Die Wirtschaftskrise ist schlimmer als man es im Alltag wahrnehmen möchte. Ein wichtiges Indiz dafür ist die Eskalation bei den Insolvenzen. Der heute veröffentlichte IWH Insolvenztrend (Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle) ist schneller als die staatliche Statistik, und hat sich in den letzten Jahren als verlässlicher Frühindikator für die staatlichen Daten erwiesen. Heute sehen wir den höchsten Stand der Insolvenzen seit dem Jahr 2005! Ein Experte sieht mehr als nur die aktuelle Wirtschaftskrise als Grund. Seit Jahren seien Insolvenzen über staatliche Maßnahmen und niedrige Zinsen verhindert worden, jetzt würden sie nachgeholt.
Insolvenzen im zweiten Quartal 7 % über vorherigem Rekord
Die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland liegt demnach im Juni bei 1.420, 4 % weniger als im Vormonat, aber 23 % mehr als im Juni 2024 und 50 % mehr als in einem durchschnittlichen Juni der Jahre 2016 bis 2019, also vor der Corona-Pandemie. Im etwas größeren Bild sehen wir die Dimension der Krise: Im gesamten zweiten Quartal 2025 gab es 4.524 Insolvenzen. Damit wurde der Rekordwert des ersten Quartals 2025 um 7 % übertroffen. Es war die höchste Anzahl insolventer Personen- und Kapitalgesellschaften seit dem dritten Quartal 2005 – sogar höher als im Nachgang der großen Wirtschafts- und Finanzkrise 2009. Die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze in den größten 10 % der insolventen Unternehmen ging im Vergleich zum Vorquartal zwar leicht auf etwa 45.000 zurück, blieb damit jedoch auf dem hohen Niveau der vorangegangenen Quartale.
Industrie-Hochburgen besonders betroffen
Im zweiten Quartal 2025 wurde laut IWH in wichtigen Branchen ein absoluter Höchststand bei den Insolvenzen verzeichnet – darunter Industrie, Handel sowie das Hotel- und Gastgewerbe. Mit Abstand am meisten Jobs waren in der Industrie betroffen. Auch in den meisten Bundesländern wurde ein Höchststand bei der Zahl der Insolvenzen erreicht. Verglichen mit dem ersten Quartal 2020 – also noch bevor die Pandemie das Insolvenzgeschehen hätte prägen können – stieg die Zahl der Insolvenzen im zweiten Quartal 2025 um 62 %. Unter den großen Bundesländern gab es die stärksten Zuwächse in den wirtschaftlich starken Ländern Bayern (+80 %), Hessen (+79 %) und Baden-Württemberg (+76 %).
Insolvenzen wurden vorher künstlich verhindert
Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung, führt die aktuell hohen Insolvenzzahlen nur teilweise auf aktuelle gesamtwirtschaftliche Probleme zurück. „Über viele Jahre hinweg haben extrem niedrige Zinsen Insolvenzen verhindert, und während der Pandemie sind durch staatliche Stützungsmaßnahmen auch Unternehmen am Markt geblieben, die bereits zuvor schwach aufgestellt waren“, erklärt Müller. Der Zinsanstieg und der Wegfall dieser Hilfen hätten ab Mitte 2022 zu einem Nachholeffekt bei den Insolvenzen geführt. In den steigenden Insolvenzzahlen erkennt Müller schmerzhafte, aber notwendige Marktbereinigungen sowie Strukturanpassungen, die Raum für zukunftsfähige Unternehmen schaffen können.
Kommentar
„Da hat der Markus Krall mit ein paar Jahren Verzögerung doch recht gehabt“, dürften einige Beobachter seiner Aussagen jetzt wohl sagen? Künstlich verhinderte Insolvenzen hielten jahrelang kaputte Unternehmen am Leben, die jetzt pleite gehen. Dazu noch die aktuelle Konjunkturflaute, und oben drauf noch die Strukturprobleme wie zu viel Bürokratie und viel zu teure Energie. Alles zusammen ergibt bei den Insolvenzen diesen Rekordwert.
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Die genannten Insolvenzen, insbesondere in der Industrie, sind sicherlich auch nicht unbedingt ein Standortfaktor. Somit bleibt zumindest abzuwarten, ob die Unternehmen bei uns in Deutschland trotz der von der Bundeskanzler Friedrich Merz-Bundesregierung/Koalition jüngst auf den Weg gebrachten verbesserten Abschreibungsmöglichkeiten bereit sind, entsprechend in Maschinen zu investieren.