Europa

Insolvenzen steil bergauf – jetzt 68 % über Durchschnitt

Aktuelle Daten zeigen einen weiteren Anstieg der Insolvenzen in Deutschland. 68 % liegt man jetzt über dem Vor-Corona-Durchschnitt.

Amtsgericht Hamburg. Foto: Claudio Kummerfeld

Die Zahl der Insolvenzen in Deutschland steigt weiter steil an. Dies bestätigen frisch gemeldete Daten vom IWH-Insolvenztrend, der verlässlich schneller meldet als die staatlichen Statistiker. Im Oktober lag die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften bei 1.553. Das sind 5 % mehr als im Vormonat, 2% mehr als im Oktober 2024 und 68% mehr als in einem durchschnittlichen Oktober der Jahre 2016 bis 2019, also vor der Corona-Pandemie.

Insolvenzen nehmen zu – Blick auf Details

Die Zahl der von Insolvenzen betroffenen Industrie-Arbeitsplätze lag im Oktober mit rund 3.700 erneut auf niedrigem Niveau und kaum höher als unmittelbar vor der Pandemie. Die meisten Jobs waren im Oktober – wie bereits im September – im Handel betroffen (3.900), wo mehrere größere Insolvenzen zu verzeichnen waren. In den Monaten vor Ausbruch der Corona-Pandemie waren monatlich weniger als 2 000 betroffene Jobs im Handel die Regel.

Das IWH erhebt Frühindikatoren, die dem Insolvenzgeschehen in der Regel zwei bis drei Monate vorauslaufen. Diese deuten auf eine deutliche Entspannung der Insolvenzen zum Jahresende hin. „Unsere Frühindikatoren lassen für November und Dezember ein spürbares Absinken der Insolvenzzahlen erwarten“, sagt Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung. Allerdings sei daraus kein dauerhafter Trend ableitbar. Für Januar erwartet Müller bereits wieder steigende Zahlen.

Kommentar

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FMW: Man muss bedenken: Viele der Stellenstreichungen, die man seit Monaten aus der Industrie hört, finden ja nicht auf einen Schlag statt. Oft ist es ein Personalabbau, der sich über einen längeren Zeitraum hinzieht, in vielen Fällen über mehrere Jahre. Auch lösen viele Arbeitgeber dieses „Problem“ über die Nicht-Neubesetzung von Stellen, bei denen die Arbeitnehmer in den Ruhestand gehen. Die Zahl der Insolvenzen in der Industrie könnte noch längere Zeit hoch bleiben oder weiter ansteigen, wenn angekündigte Entlassungen scheibchenweise umgesetzt werden in den nächsten Monaten.

Grafik zeigt die Entwicklung der Insolvenzen in Deutschland



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9 Kommentare

  1. Wenigstens etwas, was berauf geht und auch noch steil.
    Mal einfach die „Fieberkurve“ verkehrt herum aufhängen, dann kann man sehen wo es wirklich hingeht.
    Schönreden hilft da nicht mehr lange.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. Alles eine Frage des Betrachtungszeitraums.
      Es sind zwar mehr als der Durchschnitt 2016 bis 2019, aber um Lichtjahre weniger als der Durchschnitt von 2000 bis 2019.
      https://www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Unternehmen/_Grafik/_Interaktiv/insolvenzen-unternehmen-insgesamt.html

      Da stellt sich doch die Frage, warum genau dieser willkürliche 4-Jahreszeitraum herausgepickt wurde.
      Und warum aus dem IHW-Insolvenztrend nicht erwähnt wurde, dass die Ökonomen für das Jahresende einen spürbaren Rückgang erwarten.
      Das mutet alles äußerst selektiv und ideologie- bzw. interessengetrieben an.

      1. Corrigenda: Die spürbare Entspannung zum Jahresende hin wird im Artikel erwähnt. Bitte um Nachsicht, das habe ich übersehen.

  2. Also ich habe echte Schwierigkeiten mir die üblichen Nachrichten (finanzfremde) anzusehen. Was da täglich für Säue durch die Gassen getrieben werden, da geht es eigentlich seit gefühlten 10 Jahren nur darum, wer hat was gesagt und wie kann man nur…

    Dann wird darüber wochenlang berichtet, solange, bis der nächste was gesagt hat.

    Apropos sagen,… hört man den Wirtschaftspolitikern zu, bekomme ich den Eindruck, es liegt an den Arbeitern. Die sind zu faul, wollen in Rente, sind ständig krank, wollen auch noch Teilzeit…

    Sorry, die Arbeiter sind nicht das Problem, die haben ihren Job gemacht.

    Die Frage ist, wer hat seinen Job nicht gemacht. Und in Anbetracht der Diskrepanz zwischen Aussage/Berichtserstattung (Themenwahl) und dem was real geschieht, ist für mich klar, wer hier den Job nicht gemacht hat, der der den Elefant im Raum ignoriert.

    1. In guten Zeiten sollte man ein Polster ansparen um in schlechten Zeiten zu investieren. Stattdessen wird Steuergeld für ideologischen Unsinn verschwendet und zusätzlich Steuern erhoben. Dazu kommt noch die Aufwiegelung gegen Arbeitslose in den Medien und das Ergebnis wird sein das jene die noch einen gut bezahlten Job haben sich in den Burnout reinarbeiten und Mehrkosten bei den Krankenkassen generieren werden. Da muss ich ernsthaft aufpassen keine Kraftausdrücke zu diesem Zynismuszustand zu verwenden. Am liebsten mag ich Leute die von „harter Arbeit“ und der schweren Vergangenheit schwadronieren. Wer es hart haben will kann sich gerne nach Nordkorea schleichen. Da können sich diese frustrierten an „harter Arbeite“ ergötzen.

      Die Gründung von neuen Unternehmen wird zusätzlich erschwert, bzw. demotiviert. Da können sich einige Wähler gerne ihren Vorteil wählen der schlussendlich dazu führt das alle so ganz solidarische und sozial in die Tiefe gerissen werden.

      Der Film hierzulande ist mittlerweile so schräg, das man dafür ein neues Genre einführen sollte.

  3. Einfach schönreden, dann klappt es schon trotz Insolvenzen.
    Wenn nur 2 Mitarbeiter, von jeder in die Insolvenz gegangenen Firma, sich dann selbstständig machen, nehmen die Gewerbe-Anmeldung sogar noch zu.
    Das wird dann von den „Schönrednern“ als Erfolgt gefeiert.
    Obwohl sie ja von den Zahlen her sogar recht haben.
    Mich würden mal die Anzahl der Pleiten von Betriebe interessieren, in denen kein Kaufmann firmiert, sondern ein persönlich haftender Inhaber den Betrieb führt.
    Der mit seinem ganzen privaten Vermögen haften und den Absprung aus Deutschland nicht geschafft hat.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. @Helmut
      Niemand hier hat Gewerbe-Anmeldungen erwähnt. Weshalb fabulieren Sie nun grundlos davon im Zusammenhang mit Schönrednern?

      Die Gesamtanzahl von „Pleiten“, also von Unternehmensinsolvenzen, habe ich Ihnen weiter oben verlinkt. Dazu zählen laut DESTATIS alle rechtlichen Einheiten nach folgender Definition:
      „Rechtliche Einheiten sind juristische und natürliche Personen, die eine Wirtschaftstätigkeit selbstständig ausüben, wie beispielsweise Aktiengesellschaften, Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbHs), Offene Handelsgesellschaften, Gesellschaften bürgerlichen Rechts und Einzelunternehmen.“

      Dabei existiert keine skurrile Unterscheidung zwischen (eingetragenen) Kaufleuten und persönlich haftenden Inhabern.
      Beides sind Einzelunternehmer, lassen sich freiwillig oder aufgrund gesetzlicher Vorgaben in das Handelsregister eintragen und haften immer mit dem persönlichen Vermögen.
      https://www.lexware.de/wissen/unternehmerlexikon/eingetragener-kaufmann/
      https://www.juraforum.de/lexikon/einzelkaufmann

      Trotz weitreichender und detaillierter Erklärungen beharren Sie weiterhin auf Ihrer schrulligen und irrwitzigen Definition von Firma, Unternehmen und Betrieb. Erschwerend kommt hinzu: Sie wissen noch nicht einmal, dass eingetragene Kaufmänner, egal ob nun Männer oder Frauen, auch immer persönlich haftende Inhaber ihres Unternehmens sind, das zugleich auch mindestes ein Betrieb und natürlich in jedem Fall eine Firma ist.

      In meinem ganzen Leben habe ich bei einen einzelnen Menschen noch nie soviel gebündelte Ahnungslosigkeit und Inkompetenz bei gleichzeitiger Überheblichkeit und Penetranz erlebt, wie bei Ihnen.

      1. Jonas Tobsch

        Ich habe nicht geschrieben, dass jemand die Gewerbe-Anmeldung erwähnt hat.
        Ich habe darauf hingewiesen, dass Insolvenzen nicht alles sind.
        Eine Firma geht in die Insolvenzen und die Geschäftsleitung kann an anderer Stelle wieder einsteigen.
        Der persönlich haftende Betriebsinhaber hat die Schulden am Bein, und verliert oft das, wofür er die letzten 20 oder 30 Jahre gearbeitet hat.
        Und das dann, weil die Wirtschaft in Deutschland absichtlich gegen die Wand gefahren wird.
        Im Regierunsfersehen wird dann berichtet, dass die Gewerbe-Anmeldungen in Deutschland höher sind, als die Pleiten.

        Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  4. Dann mal weiter so.
    Welcher Ladenbesitzer wird noch in Deutschland investieren?

    Alarm in der Innenstadt: Messer, Drogen, Überfälle – TE Wecker am 13 11 2025
    https://www.youtube.com/watch?v=Mws34sb15Oc

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

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