Europa

Insolvenzen weiter im Anstieg – 51 % über Vor-Corona-Durchschnitt

Die Zahl der Insolvenzen steigt im August im Jahresvergleich um 11 % und im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten um 51 %.

Amtsgericht Hamburg
Amtsgericht Hamburg. Foto: Claudio Kummerfeld

Die Zahl der Insolvenzen in Deutschland steigt weiter an! Im August waren es 1.409 Fälle bei Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland. Das sind zwar 11 % weniger als im Vormonat, aber 11 % mehr als im August 2024 und 51 % mehr als in einem durchschnittlichen August der Jahre 2016 bis 2019, also vor der Corona-Pandemie. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen hatte im Juli Rekordwerte erreicht, was aber zum Teil auf Saisoneffekte zurückzuführen war. Diese Zahlen und Aussagen sehen wir heute vom verlässlichen IWH-Insolvenztrend, der Daten schneller liefert als die staatlichen Statistiker. Die Zahl der von Insolvenzen betroffenen Beschäftigten liegt 56 % über dem August-Durchschnitt der Vor-Corona-Jahre 2016 bis 2019.

Grafik zeigt langfristige Entwicklung der Insolvenzen in Deutschland

Insolvenzen: Doch keine „akute Deindustrialisierung“?

Alles halb so schlimm? Lässt die Zahl der Insolvenzen nach, und eine Deindustrialisierung findet doch nicht statt? Hier erstmal weitere Aussagen von den Forschern des IWH: „Die Zahl der (von Insolvenzen) betroffenen Industriejobs lag im August mit rund 3.700 erneut auf niedrigem Niveau und kaum höher als unmittelbar vor der Pandemie. Zum Vergleich: Zwischen September 2024 und Februar 2025 verzeichnete das IWH noch durchschnittlich etwa 7.300 betroffene Industriejobs pro Monat – also rund doppelt so viele. Die aktuellen Insolvenzzahlen bestätigen die Sorgen vor einer akuten De-industrialisierung nicht“, so sagt es heute Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung.

Geht man nach seinen Aussagen, dann ist ja alles halb so schlimm? Dazu meine Meinung als Nicht-Wirtschaftsforscher: Die Zahl der Insolvenzen befinden sich auf einem extrem hohen Niveau. Wenn sie im letzten Monat mal etwas weniger hoch ausfallen als im Monat zuvor, ist das noch lange keine Entwarnung. Entscheidend sind ja wohl eher die Jahresvergleiche, wo man einen weiteren Anstieg der Insolvenzen von 11 % sieht. Und wie gesagt, schockierend sind die +56 % im Vergleich zur Zeit vor der Coronakrise, was einen wirklich harten Faktor darstellt!

Und noch was aus meiner Sicht als Ökonomie-Laie: Zu sagen, die Sorgen um eine akute Deindustrialisierung sehe man nicht, weil jetzt 3.700 Industriejobs betroffen sind gegenüber 7.300 pro Monat zwischen zwischen September 2024 und Februar 2025 – merkwürdig! Denn wer sich seit mehreren Quartalen fast schon wöchentlich die Schließungen von Industriebetrieben anschaut, kann die Deindustrialisierung nicht übersehen. Der Abbau von Industriejobs muss innerhalb einer Phase der Deindustrialisierung nicht stromlinienförmig verlaufen. Es hängt auch immer davon ab, wie viele große oder mittelgroße Betriebe gerade dicht machen, und in welchen Zeitraum die Arbeitslosenmeldungen fallen. Entscheidender sind doch eher die großen Trends. Hört man jetzt von der Schließung oder Verlagerung einer Produktion, kann es Quartale oder Jahre dauern, bis es in die reale Umsetzung geht. Was wir zuletzt in harten Zahlen sahen, ist der Abbau der Industrie mit minus 146.000 Jobs binnen zwölf Monaten.



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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20 Kommentare

  1. Moin, moin,

    was an der Tatsache der steigenden Insolvenzen verwunderlich ist, ist der Umstand, dass die offiziellen „Qualitätsmedien“ diese Vorgänge nur am Rande erwähnen. Wozu auch? Bringt nur Ärger mit Otto Normalverbraucher.

    Es lässt sich aber auch positiv sehen. Wenn alle Unternehmen der Industrie dicht gemacht haben, dann kann es auch keinen weiteren Anstieg der Insolvenzquote geben.

    Fazit: Es geht m.E. um jeden Arbeitsplatz, gerade in der Industrie.

  2. Bundeskanzler Friedrich Merz führte kürzlich zurückliegend eine Wirtschaftskonferenz im Bundeskanzleramt durch. Aktuell stehen eine Automobilkonferenz incl. Zulieferer und eine Stahlkonferenz auf der Agenda des Kanzlers. Alles Fototermine.

  3. Jahrelang hat man gewarnt, dass wir uns jedes Jahr zwischen 0,5 und 1% an Zombieunternehmen “ansparen”. Hintergrund war die Niedrig- bzw. Nullzinsphase. Schauen Sie mal bei Werner Sinn usw nach. Da wurde immer gewarnt, dass die Unternehmen bei steigenden Zinsen sterben werden.
    Jetzt kommt noch schlechtes Management und Demografie oben drauf.

  4. In der Regel spricht man von einer Rezession, wenn die Wirtschaftsleistung eines Landes (gemessen am Bruttoinlandsprodukt, BIP) in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen rückläufig ist.
    In Deutschland ist die Wirtschaftseistung nun 12 Quartale rückläufig, wenn auch 2025 mit Null abgeschlossen wird.
    Aber- alles kann natürlich schöngeredet werden.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. @Helmut
      „In der Regel spricht man von einer Rezession, wenn die Wirtschaftsleistung eines Landes (gemessen am Bruttoinlandsprodukt, BIP) in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen rückläufig ist.
      In Deutschland ist die Wirtschaftseistung nun 12 Quartale rückläufig.“

      Für Ihre Verhältnisse war das schon fast ein Volltreffer 🤣
      Bezogen auf den ersten Satz funktioniert das leider gar nicht. Kalenderbereinigt waren die beiden letzten Quartale positiv. Saison- und kalenderbereinigt war nur eines der letzten vier Quartale negativ.

      Siehe die letzten beiden Spalten:
      https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Volkswirtschaftliche-Gesamtrechnungen-Inlandsprodukt/Tabellen/bruttoinlandsprodukt-viertel-jahr-bip.html

      Immerhin 7 von 12 Faktenpunkten = 58%
      Im Umkehrschluss: Nur noch 5 von 12 Schwurbelpunkten.

      Wenn Sie nun noch anfangen, diese beeindruckenden Wahrscheinlichkeitswerte auf den Kohlenstoffkreislauf zu übertragen, sehe ich sogar bei Ihnen helles Licht am Ende des Tunnels 👍

      1. Jonas Tobsch
        Wahrscheinlich genauso gefälscht wie bei Habeck.

        Viele Grüße aus Andalusien Helmut

        1. „Wahrscheinlich genauso gefälscht wie bei Habeck.“

          Helmut, Fakten würden helfen, Mutmassungen werden von Schwurblern verwendet.

        2. @Helmut
          Das ist mal wieder ein Frerick’scher Klassiker.
          Selbst Unwahrheiten ohne Belege verbreiten.
          Dabei anderen eine Fälschung unterstellen
          Gleich auch noch Herrn Habeck ins Ränkespiel mit einweben (der scheint bei Ihnen ein lebenslanges Trauma ausgelöst zu haben).
          Andererseits den russischen Wirtschaftszahlen bedingungslos vertrauen, denn die können unmöglich Propaganda sein.

    2. Abwarten, ich sehe auch für 2025 keine Null, sondern eine Rezession. Man wird auch diesmal, wie in den vergangenen Quartalen, von den sogenannten Wirtschaftsexperten wieder hören, dass man die Wachstumserwartungen leider revidieren muss. Merzens Regierung hat bisher auf ganzer Linie enttäuscht (was ich vorher schon geahnt hatte), sämtliche Hoffnungen der Leute auf Besserung sind schon wieder völlig verflogen und die Stimmung ist noch weiter unten, als bei der Ampel. Da wird es mit Sicherheit kein Wachstum geben, weil die Leute ihr Geld zusammenhalten und Investitionen scheuen, wie der Teufel das Weihwasser. Und von der Regierung wird es auch kaum zusätzliche Investitionen geben, wie wir nun erfahren durften und worauf die ganzen Wachstumshoffnungen gebaut waren. Die Investition, die vorher über den regulären Haushalt getätigt wurden, werden jetzt über die Sonderschulden finanziert, das schafft im regulären Haushalt Platz, damit der fette Sozialstaat weiter am Leben gehalten werden und weiter staatliche Knete an NGO’S und das Ausland verschenkt werden kann. In Deutschlands Zukunft wird nicht ein müder Euro mehr investiert, als vorher. Daher wird es auch kein Wirtschaftswachstum geben. Das einzige, was in diesem Land noch wächst, sind die Kriminalität, die Schulden und der Migrantenanteil. Inwiefern das Land davon profitieren wird, wird sich zeigen.

  5. Ja @ Hotzenplotz

    Es wird sich alles so lange schönherechnet, bis die Realität bis zur absoluten Lachnummer verbogen ist.
    Und das in jeden Bereich.
    Egal ob das Rentensystem, Corona-Hysterie, Klima-Hysterie, Deindustrialisierung, Entdemokratisierung,
    Russen- Phobie, Schuldenorgien, Eurotettungen, Männer werden zu Frauen und umgekehrt, die stärkste Opositionspartei soll verboten werden, millonen von Facharbeiteraus fernen Ländern sollten das Rentensystem retten und beziehen nun Bürgergeld. usw. , usw.
    Nur- die Rechnung die kommt, die wird bezahlt werden müssen, die lässt sich nicht schönreden.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  6. „Es wird sich alles so lange schönherechnet,…“

    Wer ist „Es“?

  7. Schönreden nutzt nichts.
    Die Realität ist nicht wegzureden

    Entgegen allen Prognosen – Industrieaufträge zum dritten Mal in Folge im Minus

    https://blackout-news.de/aktuelles/entgegen-allen-prognosen-industrieauftraege-zum-dritten-mal-in-folge-im-minus/

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. „Schönreden nutzt nichts.“

      @Helmut, schlechtreden nutzt noch viel weniger.

      1. Depressive Menschen reden beständig alles schlecht, sie sehen nur schwarz.
        Die Depression ist eine ernstzunehmende, behandlungsbedürftige Krankheit.

        1. Negative Wahnvorstellungen gehören ebenfalls zum Krankheitsbild der Depression.

  8. Vermutungsmut
    Es
    Pronomen
    wird eingesetzt für ein sachiches Pronomen

    Beispiel:
    Der Wind weht
    Es weht der Wind.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. Heissluftfönmut-Fan

      @Helmut, war mir schon klar, dass du wie immer nur heisse Luft verbläst. Aber gut, dass du es hiermit zugibst. Die Hoffnung stirbt zuletzt…

    2. Hallo @Helmut,

      „Es wird sich alles so lange schönherechnet, bis…“

      Die holprige und hilflose Ausdrucksweise durch das Es-Pronomen in subjektlosen Passivsätzen ist vor allem bei Verschwörungstheoretikern wie Ihnen sehr beliebt.
      Dadurch bleiben nämlich Subjekt und Objekt immer unbestimmt. Sie müssen also nicht konkret werden, wer genau was eigentlich schönrechnet.
      Das wiederum beinhaltet den vermeintlich großen Vorteil, dass Sie auch nichts belegen und beweisen müssen. Gleichzeitig halten Sie sich mit solch schlüpfrigen Unverbindlichkeiten immer ein paar Hintertürchen offen.

      Unabhängig davon wird „schönrechnen“ in Verbindung mit „sich“ zu einem falschen reflexiven Verb ohne direktes Akkusativobjekt und damit leider nicht länger passivfähig.
      Die Art, wie Sie Ihren Satz formuliert haben, ergibt grammatikalisch keinen Sinn und ist auch inhaltlich „wie Flasche leer“ 😉
      Im besten Fall ist dieser Satz grenzwertiges Biertisch-Deutsch.

      1. Michael
        „Es“ gibt immer Leute, die das nicht verstehen.

        1. Hallo @Helmut,

          da liegen Sie richtig. Ich hoffe, Sie nehmen sich Ihre sprachlichen und inhaltlichen Defizite nicht allzu sehr zu Herzen 😉

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