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Insolvenzen: Neues Allzeittief in Deutschland – das Wunder geht weiter

Immer weniger Insolvenzen in Deutschland

Noch nie gab es in Deutschland so wenige Insolvenzen wie im August 2021! Und das trotz der massiven Verwerfungen infolge der Coronakrise, wie der Insolvenztrend des Leibniz-Instituts der Universität Halle (IWH) meldet.

Lag die Zahl der Insolvenzen im Juli 2021 noch bei 639 und damit bereits auf einem Allzeittief, so sank im August diesen Jahres die Zahl der Insolvenzen auf nur noch 570!

Dazu schreibt IWH für die neuen Zahlen im August:

„Sie liegt damit 11% unter dem bisherigen Allzeittief aus dem Vormonat (vgl. Abbildung 1). Die Insolvenzzahlen liegen zudem 15% unter den bereits sehr niedrigen Werten aus dem Vorjahresmonat, in dem die Insolvenzantragspflicht noch ausgesetzt war.“

Insolvenzen in Deutschland

Grafik: IWH

Dabei ist nicht nur die nominale Zahl der Insolvenzen auf dem tiefsten Stand seit Aufzeichnung der Daten, sondern auch die Zahl der davon betroffenen Jobs geht deutlich zurück.

Dazu IWH:

„Die Analyse des IWH zeigt, dass in den größten 10% der Unternehmen, deren Insolvenz im August gemeldet wurde, etwa 3.000 Jobs betroffen waren. Auch diese Zahl markiert den tiefsten Stand seit Erfassung im Insolvenztrend. Die Zahl der betroffenen Jobs liegt 23% unter dem bisherigen Tiefststand aus dem Juni 2021 und 82% unter dem Vorjahreswert.“

Kaum Insolvenzen – also alles gut?

Ist die niedrige Zahl der Insolvenzen Folge eines Boom der Wirtschaft? Mitnichten. Vielmehr sind es die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen, die nach wie vor die extrem niedrige Zahl an Firmenpleiten erklärt. Das gilt vor allem für viele Selbstständige in den von der Coronakrise besonders betroffenen Brnachen wie etwa Gastronomie, Veranstaltungswirtschaft oder Tourismus. Die staatlichen Unterstützungen erfolgten häufig als Kredite, müssen also auch zurück gezahlt werden. Erholen sich die Betroffenen ökonomisch nicht nachhaltig, dann sind diese Insolvenzen nur augeschoben, nicht aufgehoben. Aus Gesprächen mit Kreditversicherern wissen wir, dass da noch eine dicke „Bugwelle“ vor uns liegt.

Steffen Müller, der am IWH die Abteilung Strukturwandel und Produktivität und die dort angesiedelte Insolvenzforschung leitet, formuliert daher Klartext:

„Aufgrund staatlicher Stützungsmaßnahmen spiegeln die anhaltend niedrigen Insolvenzzahlen nicht das tatsächlich Insolvenzgeschehen wider“.

Und Müller weiter:

„Um einen immer größer werdenden Rückstau an Insolvenzen zu vermeiden, sollten laufende Unterstützungsmaßnahmen zügig auf den Prüfstand“.

Dass diese Maßnahmen nicht vor der Bundestagswahl am 26.September auf den Prüfstand gestellt werden, ist unmittelbar evident. Aber nach der Wahl dürfte es dann wohl anders aussehen. Noch aber geht das „Wunder“ weiter – aber vielleicht ist es ja gar kein „Wunder“, sondern Folge eines Trends: der Staat rettet und rettet. So hilfreich ein Nanny-Staat auch ist – ewig lassen sich Wunder dann wohl doch nicht wiederholen..



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