Europa

Aktuelle Daten vom IWH Insolvenztrend Insolvenzen weiter im Auftrieb – viele Jobs gehen verloren

Die Zahl der Insolvenzen nimmt weiter zu. Auffällig viele Krankenhäuser sind darunter. Jetzt zieht auch die Zahl betroffener Jobs an.

Amtsgericht Hamburg. Foto: Claudio Kummerfeld

Die Insolvenzen in Deutschland sind weiter dabei anzusteigen. Und noch schlimmer: Jetzt steigt auch die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze deutlich an! Die Zahl der Firmenpleiten lag im Februar bei 1.466. Das sind 5 % mehr als im Januar 2026 und 2 % mehr als im Februar 2025, wo das Niveau bereits extrem hoch war. Am wichtigsten ist der Blick auf das größere Bild, über die Corona-Pandemie hinaus: Im Vergleich der durchschnittlichen Februar-Zahlen der Jahre 2016 bis 2019 liegt der aktuelle Februar-Wert dramatische 58 % höher! So zeigen es heute gemeldete Daten durch den privat ermittelten IWH-Insolvenztrend, der die Entwicklung bei den Insolvenzen zuverlässig früher anzeigt als die staatlichen Statistiken.


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Insolvenzen: Viele betroffene Arbeitsplätze

Laut der aktuellen Mittelung waren im Februar in den größten 10 % der insolventen Unternehmen mehr als 23.000 Arbeitsplätze betroffen. Damit liegt die Zahl der betroffenen Beschäftigten deutlich über der im Januar (+38 %) und im Vorjahresmonat (+22 %), und sogar etwa beim Vierfachen des Februar-Durchschnitts der Vor-Corona-Jahre 2016 bis 2019.

Wie das IWH heute auch aufzeigt, waren im Februar auffällig viele Krankenhäuser, Kliniken und andere Gesundheitsdienstleister unter den größten Insolvenzen – so zum Beispiel das große Klinikum Friedrichshafen mit mehr als 1.500 Mitarbeitern. Das IWH erhebt Frühindikatoren, die dem Insolvenzgeschehen in der Regel zwei bis drei Monate vorauslaufen. Nach niedrigen Werten im Januar stiegen die Frühindikatoren im Februar außergewöhnlich stark an und erreichten den zweithöchsten Wert seit dem Beginn der Erhebung im Jahr 2020. Steffen Müller, Leiter der IWH-Insolvenzforschung, geht auf Basis dieser Zahlen davon aus, „dass im März weiterhin hohe Insolvenzzahlen zu erwarten sind. Im April und Mai ist ein weiterer Anstieg der Zahlen wahrscheinlich.“

Viele Jobs gehen derzeit bei Insolvenzen verloren

Kommentar


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In den letzten Monaten hatten wir bei FMW es immer wieder erwähnt: Viele Arbeitgeber in Deutschland entlassen nicht wie in anderen Ländern von Jetzt auf Gleich tausende Mitarbeiter. Nein, man streckt die Entlassungen oft über mehrere Jahre. Und man lässt ältere Arbeitnehmer in den Ruhestand gehen und besetzt ihre Stellen nicht neu, was optisch zu weniger Entlassungen führt, aber den Personalbestand senkt. Es gibt viele Maßnahmen zur sozialen Abmilderung von Entlassungen. Das macht die strukturelle Krise aber nicht besser. Sie ist dadurch lediglich optisch weniger sichtbar. Die Arbeitslosigkeit steigt langsamer, wenn Entlassungen über einen längeren Zeitraum gestreckt werden. Von daher könnte es sein, dass Deutschland trotz Konjunktur-Impuls für Rüstung und Bau durch Sondervermögen und Aufrüstung über Monate und Quartale hinweg Arbeitsplatzverluste erlebt – eben weil in den letzten Quartalen angekündigte Entlassungen zeitlich gestreckt werden.



Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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5 Kommentare

  1. Das ist Deindustrialisierung und der Weg ins Tal.
    Seit 2017 läuft das so, wurde durch Rot/ Grün beschleunigt und wird von Schwarz/ Rot nochmals mit einem Turbo versehen.
    Genauer gesagt unter Rot/ Grün vor etwa 25 Jahren.
    Mal sehen wann der Aufschlag kommt.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  2. MdB Prof. Karl Lauterbach schaffte als Bundesgesundheitsminister die Fallpauschalen ab, welche Rahmenbedingungen schafften, daß Patienten weder zu früh aus dem Krankenhaus entlassen werden, noch übermäßig lange im Krankenhaus liegen.

  3. …das sind aber mal positive Entwicklungen…bei unserem Fachkräftemangel werden durch Insolvenzen wieder Fachleute freigesetzt, die dann gut Anschluss finden in den erfolgreichen Unternehmen…im übrigen…Überschrift und Fazit passen nicht so richtig zusammen…i der Überschrift geht es um Insolvenzen…im Fazit um Entlassungen bei weiter bestehenden Firmen…

  4. Ranzentier
    In der Tat.
    Die Deindustrialisierung läuft optimal.

    …Die deutsche Industrie ist schwach ins Jahr gestartet: Die Aufträge sanken im Januar um 11,1 Prozent – deutlich stärker als erwartet…

    https://www.tagesschau.de/wirtschaft/konjunktur/deutschland-industrie-auftraege-einbruch-100.html

    …Mehr als 120.000 Jobs in der Industrie verloren…

    https://www.tagesschau.de/wirtschaft/industrie-baut-2025-mehr-als-120000-stellen-ab-100.html

    …Minus 19 Prozent offene Stellen, Unternehmen im Rückwärtsgang, Ausbildung auf Talfahrt. Der deutsche Arbeitsmarkt steht nicht vor einer Delle – sondern vor einer nüchternen Bestandsaufnahme. Wer noch vom Fachkräftemangel spricht, hat die Zahlen nicht gelesen…

    https://www.tagesschau.de/wirtschaft/industrie-baut-2025-mehr-als-120000-stellen-ab-100.html

    Mal weiter so.
    Den Städten bricht nicht nur die Gewerbesteuer für 2026 weg, sondern auch für die kommenden Jahre, und Rückzahlungen aus 2025 werden fällig.

    …Der Einbruch bei den Gewerbesteuern trifft viele Kommunen in Baden-Württemberg hart. Rückerstattungen stoppen Einstellungen und Investitionen. Wie die Menschen das spüren werden…

    https://www.tagesschau.de/inland/regional/badenwuerttemberg/swr-gewerbesteuer-rueckerstattungen-woran-buerger-in-baden-wuerttemberg-die-folgen-spueren-100.html

    Die Träumer glauben aber immer noch, dass die Städte weiter Millionen von Menschen alimentieren können, wenn die Industrie wegbricht.

    Das wird ein böses Erwachen geben.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

  5. Sonderumsätze mit Sondervermögen

    Die deutsche Industrie sieht in der Realität noch schlechter aus als die Zahlen zeigen. Denn die Umsätze der boomenden Rüstungsindustrie schönen das Bild , aber die Lieferungen an die Ukraine müssen wohl selber bezahlt, d.h.verschenkt werden.Generell sind Rüstungsinvestitionen keine produktiven Investitionen.

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