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Insolvenzen so gering wie 1999 nicht mehr – kommt jetzt die Trendwende?

Schild mit Aufschrift Insolvenz

Das Thema Insolvenzen hat uns die letzten Tage bereits beschäftigt. Während große Wirtschaftsauskunfteien einen immensen Rückstau sehen, der noch nachgeholt werden soll (siehe hier), sieht der weltgrößte Kreditversicherer Euler Hermes das Thema ziemlich entspannt (siehe hier). Auch in 2022 käme es laut Euler Hermes nur zu einem minimalen Anstieg der Insolvenzen in Deutschland, durch welchen man lediglich das Niveau des Jahres 2017 erreichen sollte.

Insolvenzen im Jahr 2020

Das Statistische Bundesamt hat heute offizielle Daten zu Insolvenzen in Deutschland für das Gesamtjahr 2020 und vorläufig für Februar 2021 veröffentlicht. Im Gesamtjahr 2020 haben die deutschen Amtsgerichte demnach 15.841 Insolvenzen bei Unternehmen gemeldet, 15,5 Prozent weniger als 2019. Die Zahl der beantragten Unternehmensinsolvenzen sank damit auf den niedrigsten Stand seit Einführung der Insolvenzordnung im Jahr 1999. Dieser Rückgang in 2020 ist laut den Statistikern maßgeblich durch die ausgesetzte Insolvenzantragspflicht in der Coronakrise beeinflusst worden.

Die durch die Coronakrise verursachte wirtschaftliche Not vieler Unternehmen spiegele sich somit nicht in einem Anstieg der gemeldeten Unternehmensinsolvenzen wider. Ein Grund dafür sei, dass die Insolvenzantragspflicht für überschuldete Unternehmen bis zum 31. Dezember 2020 ausgesetzt war. Die bereits seit Oktober 2020 wieder geltende Insolvenzantragspflicht für zahlungsunfähige Unternehmen machte sich im Jahresergebnis 2020 unter anderem aufgrund der Bearbeitungszeiten in den Gerichten nur leicht bemerkbar, so das Statistische Bundesamt.

Tendenzen

Bei der vorläufigen Zahl der eröffneten Regelinsolvenzen für den Monat Februar 2021 soll sich laut Aussage der Statistiker eine Trendwende andeuten. Nach einem kleinen Hin und Her in den vorigen Monaten stieg die Zahl der Insolvenzen im Februar wieder deutlich um 30 Prozent gegenüber Januar. Das sind aber immer noch 11 Prozent weniger als im Februar 2020. Der Chart reicht bis ins Jahr 2008 zurück. Man sieht nach der Linie (Aussetzung der Insolvenzantragspflicht) den deutlichen Rückgang der Insolvenzen, und ganz am Ende den Anstieg. Ist das nun wirklich die große Wende, beginnt die große Flut an Insolvenzen? Euler Hermes jedenfalls sieht da kaum eine Gefahr.

Grafik zeigt Verlauf der Insolvenzen seit dem Jahr 2008



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1 Kommentar

  1. „Die voraussichtlichen Forderungen der Gläubiger aus beantragten Unternehmens-insolvenzen beliefen sich im Jahr 2020 auf knapp 44,1 Milliarden Euro. 2019 hatten sie noch bei rund 26,8 Milliarden Euro gelegen. Dieser Anstieg der Forderungen trotz rückläufiger Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist darauf zurückzuführen, dass 2020 mehr wirtschaftlich bedeutende Unternehmen Insolvenz beantragt haben als 2019. “

    Daraus kann man aber auch lesen das ca 65% mehr (Summe) Insolvenzen angefallen sind.

    lg

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