das belegt, dass Löhne nur ein Bestandteil der Inflation sind. Zentral aber ist das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage. Wenn Gas und Strom immer teurer werden, produzieren Unternehmen weniger (derzeit sinkt der Gasverbrauch deutlich) – dadurch gibt es weniger Angebot. Fällt die Wirtschaft in eine Rezession, geht zwar die Nachfrage zurück, aber wenn diese Nachfrage weniger stark sinkt als das Angebot, bleibt die Inflation hoch. Und das unabhängig von den Löhnen.

Es wäre schön, wenn Heiner Flassbeck das einmal zur Kenntnis nähme, statt weiterhin nur seine Ideologie zu reiten..



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11 Kommentare

  1. Löhne wirklich einziger Treiber der Inflation?
    Habe ich gar nicht mitbekommen.
    Wo sind denn die Löhne vor der Inflation so dramatisch gestiegen, dass damit die Inflation von heute etwa 10 % erklärt werden kann?

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  2. M. Fugmann: „Denn Inflation entsteht aus dem Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage.“ wovon Sie da reden ist PREISSTEIGERUNG und eine Folge von Inflation. Bitte nochmal die Definition nachlesen!

    Inflation:
    „Der Staat (die Regierung) ist alleine für die Inflation verantwortlich:
    Inflation ohne Regierung, oder in der Tat, gegen die Regierung ist unmöglich“.
    Felix Somary, The Raven of Zürich

    1. Tatsächlich haben Regierungen, die Infla hervorgebracht.
      1. WELTKRIEG, Reparationen, Generalstreick im Ruhrgebiet bis 1923.
      Dadurch keine Produktion, kein Angebot,in gewissen Bereichen.
      Jetzt Sanktionen, auch wieder dieRegierungen ach und das ganze BLABLAA. Und die 70er hurra.
      FUGMANNS ANGEBOTSTHEORY macht Sinn.
      Angebot und Nachfrage sind der Sinn an sich, und da steckt die Wahrheit drinne.
      Wenn nix da ist, ist es unbezahlbar, Scherz.
      Wenn zu viel da ist, klingeling.. heute im Angebot….eimal Überproduktion….,alles KOSTET………..% weniger…..?
      Streitet um die Wahrheit, nein ringt um die Wahrheit.
      Jeder hat a bisserl Recht.

      1. Wenn Flassbeck unter anderem die Situation der Schweiz benutzt, um zu argumentieren, dass die Inflation nichts mit der Geldmenge zu tun habe, ist das fragwürdig oder eigentlich geradezu absurd.

        Sicher kann man auf der Basis der Tätigkeiten der Schweizer Nationalbank und dem starken Schweizer Franken argumentieren, dass die Inflation (im Sinne der Preisentwicklung) nicht *nur* von der Entwicklung der Geldmenge abhängt, aber das behauptet wohl auch kaum jemand.

        Warum schafft die Schweizer Nationalbank denn so viele Schweizer Franken (und kauft damit alles Mögliche, z.B. weltweite Aktien)? Um den Schweizer Franken zu schwächen, damit er gegenüber anderen Währungen, insbesondere EUR und USD nicht zu stark und nicht zu schnell ansteigt.

        Offensichtlich glaubt die Schweizer Nationalbank nicht an die gleiche Ideologie wie Flassbeck, gemäß welcher die Geldmenge irrelevant sei – und es gibt klare Anzeichen, dass ihre Interventionen sehr wohl einen Effekt hat.

        Daraus, dass die SNB die Geldmengenausweitung nicht gerade so extrem steigert, dass auch der CHF eine Weichwährung wird und auch die Schweiz eine hohe Inflation hatte, abzuleiten, die Geldmenge sei für das Ausmaß der Inflation irrelevant, ist absurd.

  3. Mit seinen fundamentalen Denkfehlern ist Herrr Flassbeck eindeutig ein Anwärter auf die „güldene Ketchup-Flasche“… ;-)

  4. Zur Erinnerung: Erst stiegen die Preise, danach die Löhne. Wobei: Der Öffentliche Dienst hatte sich 2019 auf einen Tarifvertrag verständigt, der 3 Jahre, bis 2022, ging. Für 2022 stigen die Gehälter im ÖD um gerade mal 1,4% an. Bei inzwischen fast 8% Inflation. Für 2023 werden bis zu 12% Inflation vorhergesagt. Nur um nichts zu verlieren müsste VERDI für die Tarifrunde 2023 = 20% Lohnerhöhung fordern.

    1. Reicht nicht, da dies ja Brutto ist und das Finanzamt sich über Gebühr an der Lohnerhöhung beteiligt.

  5. Folgende Fragen fallen mir dazu ein: Mit Inflation meint man ja allgemein Verbraucherinflation, nur, wo fehlt denn das Angebot für die Verbraucher? Die Supermärkte sind voll, die Möbelhäuser sind voll, die Schuhläden sind voll, die Autohäuser sehen auch nicht leer aus. Die Parkflächen der Gebrauchtwarenhändler sind voll, die Apotheken, die Optiker, die Bäcker, die Fleischer, die Baummärkte. Wo also fehlt das Angebot? Gut, es gab mal kein Toilettenpapier, mal keinen Senf, dann waren die Schuh- und Taschenläden eine Weile zu, dafür gab es die Regale voller Waren bei Amazon und Zalando. Neuwagen haben längere Lieferzeiten, okay, aber es ist ja nicht so, das die Verbraucher 20% mehr bezahlen um das Fahrzeug in 6 Wochen statt in 6 Monaten zu bekommen, sie üben sich in Geduld. Wo also ist der flächendeckende Angebotsmangel? Stationäre Einzelhandelsumsätze stiegen von 2019 zu 2020 um 12 Mrd. Euro, also um 2%. Im online Einzelhandel sind 14 Mrd. dazugekommen, 2021 waren 16 Mrd., stationär wiederum ca. 12 Mrd. Die Steigerung beider Bereiche zusammen ist geringer als die von 2018 zu 2019. Welche überbordende Nachfrage hat jetzt die Inflation ausgelöst? Im Jahr 2021 importierte Deutschland Waren im Werte von 1,2 Billionen Euro, soviel wie nie zuvor. Hört sich jetzt auch nicht nach Angebotseinbruch an. Passt nicht zu zusammen – Angebotsmangel und überbordende Nachfrage haben die Inflation ausgelöst.

    1. Versuchen Sie mal Holzpellets im Baumarkt zu bekommen und vergleichen den Preis mit jenem vor einem Jahr – sofern überhaupt erhältlich. Beim Neuwagenhändler ließ sich vor einem Jahr trefflich über einen Rabatt für den auf seinem Hof stehenden Wagen reden, und heute? Und so weiter, und so fort ….

  6. Für mich kommt Flassbeck nicht unsympathisch rüber, ich habe ihm gerne zugehört, und er hat in Manchem sogar recht (Northstream-2, Corona, Defizite des deutschen politischen Systems, ….). Die zahlreichen logischen Fehler seiner Argumentation sind jedoch unübersehbar und, da (s)einer Ideologie geschuldet, unvermeidbar. Neben der von Hr. Fugmann treffend ausgeführten Kritik nur ein weiteres Beispiel: die Abschaffung des länderbezogenen Zinsspreads beinhaltet zwingend, den Gläubigern zu verbieten, auf die Bonität des potentiellen Schuldners zu schauen – oder, womit wir wieder bei Ideologie sind, die Maßgabe, daß Kredite nur noch von der Zentralbank, d.h. den Central Planners, vergeben werden. Über den von Hr. Lochner vorgetragenen Hinweis, die steigende Staatsquote der vergangenen Jahrzehnte habe Probleme verschlimmert, statt sie zu lösen, ging der Prof. elegant hinweg.

  7. Als Denkstützte.

    Der insolvent drunken Uncle Sam hat an seine Bürger 1.5 Bio in Bar für Jedermann ausgeschüttet!
    Heißt “ einmalige Lohnerhöhung für ganze Land“ . Dieser Berg wabert jetzt duch die Warengruppen und Verbraucherhände ,umso zeitlich weiter es vom Ausgabezeitpunkt entfernt ist,umso mehr verliert es seine inflationäre Wirkung. Mehr Geld auf gleichgroßes Angebot erhöht erstmal die Umlaufgeschwindigkeit.Das ist Staatskohle ,die über Steuerrückzahlung irgendwann in ZB -Bilanz wieder rausgenommen wird. In der ZB Bilanz aber nicht so wichtig ,weil die TGA auch ein Konto bei der FED hat.Genau wie die Primary Dealer .Die Bilanz weitet sich ,ist aber erstmal ausgeglichen . Globale flächendeckende Lohnzuwächse ,aufgrund von boomender Wirtschaft ist was anderes und natürlich auch inflationär. Die kommt aber dann über ausgeweitete Unternehmenskredite oder aus der Horte. Es kommt halt nur darauf an WER? für WAS? das neue Kreditgeld möglichst als erster ausgeben darf. Da steigt auch richtig der Preis. Holz für Bob den Baumeister!Amihäuser sind meist aus Holz.

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