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Besser reguläres Monatsgehalt abgabenfrei machen! Warum die Inflationsausgleichsprämie für Ungerechtigkeit sorgt

Die Inflationsausgleichsprämie hilft zwar vielen Menschen, sorgt aber auch für Ungerechtigkeit. Und den Staat kostet all das nichts.

Geldscheine

Die Inflationsausgleichsprämie wurde Ende September von der Bundesregierung beschlossen, und seit dem 26. Oktober können Arbeitgeber sie an ihre Angestellten ausschütten (wir berichteten). Diese freiwillige Zahlung sorgt aber für eine ziemliche Ungerechtigkeit, und zwar gerade für die Arbeitnehmer, deren Arbeitgeber besonders hart von der Energiekrise betroffen sind, und um ihr Überleben kämpfen.

Die Inflationsausgleichsprämie hilft vielen Menschen – vielen gehen aber völlig leer aus

Man muss es hier klar sagen: Der Staat drückt sich hier elegant vor dem Verzicht auf Steuern! Denn die Inflationsausgleichsprämie läuft so: Das monatliche normale Bruttogehalt wird weiterhin normal versteuert und auch mit Sozialversicherungsabgaben belastet. Auch Arbeitnehmer, die oben drauf noch flexible Bonuszahlungen erhalten, sehen weiterhin die normalen Abzüge auf diese Boni. Die Inflationsausgleichsprämie wird nicht vom Staat gezahlt, sondern vom Arbeitgeber – und zwar muss es sich hierbei um eine Geldzahlung handeln zusätzlich zum normalen Gehalt, und auch zusätzlich zu monatlichen Bonuszahlungen, auch wenn diese von der Summe her schwanken. Der Arbeitgeber kann also nicht einfach den abgabenpflichtigen Bonus durch die Inflationsausgleichsprämie ersetzen – sie muss eine völlig zusätzliche Sonderzahlung sein.

Der Staat kassiert also auf Gehalt und Boni weiterhin die volle Abgabenlast. Oben drauf auf Gehalt und Boni kann der Arbeitgeber bis Ende 2024 als einmalige Summe oder in Teilen bis zu 3.000 Euro abgabenfrei zahlen. Dies freut aber nur diejenigen Arbeitnehmer, deren Arbeitgeber sich das finanziell leisten können, und auch wollen. Und gerade die Betriebe, die derzeit um ihr Überleben kämpfen, können so eine abgabenfreie Inflationsausgleichsprämie eben nicht bezahlen. Sie erhalten dafür ja keinen staatlichen Zuschuss. Also gerade der Bäcker um die Ecke, die Glasmanufaktur, der kleine Metallbetrieb, der Einzelhändler mit schrumpfenden Umsätzen oder explodierenden Energiekosten – alle die ums Überleben kämpfen, denken gerade wohl an alles, außer an eine zusätzliche Zahlung an ihre Arbeitnehmer – weil es eben nicht geht.

Also profitieren derzeit von dieser abgabenfrei gestellten Sonderzahlung eher die Arbeitnehmer, die in Branchen arbeiten, die die Energiekrise wohl überleben können. Und die Arbeitnehmer in extrem wackligen Branchen, die jetzt um ihren Job und die Existenz bangen, gehen bei der Inflationsausgleichsprämie ganz leer aus, weil der Chef eben kein Geld dafür hat. Das kann man als ungerecht bezeichnen.

Die einfache Lösung – ein reguläres Monats-Bruttogehalt abgabenfrei stellen

Die einfache Lösung, die wirklich allen Arbeitnehmern zu Gute kommen und sogar für alle Arbeitgeber eine Entlastung bedeuten würde, wäre die völlige Abgabenbefreiung für ein reguläres Monatsgehalt. Zum Beispiel: 3.000 Euro Brutto für Netto. Der Arbeitgeber spart dann hier sogar noch die 20 Prozent Arbeitgeberaufschlag, die man normalerweise noch an Abgaben on Top zahlen muss. Bei Steuerklasse 1 und derzeit 2.018 Euro Netto (hier nachzurechnen) wäre das auf einen Schlag ein Mehr an Nettoauszahlung auf dem Bankkonto des Arbeitnehmers von satten 983 Euro. Das ist schon was.

Aber warum wird die Bundesregierung dieses einfache und gerechte Modell wohl nicht umsetzen? Warum wird man dabei bleiben eine Inflationsausgleichsprämie abgabenfrei zu stellen, die komplett zusätzlich zu üblichen Zahlungen geleistet werden muss? Das ist einfach zu beantworten. Denn bei der jetzt praktizierten Lösung verliert der Staat keine Steuern oder Sozialversicherungsabgaben. Die normalen Gehaltszahlungen werden weiterhin mit den Abgaben für den Staat belastet, und nur zusätzliche Zahlungen sind abgabenfrei. Es liegt hier also wohl am Staatshaushalt, dem keine Steuern verloren gehen sollen. Die Quittung bezahlen die Arbeitnehmer, die in dieser Energiekrise leer ausgehen, weil ihre Arbeitgeber finanziell zu angeschlagen sind. Profitieren tun von der Inflationsausgleichsprämie diejenigen Arbeitnehmer, die zufällig bei Firmen arbeiten, die sich diese Sonderzahlung leisten können, und auch leisten wollen.



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3 Kommentare

  1. Sorry, aber sehr einseitig oder evt. nicht weitsichtig genug.

    Eine grundsätzliche Abgabenbefreiung der Monatsgehälter als Inflationsausgleich als gerechte Sache zu bezeichnen, halte ich für sachfremd. Ich neige nicht zur linken Seite, aber einem Arbeitnehmer mit 12000 Euro Monatsgehalt die Abgaben zu erlassen, das ist schon ein starkes Stück.
    Also von Gerechtigkeit ist da mal keine Spur vorhanden.

    Ich denke, es war eine geschickte Taktik der Bundesregierung für den bevorstehenden Arbeitskampf. Wir sehen ja schon Abschlüsse, bei denen diese 3000 Euro mit als Gehaltssteigerung einberechnet werden. Und ich denke, das war auch das Kalkül der Regierung. Den Arbeitgebern etwas an die Hand zu geben, den Staatshaushalt nicht zu belasten, ein Lohn-Preis-Spirale zu dämpfen und es nach außen hin gut verkaufen zu können.
    P.s. Der öffentliche Dienst wird auch keine 3000 Euro netto sehen. Ergo – es ist schon sehr schwierig, jedem Einzelnen gerecht zu werden.

    1. Minimal Lohn Steuerfrei, da fällt mal schon viel Papierkram weg, darüber verschiedene von bis Beträge mit jeweils steigenden Steuersatz wobei immer einzeln abgerechnet wird, wobei für die höheren Blöcke die Steuerlast recht hoch ist. Im Gegenzug ist Vermögen Steuerfrei. Grüsse aus Thailand

    2. Warum sollte der Besserverdiener denn nicht auch entlastet werden? Schließlich kommt das Geld vom Arbeitgeber und nicht vom Staat. Ergo, wird „dem kleinen Mann“ nichts weggenommen.
      Mit dem Plan hat mein Nachbar 3000€ mehr als ich, obwohl wir beide gleich verdienen und die gleichen Heizkosten haben. Nur arbeitet er im Büro eines Autozulieferers und ich im Büro eines Bäckers und das ist ungerecht.

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