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Insolvenzen erreichen historischen Tiefststand – das Wunder-Märchenland

Schild mit Aufschrift Insolvenz

Wie oft hatten wir das Thema schon? Sehr oft. Und erneut muss man sagen: Es is ein Wunder-Märchenland, in dem die Insolvenzen einen historischen Tiefststand erreichen, nachdem eine Pandemie die schlimmste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten ausgelöst hat, hunderttausende Selbständige ihren Beruf nicht ausüben können und unzählige sonstige Probleme auftreten. Aber die Statistiker und Wirtschaftsforscher zeigen eine immer weitere sinkende Zahl der Insolvenzen. Es muss sich also um ein Wunder handeln – befeuert mit jeder Menge staatlicher Unterstützung.

Heute wird dieses Wunder erneut mit Aussagen von Wirtschaftsforschern untermauert. Die Anzahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften habe im Juli einen historischen Tiefststand erreicht, und die Frühindikatoren lassen auch im August keinen spürbaren Anstieg der Insolvenzzahlen erwarten – so sagt es aktuell der Insolvenztrend des IW Halle.

Die Zahl der Insolvenzen belief sich demnach im Juli auf 639, nach dem bisherigen Tiefststand von 654 im November 2020. Damit lagen die Insolvenzen im Juli 2021 auch 10 Prozent unter den Juni-Zahlen und mehr als 25 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Die Analyse der Daten zeigt laut IWH, dass in den größten 10 Prozent der Unternehmen, deren Insolvenz im Juli gemeldet wurde, insgesamt mehr Menschen beschäftigt waren als in den größten Insolvenzunternehmen der Vormonate. So habe die Zahl der betroffenen Jobs im Juli bei knapp 7.300 gelegen, während sie in den Monaten Mai und Juni jeweils Tiefstände von etwa 4.000 Personen erreicht hatten. Allerdings liege die Zahl der betroffenen Jobs im Juli trotz des Anstiegs noch 70 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats

Die anhaltend niedrigen Zahlen bei den Insolvenzen spiegeln laut IWH auch den lange erhofften wirtschaftlichen Aufschwung wider. Selbstverständlich würden staatliche Hilfsprogramme sowie die Zurückhaltung mancher Gläubiger laut Müller nach wie vor eine große Rolle spielen. Im historischen Vergleich seien diese Zahlen dennoch extrem niedrig. So hätten vor knapp 20 Jahren im Mittel 2.000 Personen- und Kapitalgesellschaften pro Monat Insolvenz angemeldet, und vor fünf Jahren seien es immerhin noch mehr als 1.000 pro Monat gewesen.

Grafik zeigt Verlauf der Insolvenzen seit Anfang 2020



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2 Kommentare

  1. Nun das neue Insolvenzgesetz erlaubt dem Gericht den Fall weiterzugeben an das Rettungsgericht und die brauchen min. 6 monate um das dann zum Insolvenzgericht zurück zu geben !!!
    Warten wir doch mal die Bundestagswahl ab, danach werden wir die Pleiten sehen und wie die EZB die Banken dann rettet !!!

  2. @Claudio Kummerfeld, seit etwa einem Jahr schreiben Sie vom Wunder-Märchenland und von den kommenden Monaten, wo die Insolvenzwelle nun aber so richtig ausbrechen wird.

    Persönlich sehe ich ein eher reales Bild der Situation, in dem staatliche Hilfsprogramme im Vergleich zu 2019 bis max. 90% der Fixkosten ersetzen. Wohlgemerkt der Kosten, nicht der Umsätze oder Gewinne. Und wohlgemerkt maximal. Was prinzipiell ohnehin völlig daneben ist, denn 90% an Fixkostenkompensation bei 50% Umsatzeinbruch drücken den Gewinn sehr viel tiefer. Am Ende zielen die Programme darauf ab, dass tragfähige Unternehmen wegen Coronamaßnahmen im Idealfall nicht mehr als 10% Einbußen haben sollen.

    Wer zuvor bereits in Schwierigkeiten war, erhält sowieso keine Hilfen. Wer mit den sog. Hilfsprogrammen überleben kann, ist gut aufgestellt, zehrt von seinen Rentenersparnissen, hat neue Ideen, lässt sich nicht unterkriegen. Das ist es, was Sie nicht erkennen oder akzeptieren wollen. Die Pleitewelle bleibt aus, weil Unternehmer mit Perspektive nicht pleite gehen wollen.

    Kein Wunder-Märchenland, nur kreative Wunder-Frei-Wirtschaft.

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