Allgemein

Wie Sie ein besserer Investor werden! Investieren: Die Zehn Gebote des Investments

Investieren Investments

Gibt es so etwas wie die zehn Gebote des Investierens? Der wöchentlich erscheinende Podcast der Website „Many Happy Returns“ verfolgt das ambitionierte Ziel, seine Zuhörer zu besseren Investoren auszubilden. Bereits am 5. Oktober erschien die Folge „Die zehn Gebote des Investments“ – wie lauten sie und kann man als Anleger davon profitieren?

Erstes Gebot: Du sollst langfristig investieren – nicht zocken!

Als langfristiger Investor mit einem Anlagehorizont von mehreren Jahren oder Jahrzehnten trifft man in der Regel die besseren Entscheidungen und erhöht die Wahrscheinlichkeit, erfolgreich an der Börse zu investieren. Eine Unternehmung, die ein langfristig belastbares Geschäftsmodell vorweisen kann und konstante Gewinne und Dividenden generiert, mag zwar auf kurze Sicht unter Börsenturbulenzen leiden, auf lange Sicht aber wird sich Qualität durchsetzen. Außerdem hat man so die Möglichkeit, mit einer Investition mehrere hundert Prozent Kursgewinn zu realisieren, aber dafür benötigt es Zeit. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Aktie von Warren Buffetts Berkshire Hathaway oder die Aktie von Phillip Morris International.

Investieren Berkshire

Zweites Gebot: Schenken Sie den Behauptungen von Fondsmanagern keinen Glauben!

Einer der Gründe, warum man dazu neigt, Fondsmanagern zu glauben, ist, dass sie oft sehr intelligente und charismatische Persönlichkeiten sind. Außerdem wird ein Argument gerne herangezogen, um den Vorteil von aktiv gemanagten Fonds hervorzuheben, nämlich „das in diesem aktuellen Umfeld, sei es nun ein Bullen- oder Bärenmarkt, die Auswahl der einzelnen Aktien entscheidend sei.“

Die Behauptung, man könne damit den Index schlagen, ist statistisch nicht überzeugend nachweisbar. Es wird immer irgendjemanden geben, der den Index temporär schlägt, aber das ist kein Garant für die Zukunft. Bestes Beispiel ist Cathie Woods, die mit ihren ARK Fonds während der Pandemie eine sehr gute Performance erzielte, in diesem Jahr aber kläglich scheitert. Insbesondere sollte man als Investor darauf achten, ob die Entlohnung des Fondsmanagement performanceabhängig ist. Cathie Wood kann es nämlich fast egal sein, wie ihr Fond abschneidet, solange sie ihre jährliche Management-Gebühr, die Prozentual vom Fondsvermögen berechnet wird, erhält. Genauso wichtig ist es zu prüfen, warum ein Fonds eine bessere Performance als der Markt aufweist. Denn ein gehebelter Long-only Fonds wird in einem Bullenmarkt immer besser abschneiden. Ein Investment in ein ETF-Indexfond ist oft die bessere Alternative. Hier eine Studie von ScopeExplorer, die aktiv gegen passiv gemanagte Fonds vergleicht.

Drittes Gebot: Du sollst diversifizieren!

Es gibt zwei Arten von Diversifikation. Eine Diversifikation unter verschiedenen Anlageklassen, die eine negative Korrelation zueinander haben, schmälert oft die Rendite, da zwangsläufig eine Anlageklasse schlecht performen wird. Entscheidend ist, sich Vergleichsperioden in der Vergangenheit zu suchen und diese zu analysieren. In einem inflationären Umfeld sind Bonds und Aktien schlecht gelaufen, während der Pandemie waren es Gold und Bonds, die besonders gut liefen. Viel wichtiger ist die Diversifikation innerhalb der Anlageklasse, denn man sollte nicht die Nadel im Heuhaufen suchen, sondern lieber gleich den ganzen Heuhaufen kaufen.

Viertes Gebot: Beachte die Gebühren, die jährlich anfallen!

Eine Studie der britischen Financial Conduct Authority (FCA) kam zu dem Ergebnis, dass den meisten Anlegern gar nicht bewusst war, wie viele Gebühren jährlich bei ihren Investments anfallen. Aber schaut man sich die Glas- und Marmorpaläste der Finanzindustrie an, sei es in der City of London oder im Finanzdistrikt von New York, und blickt man auf die teilweise unverschämt hohen Gewinne, die solche Finanzinstitute ausweisen, wird klar, dass das nicht von der guten Performance der Fondsmanager kommt.

Es sind die Gebühren der Anleger, die das alles finanzieren – also wir! Vor allem die nicht auf den ersten Blick ersichtlichen Gebühren sind langfristige Renditekiller. Als Richtwert für einen günstigen Fonds geben die Autoren 0,2 Prozent an, mehr sollte eine Anlage nicht an jährlichen Gebühren verschlingen. Es gibt auch Fonds, die keine Gebühr veranschlagen, da sie Aktien verleihen können und somit Einnahmen generieren, das funktioniert allerdings nur bei sehr großen Fonds. So gibt es einige S&P500-Fonds, die ohne Gebühren vom Anleger auskommen. Auch die sogenannte „Plattform-Fee“ sollte beachtet werden, schließlich muss ihr Broker oder ihre verwaltende Bank ihr Konto führen, Personal bezahlen etc. Auch diese Gebühren sollte der Anleger im Auge behalten.

Fünftes Gebot: Beachte die Basisrate und die aktuelle Bewertung

Mit „Basisrate“ ist ein Begriff aus der Statistik gemeint. Die „Basisrate“ gibt den Wert an, der ohne außergewöhnliche externe Einflüsse am Wahrscheinlichsten ist. Ein Beispiel ist die durchschnittliche Rendite am Aktienmarkt. Gehen Sie nicht automatisch davon aus, dass Sie diese schlagen können, nur weil Sie sich für intelligent und außergewöhnlich smart halten.

Und gehen Sie nicht automatisch davon aus, dass Sie der neue Warren Buffett sind. Um eine gute Vorhersage zu machen, ist ein Blick auf diesen Wert maßgeblich für den Erfolg Ihrer Vorhersage. In einem durchschnittlichen Börsenjahr ist die Rendite von Aktien gegenüber Anleihen um vier Prozent höher, alleine mit diesem Wissen können Sie sich einen entscheidenden Vorteil bei Ihrer Anlageentscheidung verschaffen. Gerade auf lange Sicht zahlt sich das dann besonders aus. Für Bitcoin gibt es kaum historische Daten und somit keine fundierte „Basisrate“, so dass dort die Erwartungen teilweise viel zu hoch sind.

Der zweite Teil des fünften Gebotes befasst sich mit der aktuellen Bewertung der Anlageklassen. Schauen Sie sich das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis an und vergleichen Sie es mit dem zehnjährigen Durchschnitt. Sollten die aktuelle Bewertung deutlich über dem historischen Durchschnitt liegen, ist dies vielleicht nicht der beste Zeitpunkt, um zu investieren. Denn langfristig tendiert alles zurück zu seinem Mittelwert, insbesondere bei großen Indizes. Umgekehrt, wenn die aktuelle Bewertung deutlich unter der historischen Bewertung liegt, ist ein guter Zeitpunkt, um zu investieren, denn auch hier gilt: langfristig kehrt alles zurück zu seinem Mittelwert. Aber auch „zu günstig“ bewertete Unternehmen mahnen zur Vorsicht, denn auch hier gibt es meist einen triftigen Grund für diese Bewertung.

Sechstes Gebot: Folge nicht dem Lockvogle (Shill)!

„Shill“ ist ein Begriff aus dem Urban Dictionary und bedeutet so viel wie „Lockvogel“. Gemeint ist damit zum Beispiel eine Bewertung/Rezension aus dem Internet wie „was für ein toller Artikel! Obwohl ich von Natur aus eher misstrauisch und sehr anspruchsvoll bin, hat dieser Artikel alle meine Erwartungen übertroffen und ist jeden Cent wert. Eine wirklich tolle Anschaffung, die ich keine Sekunde bereut habe!“ Dies ist also eventuell eine gekaufte Fake-Bewertung! Noch gefährlicher wird das Ganze, wenn der „Lockvogel“ eine bekannte Persönlichkeit ist, die, ohne es zu erwähnen, natürlich auch dafür bezahlt wird, solche Äußerungen zu verbreiten.

Ein gutes Beispiel ist Kim Kardashian, die am 3. Oktober dieses Jahres von der SEC (Securities and Exchange Kommission; amerikanische Börsenaufsicht) zu einer Geldstrafe von 1,26 Millionen US-Dollar verurteilt wurde, weil sie auf ihrem privaten Instagram-Profil für die Kryptowährung EtheriumMax geworben hatte, ohne anzugeben, dass sie von den Entwicklern mit 250.000 US-Dollar dafür entlohnt wurde. Frau Kardashian hat die Strafe sofort akzeptiert, schließlich ist sie laut dem Forbes Magazin seit 2021 als Milliardärin gelistet und solvent genug, die Strafe mit einem bezaubernden Lächeln zu begleichen. Neben der Geldstrafe wurde sie auch dazu verurteilt, drei Jahre lang keine Werbung für Kryptowährungen zu machen. Grundsätzlich sollten Sie sich immer die Frage stellen, bevor Sie den Kauf-Knopf drücken: welche Ereigniskette war maßgeblich für diese Kauf-Entscheidung verantwortlich?

Siebtes Gebot: Warte nicht auf den perfekten Zeitpunkt, um zu investieren!

Grundsätzlich sollte man nur Geld investieren, dass man auf der hohen Kante liegen hat und nicht unmittelbar benötigt. Da es fast nur rückblickend möglich ist, den perfekten Zeitpunkt für eine Investition festzustellen, sollten sich Anleger entspannen und nach qualitativ hochwertigen Unternehmen suchen, die günstig bewertet sind. Sonst läuft man Gefahr, insbesondere wenn man hochriskante Investitionen tätigt, denen ein zeitlicher Verfall droht (z.B. Optionen), zwar die richtige Idee zu verfolgen, aber den falschen Zeitpunkt erwischt zu haben, bevor die erwartete Marktreaktion eintritt. Mitten in eine Krise hinein zu investieren mag mental schwierig sein, schließlich ist die Nachrichtenlage meist desaströs und beängstigend. Aber, jeder Index erholt sich irgendwann wieder und jedes Qualitätsunternehmen findet wieder zu einer marktgerechten Bewertung zurück. Falls nicht, so die Autoren, befinden wir uns wahrscheinlich alle unter der Erde und über uns tobt ein atomarer Krieg.

Achtes Gebot: Jage den Renditen nicht hinterher!

Dieses Gebot könnte auch von André Kostolany stammen, der sagte: „Du sollst den Straßenbahnen nicht hinterher rennen, die nächste kommt bestimmt.“ Oft tendieren Anleger dazu, Trends hinterher zu rennen und erst zu investieren, wenn der Wert oder die Anlageklasse bereits stark angestiegen ist. Im besten Fall erlebt der Anleger ein kurzes Gefühl der Freude, bevor der Wert oder die Anlageklasse dann unter den Einstandskurs rutsch. Auch hier kommt einem wieder André Kostolany in den Sinn, der sagte: „Der zweitschönste Tag im Leben eines Aktionärs ist, wenn der Einstandskurs wieder erreicht wird.“ Sollten Sie aber in einen sogenannten „Quant“- oder „Algo“ – Fond investieren, kann eine Momentum-Strategie sehr erfolgreich sein, denn diese Fonds handeln rein nach Programm. Der Mensch verpasst oft den idealen Zeitpunkt zum Ein- oder Ausstieg, da Emotionen hier bei den Entscheidungen eine große Rolle spielen.

Neuntes Gebot: Investiere nicht in Anlageklassen, die Du nicht verstehst!

Die Börsenwelt ist viel komplexer, als die meisten Anleger zu verstehen glauben. Nur weil man ein paar Berichte gelesen und zufälligerweise ein paar Börsengewinne erzielt hat, verführt das die meisten Anleger zu der Annahme, sie seien der neue „Warren Buffett“ und hätten an der Börse alles im Griff. Es mag solche Ausnahmetalente geben, aber für die meisten unter uns trifft das wohl nicht zu. Wahrscheinlich haben wir einfach nur in einem Bullen-Markt Profite gemacht. Gerade wenn man sich die letzten zehn Jahre rückblickend anschaut, war es nicht schwer, an der Börse durch eine einfache Buy-and-Hold-Strategie Geld zu verdienen. Dieser Erfolg ist aber der ausufernden Geldpolitik der Notenbanken zu verdanken und weniger ihrer „genialen“ Anlagestrategie. Suchen Sie also nach einem Geschäftsmodell, dass Sie auch verstehen und beachten Sie dabei die vorherigen Gebote!

Zehntes Gebot: Kopiere nicht das Portfolio deines Nachbarn!

„Copy-Trading“ mag auf den ersten Blick verlockend klingen, aber nicht jede Strategie und nicht jedes Portfolio eignet sich für die eigene Anlagestrategie. Nur weil ihr Nachbar einen schnellen Sportwagen vor der Garage stehen hat, ist dieses Auto für Ihre Bedürfnisse vielleicht völlig unpassend, weil Sie vier Kinder und einen Hund haben. Genauso kann es mit dem Portfolio eines erfolgreichen Traders sein, der eventuell unglaublich hohe Risiken eingeht und Drawdown-Phasen durchhält, die Sie mental kaum durchstehen werden. Seien Sie also ehrlich zu sich selbst und investieren Sie so, wie Sie es mental verkraften können.

Fazit: Ein erfrischender Podcast mit interessanten Anregung für die eigene Anlagestrategie. Gott gab uns die zehn Gebote – leider ohne Investments-Tipps..

Wenn Sie dem Marktgeflüster von Markus Fugmann folgen, kommt Ihnen sicherlich noch ein elftes Gebot in den Sinn: „Don´t fight the FED!“ Viel Erfolg bei der Wahl Ihrer persönlichen Anlagestrategie wünschen Ihnen die Redakteure von Finanzmarktwelt.



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

5 Kommentare

  1. Es ist immer wieder beeindruckend, wie schlecht die allseits bekannten, vergötterten und dauerinterviewten „aktiven“ Fondsmanager im Vergleich zu einem breit gestreuten ETF abschneiden.
    Je aktiver sie sind, desto schlechter performen sie!
    Erinnert mich an den Fluglehrer von Herbert von Karajan, der ihm die wichtigste Fliegerregel einbläute: “Don‘t disturb it“.
    Würde an der Börse bedeuten: „Störe den Markt nicht“.

  2. Hallo Columbo,

    das ist aber ein sehr modisches Gefühl. Die Welt rettet sich seit 2008 mit Gelddrucken über die Zeit.
    Unter diesen Bedingungen lief der breite Markt weiter, Pleitekandidaten wurden am Leben gehalten und Growth hatte einen extremen Vorteil vor Value, weil seine Erträge in der Zukunft anfallen. Insgesamt ein Vorteil für Index-ETFs.

    Das war jedoch ein sehr besonderes Marktumfeld. Zu allen anderen Zeiten hatten wir ein anders Bild: die guten Fondsmanager und Vermögensverwalter haben den Markt dauerhaft übertroffen, die weniger guten eben nicht.

    Aber nach dem wir jetzt eine Menge Zombies herangezüchtet haben und die FED gerade dabei ist, denen das kostenlose Geld zu entziehen, ist es wieder sinnvoll, sich mit aktivem Anlagemanagement zu befassen.

    Ich gehe mal einen Schritt weiter: was, wenn ein neues „1929“ schon war? Wenn die Titanic den Eisberg schon gerammt hat? Die Musik spielt noch und die Pumpen laufen. Aber ist das der richtige Moment für „weiter so“?

    1. Hallo Felix,

      bei der Bezeichnung „aktiver Fondsmanager“ beschleicht mich ein „altmodisches Gefühl“.
      Das Berufsbild wird in Zeiten von K.l., Hochfrequenzhandel und Quantencomputer wohl aussterben.
      Schon jetzt weisen Leute wie Gerd Kommer nach, dass diese Leute nicht mehr zeitgemäß sind.
      Ein paar Buntspechte und Unterhaltungskünstler wird es in der Branche natürlich immer geben, aber Geld wird ihnen keiner mehr anvertrauen.

  3. Die zehn Gebote des Investments…, schön kompakt zusammengefasst. Klingt alles so simpel und wie schon hundertmal gelesen oder gehört. Aber genauso ist es doch! Ich halte mich weitgehendst daran. Das Gebühren-Beachtungs-Gebot ist tatsächlich das von mir am ungenügendst beachtetes Gebot. Zumindest in den Anfangsjahren. Danke für diese schlüssige Zusammenfassung!

  4. Wow Danke, da kamen schon Antworten zu meinen Fragen die ich für das Seminar gemailt hatte, vor dem Seminar.
    Big Up 👍 da bin ich sehr positiv überrascht 🙏!

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage