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Insolvenzen rückläufig, auch steht keine Pleitewelle an – wie dieses Wunder zustande kommt

Wenige neue Insolvenzen im zweiten Lockdown

Einige Leser kommentieren in den letzten Monaten zu unseren Berichten über Insolvenzen und eine möglicherweise bevorstehende Pleitewelle, dass wir maßlos übertrieben hätten, und stumpf negativ berichten würden. Dazu sei gesagt: Erstens wünschen wir uns keine Pleitewelle. Zweitens berichten wir über mögliche Szenarien basierend auf Realitäten – wenn Geschäfte lange Zeit gar keine Umsätze machen, ist eine große Pleitewelle nun mal ein realistisches Szenario. Und drittens gibt es aktuell noch mehr als in den Monaten zuvor klar erkennbare Sonderfaktoren, warum die riesige Welle an Insolvenzen ausgeblieben ist, und wohl auch die nächsten Monate ausbleiben wird. Man kann es vorab gleich sagen: Es wird wohl kaum daran liegen, dass hunderttausende kleine Einzelhändler und Gastronomen in den Jahren vor der Coronakrise gigantische Kapitalpolster aufgebaut haben, und jetzt vom Sparbuch leben. Aber kommen wir zur Aktualität.

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) liefert nach eigener Aussage deutlich schneller als die amtliche Statistik jeden Monat einen belastbaren Befund zum bundesweiten Insolvenzgeschehen für Personen- und Kapitalgesellschaften. Die Ergebnisse sollen nur geringfügige Abweichungen von den amtlichen Zahlen aufweisen, die mit etwa zwei Monaten Zeitverzug eine umfassende Einschätzung der Lage erlauben.

Kein Problem mit Insolvenzen

Laut ganz aktueller Meldung des IWH ist Die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen nach einem spürbaren Anstieg im Dezember im Januar 2021 wieder zurückgegangen. Laut IWH-Insolvenztrend wurden im ersten Monat des Jahres 689 Personen- und Kapitalgesellschaften als insolvent gemeldet. Damit lagen die Insolvenzen im Januar um 23 Prozent unter den Dezemberzahlen, aber leicht über dem Mittel der vorangegangenen Monate August bis November 2020. Als Gründe für die aktuell sinkende Zahl bei den Insolvenzen sieht das IWH die neuerliche Aussetzung der Insolvenzantragspflicht für bestimmte Unternehmen. Aber auch die umfassenden staatliche Hilfsmaßnahmen würden dazu beitragen, und auch eine abwartende Haltung der Unternehmen. Viele Unternehmen seien laut IWH gesund und mit finanziellen Polstern in die Krise gegangen und können bis zum Wiederaufschwung nach der Krise durchhalten. Dazu FMW: Wirklich? Gastronomen und Bekleidungs-Einzelhandel haben kräftige Finanzpolster? Das kann man auch anders sehen.

Auch Aussicht relativ entspannt

Auch für die nächsten Monate sieht das IWH keine Welle an Insolvenzen auf die deutsche Volkswirtschaft zurollen. Die neuerlich bis April ausgesetzte Insolvenzantragspflicht für Unternehmen, die für die sogenannten November- und Dezemberhilfen des Bundes antragsberechtigt sind, dürfte laut IWH die Insolvenzentwicklung in den kommenden Monaten dämpfen. Die Analyse der IWH-Frühindikatoren zeige, dass auch in den nächsten Monaten nicht mit einer Insolvenzwelle zu rechnen sei. Insbesondere würden die Frühindikatoren für die nächsten Monate auch keinen Anstieg bei den Insolvenzen in den vom Lockdown besonders betroffenen Branchen Einzelhandel und Gastgewerbe zeigen.

Dies sei als Zeichen für die Wirksamkeit der neuerlichen Aussetzung der Insolvenzantragspflicht zu werten, denn zum einen stehen diese Branchen im Fokus der November- und Dezemberhilfen des Bundes, und zum anderen scheinen Unternehmen dieser Branchen von der Aussetzung der Antragspflicht auch Gebrauch zu machen, so das IWH. So mussten insbesondere Unternehmen dieser beiden Branchen im Oktober nach zwischenzeitlicher Rückkehr zur Antragspflicht überproportional oft zum Insolvenzgericht gehen. Das bedeutet aber auch, dass sich Insolvenzen in diesen Branchen durch die neuerliche Aussetzung der Antragspflicht wieder aufstauen könnten, so das IWH.

Also, die schöne rosige Welt mit den niedrigen Insolvenzzahlen liegt vor allem an den staatlichen Eingriffen, die natürlich inhaltlich nachvollziehbar sind. Man darf aber wohl kaum davon reden, dass die breite Masse der wackligen Betriebe ohne all die staatlichen Maßnahmen einfach so weiter leben könnte ohne Gang zum Insolvenzgericht.



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2 Kommentare

  1. Endlich haben wir eine Wirtschaftsordnung bei der ohne Umsatz und ohne Wertschöpfung die Firmen gut dastehen. EZB und ihr Perpetuum-Mobile-Finanzsystem (die Bürgen werden erst noch geboren) ist die genialste Erfindung der Menschheit. Deshalb ist der Supermario für die Regierung Italiens der einzig richtige.

  2. Hoffe es zieht bald jemand den Stecker vom System. Nach dem 75 Jahre Zyklus, der seit 1782 herum läuft ist ein Zusammenbruch wieder reif….bei dem der grosse Teil 90% seines Vermögens verlieren wird..

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