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Inflation? Volle Lager in den USA deuten auf fallende Preise!

Wie volle Lager die Preise drücken

Inflation USA Lager

Nach dem Corona-Crash 2020 sahen sich viele Unternehmen in den USA plötzlich in einer Notlage: Die Wirtschaft sprang urplötzlich aus dem Lockdown wieder an, die Lieferketten hingegen blieben für lange Zeit gestört, die Inflation schoss daher nach oben. Die Firmen fürchteten Lieferengpässe und füllten die Lager. Schlussendlich aber konnten die Firmen zunächst nicht ansatzweise die nach oben schnellende Nachfrage bedienen – die Preise stiegen, die Inflation schoss weiter nach oben.

Dies führte zu lautem Wehklagen seitens der Unternehmen, zu weiter steigenden Preisen (allein schon durch die Logistik) – und zu etwas, was es auch in der Privatwirtschaft gibt – den Hamstereffekt.

Wirtschaft und Inflation: Volle Lager, fallende Preise

Man konnte es bereits im Jahre 2021 hin und wieder lesen: Die Unternehmen ächzen über eine Nachfrage, die sie aufgrund der Lieferengpässe nicht bedienen können. Einige bestellten daher das Mehrfache, was sie benötigen, in der Hoffnung, zumindest einen Teil davon geliefert zu bekommen. Was natürlich in einigen Boom-Branchen wie der Chipindustrie bei Weitem nicht ausgereicht hat.

Aber dennoch führt diese Verfahrensweise, im deutschen Einzelhandel auch Bunkermentalität oder Klopapiereffekt genannt, dazu, dass in den USA irgendwann der Umschlageffekt (Tipping Point) eintritt, dass die Lager der Unternehmen so gefüllt sind, dass ein Rückgang der Nachfrage plötzlich zu einem Überangebot führt. Weil eben die Inflation die Preise so angehoben hat, dass der Konsument nicht willens oder nicht mehr in der Lage ist, die Waren abzunehmen. Erste Anzeichen dafür konnte man schon bei den letzten Quartalszahlen der US-Einzelhändler Walmart und Target vernehmen, die über zu volle Lager berichteten. Was in der Folge natürlich Auswirkungen auf die Preisgestaltung der Unternehmen hat und deren Preismacht.

Michael Burry und der Bullwhip-Effekt

Jetzt hat auch der bekannte Investor Michael Burry, der das Platzen der Immobilienblase 2007 vorausgesagt hatte und dadurch reich wurde, auf diesen speziellen Effekt aufmerksam gemacht. Was wollte er mit diesem Tweet zum Ausdruck bringen?

Der Milliardär spricht vom Peitschenschlag-Effekt (Bullwhip), nämlich von einer Kettenwirkung, die sich bis auf die Politik der US-Notenbank auswirken sollte:

„Die Großen im US-Einzelhandel, Walmart, Target und Macy‘s, würden laut Berichten auf riesigen Lagerbeständen sitzen und müssten ihre Kunden bei Rückgabe von Waren darum bitten die Erstattungsbeträge zu kassieren und die Waren dennoch zu behalten.“

Wenn das mal kein Rabatt ist.

Burry glaubt darin eine starke ökonomische Schwäche der USA zu erkennen: einen Angebotsüberhang im Land des großen Konsums (zwei Drittel des BIP), der die Fed in nicht allzu langer Zeit dazu bringen könnte, ihre Zinserhöhungen und den Bilanzabbau zu stoppen.

Peitscheneffekt deshalb, weil kleine Veränderungen am Griff einer Peitsche an ihrem langen Ende eine große Veränderung auslösen können.

Fazit

Sind die oben genannten Berichte bereits Anzeichen für „Peak Inflation“ in den USA? Was sich aus der sonstigen Nachrichtenlage eigentlich so ganz und gar nicht nachvollziehen lassen kann. Die Erzeugerpreise sind nach wie vor hoch, Lieferketten immer noch gestört, eine Lohn-Preis-Spirale im Anzug, weil die Arbeitnehmer mit ihren Gewerkschaften einen Ausgleich für die schon 15 Monate lang grassierende Inflation verlangen werden.

Aber so ist es häufig in Wirtschaft und Börse: man praktiziert den Recency Bias, man schreibt aktuelle Entwicklungen lange in die Zukunft fort, was meistens auch Erfolg bringt – The Trend is your Friend!

Auch ist die aktuelle Gemengelage von mehreren sich überlagernden Krisen zu extrem, wie zum Beispiel die chinesische Lockdown-Politik oder der nicht enden wollende Krieg in der Ukraine.

Vieles davon ist inflationär – aber man sollte nicht glauben, dass sich die Akteure in einer Marktwirtschaft einem Negativ-Szenario passiv hingeben würden, ohne Tag und Nacht nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen. So wie es wahrscheinlich in Deutschland der Fall ist, mit den 9000 vom Ifo-Institut befragten Firmenchefs, die Tag und Nacht mit ihrer Führungsriege überlegen werden, wie man einem Energiekollaps entkommen könnte.

Die Wirtschaft ist zumeist um Längen weiter als die Politik, mit ihren langen Verhandlungsrunden.

Aber was hat dies mit Lagerhaltung und Inflation zu tun? Sicherlich nicht wenig, denn während wir noch von einer zu hohen Nachfrage lesen, könnte sich in Teilbereichen schon langsam ein Überangebot entwickeln.

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3 Kommentare

  1. Die Betrachtungsweise ist unterkomplex.

    Nimmt die reale Kaufkraft ab (und nur das ist von Interesse) kommt es zu Verschiebungen im Warenkorb. Einmal innerhalb von Produktgruppen, aber auch zwischen den Produktgruppen. Zuerst wird in der Regel die disponible Sparquote reduziert (die Tilgung von Hypotheken macht einen erheblichen Anteil der Sparquote aus, ist aber nicht disponibel). Dann wird auf günstigere Produkte (so weit vorhanden) gewechselt. Schließlich entfällt das was vom individuellen Käufer als am „entbehrlichsten“ betrachtet wird.

    Daher gibt es zwar volle Lager, aber nur für bestimmte Produkte. Und hier kann es durchaus passieren das bestimmte Produkte gar nicht mehr verkauft werden können. Manchmal funktioniert da nicht mal verschenken (vor allem dann wenn Betriebskosten eine Rolle spielen). Da sinken dann nicht die Preise, sondern die Produkte verschwinden vollständig aus dem Warenkorb.

    Einige Preise nehmen weiter zu, während andere ins Bodenlose fallen. Ein Blick auf die Mieten in den USA macht das deutlich. In einigen Regionen hat sich innerhalb von nicht einmal zwei Jahren der Einkommensanteil der für das Wohnen ausgegeben werden muss von 30 auf über 50% erhöht. Da nützt es dann auch nichts wenn die Preise anderer Produkte fallen, da die selbst dann zu teuer sind wenn man sie geschenkt bekommt.

    1. @Thinkself. Hallo. Deshalb besteht der Consumer Price Index auch aus acht Komponenten, mit dem großen Faktor Housing (>42 Prozent, inklusive der Energie). Aber das führt eben dazu, dass bei den hohen Kosten die Konsumnachfrage leiden muss (Food&Energy >14 Prozent), im Land des 16 Billionen-Dollar-Konsums. Die Sparquote ist übrigens schon unten, die Inanspruchnahme von Krediten bei einem Zinssatz von durchschnittlich 20,7 Prozent für Kreditkarten ist explodiert. Wenn dann verringerte Kaufkraft auf volle Lager trifft, wirkt das preissenkend und es wird auf die anderen CPI-Komponenten Apparel, Recreation, Health Care und vor allem Transportation und Communication übergreifen. À la Longue auch auf die Mieten. Was ist eigentlich mit den Millionen Mietern, die im Corona-Crash im Mietrückstand waren? Und mit den Immobilienkäufern, die plötzlich über 1000 Dollar im Monat mehr für die Hypothekenzinsen berappen müssen?
      Eben der Bullwhip-Effekt.
      Grüße

  2. Pingback: Meldungen & Nachrichten vom 1. Juli 2022 | das-bewegt-die-welt.de

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