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Insolvenzen: Im Horrormonat April deutlicher Rückgang – Lawine ab Oktober!

Claudio Kummerfeld

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Durch die Coronakrise rollt die Lawine der Insolvenzen? Falsch. Durch verschieden Gesetze, die oft gut gemeint sind und zunächst auch Sinn ergeben, wird die Krise (meine Meinung) später noch viel schlimmer werden. Denn Probleme werden jetzt optisch versteckt, verschoben, aufsummiert, und später wird dann das ganze Ausmaß des Problems erst recht sichtbar. Beim Punkt Insolvenzen wird dieses „In die Zukunft verschieben und aufsummieren“ besonders gut sichtbar.

Insolvenzen bei Unternehmen deutlich rückläufig

Wir hatten dieses Thema schon vor einem Monat für das 1. Quartal besprochen. Und heute liegen uns die offiziellen Daten für den Corona-Horrormonat April vor, wo nun wirklich alles außer Supermärkten und Apotheken schließen musste. Die Insolvenzen von Unternehmen gingen im April mit 1.465 Anmeldungen gegenüber April 2019 um 13,3 Prozent zurück! Die wirtschaftliche Not vieler Unternehmen durch die Corona-Krise spiegelt sich somit bislang nicht in einem Anstieg der gemeldeten Unternehmensinsolvenzen wider, so die Statistiker.

Entscheidend dafür ist, dass die Bundesregierung im März in Windeseile beschloss, dass die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen von März bis Ende September ausgesetzt wird. Wenn also ein Geschäftsführer einer GmbH sieht, dass sein Laden pleite ist, müsste er eigentlich Insolvenz anmelden, damit er sich nicht strafbar macht (Insolvenzverschleppung). Von dieser Last ist er derzeit befreit, und kann seinen Pleiteladen noch bis Ende September weiter führen, ohne Insolvenz anmelden zu müssen. Wir meinen: Derzeit werden jede Menge Insolvenzen aufgespart und verschoben. Ab Oktober, wenn die Insolvenzantragspflicht wieder gilt, wird eine Lawine über die Amtsgerichte rollen.

Oder wird diese Lawine dank immer neuer staatlicher Hilfsprogramme erneut optisch um ein paar Quartale in die Zukunft verschoben? Denkbar wäre es, wenn nur genug Staatsgeld verteilt wird. Erst gestern hat der Bund ja verkündet mit 25 Milliarden Euro an Zuschüssen (keine Kredite) kleine und mittelgroße Betriebe unterstützen zu wollen – aber nur bis Ende August. Als vorläufige Angabe veröffentlichen die Statistiker heute auch für den Monat Juni schon Daten. Die Anträge auf Insolvenz gingen im Vergleich zu Juni 2019 um 8,6 Prozent zurück. Im Chart sieht man die eröffneten Insolvenzverfahren seit dem Jahr 2008.

Chart zeigt rückläufige Insolvenzen in Deutschland

Auch Verbraucherinsolvenzen deutlich rückläufig

Und die Verbraucherinsolvenzen? Eigentlich müssten doch viele neue Arbeitslose und Kurzarbeiter in Folge dieser Krise auch bedeuten, dass viele Menschen in die Privatinsolvenz gehen? Wir vermuten: Dank zahlreicher Hilfsmaßnahmen des Staates wird auch dieser Themenbereich lediglich einige Monate in die Zukunft verlagert. Aber im April, da sind auch die Verbraucherinsolvenzen deutlich rückläufig. Im April waren es im Vergleich zu April 2019 minus 40,1 Prozent (3.283 Anträge). Dazu erklären die Statistiker, Zitat:

Dieser sehr große Rückgang der Insolvenzanträge von Verbraucherinnen und Verbrauchern erklärt sich zum einen durch den eingeschränkten Betrieb der zuständigen Insolvenzgerichte während der Corona-Pandemie und einer damit verlängerten Bearbeitungszeit. Zum anderen haben Verbraucherinnen und Verbraucher den Zeitpunkt ihres Insolvenzantrages aufgrund der Corona-Pandemie zeitlich nach hinten verschoben.

Ein Kommentar

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  1. Avatar

    John Miehler

    17. Juli 2020 07:35 at 07:35

    Bei den Privatinsolvenzen wird sicherlich auch der Regierungsentwurf vom 01.07.2020 zur Verkürzung der Laufzeit bis zur Restschuldbefreiung auf drei Jahre ab dem 01.10.2020 starke Auswirkungen haben. Viele Verbraucher werden von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, zumal auch die Speicherfristen bei der Schufa auf ein Jahr verkürzt werden sollen.

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Nullzinsphase in der Realität: BaFin entzieht zwei Pensionskassen die Betriebserlaubnis

Claudio Kummerfeld

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Nullzinsphase

Die Nullzinsphase erfreut zwar private Kreditnehmer und Staaten, die sich zum Traumkonditionen verschulden können. Aber wo Kredite für die einen nur Schulden sind, da sind sie auf der anderen Seite für Fondsgesellschaften, Rentenversicherungen und Pensionskassen nichts anderes als eine Geldanlage, die Zinsen abwerfen muss. Tut sie das nicht, geraten die Zusagen gegenüber den Kunden und die gesamten Kalkulationen der Kassen ins Wanken. Neben 20 Lebensversicherungsgesellschaften hat die BaFin derzeit auch 36 Pensionskassen unter sogenannter „verschärfter Beobachtung“.

Zwei Pensionskassen endgültig ohne Betriebserlaubnis

Schon im Jahr 2018 hatte die BaFin den Pensionskassen „Kölner Pensionskasse“ und „Pensionskasse der Caritas“ die Anordnung erteilt, dass sie nicht weiter ihrer Arbeit nachgehen dürfen (wir berichteten damals). Die beiden legten aber Widerspruch ein. Nun hat die BaFin offiziell mitgeteilt, dass die Entziehung der Betriebserlaubnis für die beiden Pensionskassen rechtskräftig ist, rückwirkend zum 31.12.2020 (hier und hier die offiziellen Mitteilungen). Beide Meldungen sind im Wortlaut identisch, daher drucken wir hier nur eine ab. Zitat:

Die BaFin hat gemäß § 304 Absatz 1 Nr. 2 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) die Erlaubnis zum Betrieb des Versicherungsgeschäfts der Pensionskasse der Caritas VVaG mit Bescheid vom 24. Oktober 2018 widerrufen. Das Unternehmen konnte die Mindestkapitalanforderung nicht erfüllen und hat einen Finanzierungsplan zur Beseitigung dieser Unterdeckung vorgelegt, der aus Sicht der BaFin unzureichend war. Der Bescheid ist mit Ablauf des 31. Dezember 2020 bestandskräftig geworden. Der Betrieb des Versicherungsgeschäfts ohne die erforderliche Erlaubnis stellt eine Straftat dar. Gemäß § 304 Absatz 5 VAG darf die Pensionskasse der Caritas VVaG keine neuen Versicherungsverträge abschließen und bestehende Versicherungsverträge weder verlängern noch erhöhen.

In der Realität bedeutet dies, dass diese beiden Pensionskassen nur noch ihr vorhandenes Bestandsgeschäft abwickeln dürfen. Den insgesamt 55.000 betroffenen Anspruchsinhabern auf Pensionen dürften womöglich nach und nach Kürzungen ihrer Ansprüche und Auszahlungen bevorstehen. Die beiden Pensionskassen sind nun sozusagen in Liquidation. Sie werden noch solange bestehen, bis die letzten der jetzt noch eher jungen Mitglieder irgendwann sterben. Also werden diese Pensionskassen also auf Jahrzehnte hinweg Abwicklungsanstalten mit Restbeständen sein.

Man kann es sich kaum vorstellen, aber es ist, wie es ist. Das Finanzsystem und in diesem Fall das System der Pensionskassen beruht vor allem darauf, dass die eingezahlten Beiträge auch am Kapitalmarkt Zinsen abwerfen, damit die vorhandenen Vermögensbestände sich vermehren. Seit Jahren knabbert nun die Nullzinsphase an den Reserven. Womöglich sind diese beiden Kassen nur der Anfang einer Entwicklung? Denn man sieht es ja, die Zinsen in Euroland werden noch sehr lange auf der Null-Linie verharren.

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Aktuell: Citigroup und Wells Fargo melden Quartalszahlen

Claudio Kummerfeld

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Die Quartalszahlen von Citigroup und Wells Fargo wurden soeben veröffentlicht. Zunächst Citi. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 16,50 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 18,38/erwartet 16,50).

Der Gewinn liegt bei 2,08 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,11/erwartet 1,35).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -1,7 Prozent.

Die Kreditausfälle sinken von 1,84 vor einem Jahr auf 1,27 Milliarden Dollar im letzten Quartal. Von den Rücklagen für möglicherweise noch ausfallende Kredite wurden 197 Millionen Dollar abgebaut, was also den Gewinn erhöht.

Citigroup-Quartalszahlen

Wells Fargo

Die große Konsumentenbank Wells Fargo hat soeben auch ihre Zahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 17,93 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 19,86/Erwartungen 18,1).

Der Gewinn liegt bei 0,64 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 0,60/Erwartungen 0,59).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -5 Prozent.

Risikovorsorge für Kreditausfälle reduziert um 179 Millionen Dollar.

Wells Fargo Quartalszahlen

Wells Fargo Schriftzug
Foto: Gabriel Vanslette CC BY 3.0

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Autonomes Fahren: Jetzt kommt Apple – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Kinder haben jetzt genug gespielt und gestümpert. Nun will es Apple machen, nachdem die Resultate bislang nicht befriedigend sind. Worum geht es?

Sicherlich haben Sie der Berichterstattung der letzten Tage entnommen, dass das US-Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino sich nun dem Autonomen Fahren annimmt. Offenbar plant man gemeinsam mit dem koreanischen Autobauer Hyundai den Bau eines bzw. mehrerer autonom fahrender Roboterautos. Während die konventionellen Autobauer unverändert an ihren semi-autonomen Fahrassistenten basteln, geht Apple nun aufs Ganze.

Am Markt sorgte diese Perspektive für positive Unruhe. Denn man weiß, was Apple macht hat normalerweise Hand und Fuß und wird sehr oft zur großartigen Erfolgsgeschichte. So krachte zuletzt schon einmal die Aktie der Hyundai durch die Decke. Obwohl die Korea-Aktie zuletzt wieder korrigierte, steht hier für die Aktionäre immer noch ein starker Wochengewinn von 30 % zu Buche.

Aber lassen wir Hyundai einmal Hyundai sein und untersuchen, warum dem autonomen Fahren bislang noch nicht der Durchbruch beschieden war. Das Stichwort ist hier LiDAR oder Light Detection and Ranging. Vereinfacht gesprochen misst ein LiDAR-Sensor mit einem gepulsten Laser in seinem Sichtfeld die Entfernung zwischen sich und einem Gegenstand.

Damit steht und fällt die Idee des Autonomen Fahrens mit diesen Sensoren. Die gute Nachricht: Die Technologie ist gut erforscht und funktioniert. Die schlechte Nachricht: Ein halbwegs leistungsfähiger LiDAR-Sensor kann schon einmal rund 20.000 USD pro Stück kosten. Außerdem sind die Geräte sperrig. ZU Deutsch: Mit den derzeit verfügbaren LiDAR-Sensoren wird Autonomes Fahren in diesem Jahrhundert keine Realität mehr. Folglich ist das Marktvolumen dieser…..

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