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Inflation: Warum der Preisdruck erstmal zunimmt – Expertenkommentar

Geld wird durch Inflation entwertet

Heute um 14 Uhr hatte das Statistische Bundesamt die Verbraucherpreise für Juni mit +2,3 Prozent im Jahresvergleich gemeldet. Damit fällt die Inflation etwas geringer aus als im Mai mit +2,5 Prozent. Aber der Preisdruck soll erst einmal weiter zunehmen, so sagt es in einem aktuellen Kommentar zu diesen frischen Inflationsdaten Dr. Marco Wagner von der Commerzbank.

Gründe für Auftrieb bei Inflation

Trotz jetzt leicht rückläufiger Inflation von Mai auf Juni würden sich die Anzeichen mehren, dass der unterliegende Preisdruck leicht anzieht. So haben sich laut Dr. Marco Wagner Kleidung, Übernachtungen sowie Restaurantbesuche merklich verteuert. In den kommenden Monaten werde die Inflation noch einmal spürbar zulegen und gegen Ende des Jahres fast 4 Prozent betragen, da die aktuellen Preise dann mit denen in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres verglichen werden, als die inzwischen ausgelaufene Mehrwertsteuersenkung die Preise drückte und auch die Energiepreise fielen. Nach Auslaufen dieser Effekte dürfte die Teuerungsrate im kommenden Jahr seiner Meinung nach aber wieder deutlich niedriger sein.

Dieser Rückgang der Kernrate der Inflation von 1,7 Prozent auf 1,6 Prozent sei laut den Commerzbank-Analysten allerdings alleine auf einen Rückgang der Preise von Pauschalreisen bedingt, die saisonal stark schwanken und derzeit nur eingeschränkt erhoben werden könnten. Ohne sie wäre die Kernrate recht deutlich um einen viertel Prozentpunkt auf 1,8 Prozent gestiegen, den höchsten Wert seit mehr als fünf Jahren. Dazu hätten im Juni insbesondere die Preise für Kleidung sowie für Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen beigetragen. Kleidung habe sich im Vorjahresvergleich um etwa 2,5 Prozent verteuert, die Preise in Restaurants und Hotels seien um mehr als 3 Prozent höher gewesen. Damit habe sich die bereits im Mai zu verzeichnende Tendenz zu einem stärkeren unterliegenden Preisauftrieb fortgesetzt.

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Richtung 4 Prozent, danach Entspannung der Lage

In den kommenden Monaten werde die Inflation laut Dr. Marco Wagner noch einmal deutlich nach oben springen und über 3 Prozent liegen. Gegen Ende des Jahres könne sie sogar der 4 Prozent-Marke nahe kommen. Die Kernrate könnte dabei zeitweise über 2 Prozent steigen. Allerdings seien  diese höheren Raten seiner Meinung nach in erster Linie darauf zurückzuführen, dass die Vergleichsbasis im zweiten Halbjahr 2020 wegen der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung niedriger ist. Zudem dürfte es angesichts der fortgesetzten Erholung nach der Coronakrise in manchen Bereichen wie Pauschalreisen auch Knappheiten geben und die Preise nach oben treiben. Schließlich dürften die Energiepreise in den kommenden Monaten eher noch zulegen, während sie in der zweiten Hälfte 2020 gefallen waren. Im kommenden Jahr dürften die Raten wegen des Wegfalls dieses Effekts aber wieder deutlich niedriger sein. Der folgende Chart zeigt den Verlauf der Verbraucherpreise in Deutschland in den letzten fünf Jahren.


source: tradingeconomics.com



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