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Insider steigen im Höhenflug aus Insider verkaufen plötzlich Aktien: Warnsignal für Anleger?

Insider verkaufen plötzlich Aktien: Warnsignal für Anleger?
SPX-Diesplay an der New Yorker Börse. Foto: Michael Nagle/Bloomberg

Während der S&P 500 im Juli von einem Allzeithoch zum nächsten kletterte und die Aktienmärkte scheinbar kein Halten kannten, sendeten ausgerechnet die Insider der Unternehmen ein gegenteiliges Signal: Sie verkauften Aktien. Inmitten der euphorischen Rekordrallye zogen sich viele Unternehmensführer leise aus dem Aktienmarkt zurück – ein Warnsignal, das Anleger nicht ignorieren sollten.

Insider verkaufen Aktien

Laut einem Bericht von Bloomberg haben Unternehmensinsider während der Rekordrallye an den Aktienmärkten im Juli viele eigene Aktien verkauft. Während sich Anleger an der Wall Street im Juli eifrig auf US-Aktien stürzten und den S&P-500-Index innerhalb eines Monats zu zehn Allzeithochs trieben, schlugen die Insider eine andere Richtung ein.

Nur 151 S&P-500-Unternehmen kauften im letzten Monat eigene Aktien zurück – so wenige wie seit mindestens 2018 nicht mehr –, wie aus Daten des Washington Service hervorgeht. Während sich die Verkäufe von Unternehmensinsidern im Juli gegenüber Juni verlangsamten, gingen die Käufe noch stärker zurück. Das Verhältnis von Käufen zu Verkäufen sank damit auf den niedrigsten Stand seit einem Jahr.

Käufe von Insidern versiegen

Die nachlassende Kauflaune der Führungskräfte kam zu einer Zeit, als die Rallye an den Aktienmärkten schon vor dem Freitagsausverkauf Anzeichen einer Ermüdung zeigte. Der S&P 500 stieg im Juli um 2,2 %, nachdem er im Juni um 5 % und im Mai um 6,2 % zugelegt hatte. Dementsprechend sind die S&P 500-Aktien nach diesem dreimonatigen Anstieg mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von fast 23 deutlich über dem 10-Jahres-Durchschnitt von rund 18 bewertet.

Die vorsichtige Haltung der Unternehmensführer – also der Gruppe, die ihre Unternehmen am besten kennen – könnte auf Bedenken hinsichtlich ihrer Aktienbewertungen sowie der bevorstehenden Auswirkungen der umfassenden globalen Zölle von Präsident Donald Trump auf die Gewinne ihrer Unternehmen hindeuten.

Bewertungen mahnen zur Vorischt

„Insiderverhalten sich derzeit ähnlich wie institutionelle Anleger: vorsichtig, konservativ und bewertungsorientiert“, sagte Dave Mazza, Chief Executive Officer von Roundhill Investments.

Darüber hinaus sind die Wirtschaftsdaten zunehmend beunruhigend. So deutet der am Freitag veröffentlichte Arbeitsmarktbericht auf eine Abkühlung des Arbeitsmarktes hin. So ist das Beschäftigungswachstum in den letzten drei Monaten stark zurückgegangen und die Arbeitslosenquote ist im letzten Monat leicht angestiegen. Gleichzeitig stieg die von der Federal Reserve bevorzugte Messgröße für die zugrunde liegende Inflation im Juni so stark wie noch nie in diesem Jahr, während die Verbraucherausgaben kaum zunahmen. Eine Kombination, die zur Sorge mahnt. Zwar konnten die großen Technologieaktien – die sogenannten Magnificent Seven – in ihren jüngsten Geschäftsberichten größtenteils überzeugen, doch fielen die Reaktionen gemischt aus, da bereits viel Positives in die Kurse eingepreist ist.

Geteilte Stimmung

Natürlich müssen Anleger vorsichtig sein, wenn sie zu viel in die Kauf- und Verkaufsaktivitäten von Insidern hineininterpretieren, da diese durch Faktoren außerhalb der Marktentwicklung beeinflusst sein können.

Dennoch steht die mangelnde Begeisterung der Unternehmensleiter für ihre eigenen Aktien im krassen Gegensatz zur allgemeinen Risikobereitschaft an den Aktienmärkten im Juli. Der S&P 500 hat gerade erste eine dreimonatige Gewinnserie hingelegt und ist seit seinem Tiefpunkt am 8. April um mehr als 25 % gestiegen.

Darüber hinaus verlangsamten sich die Aktienrückkäufe von Unternehmen im letzten Monat. Laut den neuesten Daten der Strategen der Bank of America unter der Leitung von Jill Carey Hall lagen sie bis zum 25. Juli, dem letzten Tag, für den Daten verfügbar sind, zum vierten Mal in Folge unter dem üblichen saisonalen Niveau.

Die Bank räumte ein, dass ein Grund dafür der späte Beginn der Berichtssaison aufgrund des Feiertags am 4. Juli sein könnte. Die Analyse von Carey Hall zeigt jedoch einen stetigen Rückgang der Aktien-Rückkäufe im Verhältnis zur Marktkapitalisierung seit März. Hall sieht darin ein Zeichen dafür, dass „die hohen Zinsen und Bewertungen endlich Auswirkungen auf die Stimmung der Unternehmen haben könnten”.

Schutz der Bilanzen

„Die Zurückhaltung bei Rückkäufen deutet darauf hin, dass Unternehmen sich mehr auf den Schutz der Bilanzen als auf die Signalisierung von Marktvertrauen konzentrieren. Angesichts der fulminanten Rallye spricht das Bände”, sagte Mazza von Roundhill.

Analysten, die Daten zu Aktienrückkäufen genau verfolgen, könnten argumentieren, dass diese ein wichtigerer Stimmungsindikator sind als Insiderverkäufe. Denn oft haben Einzelpersonen einen laufenden Liquiditätsbedarf und bevorzugen in der Regel eine Umschichtung ihrer konzentrierten Bestände in ihren Unternehmen, so Sameer Samana, Senior Global Market Stratege beim Wells Fargo Investment Institute.

Insgesamt ist das mangelnde Vertrauen, das sowohl Unternehmen als auch Führungskräfte in ihre eigenen Aktien zeigen, jedoch ein Grund zur Sorge für Anleger. „Die Leute, die am besten über die Unternehmen Bescheid wissen, sagen Ihnen, dass ein Großteil der guten Nachrichten bereits eingepreist ist”, so Samana.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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4 Kommentare

  1. Plötzlich ? Seit die „Blackout-Period“ vorbei im Mai vorbei ist, werden massiv Aktien von Insidern verkauft.

    1. @Christoph, Beleg?

      1. https://verifiedinvesting.com/pages/insider-buy-and-sell

        geht jetzt nur bis Juni zurück, aber Gareth spricht da schon seit Mai (?) von – hab jetzt nicht ganz im Kopf, wann die Handelssperre zu Ende ging

  2. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Die Insider verkaufen immer….

    Selbst im März 03 ,DAX Performance Index bei unter 2 200 ,verkauften Insider. ..

    Obwohl das ganz klar Kaufkurse waren…. Einstiegskurse, Schnäppchen…Suchen Sie sich was aus…

    Anderseits schlugen Deutsche Bank Manager- bei den 117,50 Euro – im Mai 07 – nochmal so richtig zu…kurz vor der Hauptversammlung, deckten die sich ein um, ein Vertrauen in die Aktie zu zeigen…

    Wir sehen also mit dem Timing haben es die Leute nicht so…

    Was man jetzt nicht gerade sagen kann…Das sind keine Einstiegskurse mehr, keine Schnäppchen wie im März des Jahres 2003 oder 09…

    Es ist viel mehr das Vertrauen, das unbedingte Vertrauen, das blinde Vertrauen in die Notenbanken….

    Man setzt darauf das diese gigantische Blase von den Notenbanken am Leben gehalten wird…übergeordnet und überhaupt…

    Man setzt auch auf Donald Trump…und den Umbau der FED hin zu einer „Bank of Japan 2.0…“…

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