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Internationale Energie-Agentur: Iran-Sanktionen sind kein Problem

Die Internationale Energie-Agentur (IEA) hat heute ihren Monatsbericht für Mai vorgestellt. Die wichtigste Botschaft der IEA, die zur OECD gehört, lautet: Der globale Ölmarkt kann einen massiven Rückgang der iranischen Öl-Lieferungen wohl locker verkraften! Denn der steht bald an, wenn in spätestens 180 Tagen Übergangsfristen der USA ablaufen – denn man war ja vor Kurzem aus dem Atomabkommen mit dem Iran ausgetreten, und will den Iran mit voller Wucht vom internationalen Ölhandel, vom Dollar-System und allem anderen abklemmen.

Dann dürfte es dem Iran sehr schwer fallen in vollem Umfang Öl zu exportieren wie bisher. Die Möglichkeit ist durchaus gegeben, dass vor allem China auf die US-Sanktionen pfeift und dem Iran das Öl abkauft. Aber selbst wenn das nicht passiert, sieht die IEA kein großes Problem. Man schreibt zwar, dass man noch untersuchen müsse, wie sich die neuen Sanktionen letztlich auswirken. Es geben da zwei Probleme für die Angeobtsseite, Venezuela und den Iran.

In Venezuela brechen die Fördermengen immer weiter weg. Das betont heute auch die IEA. Dort liege man inzwischen 550.000 Barrels pro Tag unter seiner Kürzungszusage. Das entziehe dem Markt schon mal einiges an Angebotsmenge. Dazu komme bald noch die schrumpfende Angebotsmenge des Iran. Das sei eine Herausforderung für die anderen Produzenten, die diese Lücke füllen müssten.

Hier sieht die IEA aber, dass die seit Anfang 2017 von der OPEC gekürzten 1,5 Millionen Barrels pro Tag zügig wieder hochgefahren werden können, weil sie als Förderkapazität ja zur Verfügung stünden. Besonders die jüngste Aussage aus Saudi-Arabien, dass man bereit sei die Lücke zu schließen, mache Hoffnung. Laut IEA könnten alleine Russland, die VAE, Kuwait und Saudi-Arabien mit einer Fördermengenausweitung die Rückgänge des Irans kompensieren.

Auch die USA würden mit ihrer stetig steigenden Fördermenge dazu beitragen mögliche Angebotseinbrüche des Iran auszugleichen. Welch Ironie – man könnte fast meinen, dass die Amerikaner die Iraner vom globalen Ölmarkt verjagen wollen, um dort ihr eigenes Öl besser vermarkten zu können? Laut IEA waren bei den früheren Sanktionen der internationalen Staatengemeinschaft gegen den Iran 1,2 Millionen Barrels tägliche Ölförderung ausgefallen. Die vorher genannten Staaten könnten relativ problemlos eine freie Kapazität von 1,3 Millionen Barrels pro Tag nutzen um diese Lücke auszugleichen – wenn es denn zu so einem Umfang bei den iranischen Export-Ausfällen kommt!

Auch ist die IEA der Meinung, dass die globale Ölnachfrage sich abschwächen werde, weil die Preise für Öl ja zuletzt so stark gestiegen sind. Auch habe die OPEC ihr Hauptziel erreicht, nämlich die Reduzierung der Öl-Lagerbestände im Fünfjahresdurchschnitt. Also, was ist das Fazit, wenn man der IEA glauben will? Die bevorstehenden Exportrückgänge des Iran können vom Markt kompensiert werden, und das relativ entspannt. Also gibt es folglich auch keinen weiteren Preisanstieg am Ölmarkt? Da ist das letzte Wort nach unserer Meinung noch nicht gesprochen. Der Ölmarkt ist und bleibt unberechenbar – mal sehen, was nach Ablauf der 180-Tage-Frist passiert.

Internationale Energie-Agentur
Beispielbild einer Ölpumpe.



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2 Kommentare

  1. Wie lautet das Zauberwort:Peak Oil!Wann kommt es wieder aus der energiepolitischen Mottenkiste?Und wenn,qui bono!

  2. Mal eine Frage:
    Was wäre, wenn der Iran sagen würde, wir verkaufen unser Öl nur noch für Euros?
    Zum einen, wäre das möglich und würden die Handelspartner dann auch gegen amerikanische Sanktionen verstoßen?

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