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Initial Coin Offering: Die aktuellste Warnung der EU zeigt, wie relativ hilflos man ist

FMW-Redaktion

Wenn man derzeit an Kryptowährungen und Blockchain denkt, geistern die Begriffe Bitcoin und „Initial Coin Offering“ (ICO) durch die Gegend. Gerade erst letzten Donnerstag hatte die deutsche Aufsichtsbehörde „BaFin“ vor Totalverlust und Betrug gewarnt. Das Problem für die Aufseher: ICO´s schwimmen in einer Grauzone – niemand weiß so richtig, was das sein soll, daher bleibt einem erstmal nur übrig, Verbraucher davor zu warnen.

Vereinfacht gesagt gibt der Anleger einem Unternehmen Geld. Bei einem Börsengang erhält er dafür Firmenanteile (Aktien). Beim ICO erhält er digitale Gutscheine, mit denen er in der Zukunft zum Beispiel Dienstleistungen dieser Firma nutzen kann – wenn die Firma es denn schafft die angepriesenen Dienstleistungen zu erstellen. Also eine reine Wette auf phantastische Produkte und gute Geschäftsaussichten. Und was man davon hat, ist unklar.

Sind es Finanzdienstleistungen? Unklar. Heute warnt nur zwei Geschäftstage nach der BaFin auch die europäische Finanzmarktaufsicht „ESMA“ vor den Initial Coin Offerings. Dabei warnt man Investoren und auch ICO-ausgebende Unternehmen. Die Investoren wüssten oft nicht, welche Risiken sie eingehen (bis hin zum Totalverlust). So könnten (nicht „werden“ oder „müssen“) ICO´s sich außerhalb von EU-Gesetzen und Regularien bewegen. Daher könnten Anleger eventuell nicht von Anlegerschutzgesetzen profitieren. Auch gäbe es bei ICO´s das Risiko von Betrug und Geldwäsche.

Die Formulierung „könnten“ bedeutet, dass die ESMA eben selbst nicht weiß, wie sie die ICO´s einordnen soll. Man spricht auch die Unternehmen selbst an, und fordert sie dazu auf darauf zu achten, dass ihre möglichen ICO´s vielleicht ja unter Finanzmarktregulierungen fallen könnten. Wie gesagt, man weiß es eben selbst nicht. So könnten bei ICO`S folgende Pflichten/Regularien zu beachten sein:

– the Prospectus Directive,
– the Markets in Financial Instruments Directive (MiFID),
– the Alternative Investment Fund Managers Directive (AIFMD); and
– the Fourth Anti-Money Laundering Directive.

Die ESMA fordert die Unternehmen dazu auf selbst genau zu überprüfen, ob das selbst aufzulegende ICO in diese gesetzlichen Ramen falle. Ein Nichteinhalten solcher Formalien könnte dann eventuell gegen Gesetze verstoßen. Nur eigentlich, so meinen wir, müsste doch der Gesetzgeber Rechtssicherheit schaffen. Woher soll ein Anbieter das wissen, wenn sich der Gesetzgeber selbst nicht sicher ist? Eine riesige neue Grauzone kommt da auf uns zu!



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8 Kommentare

  1. Die Firmen sollen das also selbst einschätzen. Da darf doch jeder mal raten was bei dieser „Selbsteinschätzung“ herauskommt… Ich hätte da einen Vorschlag: ICO´s werden einfach den Firmenanteilen gleichgestellt und auch so behandelt. Den letztendlich ist es nichts anderes.

    Die ESMA und die BaFin sind die Aufsichtsbehörden ! Brauchen die für jeden Mist eine gesetzliche Grundlage ? Hier ist ein riesiger betrügerischer unregulierter Markt am entstehen und die Aufsichtsbehörden haben nichts besseres zu tun als Däumchen zu drehen und auf den Gesetzgeber zu warten der vielleicht mal in fünf Jahren -wenn überhaupt- aktiv wird ?

  2. „Die aktuellste Warnung der EU zeigt, wie relativ hilflos man ist“
    „BaFin warnt vor Verlust und Betrug.“

    Was wollt ihr denn noch mehr? Muss heute jeder sein Kindermädchen an die Hand bekommen, weil durch Warnungen allein heute niemand mehr zu beeindrucken ist? Wird doch niemand gezwungen sich an Glücksspielen zu beteiligen.
    Was habe ich trotz unterschriftlich bestätigter Belehrungen und Warnungen schon Geld mit Knock-Outs in den Sand gesetzt. Sind immer noch erlaubt. Warum auch nicht.

    Früher galt, wer nicht hören will, muss fühlen.
    Mein Kind, wenn du trotz aller Warnungen unbedingt auf die heiße Herdplatte fassen willst – ja bitte, dann mach es halt.
    Aber ich werde nicht deinetwegen den Herd aus der Wohnung schmeißen.

  3. Finde die Warnung gerechtfertigt, und die Bafin hätte ruhig deutlicher werden und die Konjunktive rausnehmen können und z. B. schreiben können: „ICOs bewegen sich in der Regel jenseits jeglicher Rechtsprechung und genügen in den seltensten Fällen den Wertpapier-Handelsgesetzen. Insbesodere genügen sie nicht den Prospektpflichten von Emittenten von Wertpapieren. ICOs sind daher grundsätzlich dem Grauen Kapitalmarkt zuzurechnen. “
    Das fängt schon beim oft fehlendem Impressum an. Geschweige denn, dass man im Detail beschreibt, welche Teilhabe-Rechte man als Token-Käufer genau erwirbt. Also, bei den ICOs, die ich mir angeschaut hab (z. B. http://beth.jp) hab ich mir am Ende immer gedacht, dass es es sich um Scams handelt und man damit seine kostbaren Ethers sicher auf Nimmerwiedersehen loswird.
    Die meisten verstehen glaub ich gar nicht, was sie tun, wenn sie für ihre Ethers Tokens aus einem ICO erwerben. Vielleicht könntet Ihr das Euren Lesern mal in einem längeren Artikel genauer erklären…
    Bisschen Grundwissen dazu: Ethereum ist die Kryptowährung für ICOs, mit Bitcoin geht das nicht.

    1. Eigentlich sind ICOs eine geniale Erfindung. Leider gibt es noch keine genügenden Regulierungen und Gesetzesgrundlagen die dem Tokenhalter ausreichende Rechte zusprechen. Wenn ein gesetzlicher Rahmen erst einmal existiert hätte man ja ein dezentrales Pendant zur Aktie und dann rund um die Uhr handelbar. Auch wenn hier derzeit vieles sehr rechtsfrei abläuft sehe ich die Zukunft bei den ICOs und nicht bei den IPOs.

      1. du wirst da keine Regularien finden können, die dem wirklich gerecht werden.
        Wir erinnern uns an die Zeiten im Neuen Markt – da wurden am Ende Firmen ins IPO gebracht wo es nur grobe Konzepte gab und noch Null Umsatz.
        Ich finde, hier ist wirklich jeder selbst schuld.
        Man muss in DE das Recht haben in einen kompletten Scam investieren zu können ohne daß der Gesetzgeber einem davor schützt.
        Neulich war ein Interview (glaube es war bei NTV) wo einer der Gesprächspartner auch kurz vor einem ICO stand. Er hat mich bis zum Schluss nicht abholen können, was man jetzt genau davon hat wenn man seine Krypto kauft.
        Es ist doch nicht nur mein Gefühl, daß jetzt auf der Blockchain Welle unglaublich viele aus den Löchern kriechen und hier Profit schlagen wollen. Für mich ist das vollkommen OK, ich werde ja nicht gezwungen.
        Ich bin inzwischen der Ansicht, daß etwas aus diesem ganzen Chaos hervorgehen wird, daß man aber aktuell nicht sagen kann, was es wird.
        90% der aktuell in diesem Sektor investierten Gelder werden wertlos werden.
        Wie sagte Thiel so schön – don’t invest in Trends.
        https://techcrunch.com/2017/10/27/peter-thiel-isnt-so-sure-self-driving-tech-is-a-good-investment/

      2. Hat die Welt eigentlich noch immer nicht genug Spielsachen?
        Kommt mir vor wie bei den Fernsehanstalten, die müssen auch ständig neue Unterhaltungs/Spielshows erfinden.

      3. Ich glaube ihr habt mich falsch verstanden. Wenn ich die Regularien, welche auf IPOs abgewendet werden, im selber Struktur auf ICOs anwende, dann habe ich doch ein Blockchain basiertes IPO. Es war eine rein technische Einschätzung. Und warum sollte es nicht möglich sein einen rechtlichen Rahmen zu finden, wenn ein Unternehmen, welches ein ICO in Deutschland ausführen will, sich der deutschen Gesetzgebung unterziehen muss? ICOs sind meiner Meinung nach die „informationstechnisch“ besseren IPOs. Das kann man ja wohl nicht komplett von der Hand weisen.

  4. Provokative?, Frage:Sind es nicht die Zentral/Notenbanken,welche den Kryptohype befeuern.Schliesslich geht ihnen schon länger auch nicht der Ruf voraus,gesetzestreu & verlässlich zu sein!Wenn die ständig „Geld“schaffen,können wir Blockchains das doch auch.Die österreichische Schule mit dem Wettbewerb ums bessere Geld,lässt grüssen!

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