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Insolvenzen gehen deutlich zurück – Creditreform nennt die Gründe

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Weniger Insolvenzen in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten

Die Zahl der Insolvenzen von Unternehmen geht im Jahr 2020 im Vergleich zu 2019 um 13,4 Prozent zurück, von 18.830 auf nur noch 16.300 Fälle. Das meldet ganz aktuell Creditreform. Wir haben die letzten Monate schon mehrmals über dieses Phänomen berichtet. Das ist der niedrigste Stand seit der Einführung der Insolvenzordnung im Jahr 1999. Wir durchleben die schlimmste Rezession seit Jahrzehnten dank der Coronakrise, und gleichzeitig sinkt die Zahl der Insolvenzen deutlich. Nicht nur die Unternehmen, auch die Verbraucher halten sich mit Insolvenzverfahren zurück. Creditreform nennt mehrere Gründe. Schauen wir uns das mal an.

Mehrere Gründe für rückläufige Zahl bei Insolvenzen

Als Grund für die sinkende Zahl der Insolvenzen nennt Creditreform die zahlreichen staatlichen Hilfs- und Stützungsmaßnahmen für die Wirtschaft, sowie die monatelange Aussetzung Insolvenzantragspflicht. By the way… wir möchten an dieser Stelle auch verweisen auf die Aussagen des Verbands der Insolvenzverwalter, dass viele Unternehmer ihre Insolvenz hinauszögern, in Hoffnung auf weitere staatliche Rettungsmaßnahmen. Und die staatlichen Statistiker wiesen bei ihrer letzten Veröffentlichung darauf hin, dass jüngst die Zahl der Insolvenzen noch nicht ansteigt, weil schlicht und einfach die Bearbeitungszeit bei den Amtsgerichten hinterher hinkt.

Aber zurück zu den aktuellen Aussagen von Creditreform. Im laufenden Jahr habe sich das Insolvenzgeschehen als Seismograph für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung vom wirklichen Zustand der deutschen Unternehmen entkoppelt. Problematisch sei auch, dass durch die Staatshilfen sehr viele Unternehmen am Markt blieben, die unabhängig von der Coronakrise eigentlich nicht mehr überlebensfähig seien. Insbesondere bei Kleinbetrieben gab es laut Creditreform durch die Aussetzung spürbar weniger Insolvenzmeldungen. Ein deutlicher Anstieg der Insolvenzen war dagegen bei größeren Unternehmen zu verzeichnen. Hier wichtige Aussagen im Wortlaut:

„Insolvenzen sind ein wichtiger Mechanismus zum Schutz der Volkswirtschaft“, so Hantzsch weiter. „Unternehmen ohne tragbares Geschäftsmodell müssen vom Markt genommen oder von Grund auf saniert werden, damit die deutsche Wirtschaft als Ganzes auch nach Corona wettbewerbsfähig bleibt.“ Branchen wie Autoindustrie, Luftfahrt und Einzelhandel stünden ohnehin vor drastischen Umwälzungen. „Der Strukturwandel wird durch diese Maßnahmen teilweise verzögert.“ Nachdem die Insolvenzanzeigepflicht bei Zahlungsunfähigkeit (nicht aber Überschuldung) ab Oktober wieder in Kraft ist, dürften die Auswirkungen der Wirtschaftskrise und ein Ende der Eindämmungsmaßnahmen die Insolvenzen im kommenden Jahr insgesamt wieder steigen lassen.

Wohl vor allem weil die Zahl großer Insolvenzen (siehe Einzelhandelsketten) zunimmt, erhöhten sich im aktuellen Jahr laut Creditreform auch die Schäden für die Gläubiger von 24,5 auf geschätzt 34 Milliarden Euro.

Warum Verbraucherinsolvenzen sinken

Und warum meldeten Verbraucher in diesem schlimmen Jahr 2020 weniger Insolvenzen an? Hier hätte die Zahl doch dank deutlich mehr Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit und gigantischen Problemen bei Solo-Selbständigen explodieren müssen? Nein. Auch bei den privaten Verbrauchern war laut Creditreform ein merklicher Rückgang der Insolvenzen zu verzeichnen. Im Jahr 2020 verringerte sich die Zahl der Verbraucherinsolvenzen um 27,1 Prozent auf 45.800 (2019 waren es noch 62.810). Hierbei wirkten sich neben den Corona-bedingten Einschränkungen beispielsweise bei Schuldnerberatungen und Behörden vor allem die Pläne der Bundesregierung zur Reform des Insolvenzrechts hemmend aus. Geplant ist unter anderem die Verkürzung der Restschuldbefreiung auf drei Jahre. Bei der hohen Zahl an überschuldeten Verbrauchern sind aber künftig steigende Privatinsolvenzen wahrscheinlich – insbesondere, falls die
Wirtschaftskrise anhält oder sich weiter verschärfen sollte.

Chart zeigt seit 2015 die Entwicklung aller Insolvenzen in Deutschland

Chart zeigt seit 2015 die Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen

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Exporte koppeln sich ab vom Lockdown-Pessimismus

Claudio Kummerfeld

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Hamburger Hafen

Man hört es dieser Tage öfter, und es ist auch logisch nachvollziehbar. Der zweite deutlich längere Corona-Lockdown sorgt für eine Abwärts-Revision bei der Erwartung für die deutsche Wirtschaftsleistung (siehe hier neue Prognose von Seiten der Bundesregierung). Immer mehr Unternehmen und Kleinst-Unternehmer aus den Bereichen Hotellerie, Gastronomie, Einzelhandel und Urlaub werden wohl den Bach runtergehen. Aber gleichzeitig läuft die deutsche Industrie sowie Exportwirtschaft auf Hochtouren. Die folgende Grafik zeigt seit dem Jahr 2014 die Erwartungen an die deutschen Exporte aufgrund von heute veröffentlichten Daten des ifo-Instituts.

Noch vor der Krise bei einem Wert von 0, liegen die Erwartungen für die deutschen Exporte aktuell bei +6 Punkten, nach +1,9 Punkten im Dezember. Das ist der beste Wert seit Oktober. Klarheit beim Brexit und der US-Präsidentschaft, eine robuste Industriekonjunktur
und der weltweite Impfstart führten laut ifo-Institut zu einem vorsichtigen Optimismus in der deutschen Exportwirtschaft. Deutliche Zuwächse beim Export würden die Hersteller von Computern und elektrischen Ausrüstungen erwarten. Auch die Unternehmen aus dem Bereich des Maschinenbaus und der Chemischen Industrie blicken zuversichtlich auf ihre künftigen Exporte. Bei den Herstellern von Nahrung und Getränken haben sich die Erwartungen deutlich erholt. Gegenwärtig gehen sie von einem konstanten Exportgeschäft aus. Schwierig bleibt laut ifo der Auslandsmarkt für die Bekleidungsindustrie. Auch die Möbelhersteller gehen von rückläufigen Auslandsumsätzen aus.

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Andre Stagge über sein Depot, Inflation, Bitcoin und steigende US-Renditen

Claudio Kummerfeld

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Andre Stagge

Der Börsenexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht im folgenden ausführlichen Video fünf Positionen in seinem eigenen Investmentdepot. Aber er spricht auch über wichtige Themen in einem größeren Zusammenhang. Zum Beispiel geht er der Frage nach, ob in 2021 die große Inflation ansteht. Auch schaut er auf die mögliche weitere Entwicklung des Bitcoin, und bespricht die interessante Thematik, welche Auswirkung nachhaltig steigende Anleiherenditen in den USA auf die Märkte haben.

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Markus Krall über das große Debakel als Resultat der Gelddruck-Orgie

Claudio Kummerfeld

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Der folgende gestern veröffentlichten Vortrag stammt zwar schon vom 24. Oktober 2020, dennoch ist er auch heute noch aktuell. Die wirtschaftlichen und geldpolitischen Folgen der Coronakrise werden besprochen. Dabei zeichnet Markus Krall ein düsteres Bild über eine bevorstehende massive Inflation und das Ende des Euro. Richtig los geht es ab Minute 12:40 im Video. Banken und Zombieunternehmen sind Klassiker-Themen in seinen Vorträgen, die auch dieses Mal zur Sprache kommen. Auf jeden Fall ist dies mal wieder ein spannender Vortrag von Markus Krall.

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