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Risiko eines Flächenbrands Iran-Deal in Gefahr: Trumps Strategie droht zu scheitern

Iran-Deal in Gefahr: Trumps Strategie droht zu scheitern
Grafik: ChatGPT

Donald Trump erwägt gezielte Militärschläge gegen den Iran, um Teheran zu einem neuen Atomabkommen zu zwingen. Doch Angriffe auf iranische Atomanlagen und Militärziele könnten die Verhandlungen torpedieren, die regionale Sicherheit im Nahen Osten gefährden und einen neuen, destabilisierenden Konflikt auslösen.

Iran-Deal in Gefahr

US-Präsident Donald Trump prüft nach eigenen Angaben begrenzte Militärschläge, um den Druck auf den Iran in den laufenden Atomverhandlungen zu erhöhen. Laut einem Bericht von Bloomberg könnte eine militärische Eskalation jedoch genau das Gegenteil bewirken: Statt eines neuen Nuklearabkommens droht eine Spirale aus Vergeltungsschlägen – mit erheblichen Risiken für die Stabilität im Nahen Osten.

Das Pentagon hat seine Militärpräsenz in der Region massiv ausgebaut. Zwei Flugzeugträger, Kampfflugzeuge sowie Tankflugzeuge wurden entsandt, wodurch Trump sowohl begrenzte als auch ausgeweitete Operationen gegen den Iran in Betracht ziehen könnte. Diese sichtbare Machtdemonstration unterstreicht die militärischen Optionen der USA – wirft jedoch zugleich Fragen nach der strategischen Zielsetzung auf.

USA vor Angriff auf den Iran? - Trump-Deal droht zu scheitern
Die USA bauen ihre militärische Präsenz im Nahen Osten aus.

Diplomatie unter Druck

Unklar bleibt, welche konkreten Bedingungen Washington tatsächlich an ein neues Abkommen mit Teheran knüpft. Trump und Vertreter seiner Regierung äußerten sich wiederholt widersprüchlich über Umfang und Inhalte eines möglichen Deals. Iran-Experten warnen, dass Bombardierungen während laufender Verhandlungen ein Abkommen faktisch unmöglich machen könnten.

Ein ranghoher Regierungsvertreter aus der Region erklärte, Teheran würde Gespräche vermutlich sofort aussetzen, sollte es zu einem US-Angriff kommen. Barbara Slavin vom Stimson Center in Washington betonte, militärische Drohungen allein – selbst ohne tatsächliche Umsetzung – reduzierten die Kompromissbereitschaft Irans erheblich. Ein erneuter Angriff würde die diplomatischen Chancen weiter minimieren.

Zwar setzte Trump eine Frist von zehn bis fünfzehn Tagen, doch bleibt offen, welchen strategischen Mehrwert neue Luftschläge tatsächlich bringen würden. Bereits im Juni bombardierten die USA und Israel umfangreich iranische Atomanlagen und Luftverteidigungssysteme. Trump erklärte damals, zentrale Anlagen zur Urananreicherung seien „vollständig und restlos zerstört“ worden – „zentrale Anlagen zur Urananreicherung wurden vollständig und restlos zerstört“.

Ein mögliches Ziel weiterer Angriffe könnten Irans ballistische Raketen sein. Allerdings besteht laut Slavin das Risiko, dass Teheran diese vor ihrer Zerstörung gegen US- oder alliierte Ziele einsetzt.

Israels Rolle und die Urananreicherung

Israels Premierminister Benjamin Netanjahu drängt seit Jahren auf härtere Maßnahmen gegen das iranische Atomprogramm. Seine Regierung führte zuletzt militärische Operationen in Gaza und im Libanon durch und bombardierte Ziele in Syrien und Iran. Bei einem jüngsten Besuch in Washington warb Netanjahu für umfassendere Forderungen in den Gesprächen zwischen dem Weißen Haus und Teheran.

Trump selbst formulierte seine Botschaft an die iranische Bevölkerung unmissverständlich: „Sie sollten besser ein faires Abkommen aushandeln.“

Der US-Sondergesandte für den Nahen Osten, Steve Witkoff, erklärte im US-Fernsehen, eine „Null-Anreicherung“ sei nicht verhandelbar. Zudem müsse nukleares Material außer Landes gebracht werden – „Wir müssen das Material zurückbekommen“. Iran sei womöglich nur eine Woche davon entfernt, waffenfähiges Material in industriellem Maßstab zu produzieren.

Diese Maximalforderungen stehen jedoch im Widerspruch zu Berichten aus Teheran. Laut der halbamtlichen Nachrichtenagentur ISNA konzentrieren sich die indirekten Gespräche bislang auf technische Aspekte des Atomprogramms, etwa Standort, Anzahl und Leistungsgrad der Zentrifugen. Demnach hätten US-Vertreter die iranische „rote Linie“ einer fortgesetzten Urananreicherung akzeptiert.

Trump-Plan: Risiko eines Flächenbrands

Trump hat in der Vergangenheit schnelle, begrenzte Militäroperationen bevorzugt – unter anderem in Jemen, Syrien und Nigeria. Doch ein Angriff auf den Iran könnte eine umfassendere Gegenreaktion auslösen. Historisch habe Teheran nicht im Sinne amerikanischer Annahmen reagiert, betont Becca Wasser von Bloomberg Economics. Luft- und Raketenangriffe wirkten für politische Entscheidungsträger attraktiv, da sie aus der Distanz erfolgen und schnelle Erfolge versprechen. In der Praxis würden begrenzte Kampagnen jedoch häufig zu „langwierigen, kostspieligen Unternehmungen“.

Ein ehemaliger US-Regierungsvertreter verweist darauf, dass ein präventiver Schlag insbesondere iranische Anti-Schiffs-Raketenstellungen treffen könnte, um die Gefährdung ziviler Ziele zu minimieren. Dennoch bliebe Teheran zu Vergeltung fähig. Möglich seien Angriffe mit Kurz- und Mittelstreckenraketen auf US-Stützpunkte in der Region sowie die Aktivierung regionaler Verbündeter und Milizen.

Der frühere Nahost-Gesandte Dennis Ross analysiert, beide Seiten spielten auf Zeit. Der Iran signalisiere die Bereitschaft zu einem langen Konflikt – in dem Wissen, dass Trump genau das vermeiden wolle. Gleichzeitig mache Trump deutlich, dass das Regime einen bislang unbekannten Preis zahlen werde. Ross fasst die Lage nüchtern zusammen: „Keine Seite will einen Krieg.“

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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4 Kommentare

  1. ..Donald Trump erwägt gezielte Militärschläge gegen den Iran…

    Bei gezielten Angriffe auf den Iran wird das iranische Volk noch mehr dem jetzigen Regime huldigen.
    Eine Eroberung des Iran ist aber nicht möglich.
    Eine iranische Hyperschallrakete und der erste Flugzeugzräger ist zumindest außer Gefecht gesetzt.
    Mal sehen, ob/ was die Russen und die Chinesen den Iranern für hochmoderne Waffen geliefert haben.
    Hier meine ich:
    Die USA kann keinen Krieg gegen den Iran gewinnen oder verlieren.
    Eben so ist es aber auch beim Iran.
    Ich denke aber, dass die Israelis vielleicht Atomwaffen einsetzten werden, um die Atomanlagen des Iran zu knacken. Begründet dadurch, dass eine Vernichtung durch den Iran verhindern müssen.
    Und der Iran hat mehrfach damit gedroht, Israel auszulöschen. Was mit ein paar Atombomben, bei dem kleinen Land, leicht zu bewerkstelligen sein wird.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  2. Religionsführer Ajatollah Seyyed Ali Khamenei, bei dem der Handlungsbedarf in Sachen Zusammenspiel mit den Antisemiten innerhalb der Hamas liegt, fordert zu recht, daß der 47. US-Präsident Donald John Trump mit dem OPEC+-Mitgliedsland Islamische Republik Iran auf Augenhöhe agiert. Schon der 45. US-Präsident Donald John Trump war ein iranpolitischer Verbrecher.

  3. Es gab schon amerikanisch-israelische „Schläge“ gegen das iranische Waffenprogramm, die angeblich sehr erfolgreich waren. Zumindest nach Angaben von Trump. Ist nur wenige Monate her. Damals konnte man Stimmen vernehmen, die das anderes sahen. Tja.

  4. Niemand will Krieg. Aber will jemand einen iranischen Gottesstaat mit Atomwaffen?
    Wenn die Antwort „nein“ lautet, ist die Frage, was außer Krieg noch an Möglichkeiten besteht?

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