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Interview mit Bestseller-Autor Marc Friedrich

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Friedrich

Marc Friedrich (links) und Matthias Weik

Mit ihrem Buch „Der größte Raubzug der Geschichte. Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“ landeten Marc Friedrich und Matthias Weik einen absoluten Überraschungserfolg. Das Buch war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2013 und landete monatelang auf den Bestsellerlisten bei Spiegel und Manager Magazin. Am 16.Mai erscheint ihr neues Buch mit dem Titel „Der Crash ist die Lösung. Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten“.

Markus Fugmann: Herr Friedrich, Sie malen in Ihrem ersten Buch „Der größte Raubzug der Geschichte“ ein düsteres Bild der Wirtschaft. Derzeit aber handeln die Aktienmärkte in der Nähe ihrer Allzeithochs – haben die Finanzmärkte nicht verstanden, worum es geht, oder liegt der Irrtum auf Ihrer Seite und die Märkte verhalten sich völlig rational?

Marc Friedrich: Seit 2009 haben die Aktienmärkte sich erholt und teilweise verdoppelt. Wurden denn tatsächlich die Probleme von damals nachhaltig gelöst? Nein, sie wurden lediglich mit gigantischen Unsummen an Geld in die Zukunft verschoben.
Dass es an den Aktienmärkten nicht mehr mit rechten Dingen zugeht, kann keiner wirklich mehr leugnen. Ohne die massiven Eingriffe der Notenbanken und die historisch niedrigen Zinsen wären die Aktienmärkte nicht da, wo sie momentan sind. Weltweit versuchen die Notenbanken mit historisch niedrigen Zinsen und billigem Geld der Krise entgegenzusteuern, die ja erst durch niedrige Zinsen und billiges Geld entstanden ist. Völlig absurd!
Die Fed hat seit 2008 an 85 Prozent aller Tage an den Finanzmärkten interveniert. Das einzige, was die Märkte peu a peu nach oben bugsiert, sind die Milliarden an Dollar und Euro von den Notenbanken. Selbstverständlich kann der Dax auch noch auf 15000 oder 50000 Punkte gehievt werden – aber stets verbunden mit enormen Kollateralschäden. Seit Jahren erleben wir, daß eine Blase durch eine neue und noch größere Blase abgelöst werden muss – und diese Blasen entstehen durch eine fatale und falsche Notenbankpolitik. Wir hatten die Technologieblase, gefolgt von einer Immobilienblase, die abgelöst wurde von einer Aktienblase….
Noch nie war mehr Geld im System wie momentan. Wir erleben gerade eine Aktienboom mit absoluter Crashgarantie! Dagegen wird der Flash Crash aussehen wie ein Kindergeburtstag.

Markus Fugmann: Was aber wird dann der Auslöser für den Crash sein? Vielleicht China, dessen Unternehmen extrem kreditgehebelt sind? Derzeit gibt es die ersten Pleiten von Unternehmensanleihen. Der Glaube an ewiges Wachstum im Reich der Mitte, der zentrale Hoffnungsmythos der westlichen Welt, hat uns vermutlich vor einem völligen Zusammenbruch in der Finanzkrise 2008 gerettet..

Marc Friedrich: Das kann alles Mögliche sein. Es sind etliche Variablen im System, die das System zum kippen bringen können. Angefangen bei der katastrophalen Kamikazepolitik Japans mit seiner horrenden Verschuldung, das extrem aufgeblähte Schattenbankensystem in China, ein Krieg im Mittleren Osten, der Ukraine-Konflikt im Osten, ein Bürgerkrieg in Südeuropa, eine erfolgreiche Separationsbewegung, der Dollar- oder Eurocrash, der Staatsbankrott von Griechenland, Italien oder Spanien, die Staatsanleihen-Blase, die platzt etc. pp. Sie dürfen sich eine aussuchen. Fakt ist: Es ist nicht die Frage, ob der Crash kommt, sondern lediglich wann.

Markus Fugmann: Ihr neues Buch, das am 16.Mai erscheinen wird, hat den erstaunlichen Titel „Der Crash ist die Lösung“. Inwiefern kann ein Crash die Lösung sein? Und vor allem: wie sieht die Welt nach diesem Crash aus? Gibt es Chaos, Anarchie? Oder kommt dann schnell eine neue Ordnung, die gerechter ist als das im derzeitigen Kapitalismus geltende Prinzip „Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren“?

Marc Friedrich: Vorab: Im Gegensatz zu Banken und Analysten können Herr Weik und ich nicht in die Zukunft schauen. Wir wissen nicht, wann der Crash kommt, sondern lediglich dass er kommen wird – und die Ausmaße sind nicht abzusehen. Allerdings aufgrund der unerhörten Summen, die im System stecken, dürfte der Knall schon gewaltig sein und alles zuvor da gewesene in den Schatten stellen. Momentan wird von der Politik Hand in Hand mit der Finanzbranche enorm erfolgreich volkswirtschaftliche Schadensmaximierung auf Kosten der Allgemeinheit betrieben. Die Probleme wurden nicht im Ansatz gelöst, sondern lediglich mit Milliarden und Billionen an Steuergeldern in die Zukunft verschoben. Zudem wird mit einer fatalen Politik ein brandgefährlicher Nährboden für Extremisten, Separatisten, menschliche Rattenfänger und bürgerkriegsähnliche Zustände gelegt. Um das politisch motivierte Währungsexperiment „Euro“ zu retten, wird eine ganze Generation im Süden Europas geopfert. Man kann sich nicht genug empören.
Warum der Crash die Lösung ist? Seit der Finanzkrise 2008 haben wir Unglaubliches erlebt. Es wurden Banken verstaatlicht, geltende Gesetze von oberster Stelle gebrochen – um ein Finanzsystem am Leben zu erhalten, das eigentlich schon nachweislich gescheitert ist. Da wir Menschen leider sehr selten aus der Vergangenheit lernen bzw. zu schnell vergessen, wird erst ein katastrophales Ereignis den notwendigen Wandel erzwingen. So wie die Energiewende, unabhängig davon ob sie richtig war, von heute auf morgen möglich war weil in Japan der Atomreaktor Fukushima außer Kontrolle geriet. Da weder die Politik noch die Banken etwas aus der Krise gelernt und eine Lösung zum Besseren freiwillig herbeigeführt haben, sondern ganz im Gegenteil noch größer und noch „systemrelevanter“ geworden sind, wird erst der Crash die Lösung sein. Verbunden mit all den Kollateralschäden die sich seit 2008 aufgetürmt haben.

Markus Fugmann: Wenn der Crash kommt – was kann man im Vorfeld tun, um sich gegen die Folge zu schützen? In Ihrem ersten Buch benennen Sie Gold und Silber als wertbeständig. Aber wenn ein Schock kommt, ist der mit hoher Wahrscheinlichkeit deflationär, das heißt alle horten Cash und investieren nicht mehr. Unter normalen Umständen fällt dann der Preis für Gold und Silber. Oder gibt es andere Strategien, die Sie in Ihrem neuen Buch empfehlen?

Marc Friedrich: Da man den genauen Verlauf und Auswirkungen des Crashs nicht vorhersehen kann, bleibt einem nichts anderes übrig als sich so gut wie möglich abzusichern und vorzubereiten. Vorsorge ist immer besser als Nachsorge! Einen Teil jetzt schon physisch in Edelmetalle zu besitzen ist essentiell. Dies sollte auch als eine Art von Versicherung angesehen werden. Wir gehen auch von einem deflationären Schock aus, bei dem alle Vermögenswerte sich verbilligen. Dann ist Bargeld gefragt. Wir empfehlen Investments immer in mehreren Tranchen zu tätigen. Des Weiteren plädieren wir für die Säulenstrategie. Um so mehr Vermögensstandbeine man hat, um so stabiler steht man – auch wenn einige Standbeine wegbrechen. Jetzt ist noch Zeit sein Vermögen krisensicher zu machen. Wir raten ganz klar: Raus aus Papierwerten, die haben in der Vergangenheit immer schlecht abgeschnitten und massiv an Wert verloren und rein in Sachwerte.

„Der Crash ist die Lösung“ ist ab dem 16.Mai 2014 erhältlich.
http://www.luebbe.de/Eichborn/Details/Id/978-3-8479-0554-7

„DER GRÖSSTE RAUBZUG DER GESCHICHTE“ –
20 Monate auf der manager magazin Bestsellerliste – davon 6 Monate auf Platz 1.

82 Wochen auf der Spiegel Bestsellerliste – davon 11 Wochen auf Platz 2.

Erfolgreichstes Wirtschaftsbuch 2013
Platz 3 auf der Spiegel Jahresbestsellerliste Sachbuch 2013 – als einziges Finanzbuch!
Platz 10 auf der Spiegel Jahresbestsellerliste Sachbuch 2012 – als einziges Finanzbuch!

18 Kommentare

18 Comments

  1. Avatar

    Jörg Bartram

    2. Mai 2014 14:35 at 14:35

    Hallo Forum,

    den Zusammenhang aus dem Interview verstehe ich nicht: Bargeld oder Sachwerte; was denn nun ? Kann mir das jemand erklären ?

    „Wir gehen auch von einem deflationären Schock aus, bei dem alle Vermögenswerte sich verbilligen. Dann ist Bargeld gefragt. … Des Weiteren plädieren wir für die Säulenstrategie. … Wir raten ganz klar: Raus aus Papierwerten, die haben in der Vergangenheit immer schlecht abgeschnitten und massiv an Wert verloren und rein in Sachwerte.“

    • Avatar

      Stefan Hoffmann

      2. Mai 2014 19:27 at 19:27

      Hallo Jörg Bartram!

      Es ist zwar etwas unglücklich ausgedrückt in dem Interview, aber es geht hier um Bargeldbestände für ca. 2-3 Monate. Die Höhe richtet sich individuell nach den jeweiligen Ausgaben für diesen Zeitraum.
      Deflationärer Schock heißt ja nichts anderes, als ein eher kurzfristiger Schockzustand, welcher sich dann alsbald auch wieder legen dürfte. Danach kommt es dann zur Inflation bzw. Hyperinflation, deswegen sollte die stärkste Säule auch die der Sachwerte sein.
      Dementsprechend also Gold, Silber, Brennstoffe oder auch Zigaretten; klingt zwar komisch mit den Zigaretten, war aber in Deutschland nach dem Krieg für über drei Jahre eine Art „Währung“.
      Außerdem heißt es ja „Wir gehen auch von einem deflationären Schock aus,…“, das ist natürlich keine verbindliche Aussage und muß mit Vorsicht gesehen werden.
      Entscheidend ist der letzte Satz: Raus aus Papierwerten, …und rein in Sachwerte.“

  2. Avatar

    Timo

    3. Mai 2014 03:57 at 03:57

    Pointiert, intelligent, ehrlich.

    Bitte mehr davon!

  3. Avatar

    Justus77

    3. Mai 2014 06:28 at 06:28

    Klasse Interview!

    Krass das ich den Mann und sein Buch noch nicht kannte. Aber jetzt.
    Werde mir beide Bücher zulegen

  4. Avatar

    Michael E.

    3. Mai 2014 09:54 at 09:54

    Danke für das sehr lesenswerte Interview. Der Mann macht Hoffnung, daß da draußen doch noch Ökonomen mit Verstand und Zugang zur Realität unterwegs sind.
    Seiner Analyse bzgl. daß erst ein Crash die Lösung herbeiführen wird stimme ich mittlerweile überein. Auf das Buch bin ich sehr gespannt.

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    Jörg Bartram

    3. Mai 2014 13:46 at 13:46

    Danke Herr Hoffmann, für die Erläuterung.
    Ich persönlich habe in der Vergangenheit immer die Strategie meines Nachbarn in Zweifel gezogen, der, z.T. auch kreditfinanziert, in Immobilien investiert. Ich hatte dafür lange kein Verständnis bin jetzt aber der Meinung, mein Barvermögen ebenso in eine Eigentumswohnung, oder ein weiteres Haus zu stecken. Allerdings, wer glaubt denn im Ernst, dass wenn es zum Schwur und damit zum Finanzkollaps kommt ( … und den werde ich noch erleben, … bin 51J.,), dass meine Immobilie vor dem Zugriff der Finanzbehörden sicher ist. Eine Vermögenssonderabgabe zur Unterstützung maroder EU-Staten ist ja bereits in der EU in Diskussion. Ganz im Ernst: Reales Gold im Keller ist da bestimmt noch die beste Alternative, zumal es anders als Zigaretten, nicht verrottet. Lediglich vor Diebstahl ist es nicht geschützt. Liebe potenzielle Einbrecher: Bei mir lohnt es sich nicht, ich habe noch kein Gold und auch kein Bargeld im Keller; ich sage Bescheid, wenn es soweit ist.
    Viele Grüße,
    Jörg Bartram

    • Avatar

      Michael E.

      3. Mai 2014 13:59 at 13:59

      Hallo Herr Bartam,

      ich habe nun einige Interviews der beiden Herren gelesen und angeschaut. Hochspannend. Kann ich nur jedem empfehlen.
      Sie empfehlen: Keine Schulden (sehr sympathisch), Sachwerte – auch Edelmetalle (bevorzugt anonym erworben), derzeit raten sie eher von Immobilien ab aus denen von Ihnen genannten Gründen.

      Schöne Grüße
      M.E.

  6. Avatar

    Jörg Bartram

    3. Mai 2014 13:50 at 13:50

    Hallo Herr Fugmann,
    können Sie die Einstellung für die Kommentare so ändern, dass der letzte, aktuelle Kommentar stets an oberster Stelle steht. Dass macht das Lesen und das Nachverfolgen der Stellungnahmen einfacher.
    Viele Grüße,
    Jörg Bartram

  7. Avatar

    Michael E.

    3. Mai 2014 14:02 at 14:02

  8. Avatar

    Leo78

    3. Mai 2014 22:09 at 22:09

    Das große Problem ist doch die extrem hohe Verschuldung der gesamten westlichen Welt. Solche Schulden wurden in der Vergangenheit schon immer durch Währungsreformen beseitigt, bei der die Sparer enteignet wurden. Das wird dieses Mal auch nicht anders sein. Deshalb benötigt man Gold und Silber, weil diese Metalle einen inneren Wert besitzen und, anonym erworben, auch nicht ohne weiteres vom Staat konfisziert werden können. Ein Crash mag zunächst zwar deflationär sein, er geht aber einher damit, dass die Leute extreme Angst um ihr Geld haben und alle versuchen, es von der Bank zu holen. Das war auch im Herbst 2008 zu beobachten. Ein solcher Bankrun kann das ganze Bankensystem wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen lassen. Man kann davon ausgehen, dass nach einem Crash des weltweiten Finanzsystems (2008 um ein Haar passiert!), kaum jemand mehr die bunt bedruckten Scheine akzeptieren wird. Besser, man hat dann ein paar Silber- und Goldmünzen zuhause. Bargeld und Lebensmittelvorräte sollten natürlich auch nicht fehlen.

  9. Avatar

    Tkz

    4. Mai 2014 09:07 at 09:07

    Klasse Interview! Endlich mal jemand der die Wahrheit ausspricht.

  10. Avatar

    seppdepp

    4. Mai 2014 22:36 at 22:36

    Hühner, eine Sau und Land auf dem Land, etwas Wald.
    Gold und Silber.
    Arschlecken!

  11. Avatar

    Börsianer

    8. Mai 2014 20:48 at 20:48

    Ich sach nur: Der Mann redet Tacheles. So gefällt es mir.
    Wenn die Bücher so sind wie das Interview, dann werden diese meine neuen Lieblingsbücher.
    Ich bin voller Vorfreude!

  12. Avatar

    erika

    12. Mai 2014 13:48 at 13:48

    Marc Friedrich & Matthias Weik: Finanzkrise – Der Crash ist die Lösung

    http://goo.gl/6hBl1B

  13. Avatar

    Rudolf Zimmerer

    13. Mai 2014 18:46 at 18:46

    Die beiden Autoren machen mit sehr bekannten Fakten viel Geld….Mit anderen Worten es wird wieder das Geschäft mit der Angst gemacht, davon leben diese Autoren….Wissen was passiert tun wir nicht. In der Argentinien kriesen laut Dr. Mark Faber und J. Roggers hatten sich die Aktien am besten bewährt. Erst sind die Aktien nach unten gegangen und dann haben sich die Aktien verdoppelt und so weiter…Also wären Aktien das Beste. Natürlich Edelmetalle und Grundstücke sind auch dabei. Wobei Grundstücke das sicherste sind, aber schwer zu verkaufen sind….Die andere Scenerie wäre eine hohe Inflation von z. B. 30% jedes Jahr und das wird weltweit als Ziel an gesehen… Erst kommt immer die Deflation und dann die große Inflation. So bekämpfen die Notenbanken zur zeit die Deflation mit Gelddrucken und legen die Zukunft für eine noch höhere Inflation.

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finanztreff

Beste aller Welten eingepreist! Videoausblick

Wie zuletzt im Januar und September 2018 glauben die Aktienmärkte, sie lebten in der Besten aller Welten – kein Risiko, nirgends..

Markus Fugmann

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Wie zuletzt im Januar und September 2018 glauben die Aktienmärkte, sie lebten in der Besten aller Welten: die Fed werde ihnen nicht mehr weh tun, es werde einen tragfähigen Deal zwischen den USA und China geben, dazu auch eine Lösung im US-Budgetstreit (heute muß sich Trump entscheiden, ob er den Kompromißvorschlag annimmt oder nicht). Gleichzeitig sind die US-Indizes so überkauft wie seit Ende 2016 nicht mehr (als damals nach einem ersten Schock über die Wahl Trumps eine massive Rally eingesetzt hatte). All das kann noch extremer werden – aber die Vergangenheit lehrt: lange geht so eine Vertrauensseligkeit nicht gut. Der Dax hinkt den US-Märkten weiter hinterher..

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Hintergrund

Dax: Bullenpower sieht anders aus..

Über das radikale Auseinanderdriften der globalen Aktienmärkte..

Markus Fugmann

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Der Dax kann seine Erholung fortsetzen – aber es fehlt dieser Erholung schlicht an Dynamik! Die Anstiege verlaufen langsam, die Abverkäufe dagegen mit hoher Dynamik, sodass der Index – auf die letzten Handelswochen gesehen – ein Schritt nach vorne macht, um dann zwei Schritte wieder zurück zu machen. Von Entwarnung kann daher noch überhaupt keine Rede sein!

Im Chart wird deutlich, wie vergleichsweise gering die Erholung ausgefallen ist bislang:

(Chart durch anklicken vergrößern)

Das sieht nicht nach Bullen-power aus! Eher ein zaghafter Versuch, das Schlimmste abzuwenden – und das trotz der daueroptimistischen Wall Street, die gestern wieder einmal zulegen konnte, vor allem die schwergewichtigen Tech-Werte wie Apple (in Vorfreude auf die heutige Präsentation der neuen Apple-Produkte) und Amazon. Aber auch in den USA gilt: es erreichen mehr Aktien 52-Wochen-Tiefs als 52-Wochen-Hochs, der Anstieg ist von den wenigen Tech-Schwergewichten getragen, der breite Markt sieht deutlich negativer aus. Mithin sind die großen Tech-Werte die Schminke, die die Falten kaschieren – aber man sollte sich nicht von dem Makeup täuschen lassen!

Andernorts ist die Lage völlig anders: der Shanghai Composite ist heute auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren gefallen, die Märke und Währungen der Schwellenländer bleiben unter Druck, auch die europäischen Indizes sind sämtlich charttechnisch angeschlagen. Es ist diese Schizophrenie, die nachdenklich stimmt: leben die Amerikaner auf einem anderen Planeten? Nun, wer Donald Trump als Präsidenten wählt, muß wohl auf einem anderen Planeten leben..

Die Fakten sind: die Fed verknappt die Liquidität, die Schwellenländer daher besonders unter Druck, und der Handelskrieg ist erst in seinem Anfangsstadium. Die Kombination aus diesen Faktoren bringt die ganze Welt uner Druck, nur eben die Amerikaner nicht. Dort hofft man auf NAFTA, glaubt, dass einem der Handelskrieg nichts anhaben könne, und die Fed werde schon brav bleiben und die Zinsen nicht deutlich anheben. Dort also die optmistischste Interpretation der Dinge, überall sonst auf der Welt sehen die Fakten anders aus! Inzwischen ist die Spanne so groß (etwa zwischen amerikanischen und chinesischen Tech-Werten), dass eine Wieder-Annäherung nur eine Frage der Zeit ist – ewig kann man nicht schizophren bleiben..

Für den Dax gilt: erst über dem Widerstand von 12100 Punkten besteht wieder – charttechnisch gesehen – Hoffnung. Besser noch, der Dax überwände den seit Ende Juli bestehenden Abwärtstrend bei 12220/12250 Punkten. Auf der Unterseite ist nun das Tief bei 11860 Punkten entscheidend: noch läßt sich dieses gestern erreichte Verlaufstief als Fehlausbruch nach unten interpretieren – aber wenn dann die 11860 auch noch fallen sollte, wäre das ein klares Zeichen dafür, dass Dynamik auf der Unterseite aufkommen wird..

 


By Josemanuel. – Own work, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1284536

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Allgemein

Tribalisierung statt Globalisierung: Eine Generation geht verloren

Die Globalisierung steht am Beginn eines großen Rückschlags – und eine ganze Generation ist gezwungen, ihre eigenen Werte zu verraten..

Markus Fugmann

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am

Von Markus Fugmann

Ich bin 1969 geboren und entstamme damit einer Generation, die grundsätzlich optimistisch veranlagt ist. Als wir erwachsen wurden, fiel die Mauer, ging die Sojwetunion unter und verschwanden damit gefühlt alle Grenzen, die unseren Drang nach (Bewegungs-)Freiheit begrenzt hatten. Als Jugendliche fürchteten wir die Atomkraft, fürchteten, dass uns Atombomben auf den Kopf fallen – wie einst die Gallier, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fiele.

All das ist nicht passiert. Und mit dem Ende der Sojwetunion und damit dem Ende des Kalten Krieges stand uns die Welt offen, schien eine Art ewiger Frieden erreicht, gewissermaßen das Ende der Geschichte (Fukujama). Wir reisten, probierten uns und das andere Geschlecht aus, alles war möglich, die Globalisierung kam, wir nutzten als erste Generation den Computer, lernten in der Schule programmieren, nutzten das Internet – und drängten heraus in die Welt. Diese Welt, so schien es, wächst zusammen – und wir fanden das gut so, weil es das Spektrum unserer Möglichkeiten vergrößerte.

Nun aber, zu einer Zeit, in der normalerweise diese Generation an die entscheidenden Schaltstellen der Gesellschaft in Politik und Wirtschaft gelangt, haben wir das Gefühl, wir sind irgendwie von gestern. Schon die heute Mitte 30-jährigen sind von uns grundsätzlich verschieden: ja, man kann ins Ausland gehen, aber man will dann zurück kommen, heiraten und ein Haus bauen. Das war so ziemlich das Letzte, was noch unserer Generation als Ideal vorschwebte. Diese Sehnsaucht nach Heimeligkeit war uns fremd, sie ist aber wohl die logische Konsequenz für eine Generation, die das Internet mit der Muttermilch aufgesogen hat und die nun ein Bedürfnis nach kuscheliger Wärme hat – und der es reicht, sich auf Google Maps jene Orte anzuschauen, zu denen wir noch gereist sind.

Es gibt bei dieser jüngeren Generation eine Tendenz zur Abschottung – ebenso wie in den großen Strömungen des Zeitgeists, der sich derzeit Bahn bricht. Dass derzeit rechskonservative Strömungen aufkommen, ist kein Zufall. Das Rad der Geschichte dreht sich gewissermaßen zurück, es gibt einen klaren Gegentrend zur Globalisierung, den ich als „Tribalisierung“ (Rückbesinnung auf den eigenen „Stamm“) bezeichne: ob Trump in den USA, die AfD in Deutschland, die FPÖ in Österreich, Le Pen in Frankreich etc. – das Motto lautet: wir schotten uns ab!

Rechtskonservative Bewegungen hat es auch früher gegeben seit dem Ende des Kalten Krieges – aber sie waren irgendwie aus der Zeit gefallen und hatten daher keine Chance. Diesmal ist das anders. Denn eines ist klar: die massenhafte Immigration nach Europa ist kein Thema, das vorbei gehen wird. Im Gegenteil: es wird immer dringender!

Was wir mit syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen erlebt haben, ist nur der Auftakt, sie sind nur die Vorhut für weit größere Ströme nach Europa. Flüchtlingsströme aus Syrien oder dem Nahen Osten werden irgendwann abebben – der Nahe Osten ist nicht unser größtes Problem. Dagegen werden sich bald Flüchtlingsströme aus Afrika massiv intensivieren, schon aus demografischen Gründen: Afrikas Bevölkerung wird sich bis 2050, also in nur 35 Jahren, von einer Milliarde auf dann zwei Milliarde verdoppeln – nicht weil Afrikanerinnnen mehr Kinder bekämen als früher – im Gegenteil. Nur die Zahl afrikanischer Frauen im gebährfähigen Alter wird aufgrund der demografischen Struktur in den afrikanischen Ländern bald stark nach oben schießen.

Und weil es faktisch keine Perspektive dafür gibt, diese stetig steigende Bevölkerung ausreichend zu versorgen bzw. Jobs zu schaffen, wird ein nicht geringer Teil dieser Menschen nach Europa drängen als einzig logisches underreichbares Ziel. Es geht hier um viele Millionen Menschen, vor allem junge Männer, die in ihren Heimatländern faktisch keine Chance haben, Jobs zu bekommen und Familien zu gründen. Und wir werden uns nicht anders zu helfen wissen, als eine Festung Europa zu errichten, weil diese Einwanderungsströme selbst beim besten politischen Willen nicht zu handhaben sind.

Und vermutlich wird es exakt meine Generation sein, deren Vertreter dann an der Macht sind, die diesen Festungsbau anordnen und ausführen wird. Weil es nicht anders geht, ob man will oder nicht. Und genau deswegen haben die rechskonservativen Strömungen, die genau das jetzt schon fordern, Zukunft. Sie thematisieren das, was auf uns zukommen wird, wollen Homogenität, Sicherheit, etablierte, vor-globalisierte Strukturen zurück – also all das, was meine weltoffene Generation überwiegend eigentlich nicht will. Und trotzdem wird es meine Generation sein, die faktisch die Voraussetzungen dafür schaffen wird.

Darin besteht eine gewisse Tragik: man ist gezwungen, die eigenen Werte zu verraten. Und insofern geht eine Generation verloren, die mit ihrer Humanität und ihrer Offenheit aus der Zeit zu fallen beginnt. Die Zeiten, in denen die Welt noch offen stand, sind jedoch offenkundig vorbei, die Globalisierung weicht der Tribalisierung. Vielleicht wächst dann wenigstens das Verständnis dafür, dass wir in Europa alle in einem, demselben Boot sitzen – und es gar keine Alternative zu einer wie auch immer definierten europäischen Gemeinschaft gibt..

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