Aktien

Innogy-Börsengang: Deshalb gab es eine massive Überzeichnung

Es herrscht EZB-Geldschwemme + 0% Zinsen für Anleihen, um es mal ganz vereinfacht auszudrücken. Was macht man da als Pensionsfonds oder Investmentfonds auf der Hatz nach...

FMW-Redaktion

Es herrscht EZB-Geldschwemme + 0% Zinsen für Anleihen, um es mal ganz vereinfacht auszudrücken. Was macht man da als Pensionsfonds oder Investmentfonds auf der Hatz nach Rendite, wenn man von Investmentbankern bestürmt wird mit dem Hinweis auf eine Art „halbwegs sicheres Dividendenpapier?“ Seien Sie gleich von Anfang an dabei… ja, wer will da nicht gerne dabei sein. So war die heutige Neuemission der RWE-Tochter Innogy ein Emissionserfolg, denn das Volumen von 5 Milliarden Euro war, wie man aus Bankenkreisen hört, mindestens zweifach oder sogar bis dreifach überzeichnet.

Aber warum? Aktien sind ja keine „sicheren“ Papiere wie Staatsanleihen. Richtig, aber die Investmentbanker der Konsortialbanken sollen gegenüber institutionellen Investoren die Aktie von Innogy nicht als Zockerpapier oder Kurs-Highflyer vermarktet haben, sondern als Dividendenpapier. Langweilig, aber mehr als interessant im Nullzinsumfeld. Denn laut Innogy will man zukünftig 70 bis 80% des bereinigten Gewinns an die Aktionäre ausschütten – eine attraktive Promotion für Anleger, die nur auf Anleiherenditen und Dividendenrenditen achten.

Denn aktuell käme man damit bei Innogy auf eine Dividendenrendite von um die 4%, wie man von Bankern hört. Pensionskassen wie auch große Vermögensverwalter wie Blackrock sollen sich in großem Umfang bei der Emission beteiligt haben. Mit der Emission hat Innogy eine Bewertung von 20 Milliarden Euro – RWE bleibt als Mutter immer noch mit 75% beteiligt. Schon im Vorfeld der Emission hatten Experten darauf hingewiesen, dass Innogy mit den Bereichen Ökostrom und Betrieb von Stromnetzen kein wirkliches Wachstumspotenzial aufweist. Aber wie gesagt, mit der Story eines konstanten Dividenden-Bringers kann man die vorher genannten Investoren anlocken, die nach Langeweile mit 3, 4 oder 5% Rendite suchen.

Woher kommen denn die sicheren Erträge, die die Investoren dazu veranlassen zu glauben, dass jährlich so gute Renditen bei einem so problematischen Geschäft entstehen? Nun, mehr als 50% des operativen Gewinns wird aus dem Betrieb der Stromnetze generiert. Für Betrieb, Wartung und Erweiterung erhält Innogy eine staatlich garantierte Rendite von 7%. Wer zahlt die natürlich? Richtig, der Verbraucher über erhöhte Stromrechnungen. Auf das ganze Geschäftsvolumen umgeschlagen sinkt natürlich die Gesamtrendite von Innogy, aber veremeintlich erwarten Anleger dauerhaft 3% oder 4% als Rendite.

Darf man sie also als eine Art Zinsersatz ansehen? Möglichst lange halten, jedes Jahr fleißig Ertrag kassieren, und bloß nicht auf den Aktienkurs gucken? Denn der könnte ja fallen. Die Nachfrage für die heutige Emission kam von institutioneller Seite nach Aussagen aus Bankenkreisen zu mehr als 90% von ausländischen Investoren. Also treibt die weltweite Hatz nach Rendite die Anleger sogar schon in deutsche Energiewerte, die nicht gerade rosig aussehen. Immerhin, Innogy war mit 5 Milliarden Euro die größte Emission seit dem Jahr 2000. Kapitalmarkttechnisch doch eher traurig für den Standort Deutschland, oder?



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage